{"id":67091,"date":"2025-04-28T04:08:07","date_gmt":"2025-04-28T04:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/67091\/"},"modified":"2025-04-28T04:08:07","modified_gmt":"2025-04-28T04:08:07","slug":"strom-und-binnenmarkt-europa-vernetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/67091\/","title":{"rendered":"Strom- und Binnenmarkt: Europa vernetzen"},"content":{"rendered":"<p>28.04.2025 \u2013 Europa begann bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, seine Netze \u00fcber Landesgrenzen hinweg zu verbinden. Richtig Fahrt nahm das europ\u00e4ische Stromnetz jedoch erst Mitte der 1990er Jahre auf, als die Europ\u00e4ischen Staaten begannen, ihre Stromm\u00e4rkte zu liberalisieren, und einen gemeinsamen Binnenmarkt zu schaffen. In Deutschland wurde die EU-Richtlinie zum Elektrizit\u00e4tsbinnenmarkt 1998 mit dem novellierten Energiewirtschaftsgesetz umgesetzt. Seitdem k\u00f6nnen B\u00fcrger sich ihren Energieversorger aussuchen und Versorger entsprechend in einem freien Markt konkurrieren.<\/p>\n<p>2009 folgte dann die Kopplung des europ\u00e4ischen Binnenstrommarktes, der einen weitgehend freien Markt f\u00fcr Strom in Europa erm\u00f6glicht. Dabei wird mit dem sogenannten Preiszonenmodell gearbeitet, das nur ein Jahr sp\u00e4ter eingef\u00fchrt wurde. Die Preiszonen definieren den aktuellen Strompreis f\u00fcr eine geographische Region. Dabei wird angenommen, dass der Strom innerhalb dieser Region frei flie\u00dfen kann. Es m\u00fcssten also ausreichend \u00dcbertragungsnetzkapazit\u00e4ten auch f\u00fcr gro\u00dfe Strommengen \u2013 zum Beispiel zu Spitzenzeiten f\u00fcr Wind oder Solarstrom \u2013 zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><strong>Strom frei handeln<\/strong><\/p>\n<p>Die EU-Mitgliedstaaten wurden im Laufe der Jahre schrittweise mit dem europ\u00e4ischen Stromnetz und dem europ\u00e4ischen Binnenmarkt verbunden. Erst Anfang dieses Jahres wurden mit den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland die letzten EU-Mitglieder integriert. Neben den EU-Staaten sind die Mitglieder des Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraums, Norwegen, Lichtenstein und Island in den EU-Binnenmarkt integriert, auch im Bereich des Stromhandels.<\/p>\n<p>Nach fast 20 Jahren Verhandlung hat sich die EU auch mit der Schweiz auf ein Abkommen geeinigt, um den Rahmen des Stromhandels zu regeln. Die Stromnetze sind physisch bereits eng verbunden, doch der fehlende Rechtsrahmen behinderte bisher den Stromhandel. Die Eidgenossenschaft nimmt derzeit lediglich \u00fcber bilaterale Abkommen am europ\u00e4ischen Strommarkt teil. Gleichzeitig ist die Schweiz ein zentrales Transitland f\u00fcr den europ\u00e4ischen Stromhandel. Derzeit sichern Abkommen den Nachbarl\u00e4ndern zu, dass der in Europa gehandelte Strom durch die Schweiz flie\u00dfen darf.<\/p>\n<p>Einige weitere L\u00e4nder sind \u00fcber grenz\u00fcberschreitende Leitungen, sogenannte Interkonnektoren, mit dem kontinentaleurop\u00e4ischen Stromnetz verbunden, jedoch nicht Teil des europ\u00e4ischen Strombinnenmarkts. Der Strom wird in diesen F\u00e4llen \u00fcber separate Abkommen gehandelt. Die L\u00e4nder sind jedoch nicht an EU-Regulierungen gebunden oder in Marktmechanismen wie die grenz\u00fcberschreitenden Regelenergie- und Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkte integriert, und profitieren nicht vom automatischen Netzausgleich, der die Stromfl\u00fcsse zwischen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern st\u00e4ndig optimiert. Zu diesen L\u00e4ndern geh\u00f6ren Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und seit 2022 die Ukraine.<\/p>\n<p>Wie Strom gehandelt wird<\/p>\n<p>Innerhalb des EU-Strombinnenmarktes wird der gr\u00f6\u00dfte Anteil der Lieferungen \u00fcber sogenannte Terminkontrakte weit im Voraus vereinbart. Zus\u00e4tzlich wird \u00fcber den Day-Ahead-Markt der Strom am Tag vor der Lieferung, und am Intraday-Markt am Tag der Lieferung gehandelt. F\u00fcr kurzfristige Schwankungen gibt es zudem den Regelenergiemarkt, der daf\u00fcr sorgt, dass das Netz kurzfristig in Balance gehalten wird.<\/p>\n<p>Der Stromhandel am Day-Ahead und Intraday-Markt verl\u00e4uft weitgehend automatisiert. 