{"id":668808,"date":"2025-12-24T10:16:19","date_gmt":"2025-12-24T10:16:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668808\/"},"modified":"2025-12-24T10:16:19","modified_gmt":"2025-12-24T10:16:19","slug":"heiligabend-1977-als-sich-star-wars-fans-ueber-eine-mogelpackung-unterm-weihnachtsbaum-freuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668808\/","title":{"rendered":"Heiligabend 1977: Als sich \u201eStar Wars\u201c-Fans \u00fcber eine \u201eMogelpackung\u201c unterm Weihnachtsbaum freuten"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Wunschzettel vieler Kinder stand zu Weihnachten 1977 ganz oben: \u201eStar Wars\u201c-Actionfiguren! Doch Hersteller Kenner hatte letztere nicht rechtzeitig zum Fest fertig bekommen. Mit dem Mut der Verzweiflung ersann man eine etwas dreiste Notl\u00f6sung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Alle Jahre wieder scheint die Adventszeit viel zu schnell zu vergehen: Schon ist der 4. Advent da, und l\u00e4ngst sind noch nicht alle Geschenke besorgt. Nun wird die Zeit bis zur Bescherung denkbar knapp.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Konsumenten, auch Produzenten kommen in der Zeit vor dem Fest bisweilen in die Bredouille \u2013 etwa, wenn sie es nicht schaffen, ihre Ware rechtzeitig in die L\u00e4den zu bekommen. Ein legend\u00e4res Beispiel daf\u00fcr ereignete sich zu Weihnachten 1977.<\/p>\n<p>In jenem Jahr hatte George Lucas\u2018 Weltraum-Epos \u201eStar Wars\u201c seit seinem US-Kinostart im Mai nicht nur einen beispiellosen Erfolg an den Kinokassen erzielt, sondern sich zu einem popkulturellen Ph\u00e4nomen entwickelt. Die USA waren von einem regelrechten \u201eStar Wars\u201c-Fieber erfasst, der Film (welcher in Deutschland unter dem Titel \u201eKrieg der Sterne\u201c erst Anfang 1978 startete und hier wie weltweit f\u00fcr \u00e4hnlich viel Furore sorgte) war ein Meilenstein des Blockbuster-Kinos und l\u00f6ste eine <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255117870\/Kampfstern-Galactica-machte-George-Lucas-so-wuetend-dass-er-vor-Gericht-zog.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255117870\/Kampfstern-Galactica-machte-George-Lucas-so-wuetend-dass-er-vor-Gericht-zog.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Welle von Nachahmer-Werken<\/a> aus.<\/p>\n<p>Fr\u00fch hatte Lucas erkannt, dass \u201eStar Wars\u201c ein enormes Potenzial f\u00fcr lukrative Merchandising-Produkte hatte, und sich die entsprechenden Rechte gesichert. Unz\u00e4hlige Artikel in allen erdenklichen Varianten sollten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eStar Wars\u201c und seinen Sequels<\/a> erscheinen.<\/p>\n<p>Und da \u201eStar Wars\u201c Heerscharen von Kindern begeisterte, war entsprechendes Spielzeug dabei eine der wichtigsten Produktkategorien. Lucas machte Mitte 1977 einen Deal mit dem US-Spielzeughersteller Kenner, um Actionfiguren der Filmcharaktere wie Luke Skywalker, Darth Vader und Han Solo herauszubringen, mitsamt ihrer entsprechenden Raumschiffe: X-Wing-Fighter, TIE-Fighter, Millennium Falcon \u2013 und zwar einigerma\u00dfen ma\u00dfstabsgetreu, die Figuren sollten in die Vehikel passen.<\/p>\n<p>Bei Kenner freute man sich \u00fcber den vielversprechenden Auftrag, sah sich nun jedoch vor zwei gro\u00dfe Probleme gestellt. Bei deren L\u00f6sung sollte sich das Sprichwort \u201eNot macht erfinderisch\u201c als zutreffend erweisen.<\/p>\n<p>Da war erstens die Frage nach den Proportionen der Ware. Bei der bis dahin gewohnten Actionfiguren-Gr\u00f6\u00dfe von bis zu 30 Zentimetern, etabliert etwa von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article250204510\/Barbie-1959-startete-sie-als-schamlose-Kopie-einer-besonderen-deutschen-Puppe.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article250204510\/Barbie-1959-startete-sie-als-schamlose-Kopie-einer-besonderen-deutschen-Puppe.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Barbie-Puppen<\/a> f\u00fcr M\u00e4dchen und G.I. Joe-Figuren f\u00fcr Jungen, h\u00e4tten entsprechend ma\u00dfstabsgetreue Raumschiffe jeden Rahmen im Hinblick auf Gr\u00f6\u00dfe und Verkaufspreis gesprengt. Was tun?<\/p>\n<p>Kenner-Chef Bernie Loomis entschied kurzerhand, die Figuren dann eben in einem bis dato ungewohntem, kleinerem Ma\u00dfstab herauszubringen. Kenner-Chefdesigner David Okada fragte Loomis, welche Gr\u00f6\u00dfe ihm denn genau vorschwebe. Zur Antwort hielt Loomis schlicht seine Hand hoch, Daumen und Zeigefinger abgespreizt. Okada z\u00fcckte ein Lineal und ma\u00df nach: 3,75 Inches, also gut 9,5 Zentimeter.