{"id":667949,"date":"2025-12-24T01:09:21","date_gmt":"2025-12-24T01:09:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/667949\/"},"modified":"2025-12-24T01:09:21","modified_gmt":"2025-12-24T01:09:21","slug":"israels-oberrabbiner-zu-gast-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/667949\/","title":{"rendered":"Israels Oberrabbiner zu Gast in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Das vergangene Gemeindewochenende der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern war nicht nur Treffpunkt f\u00fcr zahlreiche Gemeindemitglieder \u2013 es war auch ein kraftvolles Statement des j\u00fcdischen Lebens in M\u00fcnchen. Bereits zum Auftakt wurde es feierlich: Zum Schabbatessen im pr\u00e4chtig geschm\u00fcckten Hubert-Burda-Saal begr\u00fc\u00dfte niemand Geringeres als der aschkenasische Oberrabbiner des Staates Israel, Kalman Ber, die Anwesenden.<\/p>\n<p>Am Samstag luden nach festlichem Schabbat-Gottesdienst und Kiddusch eine Reihe von Workshops zur Teilnahme ein. Das Angebot reichte dabei von Rhetorik-Workshops \u00fcber thematische Stadtf\u00fchrungen bis hin zu politischen Fragen. So wurde etwa diskutiert, wie sich das j\u00fcdische Studentenleben in Zeiten wachsender Bedrohungen behaupten k\u00f6nne und welche Mythen sich \u00fcber den Nahostkonflikt besonders hartn\u00e4ckig hielten.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt des Wochenendes bildete zweifellos die Pr\u00e4-Chanukka-Party am Samstagabend. Aus Israel war dazu der S\u00e4nger Imri Ziv angereist, der gemeinsam mit der Showband NOYA hebr\u00e4ische Klassiker und israelische ESC-Songs zum Besten gab. In ihrer Er\u00f6ffnung betonte IKG-Pr\u00e4sidentin Charlotte Knobloch die Bedeutung von Chanukka als Symbolfest des Lichts, das daf\u00fcr stehe, \u00bbdass die Finsternis nicht das letzte Wort beh\u00e4lt. Das ist jedes Jahr wieder wundersch\u00f6n \u2013 und: Es ist n\u00f6tig!\u00ab<\/p>\n<p>Ehrenpreise wurden verliehen <\/p>\n<p>Wie im Vorjahr wurden im Rahmen der Feier die Ehrenpreise der Kultusgemeinde verliehen, die Uschi Glas, Guy Katz und Jil Meiteles (vertreten von ihrem Vater Benny Meiteles) f\u00fcr ihr Engagement in der Initiative \u00bbRun for their Lives\u00ab erhielten. Katz erinnerte in seiner Preisrede an die Geschichte seiner Gro\u00dfeltern. Angesichts von allem, was sie durchgemacht h\u00e4tten, k\u00f6nne er selbst nur fragen: \u00bbUnd ich soll Angst haben?\u00ab <\/p>\n<p>Zum Abschluss des Abends wurde ausgew\u00e4hlten Gemeindemitgliedern, die sich durch besonderes ehrenamtliches Engagement hervorgetan hatten, die Ehre zuteil, insgesamt zw\u00f6lf \u00bbMizwa-Kerzen\u00ab zu entz\u00fcnden. Vertreten waren Repr\u00e4sentanten der Chewra Kadischa, des Frauenvereins Ruth, der Mitzwe Makers, der sozialen Klubs der Gemeinde und des Verbands j\u00fcdischer Studenten in Bayern. <\/p>\n<p>Andy Weinberger, der gemeinsam mit seiner Frau Ester durch gro\u00dfz\u00fcgige Zuwendungen die Verpflegung Trauernder erm\u00f6glicht, widmete seine Kerze dem im Februar verstorbenen und in der Gemeinde hochgesch\u00e4tzten David Stopnitzer sel. A.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Frage der Heimat: \u00bbM\u00fcssen wir wieder die Koffer packen?\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zwei Podiumsdiskussionen beschlossen das Gro\u00dfevent am Sonntag. Im ersten Panel, moderiert von Shahrzad Osterer, diskutierten Manfred Hauser, Pr\u00e4sident des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin D\u00fczen Tekkal sowie der Journalist Richard C. Schneider unter dem Titel \u00bbBedroht von allen Seiten?\u00ab dar\u00fcber, \u00bbwie radikale Allianzen Gesellschaft, Freiheit und j\u00fcdisches Leben herausfordern\u00ab.<\/p>\n<p>Tekkal bezog klar Stellung zum vielgestaltigen Antisemitismus, der heute insbesondere von rechtsextremen, islamistischen und auch linksextremen Gruppen komme. Als kurdisch-jesidische Frau, die offen \u00fcber Antisemitismus spreche, werde sie selbst oft zur Zielscheibe. Richard C. Schneider betonte, dass der Antisemitismus innerhalb der progressiven Linken kein neues Ph\u00e4nomen sei, sondern auch schon zur Zeit des Sechstagekriegs pr\u00e4sent gewesen sei. Hauser und Tekkal warnten vor der Wirkung von sozialen Medien als Brandbeschleuniger politischer Bedrohungen. Dort w\u00fcrden antisemitische Diskurse verst\u00e4rkt und Vertrauen in die Demokratie untergraben.