2014 wurde der Euphemia-Algorithmus eingef\u00fchrt, der Stromb\u00f6rsenpreise nahezu in Echtzeit berechnet. Dabei werden nicht nur Angebot und Nachfrage ber\u00fccksichtigt, sondern auch \u00dcbertragungskapazit\u00e4ten und Netzengp\u00e4sse. Falls gro\u00dfe Mengen Wind- oder Solarstrom von einem zum anderen Ende Europas transportiert werden soll, wird also gepr\u00fcft, ob unterwegs durchgehend ausreichend Netzkapazit\u00e4ten zur Verf\u00fcgung stehen. Die EU-Staaten m\u00fcssen bis Ende 2025 mindestens 70 Prozent ihrer Grenz\u00fcbertragungskapazit\u00e4ten f\u00fcr die automatische Strommarktkopplung zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Die nachhaltige Transformation braucht Erneuerbare Energie \u2013 und Netze<\/p>\n<p>In den kommenden Jahren werden immer mehr Prozesse in allen Sektoren vom Verkehr bis zur Industrie elektrifiziert, um Emissionen weiter zu reduzieren. Um den steigenden Strombedarf sowie die zunehmende Einspeisung volatiler Erneuerbarer Energien in das Stromsystem zu stemmen, m\u00fcssen die europ\u00e4ischen Stromnetze weiter ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Die EU plant, in den kommenden Jahren Milliarden in ihre Energieinfrastruktur zu investieren. Ein Gro\u00dfteil davon entf\u00e4llt auf die Stromnetze, allen voran die nationalen Verteilnetze. Doch auch die \u00dcbertragungsnetze m\u00fcssen noch erheblich ausgebaut werden. Dabei orientieren sich Politik und Wirtschaft am Ten-Year Network Development Plan von ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity), in dem zentrale Projekte f\u00fcr Europas Energiesicherheit identifiziert werden.<\/p>\n<p>Zu den Projekten geh\u00f6ren gro\u00dfe \u00dcbertragungsleitungen zwischen den L\u00e4ndern wie der 2021 fertiggestellte NordLink, der Strom zwischen Norwegen und Deutschland transportiert. Die \u00dcbertragungsleitung mit einer Kapazit\u00e4t von 1.400 Megawatt wurde vor allem gebaut, um den Austausch von Windenergie aus Deutschland mit Wasserkraft aus Norwegen zu erm\u00f6glichen. Noch im Bau befinden sich der Celtic und der Biscay Gulf Interconnector. Der 575 Kilometern lange Celtic Interconnector zwischen Frankreich und Irland hat eine Kapazit\u00e4t von 700 Megawatt und soll 2026 fertiggestellt werden. Ebenso wie der Biscay Gulf Interconnector, der bald Frankreich und Spanien verbindet. Mit 2.000 Megawatt wird die \u00dcbertragungsnetzkapazit\u00e4t zwischen den L\u00e4ndern fast verdoppelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00dcbertragungsinfrastruktur rechnet die EU bis 2050 mit einem Investitionsbedarf von 472 Milliarden Euro. Investiert wird in grenz\u00fcberschreitende Projekte, den Ausbau von Verbindungsleitungen und Offshore-Anbindungen. Insgesamt veranschlagt die EU-Kommission f\u00fcr die Stromnetzinvestitionen mindestens 2 Billionen Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Strom zu handeln, macht das Netz resilienter und die Energie g\u00fcnstiger<\/p>\n<p>Ziel der Strommarktkopplung ist, die europ\u00e4ische Versorgungssicherheit zu st\u00e4rken und Energie so kosteng\u00fcnstig wie m\u00f6glich zur Verf\u00fcgung zu stellen. So muss zum einen nicht jedes Land Reservekapazit\u00e4ten f\u00fcr alle erdenklichen Szenarien vorhalten, sondern kann bei ungeplanten Vorf\u00e4llen Strom aus den Nachbarl\u00e4ndern importieren. Zum anderen k\u00f6nnen so im Idealfall immer die gerade g\u00fcnstigsten Kraftwerke den meisten Strom produzieren, was den Strompreis langfristig senkt.<\/p>\n<p>Es ist also kein Nebenprodukt, sondern vielmehr Ziel der Energiemarktkopplung, dass viel Strom zwischen L\u00e4ndern gehandelt wird. Strom wird nicht erst gehandelt, wenn der Bedarf eines Landes nicht gedeckt, sondern sobald der ben\u00f6tigte Strom in einem anderen europ\u00e4ischen Land g\u00fcnstiger produziert werden kann. So k\u00f6nnte der Sonnenschein im S\u00fcden oder die Windkraft aus dem Norden gro\u00dfe Teile Europas g\u00fcnstig versorgen, anstatt mit Verlust eingespeichert zu werden oder ganz verloren zu gehen. Die Energieversorgung aller europ\u00e4ischen B\u00fcrger wird durch den innereurop\u00e4ischen Stromhandel stabiler, effizienter und g\u00fcnstiger. Julia Broich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"28.04.2025 \u2013 Europa begann bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, seine Netze \u00fcber Landesgrenzen hinweg zu verbinden.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":67092,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,29846,13,14,15,12,11734],"class_list":{"0":"post-67091","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-flexibles-stromsystem","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-stromnetz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114413627344071887","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67091\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}