{"id":672692,"date":"2025-12-26T11:42:13","date_gmt":"2025-12-26T11:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/672692\/"},"modified":"2025-12-26T11:42:13","modified_gmt":"2025-12-26T11:42:13","slug":"deutschrap-ist-tot-digga-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/672692\/","title":{"rendered":"Deutschrap ist tot, Digga &#8211; WELT"},"content":{"rendered":"<p>Mega-Streams, aber Mini-Substanz: Deutschrap inszeniert sich wie eine Puppenkiste auf Autotune. Doch in Wahrheit ist das Genre zur generischen Leierkastenmusik der Gen Z verkommen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Deutschrap rasiert. Zumindest den nackten Zahlen nach. Gleich sieben Rapper haben es in diesem Jahr in Spotifys Top-10-Jahresranking der meistgestreamten K\u00fcnstler Deutschlands geschafft. So belegt gleich hinter Taylor Swift der Kreuzberger Rapper Pashanim den zweiten Platz, gefolgt von Jazeek, Bonez MC, Luciano, Aymen, RAF Camora und Reezy. Sie geh\u00f6ren also zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands. Doch akustisch betrachtet handelt es sich bei den Chartst\u00fcrmern um einen weitestgehend gleich klingenden Mischmasch aus Trap-Beats, Autotune-Hooks und dahingenuschelten Texten. Deutschrap ist zur generischen Leierkastenmusik der Gen Z verkommen.<\/p>\n<p>Vom Kreativit\u00e4tsschub, der das Genre in den gut zehn Jahren von etwa 2005 bis 2015 durchfuhr, keine Spur mehr. Rapper wie Bushido oder Fler rappten damals als Erste \u00fcber das Leben im sozialen Brennpunkt, ein Kollegah sorgte mit seinen sagenhaften Reimketten f\u00fcr Furore, und K\u00fcnstler wie Casper, Prinz Pi oder Cro rissen die Grenzen zum Singer-Songwriter-Pop nieder. Deutschrap damals war wie ein Pausenhof, auf dem vornehmlich junge M\u00e4nner herumtobten, sich ausprobierten und gelegentlich auch mal fetzten. Dagegen wirkt die Szene heute wie ein stickiger Klassenraum, in dem ein paar Kids apathisch auf ihren Ger\u00e4ten herumwischen.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt es reichlich, zuallererst die Logik der Streaming-Dienste selbst, die mit ihren g\u00fcnstigen Abo-Modellen die Art des Musikkonsums ver\u00e4ndert haben. Verschwunden ist die Aura, die Tontr\u00e4ger einst hatten. Musik ist heute eine spottbillige Massenware, die meist leise aus Handys und kleinen JBL-Boxen vor sich hin dudelt. K\u00fcnstler verdienen am Streaming-Modell kaum noch, zugleich br\u00f6ckelt der Markt f\u00fcr Live-Auftritte. Was bleibt, sind exorbitante Abrufzahlen auf Spotify und Co., die aber wenig \u00fcber die Relevanz des K\u00fcnstlers und die Qualit\u00e4t seiner Musik aussagen.<\/p>\n<p>Die Szene ist boulevardisiert<\/p>\n<p>Die einstigen Aush\u00e4ngeschilder der Szene haben l\u00e4ngst darauf reagiert und das Weite gesucht. Cro lebt mittlerweile weitestgehend zur\u00fcckgezogen auf seinem Luxus-Anwesen auf Bali, Fler h\u00e4lt sich mit trashigen Casino-Streams auf Zypern \u00fcber Wasser. Dort soll sich nach Zwischenstationen in den Rapper-Gartenkolonien <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/video195811011\/Amtshilfe-Polizeieinsatz-in-Abou-Chaker-Villa-in-Kleinmachnow.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/video195811011\/Amtshilfe-Polizeieinsatz-in-Abou-Chaker-Villa-in-Kleinmachnow.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kleinmachnow<\/a> und Dubai mittlerweile auch Capital Bra niedergelassen haben.<\/p>\n<p>Damit einher geht die zunehmende Boulevardisierung der Szene. Voyeuristische Ereignisse wie der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article68f9f98059e2e097507091c4\/haftbefehl-doku-auf-netflix-das-koks-ist-sein-endgegner.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article68f9f98059e2e097507091c4\/haftbefehl-doku-auf-netflix-das-koks-ist-sein-endgegner.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von Netflix dokumentierte<\/a> Verelendungsporno \u00fcber den Absturz von Haftbefehl und dessen Nasenscheidewand sind relevanter als die Musik selbst. Neulich erst bekam Bushido f\u00fcr seinen anl\u00e4sslich der Trennung von Ehefrau Anna-Maria ver\u00f6ffentlichten Song \u201eDu liebst mich nicht\u201c jede Menge H\u00e4me im Netz ab, wobei sein musikalischer Output schon seit L\u00e4ngerem an Heino oder Peter Maffay erinnert. Nach einem durchlaufenen Zeugenschutzprogramm und jahrelangem Polizeischutz verzog der selbst ernannte \u201eStaatsfeind Nr. 1\u201c von einst nach Dubai, um sich dort mit Gattin und Gro\u00dffamilie als deutsche Version der \u201eKardashians\u201c zu inszenieren.<\/p>\n<p>Die \u201eFerchichis\u201c, das ist vor allem die Vermarktung der eigenen Privat- und Intimsph\u00e4re. Und so erinnern sowohl der einstige Rap-Superstar als auch die neue Deutschrapszene mit ihren imposanten Streamingzahlen und der verlorenen Strahlkraft irgendwie an den Scheinriesen \u201eTur Tur\u201c aus Michael Endes \u201eJim Knopf\u201c. Aus der Ferne wirkt dieser gro\u00df und m\u00e4chtig, doch je n\u00e4her man dem Wesen kommt, desto mehr schrumpft es zusammen zu einem friedlichen, mit sich selbst ringenden \u00e4lteren Herrn mit langem Bart und Zipfelm\u00fctze, der zur\u00fcckgezogen in der W\u00fcste lebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mega-Streams, aber Mini-Substanz: Deutschrap inszeniert sich wie eine Puppenkiste auf Autotune. 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