<\/p>\n<p>Das kleinere Format hatte den weiteren Vorteil, dass die Figuren g\u00fcnstiger angeboten werden konnten. Doch hier ergab sich Problem Nummer 2: Die Zeit dr\u00e4ngte. Das Spielzeug sollte so schnell wie m\u00f6glich, auf jeden Fall aber rechtzeitig f\u00fcr den wichtigsten j\u00e4hrlichen Termin aller Spielzeughersteller in die L\u00e4den kommen: Weihnachten. Aber um ein Produkt anbieten zu k\u00f6nnen, muss es eben erst einmal bis zur Serienreife entwickelt, in ausreichender Zahl hergestellt und dann in den Handel gebracht werden. <\/p>\n<p>Das geht nicht von heute auf morgen, zumal Kenners in den USA entworfene \u201eStar Wars\u201c-Ware aus Kostengr\u00fcnden in Fernost produziert wurde, wobei wochenlange Verschiffungszeiten einkalkuliert werden mussten. Bald wurde absehbar, dass Kenner die Produkte nicht bis Weihnachten 1977 fertig haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein Riesen-Dilemma, denn zum einen wollte man nicht die vielen Kinder entt\u00e4uschen, bei denen \u201eStar Wars\u201c-Actionfiguren ganz oben auf dem Wunschzettel standen, zum anderen wollte man sich keinesfalls das lukrative Festtagesgesch\u00e4ft entgehen lassen. Mit dem Mut der Verzweiflung ersann man eine Notl\u00f6sung, die ein wenig dreist war, fast schon eine \u201eMogelpackung\u201c: das \u201eEarly Bird Certificate Package\u201c (Zertifikats-Paket f\u00fcr den fr\u00fchen Vogel). <\/p>\n<p>Dabei handelte es sich um eine breite Pappschachtel, auf der bunte \u201eStar Wars\u201c-Figuren aufgedruckt waren \u2013 die selbige aber gar nicht enthielt. Ganz leer war die Box immerhin nicht, sie beinhaltete das namensgebende \u201eZertifikat\u201c, d.h. einen Gutschein f\u00fcr die ersehnten Figuren, den die Beschenkten an Kenner schicken konnten, sodass sie die ersten vier Figuren (Luke Skywalker, Princess Leia, R2-D2 und Chewbacca) per Post erhielten, sobald diese im Fr\u00fchjahr 1978 endlich verf\u00fcgbar waren. <\/p>\n<p>Dazu noch ein Papp-Display, auf dem man die Figuren aufstellen konnte, eine Mitgliedskarte, die bescheinigte, man geh\u00f6re nun zum \u201eStar Wars Space Club\u201c, und einige Aufkleber. Aus der Beschriftung der Packung ging hervor, dass sie keine Figuren enthielt, auch wenn es auf den ersten Blick so aussah.<\/p>\n<p>Damit war letztlich allen gedient: Kenner (und George Lucas) entging das gro\u00dfe Weihnachtsgesch\u00e4ft nicht; Eltern konnten zum Fest ein \u201eStar Wars\u201c-Geschenk f\u00fcr ihre Kinder kaufen; die Kleinen zwar noch nicht mit dem Spielen loslegen, aber immerhin etwas auspacken, die Bilder betrachten, den Gutschein ausf\u00fcllen und in Vorfreude schwelgen, bald zu den allerersten \u201efr\u00fchen V\u00f6geln\u201c zu geh\u00f6ren, die \u201eStar Wars\u201c-Actionfiguren besitzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die \u201eStar Wars\u201c-Spielzeuglinie wurde in den Folgejahren (in denen auch <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weitere Filme<\/a> erschienen) ungeheuer erfolgreich. Kenner brachte dutzende Charaktere, Raumschiffe und Playsets heraus, die rei\u00dfenden Absatz fanden. Heute erzielen die Produkte von damals unter Sammlern hohe Preise, je nach Erhaltungsgrad und Seltenheitswert. F\u00fcr ein nunmehr fast f\u00fcnf Jahrzehnte altes \u201eEarly Bird Certificate Package\u201c, vollst\u00e4ndig und in Top-Zustand, werden dabei inzwischen vierstellige Summen aufgerufen. 1977 war der urspr\u00fcngliche Verkaufspreis 7,99 Dollar.<\/p>\n<p><b>F\u00fcr WELTGeschichte blickt <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Martin Klemrath<\/b><\/a><b> neben klassischen historischen Themen auch regelm\u00e4\u00dfig auf Firmen- und Produktgeschichte(n) vergangener Jahrzehnte zur\u00fcck \u2013 etwa <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256342688\/Markennamen-Von-Audi-bis-Zentis-So-kurios-entstanden-Kultmarken.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256342688\/Markennamen-Von-Audi-bis-Zentis-So-kurios-entstanden-Kultmarken.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>die Genese von Markennamen<\/b><\/a><b>.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf dem Wunschzettel vieler Kinder stand zu Weihnachten 1977 ganz oben: \u201eStar Wars\u201c-Actionfiguren! 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