{"id":668478,"date":"2025-12-24T06:40:26","date_gmt":"2025-12-24T06:40:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668478\/"},"modified":"2025-12-24T06:40:26","modified_gmt":"2025-12-24T06:40:26","slug":"warum-immer-mehr-menschen-obdachlos-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668478\/","title":{"rendered":"Warum immer mehr Menschen obdachlos werden"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig. Sie werden mehr. Und sie werden sichtbarer, weil auch sie einen Platz brauchen. Zunehmend liegt der am gesellschaftlichen Rand. Weil Armut, Obdachlosigkeit und Verwahrlosung nicht im Sichtfeld einer Stadtgesellschaft liegen, schauen wir oft an ihnen vorbei. Warum ist das so? <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Zahl von Menschen in Leipzig, die in Folge von Mietschulden, Schicksalsschl\u00e4gen oder Suchtkrankheit, durch psychische oder wirtschaftliche Notlage ihre Wohnung verlieren oder kurz davor stehen, w\u00e4chst rasant. Ein subjektiver Eindruck, der sich objektiv belegen l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In der Innenstadt besonders. \u201eDer Andrang bei uns ist deutlich gestiegen\u201c, sagt Sophie Wischnewski, Leiterin der Bahnhofsmission am Leipziger Hauptbahnhof. \u201eAktuell verzeichnen wir t\u00e4glich rund 230 Kontakte.\u201c Zum Vergleich: Im Herbst 2023 kamen t\u00e4glich etwa 60 bis 80 Leute in die R\u00e4ume der Caritas-Einrichtung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Offene Ohren, Beratung und Kaffee: Sophie Wischnewski von der Bahnhofsmission.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/FUGRGZC36FGMVNUMHOP4ILF72Q.jpg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Im Aufenthaltsraum der Bahnhofsmission haben maximal 20 Menschen Platz, der Bedarf ist deutlich h\u00f6her. \u201eDeswegen halten sich viele Besucherinnen und Besucher vor dem Eingang auf und holen sich einen Kaffee oder Tee ab\u201c.<\/p>\n<p>\u201eTafel\u201c nachgefragt wie nie<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch im Leipziger Westen bei der Tafel macht sich der Trend bemerkbar. Leiterin Kristina Schulze spricht von einer durchgehend hohen Nachfrage. \u201eWir haben seit L\u00e4ngerem einen Aufnahmestopp.\u201c Deshalb sei auch die Warteliste aus Kapazit\u00e4tsgr\u00fcnden eingestellt worden. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Das Licht im Advent kann f\u00fcr die Tafeln in Leipzig und der Region scheinen: \u00dcber 300 000 Euro kamen an Spenden bei der LVZ-Aktion zusammen.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ZQLR6XG6SEZO3TL2AYIEV5WIFY.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eWenn wir mehr Lebensmittel gespendet bekommen, als f\u00fcr unsere angemeldeten Tafel-Kunden ben\u00f6tigt, geben wir an Personen mit Leipzig-Pass sogenannte Notpakete aus.\u201c Dieses Angebot werde viel genutzt und \u00fcberbr\u00fccke das Warten bis zu einer Aufnahme.<\/p>\n<p>Andrang in der Kontaktstube \u201eOase\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wer die Wohnungslosenhilfe \u201eOase\u201c der Diakonie Leipzig in der N\u00fcrnberger Stra\u00dfe betritt, merkt: Hier ist richtig viel los. Fast jeder Stuhl ist mittags besetzt, es wird gegessen und gequatscht. Selbst drau\u00dfen vor der T\u00fcr stehen und sitzen einige Menschen in der winterlichen K\u00e4lte. T\u00e4glich besuchen rund 100 Menschen die Kontaktstube. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">F\u00fcr Benjamin M\u00fcller, Leiter der Oase, ist die Einrichtung seit Jahren ein Gradmesser daf\u00fcr, wie sich Armut und Wohnungslosigkeit in Leipzig entwickeln. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">M\u00fcller geht etwa von einer Vervierfachung der Wohnungslosen in den letzten Jahren aus. \u201eDie Gesamtzahl der Betroffenen steigt, sie werden j\u00fcnger, psychisch labiler und internationaler\u201c, sagt er. Das individuelle seelische Leid habe dabei deutlich zugenommen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Benjamin M\u00fcller ist Leiter der \u00f6kumenischen Kontaktstube f\u00fcr wohnungslose Menschen \u201eLeipziger Oase\u201c. \" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/JSAHBK4RCRCQ3NSFAXS4H5ICH4.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aber es geht nicht nur um Obdachlose. Gleichzeitig k\u00fcndige sich eine neue Welle an: Studierende suchten vermehrt Hilfe, weil sie in Leipzig keine Wohnung finden. Auch Familien gerieten unter Druck, weil bezahlbarer Wohnraum knapp ist. Armut sei l\u00e4ngst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.\u201eIch bef\u00fcrchte, dass wir nicht am Ende, sondern erst am Anfang dieser Entwicklung stehen\u201c, prognostiziert M\u00fcller.