{"id":668810,"date":"2025-12-24T10:17:22","date_gmt":"2025-12-24T10:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668810\/"},"modified":"2025-12-24T10:17:22","modified_gmt":"2025-12-24T10:17:22","slug":"krebs-wie-forscher-periodenblut-nutzen-wollen-um-krebs-aufzuspueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/668810\/","title":{"rendered":"Krebs: Wie Forscher Periodenblut nutzen wollen, um Krebs aufzusp\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Menstruationsblut hatte lange die Farbe Blau. Erst im September 2021 kam der Wendepunkt, als der Damenhygienehersteller Procter &amp; Gamble mitteilte, Produkte wie Damenbinden k\u00fcnftig mit roten Blutstropfen zu bewerben. Jahrzehnte wurde das Blut auf Postern, in Magazinen und TV-Spots als blaue Fl\u00fcssigkeit dargestellt, das sah steril und sauber aus. Mit der Realit\u00e4t hatte es jedoch nichts zu tun.<\/p>\n<p>Die monatliche Blutung der Geb\u00e4rmutter war mit Scham und Ekel verbunden. Nicht nur in der Werbung wurde die Menstruation tabuisiert, auch in der Forschung kam sie weitestgehend nicht vor. Das soll sich jetzt \u00e4ndern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit untersuchen Menstruationsblut und entwickeln Tests, um darin auf Krankheiten wie Krebs oder Diabetes schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Auch Start-ups erkennen darin einen Markt. Damit sich die Methode durchsetzt, braucht es mehr Forschung \u2013 und Akzeptanz in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>\u201ePeriodenblut ist ein informatives Bio-Fluid mit zus\u00e4tzlichen Biomarkern aus der Vaginalfl\u00fcssigkeit\u201c, sagt Inge Herrmann, Chemieprofessorin der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und Leiterin des Ingenuity Lab an der Universit\u00e4tsklinik Balgrist. Zusammen mit anderen Forschern hat sie im Fachmagazin \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/advanced.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/advs.202505170?af=R\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/advanced.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/advs.202505170?af=R&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Advanced Science<\/a>\u201c k\u00fcrzlich ein Schnelltestverfahren vorgestellt, mit dem sich Biomarker im Menstruationsblut in der Binde nachweisen lassen. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr wird die Binde mit einem nicht elektronischen Sensor ausgestattet, das ist ein papierbasierter Schnellteststreifen eingebettet in eine flexible Silikonkammer. Nach dem Tragen wird ein Bild mit dem Smartphone gemacht und anschlie\u00dfend mittels K\u00fcnstlicher Intelligenz in einer App ausgewertet. Im Wesentlichen funktioniert der Schnelltest f\u00fcr zu Hause wie ein Covid-Test, nur wird anstelle von Speichel Blut analysiert. Kommt der Biomarker im Menstruationsblut mit einem spezifischen Antik\u00f6rper auf dem Teststreifen in Kontakt, erscheint ein Strich. Je h\u00f6her die Konzentration des entsprechenden Proteins, desto dunkler die Farbe. Es kann also visuell abgelesen oder die App genutzt werden, die mithilfe maschinellen Lernens die Farbintensit\u00e4t genau errechnet und dazu objektive Messwerte liefert.<\/p>\n<p>Der Test basiert auf drei Biomarkern: Das C-reaktive Protein (CRP) ist bekannt als Entz\u00fcndungsmarker, der Tumormarker CEA ist bei Krebs erh\u00f6ht, und das Protein CA-125 kann bei Endometriose und Eierstockkrebs erh\u00f6ht sein. \u201eUnser Testverfahren kann nicht nur auf frauenspezifische Erkrankungen hinweisen, sondern generell auf alle Krankheiten, die im Blut erkennbar sind\u201c, erkl\u00e4rt Herrmann. Es handele sich um den ersten funktionierenden Sensor, der Vollblut in der Binde analysieren k\u00f6nne \u2013 ganz ohne Labor.<\/p>\n<p>Menstruationsblut liefert Hinweise f\u00fcr Krebs und Diabetes<\/p>\n<p>Hermann ist nicht die Einzige, die derzeit Periodenblut erforscht. Ein Pionier in dem Feld ist der Gyn\u00e4kologe Paul Blumenthal von der amerikanischen Stanford University. In einer seiner <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/journals.lww.com\/greenjournal\/abstract\/2022\/09000\/screening_for_high_risk_human_papillomavirus_using.18.aspx\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/journals.lww.com\/greenjournal\/abstract\/2022\/09000\/screening_for_high_risk_human_papillomavirus_using.18.aspx&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Studien<\/a> konnte er im Jahr 2022 unter anderem nachweisen, dass sich im Menstruationsblut zwei wichtige Indizien verbergen: einmal HPV-Viren, bei denen in der Hochrisiko-Variante die Gefahr f\u00fcr Gewebever\u00e4nderungen besteht, die zu Krebs f\u00fchren k\u00f6nnen. Geb\u00e4rmutterhalskrebs z\u00e4hlt dazu.