{"id":672211,"date":"2025-12-26T06:05:19","date_gmt":"2025-12-26T06:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/672211\/"},"modified":"2025-12-26T06:05:19","modified_gmt":"2025-12-26T06:05:19","slug":"erfinderstreit-130-jahre-kino-wer-erfand-es-frankreich-oder-deutschland-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/672211\/","title":{"rendered":"Erfinderstreit &#8211; 130 Jahre Kino: Wer erfand es &#8211; Frankreich oder Deutschland? &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Paris (dpa) &#8211; Wir schreiben das Jahr 1895. Am 1. November flimmern in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> die ersten bewegten Bilder \u00fcber die Leinwand. Nur wenige Wochen sp\u00e4ter starren in Paris einige Dutzend Menschen auf eine wei\u00dfe Projektionsfl\u00e4che. Vor 130 Jahren begann mit der Erfindung des Kinos eine kulturelle Revolution. Doch wo begann sie wirklich: in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> oder in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Frankreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a>?<\/p>\n<p>Die deutschen Br\u00fcder Skladanowsky\u00a0<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als\u00a0Max und Emil Skladanowsky\u00a0am\u00a01. November 1895\u00a0im Wintergarten Variet\u00e9 in Berlin ihre Filme vorf\u00fchrten, staunte das Publikum. Vor ihren Augen flimmerten kurze, von den Br\u00fcdern selbst aufgenommene Sequenzen: Akrobaten, T\u00e4nzer, fl\u00fcchtige Alltagsszenen. Historische Berichte sprechen von 7 bis 10 Geschichten, jede etwa 20 bis 30 Sekunden lang. Die Vorf\u00fchrung war Teil eines kostenpflichtigen Variet\u00e9programms.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">M\u00f6glich wurde dieses Staunen durch den von den Br\u00fcdern entwickelten Bioskop, eine technische Neuerung, bei der zwei Filmstreifen abwechselnd projiziert wurden. Es war die erste \u00f6ffentliche Filmvorf\u00fchrung in Deutschland. Max war der technische\u00a0Kopf der Br\u00fcder, T\u00fcftler und Vision\u00e4r, Emil unterst\u00fctzte die Produktion und war eher organisatorisch t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Die Franzosen Auguste und Louis Lumi\u00e8re<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nur wenige Wochen sp\u00e4ter, am 28. Dezember 1895, f\u00fcllte sich der Salon Indien des Grand Caf\u00e9 nahe der Pariser Oper Garnier. Rund 30 zahlende G\u00e4ste starrten gebannt auf die Leinwand. Zehn kurze Filme, alle von den Br\u00fcdern Auguste und Louis Lumi\u00e8re gedreht, flimmerten \u00fcber die Projektionswand: Arbeiter verlassen eine Fabrik in Lyon, ein Zug rollt in den Bahnhof \u2013 und viele springen erschrocken zur\u00fcck, \u00fcberzeugt, der Zug w\u00fcrde direkt auf sie zufahren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Filme liefen auf dem von den Br\u00fcdern Lumi\u00e8re entwickelten Cin\u00e9matographe, im Deutschen meist Kinematograph genannt \u2013 ein kompaktes Ger\u00e4t, das Kamera, Kopierapparat und Projektor vereinte. Ihre erste geschlossene Vorf\u00fchrung fand bereits am 22. M\u00e4rz 1895 statt.<\/p>\n<p>Wer sind nun die Erfinder?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr\u00a0Thierry Fr\u00e9maux, Historiker und Generaldirektor des Filmfestivals von Cannes, besteht kein Zweifel: Das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kino\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kino<\/a> wurde von den franz\u00f6sischen Br\u00fcdern\u00a0Auguste und Louis Lumi\u00e8re\u00a0erfunden. In seiner vor wenigen Monaten erschienenen Doku\u00a0\u201eLumi\u00e8re! L\u2019aventure continue\u201c (Lumi\u00e8re\u00a0! Das Abenteuer geht weiter) sagte er: \u201eAlle, die ihnen vorausgegangen sind, sind Ko-Erfinder.