<\/p>\n<p>Eine wachsende Stadt und ihre Probleme<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Woran liegt das? Die Ursachen l\u00e4gen vor allem in der Entwicklung der Stadt. Leipzig wachse seit Jahren stark, die Infrastruktur zu langsam mit. Die Wohnraumreserven seien aufgebraucht. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wie viele obdachlose und wohnungslose Menschen es in Leipzig gibt, sei nicht genau zu beziffern. Dennoch lie\u00dfen sich klare Trends erkennen. Seit 2020 habe die Stadt ihre Notunterk\u00fcnfte deutlich ausgeweitet, die Auslastung sei hoch. Auf Grundlage bundesweiter Statistiken, sch\u00e4tzt M\u00fcller, dass in Leipzig insgesamt knapp 4000 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen sein k\u00f6nnten. <\/p>\n<blockquote><p>Die Gesamtzahl der Betroffenen steigt, sie werden j\u00fcnger, psychisch labiler und internationaler.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 iQZobn\">Benjamin M\u00fcller<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 hQAqgn\">Leiter der \u201eOase\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wie kann den vielen Menschen geholfen werden? Dass Wohnungslose oft als einheitliche Gruppe wahrgenommen werden, sieht M\u00fcller kritisch. \u201eAlle \u00fcber einen Kamm zu scheren, greift zu kurz\u201c, sagt er. Die Unterschiede seien gro\u00df. Entsprechend m\u00fcssten auch die Hilfsangebote vielf\u00e4ltiger werden. Nicht jeder wolle oder k\u00f6nne in eine klassische Gemeinschaftsunterkunft. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wohnungslosigkeit finde vor allem in den Zentren statt, dort m\u00fcssten auch passende Angebote entstehen. Langfristig sei der entscheidende Schl\u00fcssel jedoch klar: \u201eWir brauchen schnell und viel bezahlbaren Wohnraum.\u201c<\/p>\n<p>Sinn durch Besch\u00e4ftigung<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch bei der sozialen Sicherung pl\u00e4diert M\u00fcller f\u00fcr ein Umdenken. Internationale Ans\u00e4tze wie \u201eHousing First\u201c, bei denen Wohnraum bereitgestellt wird, h\u00e4lt er f\u00fcr sinnvoll. In Deutschland werde Armut vor allem \u00fcber Geldleistungen bek\u00e4mpft. Gerade bei psychisch belasteten Menschen beobachte er jedoch, dass Geld \u201enicht immer stabilisiert\u201c. Eine Sachleistung wie Wohnraum k\u00f6nnten Verantwortung erm\u00f6glichen, ohne zu bevormunden. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Das Camp vor der Leipziger Oase ist wegen Anwohnerbeschwerden Anfang Dezember durch die Stadt Leipzig ger\u00e4umt worden. \" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Q3G6Z2GLFBFM3ASMENHCROHWKQ.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wie kann den Menschen noch geholfen werden? Wichtig sei Besch\u00e4ftigung. Viele Menschen litten unter Einsamkeit und dem Gef\u00fchl, nicht gebraucht zu werden. Arbeit k\u00f6nne Sinn und Selbstwert zur\u00fcckgeben, sagt M\u00fcller, auch jenseits des Geldes. Gelingen k\u00f6nnte das durch Kooperationspartner. Da denkt M\u00fcller an gro\u00dfe Firmen, mit denen gemeinsame Projekte umgesetzt werden k\u00f6nnten. \u201eLehrlinge k\u00f6nnten unsere Klienten zum Beispiel in der Reparatur kleinerer elektronische Ger\u00e4te ausbilden. Es k\u00e4me zum sozialen Austausch und au\u00dferdem ist es auch noch nachhaltig.\u201c <\/p>\n<p>Soziale Einrichtung unter Druck<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die steigenden Obdachlosen-Zahlen bringen auch die Kontaktstube \u201eOase\u201c selbst an ihre Grenzen. Es fehle an Platz, Personal und finanziellen Mitteln. \u201eWir arbeiten seit Jahrzehnten auf der gleichen Fl\u00e4che, aber der Bedarf steigt.\u201c <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Trotz aller Probleme beschreibt M\u00fcller Leipzig als solidarische Stadt. Gleichzeitig beobachte er mit Sorge, dass diese Haltung teilweise br\u00f6ckele. Sein Appell richtet sich an die gesamte Stadtgesellschaft: Man d\u00fcrfe soziale Gruppen nicht gegeneinander ausspielen.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sein Weihnachtswunsch? \u201eWir m\u00fcssen \u00fcber soziale Grenzen hinweg im Gespr\u00e4ch bleiben und gemeinsame L\u00f6sungen finden.\u201c Nur so lasse sich verhindern, dass noch mehr Menschen durchs Raster fallen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Heiligabend findet ein gemeinsames Weihnachtsessen in der Kontaktstube statt. Aber um allen wohnungslosen Menschen in Leipzig helfen zu k\u00f6nnen, ist mehr als ein Weihnachtswunder n\u00f6tig. Es braucht politischen Willen und neuen Wohnraum. <\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig. Sie werden mehr. Und sie werden sichtbarer, weil auch sie einen Platz brauchen. 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