{"id":670054,"date":"2025-12-25T03:30:22","date_gmt":"2025-12-25T03:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/670054\/"},"modified":"2025-12-25T03:30:22","modified_gmt":"2025-12-25T03:30:22","slug":"frieden-schalom-wohnen-weihnachtspredigt-von-stadtsuperintendent-bernhard-seiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/670054\/","title":{"rendered":"Frieden \u2013 Schalom \u2013 Wohnen: Weihnachtspredigt von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger"},"content":{"rendered":"<p><strong data-start=\"232\" data-end=\"263\">Frieden \u2013 Schalom \u2013 Wohnen:<\/strong> Diese drei Worte stehen im Zentrum der Predigt von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, gehalten in der Christvesper an Heiligabend in der Reformationskirche. Bernhard Seiger verbindet darin die biblischen Verhei\u00dfungen der Weihnachtsgeschichte mit den Erfahrungen aus unserer Gegenwart. Sie l\u00e4dt dazu ein, \u00fcber die Sehnsucht nach Geborgenheit, Gemeinschaft und Frieden nachzudenken \u2013 und dar\u00fcber, was es bedeutet, dass Gott selbst unter den Menschen wohnen will.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hier k\u00f6nnen Sie die Predigt von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger nachlesen:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"false\">Ich beginne mit einem Gebet: \u201eGott, schenke uns ein Wort f\u00fcr unser Herz und ein Herz f\u00fcr dein Wort.\u201c<\/p>\n<p class=\"false\">Liebe Gemeinde! \u201eEinsam wacht nur das traute hochheilige Paar.\u201c (Joseph Mohr, aus Stille Nacht)\u00a0\u201eUnd das Wort wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.\u201c (Johannes 1,14)<\/p>\n<p class=\"false\">Wohnen, einsam sein und in Gemeinschaft sein:\u00a0Das sind die Themen der Heiligen Nacht.\u00a0In den letzten Wochen bin ich schon mal im Dunklen durch die Stra\u00dfen gegangen. Fr\u00fchmorgens oder abends. Hier in unserer Nachbarschaft in Bayenthal. Aber auch in Chorweiler und am Bahnhof.<\/p>\n<p class=\"false\">Ich sehe dann auf die Wohnh\u00e4user, manche Wohnungen mit Licht, andere ohne Licht. Manche mit Sternen und Lichterketten geschm\u00fcckt, andere nicht.<\/p>\n<p class=\"false\">Ich frage mich dann: wie wohnen die Menschen dort?\u00a0Wer wohnt alleine, wer wohnt mit anderen zusammen? Wie ist das Zusammenwohnen? Oder das alleine Wohnen?\u00a0Wie f\u00fchlt es sich an?<\/p>\n<p class=\"false\">Meine Frau und ich stimmen uns in diesen Monaten auf einen Umzug ein, dann ist das Thema Wohnen konkreter als sonst. Aber wir kennen es alle. Wie wohnen wir?<\/p>\n<p class=\"false\">Menschen, die zu \u201eGulliver\u201c kommen, das ist die Obdachlosenanlaufstelle am Bahnhof, wohnen nirgendwo so richtig. Nachts ist es hier dunkel, die T\u00fcr ist zu. Die G\u00e4ste des Tages, die sonst dort essen und Sachen waschen k\u00f6nnen, suchen sich f\u00fcr die Nacht einen gesch\u00fctzten Platz unter einem Bahnbogen oder in einem Hauseingang. Auch diese Nacht.<\/p>\n<p class=\"false\">Die Frage, \u201eWer kann sich Wohnen leisten und wo?, liegt auf der Hand und besch\u00e4ftigt viele in unserer Stadt.\u00a0Beim Wohnen geht es aber nicht nur um die Frage des Hauses, in dem wir wohnen, sondern auch mit wem. Und wir ziehen alle in unserem Leben wohl mehrfach um. In verschiedenen Lebensphasen steht etwas anderes an. Immer hat ein Umzug etwas mit Ver\u00e4nderung zu tun, oft auch mit einem Status. Und es ist ein hohes Gut, wohnen zu k\u00f6nnen. Beim Propheten Jeremia (Jer. 23,6) wird diese elementare Sehnsucht und Hoffnung beschrieben: \u201eZu jener Zeit wird Israel sicher wohnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"false\">Wie aktuell sind diese Worte! Wir haben den schrecklichen Anschlag bei einer Chanukkafeier in Sydney am 14. Dezember und den wachsenden Antisemitismus in unserem Land vor Augen. Das Volk Israel hat die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden. Seit Jahrhunderten und jetzt.<\/p>\n<p class=\"false\">Wir wohnen hier in einem sicheren Lande. Dank eines B\u00fcndnisses und seiner Verteidigungsf\u00e4higkeit. Auch j\u00fcdische Menschen, dank einer aufmerksam handelnden Polizei. Aber wir wissen, wie fragil die Sicherheit werden kann.