<\/p>\n<p>Charlotte Knobloch er\u00f6ffnete die Runde mit einer eindringlichen Ansprache<\/p>\n<p>Im zweiten Panel mit dem Titel \u00bbM\u00fcssen wir unsere Koffer wieder packen?\u00ab kamen Laura Caz\u00e9s, Autorin dieser Zeitung und Leiterin der Abteilung Kommunikation und Digitalisierung bei der ZWST (Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland), Philipp Peyman Engel, Chefredakteur der J\u00fcdischen Allgemeinen, und der \u00f6sterreichische Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici unter Moderation von Awi Blumenfeld ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Charlotte Knobloch er\u00f6ffnete die Runde mit einer eindringlichen Ansprache. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf eine Chanukka-Feier in Sydney fragte sie mit Blick auf den Titel der Veranstaltung, welche Ziele es f\u00fcr j\u00fcdische Menschen mit gepackten Koffern noch gebe. In Bezug auf Deutschland betonte die Pr\u00e4sidentin dennoch, das Land habe \u00bbbewiesen, dass es sich im Zaum halten kann. Dass es eine j\u00fcdische Heimat sein kann und sein will.\u00ab Auch wenn dieses j\u00fcdische Leben in Deutschland Kraft koste und in einer \u00bbSplit-Screen-Realit\u00e4t\u00ab stattfinde, in der ein umfangreiches Gemeindeleben und barbarische Angriffe auf j\u00fcdische Menschen und Einrichtungen nebeneinanderst\u00fcnden.<\/p>\n<p>Der Rabbiner verband die Zeremonie mit einem Gedenken an die Opfer in Sydney<\/p>\n<p>Laura Caz\u00e9s verwies darauf, dass viele j\u00fcdische Menschen in Deutschland sich die Frage von \u00bbbleiben oder gehen\u00ab nicht stellten, da sie gar nicht die M\u00f6glichkeit, soziale Stabilit\u00e4t oder Mobilit\u00e4t h\u00e4tten, frei zu w\u00e4hlen, wo sie leben m\u00f6chten. Nach dem Zerbrechen vieler gesellschaftlicher Allianzen dr\u00e4nge sich, so Doron Rabinovici, ohnehin die Frage auf: \u00bbWas tun wir, w\u00e4hrend unsere Demokratie in Gefahr ist?\u00ab <\/p>\n<p>Philipp Peyman Engel beobachtete ein Unsichtbarwerden j\u00fcdischer Identit\u00e4t am Beispiel Berlin. Schon lange trage in seinem Umfeld niemand mehr eine Kippa auf der Stra\u00dfe. Er sieht dabei die nicht\u00adj\u00fcdische Gesellschaft st\u00e4rker in der Pflicht, Zivilcourage zu zeigen \u2013 und zwar nicht nur, wenn die AfD im Fokus steht, sondern auch beim Thema muslimischen und linken Judenhass. <\/p>\n<p>Das anschlie\u00dfende Z\u00fcnden der ersten Chanukka-Kerze durch Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman markierte das Ende des Gemeindewochenendes. Der Rabbiner verband die Zeremonie mit einem Gedenken an die Opfer in Sydney.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das vergangene Gemeindewochenende der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern war nicht nur Treffpunkt f\u00fcr zahlreiche Gemeindemitglieder \u2013 es&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":667950,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,573,574,29,30,411,570,576,572,80,1268,14,16,575,571],"class_list":{"0":"post-667949","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-berichte","10":"tag-blogs","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-israel","14":"tag-juedische-allgemeine","15":"tag-juedisches-leben","16":"tag-kommentare","17":"tag-kultur","18":"tag-muenchen","19":"tag-nachrichten","20":"tag-politik","21":"tag-religion","22":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115771877951440988","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/667949","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=667949"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/667949\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/667950"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=667949"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=667949"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=667949"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}