<\/p>\n<p>Und zweitens konnte Blumenthal H\u00e4moglobin A1c nachweisen, ein wichtiger Parameter zur Diagnose und Behandlung von Diabetes. Gegen\u00fcber der Uni-Zeitung \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/stanforddaily.com\/2020\/05\/13\/period-blood-may-be-as-effective-as-systemic-blood-for-diagnosis-of-disease-stanford-researchers-say\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/stanforddaily.com\/2020\/05\/13\/period-blood-may-be-as-effective-as-systemic-blood-for-diagnosis-of-disease-stanford-researchers-say\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">The Stanford Daily<\/a>\u201c betonte Blumenthal bereits damals: \u201eFrauen m\u00fcssen generell wissen, dass das Blut kein Abfallprodukt ist. Es hat einen gesundheitlichen Wert.\u201c<\/p>\n<p>Auch au\u00dferhalb der Universit\u00e4ten und Unikliniken wird Menstruationsblut mittlerweile als wertvolle Ressource angesehen. Auf der Welt gibt es eine Handvoll \u201eFemtech\u201c-Start-ups, \u2013 oft von Frauen gef\u00fchrt \u2013 die solch spezielle Bluttests anbieten. Eines der bekanntesten ist Qvin mit Sitz in Kalifornien, USA. Die Gr\u00fcnder arbeiten ebenfalls an einer speziellen Menstruationsbinde, auch das \u201eQ-Pad\u201c erkennt die Gesundheitsmarker im Blut. CEO und Medizinerin Sara Naseri hat gemeinsam mit Blumenthal Studien durchgef\u00fchrt. <\/p>\n<p>In Deutschland gibt es Theblood aus Berlin. Das Team um Isabelle Guenou hat ein Analyseverfahren entwickelt, um mithilfe von Menstruationsblutproben Krankheiten wie Diabetes oder Endometriose zu diagnostizieren. Guenou leidet selbst an Endometriose. Ihre pers\u00f6nliche Krankheitsgeschichte habe ihr gezeigt, wie dringend es eine Diagnostik brauche, die Frauen glaubt und ihre Biologie von Anfang an ernst nehme, sagt die Gr\u00fcnderin. Menstruationsblut war f\u00fcr sie die L\u00f6sung: \u201eNon-invasiv, monatlich, zug\u00e4nglich f\u00fcr Millionen Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Hormonelle, gyn\u00e4kologische und metabolische Beschwerden k\u00f6nnten so niedrigschwellig erkannt werden. \u201eWenn wir dieses Potenzial nutzen, k\u00f6nnen wir nicht nur fr\u00fchere Diagnosen stellen, sondern machen weibliche Gesundheit auch sichtbar und messbar.\u201c <\/p>\n<p>Nur weil ein Biomarker im Blut erh\u00f6ht sei, bedeute das aber bislang nicht, dass die Frauen erkrankt seien oder erkranken m\u00fcssen, erkl\u00e4rt die Chemikerin Herrmann aus Z\u00fcrich. Teure medizinische Untersuchungen k\u00f6nnten nach einem ersten Check zu Hause allerdings gezielter und effizienter eingesetzt werden. Die Schnelltests \u00fcber App und Binde seien einfach anzuwenden und wahrscheinlich auch kosteng\u00fcnstig. Wie teuer genau, das l\u00e4sst sich bisher nicht sagen. Solche Periodenbluttests k\u00f6nnten die Vorsorge in Zukunft erg\u00e4nzen; besonders in Regionen, in denen Frauen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. <\/p>\n<p>Periodenbluttests kein Lifestyle-Produkt<\/p>\n<p>In Zeiten, in denen Menschen ihren gesamten K\u00f6rper vermessen, Schlaf und Blutzucker tracken, w\u00e4re es vermutlich leicht, die Bluttests f\u00fcr Frauen als reines als Lifestyle-Produkt zu vermarkten. Einige Start-ups streben das vielleicht auch an. Doch Forscherinnen wie Herrmann wollen mit den Tests einen tats\u00e4chlichen Mehrwert schaffen: \u201eWir m\u00f6chten eine Technologie entwickeln, die sinnhaft ist und einen medizinischen Nutzen bietet\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Periodenblut ist in der Wissenschaft noch immer kein dankbarer Forschungsgegenstand, zu wenig ist bekannt und dokumentiert. Da die Fachliteratur L\u00fccken aufweist, hat es Hermanns Team anfangs Zeit gekostet, die Menstruation und die Unterschiede sowie die Zusammensetzung des Bluts zu verstehen. \u201eWir mussten nicht nur die Chemie entwickeln, sondern gleichzeitig auch die Grundlagen, die Biologie erschlie\u00dfen\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Arbeit wird die Schweizer Professorin angefeindet, Menschen schreiben ihr Nachrichten und beschweren sich. Einige st\u00f6re es, dass ihre Methode sich nur an Frauen richtet. Andere h\u00e4tten Sorge vor \u201eKI in der Unterhose\u201c, berichtet Herrmann. Der Binden-Test inklusive App tr\u00e4gt den Namen \u201eMenstruAI\u201c und spielt auf die Nutzung k\u00fcnstlicher Intelligenz an.<\/p>\n<p>Nach der ersten Machbarkeitsstudie mit freiwilligen Teilnehmerinnen ist in den kommenden Jahren eine Feldstudie mit mehr als 100 Probandinnen geplant. Dabei sollen die realen Bedingungen im Alltag gepr\u00fcft werden. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, k\u00f6nnte es den Test laut Herrmann bereits Ende 2027 im Handel geben. Der soll dann mit gew\u00f6hnlichen Binden aus der Drogerie kompatibel sein. Ob es eine Kostenerstattung oder Kostenbeteiligung der Krankenkassen geben wird, ist noch offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Menstruationsblut hatte lange die Farbe Blau. 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