\u201c\u00a0<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zeitgen\u00f6ssische Berichte &#8211; auch von Auguste selbst &#8211; schreiben die entscheidende Idee seinem Bruder Louis zu. Louis brachte die Bilder zum Laufen, Auguste brachte sie unter die Leute: Er k\u00fcmmerte sich um die Vorf\u00fchrungen und die Verbreitung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Br\u00fcder drehten \u00fcber 2.000 Kurzfilme. Fr\u00e9maux kommentiert in seiner Doku 120 bisher unver\u00f6ffentlichte Mini-Geschichten von rund 50 Sekunden. Alle stammen aus dem Institut Lumi\u00e8re in Lyon, einem Archiv und Forschungszentrum, das den Br\u00fcdern Lumi\u00e8re gewidmet ist und von Fr\u00e9maux geleitet wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/9b1bc384-3b47-4f61-a6ac-0140454c4a60.jpg\"   alt=\"Thierry Fr\u00e9maux leitet das Institut Lumi\u00e8re in Lyon. (Archivbild)\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Thierry Fr\u00e9maux leitet das Institut Lumi\u00e8re in Lyon. (Archivbild) (Foto: Mickael Chavet\/ZUMA Press Wire\/dpa)Erfinder, Ko-Erfinder, Wegbereiter<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und doch bleibt die Frage nach der deutschen Rolle. Eine Antwort darauf lieferte k\u00fcrzlich die Ausstellung des Berliner Bundesarchivs: \u201e&#8220;Habe ich den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Film\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Film<\/a> erfunden?&#8220; Max Skladanowsky &#8211; Pionier, Vision\u00e4r und Hochstapler\u201c. Anlass war das 130. Jubil\u00e4um der Filmvorf\u00fchrung im Wintergarten Variet\u00e9.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zu sehen waren Ger\u00e4te, Fotografien und Dokumente aus dem umfangreichen Nachlass der Br\u00fcder. Im Beiheft wurde das Fazit festgehalten: Skladanowsky hat zweifellos zur Entwicklung des Films beigetragen, wie viele andere Pioniere seiner Zeit \u2013 erfunden hat er ihn jedoch nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Best\u00e4tigt wird dies auch vom Potsdamer Filmmuseum: \u201eTechnologie und Qualit\u00e4t von Skladanowskys Ger\u00e4ten und Vorf\u00fchrungen lagen hinter dem zur\u00fcck, was andere Erfinder zur selben Zeit bereits praktizierten.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Die vielen Anf\u00e4nge<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Viele hatten den Weg zum Kino bereitet, darunter auch Thomas Alva Edison, der mit seinen Mitarbeitern in den fr\u00fchen 1890er Jahren das Kinetoskop entwickelte. Das Ger\u00e4t erm\u00f6glichte, bewegte Bilder einzeln zu betrachten: Man schaute durch einen Guckkasten, der Film lief im Inneren ab.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch andere T\u00fcftler experimentierten: Der Brite Eadweard Muybridge und der Franzose \u00c9tienne-Jules Marey zerlegten Bewegung in technische Sequenzen und machten sie reproduzierbar. Auf diesen wissenschaftlichen und visuellen Grundlagen konnte das Kino sp\u00e4ter aufbauen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer der wichtigsten Wegbereiter des kommerziellen Kinos in Deutschland war Oskar Messter. 1896 er\u00f6ffnete der Ingenieur und Produzent in Berlin eines der ersten festen Kinos, das \u201eKinetographen-Theater\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Das Kino, ein Ereignis<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Film &#8211; als technische M\u00f6glichkeit, Bewegung festzuhalten &#8211; wurde von vielen erdacht, erprobt und verbessert: ein kollektives Abenteuer zahlreicher T\u00fcftler und Vision\u00e4re. Das Kino jedoch entstand erst, als aus Technik ein \u00f6ffentliches Ereignis wurde: ein Moment, in dem Menschen gemeinsam vor der Leinwand sa\u00dfen, staunten, lachten oder erschraken. Ein Erlebnis, das bis heute Millionen fesselt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:251226-930-467019\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Paris (dpa) &#8211; Wir schreiben das Jahr 1895. Am 1. 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