\u00a0In der Ukraine und in Israel und Pal\u00e4stina ist das sichere Wohnen jede Nacht von Raketen bedroht.<\/p>\n<p class=\"false\">Gerade an Weihnachten sp\u00fcren viele die Sehnsucht, \u201enach Hause\u201c zu kommen. \u00a0Deswegen so viele Reisen. Der Dichter Christian Morgenstern hat einmal geschrieben: \u201eMan ist nicht dort zuhause, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern dort, wo man verstanden wird.\u201c <\/p>\n<p class=\"false\">Wohnen ist im Letzten nicht ein Ort, wir bleiben ja auf der Wanderschaft, sondern ein Gef\u00fchl von Geborgen-Sein. Manche sind ersch\u00f6pft von der Schnelllebigkeit unserer Zeit und den rasanten Ver\u00e4nderungen, die um uns her geschehen. Und auch wir selber ver\u00e4ndern uns, oft ohne es sofort zu merken. Dann f\u00fchlt man sich manchmal sogar fremd in eigenen Leben.<\/p>\n<p class=\"false\">Wundert es da, wenn wir Sehnsucht nach Sicherheit haben?\u00a0Sehnsucht nach einem sicheren Ort, nach Geborgensein?<\/p>\n<p class=\"false\">Maria und Joseph suchen eine sichere St\u00e4tte. Und das Jesuskind sucht einen Platz zum Wohnen. \u00dcberall das gleiche Bed\u00fcrfnis. Ja, auch Gott sucht einen Platz zum Wohnen. Davon handeln die Weihnachtsgeschichte und der Predigttext f\u00fcr heute,<\/p>\n<p class=\"false\">Hesekiel\/Ezechiel 37,24-28 \u2013 Textverlesung<\/p>\n<p class=\"false\">Wir h\u00f6ren im Abschnitt des Ezechiel jenes Schl\u00fcsselwort:\u00a0Wohnen. Viermal kommt es vor. \u201eUnd sie sollen wieder in dem Lande wohnen\u201c, schreibt der Prophet Hesekiel. \u201eWohnen\u201c \u2013 wenn es irgendein weihnachtlich-w\u00e4rmendes Wort gibt, dann ist es wohl dieses: Wohnen \u2013 bleiben d\u00fcrfen \u2013 zu Hause sein. \u00a0\u201eGott wird bei uns wohnen.\u201c Hier kann ich sein, hier kenne ich mich aus. Hier sind wir zusammen geborgen.<\/p>\n<p class=\"false\">An wen ist das Wort gerichtet, f\u00fcr den K\u00f6nig David \u201eder Hirte\u201c sein soll? Der Prophet spricht im 6. Jahrhundert vor Christus das Trostwort Menschen zu, die weit weg von ihrem Heimatland sind. Er spricht zu Menschen im Exil. Das Exil ist eine extreme Form des Verlustes von Wohnen, Heimat und Geborgen-Sein.<\/p>\n<p class=\"false\">Die Worte des Propheten sprechen zu denen in der Fremde. Viele in Jerusalem hatten damals aufgrund der Verf\u00fcgung der babylonischen Machthaber ihre Heimat verlassen m\u00fcssen und lebten oder \u201e\u00fcberlebten\u201c in der Fremde: \u201eAn den Wassern Babels sa\u00dfen wir und weinten.\u201c ist so ein ber\u00fchmtes Zitat aus der Zeit. \u201eWarum ist es so weit mit uns gekommen?\u201c fragen und klagen die Menschen.<\/p>\n<p class=\"false\">Was tut der Prophet? \u2013 \u2013 \u2013 Er hat nichts als Worte. Er setzt der Unzufriedenheit Gottes Verhei\u00dfung entgegen: \u201eSie sollen wieder im Lande wohnen. Es wird eine R\u00fcckkehr geben \u2013 \u201af\u00fcr immer\u2018. Und mein Knecht David soll ihr K\u00f6nig sein und der einzige Hirte f\u00fcr sie alle.\u201c Da ber\u00fchrt sich die Geschichte mit der vertrauten Weihnachtsgeschichte: Maria und Joseph und das Kind unterwegs, ohne feste Bleibe.<\/p>\n<p class=\"false\">Der Stall als Geburtsort: Ein Ort des Exils, weit weg von irgendeiner Ortsmitte und einer Form von \u00e4u\u00dferer Sicherheit. Aber: Gottes Gegenwart wird unerwartet sp\u00fcrbar in dieser verletzlichen Situation.<\/p>\n<p class=\"false\">\u201eSie sollen wieder im Lande wohnen. Es wird eine R\u00fcckkehr geben \u2013 \u201af\u00fcr immer\u2018. Und mein Knecht David soll ihr K\u00f6nig sein und der einzige Hirte f\u00fcr sie alle.\u201c<\/p>\n<p class=\"false\">Das sind S\u00e4tze in \u00dcberschwang. So als w\u00fcrde Gott sein ganzes Volk umarmen: \u201eIhr werdet alle Zukunft haben, es kommen alle frei, ihr kommt alle nach Hause! Keiner geht verloren, ihr seid alle wichtig.\u201c \u201eUnd Gott wird unter ihnen wohnen.\u201c (Vers 27)<\/p>\n<p class=\"false\">Wo hat Gott denn seinen Raum unter uns Menschen? Er sucht sich zuerst Maria als Ort zum Wohnen. Eine Frau, die bereit ist, ihn aufzunehmen.