{"id":671975,"date":"2025-12-26T03:03:17","date_gmt":"2025-12-26T03:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/671975\/"},"modified":"2025-12-26T03:03:17","modified_gmt":"2025-12-26T03:03:17","slug":"das-buch-als-kunst-leipziger-verlag-belebt-traditionelle-drucktechniken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/671975\/","title":{"rendered":"Das Buch als Kunst: Leipziger Verlag belebt traditionelle Drucktechniken"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/buchstadt-themenjahr-geschichte-buchhandel-verlag-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Geschichte und Gegenwart der Buchstadt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buchstadt Leipzig<\/a> war einst ein Zentrum der sogenannten &#8222;Schwarzen Kunst&#8220;. Unter diesem Begriff werden traditionell die k\u00fcnstlerischen und handwerklichen Techniken zusammengefasst, die mit (schwarzer) Druckfarbe arbeiten. Handsatz mit Bleilettern zum Beispiel, aber auch Drucktechniken, wie Radierung, Lithografie oder Holzschnitt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr die industrielle Buch-Herstellung inzwischen nicht mehr relevant, entdecken vor allem junge K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/religion\/reformation-abc-buchdruck100.html\" title=\"Reformation von A bis Z: Buchdruck\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">traditionellen Drucktechniken<\/a> f\u00fcr sich \u2013 auf den Geschmack gebracht etwa durch ein Studium an der renommierten Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst (<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/hgb-bibliothek-jubilaeum-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: HGB-Bibliothek zeigt Buchsch\u00e4tze zum 150. Jubil\u00e4um\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">HGB<\/a>) in Leipzig. Zwei Absolventen dieser Hochschule haben nun sogar einen eigenen Verlag f\u00fcr originalgrafische B\u00fccher und Mappen gegr\u00fcndet: den Staffel Verlag.\n<\/p>\n<p><a name=\"Hin\"><strong>Hin<\/strong><\/a><strong>terhof in Leipzig als Verlagssitz<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nIn einem unscheinbaren Geb\u00e4ude in einem Hinterhof im Leipziger Westen herrscht anregende Arbeitsatmosph\u00e4re: \u00fcberall bemalte Leinw\u00e4nde, Farben, allerlei Werkzeuge. Dazwischen: stapelweise B\u00fccher und Mappen, aufw\u00e4ndig gebunden, mit vielfarbig leuchtenden Bezugsstoffen und -papieren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer kleine Raum ist Atelier und Verlagssitz in einem. Leon Friedrichs, bildender K\u00fcnstler und Entrepreneur, steht inmitten dieser Herrlichkeit. &#8222;Staffel als Konzept hei\u00dft kollaborative Originalgrafik&#8220; erl\u00e4utert er die Idee des Staffel Verlags, &#8222;und kollaborativ hei\u00dft, jeder adaptiert eine fremde Zeichnung.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nOriginalgrafische Drucktechniken, das sind etwa Holzschnitt, <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten-leicht\/woerterbuch\/glossar-radierung-100.html\" title=\"Radierung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radierung<\/a>, Lithografie aber auch der Handsatz, bei dem Texte mit beweglichen Bleilettern in Handarbeit gesetzt werden. &#8222;Als Grafiker oder Grafikerin hast du ja normalerweise deinen eigenen Entwurf und \u00fcbertr\u00e4gst ihn auf deine Platte&#8220;, erkl\u00e4rt Friedrichs. Viele K\u00fcnstler arbeiteten auch direkt auf den Druckstock, ohne eine Vorzeichnung anzufertigen. &#8222;Und wir dachten uns: Mensch, das kann man ja aufteilen.&#8220; erz\u00e4hlt der Meistersch\u00fcler schmunzelnd.\n<\/p>\n<p><a name=\"Instagram\"><strong>Druckgrafik<\/strong><\/a><strong> \u2013 das Instagram der Renaissance<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nDass Grafiken nach fremden Vorlagen entstehen, ist in Wirklichkeit eine sehr alte Praxis. In Zeiten, als es weder Bildb\u00e4nde noch Instagram gab, lie\u00dfen Maler Kupferstiche oder Holzschnitte von ihren Gem\u00e4lden anfertigen, um ihrer Kunst Sichtbarkeit zu verleihen. So fungierten die Holzstiche von Renaissancek\u00fcnstlern wie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/nord-thueringen\/unstrut-hainich\/muehlhausen-kunst-denkmal-bauernkrieg-kultur-news-100.html\" title=\"M\u00fchlhausen: D\u00fcrers Kunst erinnert in Th\u00fcringen an Geschichte des Bauernkrieges\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00fcrer<\/a> oder Tizian auch als eine Art Werbematerial.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Tizian ist ein Extrembeispiel&#8220;, erz\u00e4hlt Leon Friedrichs. &#8222;Der hat seine Formschneider ins Atelier gef\u00fchrt, hat ihnen irgendeine gro\u00dfe Malerei gezeigt und so was gesagt wie: &#8222;So, nur halt in Schwarz-Wei\u00df. Naja, wei\u00dft schon, mach mal!&#8220; Friedrichs erkennt darin eine riesige \u00dcbersetzungsleistung. &#8222;Das sind nach heutigem Verst\u00e4ndnis ja eigentlich eigenst\u00e4ndige Kunstwerke&#8220;, meint er.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf Grundlage dieses Gedankens gr\u00fcndeten Leon Friedrichs und sein Malerkollege Felix Lorenz 2023 den Staffel Verlag. Beide studierten damals Malerei an der Leipziger HGB.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es werden von vornherein H\u00fcrden gelegt, weil man ja mal gucken kann, was dabei rauskommt.