<\/p>\n<p class=\"false\">Und es ist interessant: Er will in der Mitte der Menschen wohnen. Unter ihnen. Zwischen ihnen. Das geht also nur in Gemeinschaft. Er spricht sie im Plural an. Gott lebt nicht neben einem einzelnen Menschen, das tut er sicher auch, dann er steht einem Einzelnen zur Seite, sondern er lebt \u201ein der Mitte\u201c. In der Mitte ist er nur in der Gruppe, bei mehreren, zweien, dreien oder zehn, je nachdem, wie gro\u00df die Familie ist, oder in der Mitte von 500 Menschen wie jetzt bei uns heute. Das ist ein Lob auf die Gemeinschaft.<\/p>\n<p class=\"false\">Und weiter sagt das Gotteswort \u201eIch will mit ihnen einen Bund des Friedens schlie\u00dfen\u2018 (Vers 26). \u201eFrieden, Schalom, Wohnen\u201c, diese wunderbar weihnachtlich-gl\u00e4nzenden Worte, bringen eine gemeinsame Lebenswelt mit sich. In eine \u201eWelt in Bewegung\u201c wird Hoffnung auf das Verl\u00e4ssliche gebracht.<\/p>\n<p class=\"false\">Wir wollen die Friedenszeichen dieses Abends und dieser Tage achten! Jedes Licht im Fenster, jeder Weihnachtsbaum spricht doch die Botschaft vom Frieden aus. Die Zeilen sagen an, was uns Menschen aufgetragen ist und weiterbringt: Nicht dumpfen T\u00f6nen das Feld \u00fcberlassen, sondern Gottes Verhei\u00dfung des Friedens vor Augen haben. Und diese auszubreiten. Gott spricht im Kind in der Krippe und in den Trostworten.<\/p>\n<p class=\"false\">\u201aIch will unter ihnen wohnen\u2018, diese alte, zuallererst Israel geh\u00f6rende Verhei\u00dfung, wird durch die Weihnachtsbotschaft ausgeweitet auf alle Menschen: Gottes Glanz und sein Schalom sind schon sp\u00fcrbar in diesem Kind. Wer immer dieses Kind aufnimmt, kann mit ihm Frieden finden! Und dann \u201ewohnt es bei uns\u201c. Es wird dadurch vorstellbar, dass diese Erde ein Lebensraum f\u00fcr alle wird und bleibt, wenn wir das Ganze im Blick haben. Unser missbrauchter Planet soll auch k\u00fcnftigen Generationen noch ein gutes Wohnen erm\u00f6glichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"false\">In der N\u00e4he des Kindes finden wir Frieden. Frieden und eine Wohnung, die bestehen bleiben in allem Wandel. Und die Freude \u00fcber das wunderbare Geschenk des Lebens.<\/p>\n<p class=\"false\">Hannah Arendt, die kluge j\u00fcdische Philosophin, Gefl\u00fcchtete und \u00dcberlebende in den m\u00f6rderischen Wirren des 20. Jahrhunderts, hat auf das Kind in der Krippe geblickt. Sie hat im Wissen um all das, was war, von der M\u00f6glichkeit des Vertrauens geschrieben. Sie schreibt: \u201eDass man in der Welt Vertrauen haben und dass man f\u00fcr die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und sch\u00f6ner ausgedr\u00fcckt als in den Worten \u2026. \u201eUns ist ein Kind geboren.\u201c Amen.<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: APK\/Bernhard Seiger<br \/>Foto(s): Archiv \/ Engelbert Broich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frieden \u2013 Schalom \u2013 Wohnen: Diese drei Worte stehen im Zentrum der Predigt von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, gehalten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":670055,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[155963,22732,29,65456,15578,25727,30,44635,155964,1420,1209,11891,86909,155965,155966,17593,12289,152898,1463],"class_list":{"0":"post-670054","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-koelner-wettbewerb-fuer-orgelimprovisation","9":"tag-bernhard-seiger","10":"tag-deutschland","11":"tag-exil","12":"tag-frieden","13":"tag-gemeinschaft","14":"tag-germany","15":"tag-hannah-arendt","16":"tag-hesekiel","17":"tag-koeln","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-obdachlosigkeit","20":"tag-predigt","21":"tag-reformationskirche","22":"tag-schalom","23":"tag-vertrauen","24":"tag-weihnachten","25":"tag-weihnachtsbotschaft","26":"tag-wohnen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115778096164871244","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/670054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=670054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/670054\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/670055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=670054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=670054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=670054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}