<\/p>\n<p>Leon Friedrichs, K\u00fcnstler und Verleger<br \/>\nStaffel Verlag<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nHaben sich die beiden auf ein Thema geeinigt, laden sie K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ein, sich mit einer Bildidee zu beteiligen. Die Vorlage daf\u00fcr bekommt dann einer der anderen Teilnehmenden per Zufallsprinzip zugeteilt und erstellt daraus nach eigenen Vorstellungen eine Druckgrafik.\n<\/p>\n<p><a name=\"Herausforderungen\"><strong>Staffel Verlag<\/strong><\/a><strong> spielt mit Herausforderungen<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nDiese Versuchsanordnung werde immer gern zum Anlass f\u00fcr Spielereien genommen. Etwa, indem Zeichnungen eingereicht w\u00fcrden, die f\u00fcr eine Umsetzung in Druckgrafik nicht geeignet seien. &#8222;Zum Beispiel fein ziselierte Graustufen f\u00fcr Holzschnitt, was nat\u00fcrlich so eine Bam!-in-your-face-Schwarz-Wei\u00df-Technik ist.&#8220;, freut sich der Verleger. &#8222;Wir haben mal <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/mdbk-kunst-museum-ausstellung-schink-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Bildermuseum zeigt magische Landschaftsbilder von Hans-Christian Schink\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotografien<\/a> als Vorlage gehabt f\u00fcr Holzschnitt, wir haben Malerei bekommen als Vorlage. Wir warten noch auf eine Skulptur. Also es werden von vornherein H\u00fcrden gelegt, weil man ja mal gucken kann, was dabei rauskommt.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUm den Spa\u00df am Experiment noch zu steigern, achten er und sein Kompagnon auf m\u00f6glichst unterschiedliche Bildsprachen unter den Teilnehmenden. Ungegenst\u00e4ndliche Kunst etwa \u2013 im Kontrast zu realistischen Positionen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir haben ja eigentlich in jedem Bild mindestens zwei Handschriften, die sich mischen. Das hei\u00dft, irgendeine Reibung, irgendeine Art von Bild, die in keinem Einzelatelier so entstehen k\u00f6nnte&#8220;, erkl\u00e4rt Friedrichs.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wir haben ja eigentlich in jedem Bild mindestens zwei Handschriften, die sich mischen. Das hei\u00dft, irgendeine Reibung, irgendeine Art von Bild, die in keinem Einzelatelier so entstehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Leon Friedrichs, K\u00fcnstler und Verleger<br \/>\nStaffel-Verlag<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Seltene <strong>Originale und Limited Editions<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nNeben diesen Projekten hat der Staffel Verlag auch B\u00fccher in originalgrafischen Techniken im Programm, die in Eigenproduktion von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern entstehen. So bekommen diese kostbaren Nischenprodukte mehr Sichtbarkeit und der Verlag profiliert sich als Heimat f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Buchkunst.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWeil jede Grafik, jede Buchseite von Hand gesetzt und gedruckt wird, entstehen pro Werk immer nur wenige Exemplare. Das hat seinen Preis: zwischen 50 und 1.000 Euro muss man f\u00fcr ein Buch oder Mappenwerk ausgeben \u2013 nennt dann aber auch einen ganzen Schwung signierter Originalgrafiken sein Eigen. Reich werden dabei aber weder Verleger noch K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. Immerhin k\u00f6nnen auf diese Weise die Kosten f\u00fcr die n\u00e4chsten Produktionen gedeckt werden und ab und zu auch die Standgeb\u00fchr bei einer kleinen Fachmesse.\n<\/p>\n<p><strong>Kooperation mit jungen Literatinnen und Literaten geplant<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nIdeen f\u00fcr Projekte gibt es viele. F\u00fcr die Mappe &#8222;Konklave&#8220; schlossen sich die Beteiligten f\u00fcr einen Tag in der Holzschnittwerkstatt der HGB ein. Das Buch &#8222;Stadt Land Fluss&#8220; entstand hingegen beim Herumstromern an unterschiedlichen Orten in und um Leipzig.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGerade ist die neue Grafikmappe in Arbeit, die enth\u00e4lt, was den K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern zum Thema Treppenhaus eingefallen ist. &#8222;Wir wollen das Buch oder die Mappe machen, die komplett auf einer Zugfahrt gedruckt wird, so der Nachfolger zum Konklave. Ob wir mit Presse einsteigen oder nicht, das wissen wir noch nicht. Da sind noch Details in der Logistik zu kl\u00e4ren,&#8220; erwidert Leon Friedrichs, wenn man ihn nach seinen Zukunftstr\u00e4umen fragt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch eine Heftreihe mit zeitgen\u00f6ssischer Literatur sei in Planung. Schlie\u00dflich befindet sich das <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/literatur\/deutsches-literaturinstitut-leipzig-geschichte-102.html\" title=\"Leipzig: Von DDR bis heute \u2013 Die Geschichte des Deutschen Literaturinstituts\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutsche Literaturinstitut Leipzig<\/a> (DLL), direkt gegen\u00fcber der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst. &#8222;Wir habe da jede Menge Leute, die sagen, Mensch, na klar schreibe ich euch was.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWenn man Leon Friedrichs zuh\u00f6rt, w\u00e4hrend er ein Buch, ein grafisches Blatt nach dem anderen ausbreitet, hat man keinen Zweifel, dass das funktionieren wird.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuelle: MDR KULTUR, Staffel Verlag<br \/>Redaktionelle Bearbeitung: op<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Buchstadt Leipzig war einst ein Zentrum der sogenannten &#8222;Schwarzen Kunst&#8220;. 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