{"id":673704,"date":"2025-12-26T22:12:21","date_gmt":"2025-12-26T22:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/673704\/"},"modified":"2025-12-26T22:12:21","modified_gmt":"2025-12-26T22:12:21","slug":"die-berliner-bildhauerin-gisela-von-bruchhausen-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/673704\/","title":{"rendered":"Die Berliner Bildhauerin Gisela von Bruchhausen ist tot"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAGen tspAGeo\">Es braucht Mut, um sich ins Abseits zu stellen. Die Gruppe Odious hat dies Anfang der 1980er Jahre getan, allein schon mit ihrem Namen, der aus dem Englischen \u00fcbersetzt verhasst oder abscheulich bedeutet. Ein Grund war Provokation, nat\u00fcrlich. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Gleichzeitig lenkte man den Blick aber auch auf das Abseitige, Nonkonforme in der Stahlbildhauerei \u2013 und entschied sich zur Verwendung bereits definierter Materialien. Ihren Werkstoff holte sich die Gruppe von Schrottpl\u00e4tzen: Bleche, St\u00e4be, Gitter oder Vierkanteisen bestimmten die Gestalt der Plastiken.\u00a0<\/p>\n<p class=\"tspAGen\"><a>Gisela von Bruchhausen<\/a> war dabei, als sich Odious formierte. Zusammen mit Klaus Duschat, David Lee Thompson und anderen Studenten an der heutigen Universit\u00e4t der K\u00fcnste (UDK) schloss sie sich zum Kollektiv zusammen. Eine Entscheidung, die in der Hochphase k\u00fcnstlerischer Solisten geradezu unerh\u00f6rt klang: Zuh\u00f6ren, im Team arbeiten und gemeinsam Gestalterisches zu entwickeln, geh\u00f6rte nicht eben zu den Tugenden der damaligen Szene.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2007-step-between.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15083026\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Gisela von Bruchhausen: \u201eStep-between\u201c, eine Stahlskulptur von 2007.  <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 Gisela von Bruchhausen, VG Bild-Kunst, Bonn 2025 | Foto: J\u00f6rg von Bruchhausen <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">2013, da feierte <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/schrott-ist-schon-2144209.html?icid=in-text-link_15083016\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Odious sein 30. Jubil\u00e4um<\/a> mit einer Ausstellung im Georg Kolbe Museum, erinnerte sich die K\u00fcnstlerin in einem Interview an jene Zeit. Es gab gro\u00dfartige Kooperationen, doch daneben arbeitete jeder auch f\u00fcr sich allein an Fragen, die ihm das Material und die Bildhauerei stellten.\u00a0<\/p>\n<p> Auf den Punkt kommen <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">F\u00fcr Gisela von Bruchhausen ging es um das Zusammenf\u00fcgen. Darum, den Punkt zu finden, an dem sich das Einzelne mit dem \u00dcbrigen kompositorisch verbindet. Die Konstruktion ist eine Folge innerer Notwendigkeiten im Wechselspiel mit Licht und Raum, die innere Spannung jedes ihrer Werke eine logische Konsequenz. Dass sie dem Stahl dazu die Schwere nimmt und er zu schweben beginnt, wirkt wie Magie.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Nach einem Jahrzehnt mit Fundst\u00fccken schwenkte die K\u00fcnstlerin um und griff nach \u201efrischem Stahl\u201c, den sie vorgefertigt bezog oder im Atelier nach ihren Vorstellungen bearbeitete. Farbe anstelle der Rosthaut, fein akzentuiert, auf ein Blau, Rot oder Grau beschr\u00e4nkt und auf sparsamste Weise individuell interpretiert. Der Stahl ist der Star, die Bildhauerin seine Vollenderin.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Ihr Werk aus \u00fcber vierzig Jahren ist beeindruckend gewachsen. Auch ohne die Gruppe Odious, deren Mitglieder sich nach dem Mauerfall zerstreuten. Gisela von Bruchhausen, die sich erst mit Ende drei\u00dfig nach einer Ehe und der Geburt dreier S\u00f6hne f\u00fcr ein Studium der Kunst entschied, zog nach Lehnin in ein weitr\u00e4umiges Atelier. Hier entstanden Plastiken, Reliefs und Collagen, die 2022 in der Berliner Galerie Kajetan zu sehen waren.\u00a0<\/p>\n<p> Modular und voller Kontraste <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">\u201eGisela von Bruchhausen|Contained\u201c, so der Titel der Schau, versammelte Arbeiten eines Jahrzehnts. Auffallend viele Wandarbeiten waren darunter, ihre Sprache modular und auf Kontrasten basierend. Vieles wirkte fragiler als jene schweren Stahlskulpturen, mit denen sich die K\u00fcnstlerin, die 1987 als Assistentin von <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/ein-klassiker-wird-wiederentdeckt-mehr-respekt-8774707.html?icid=in-text-link_15083016\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anthony Caro<\/a> im Workshop Stahl in der Bildhauerwerkstatt Berlin wirkte und sp\u00e4ter selbst Lehrauftr\u00e4ge an der UDK wie in der chinesischen Metropole Hangzhou absolvierte, einen Namen gemacht hat. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Doch immer noch belegte die Ausstellung eindrucksvoll die Konsequenz der K\u00fcnstlerin im Umgang mit ihren zentralen Themen: Gewicht, Dynamisierung, Rhythmus und Spannung.<\/p>\n<p> Mehr spannende Kunst im Tagesspiegel <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/ein-vorbildliches-restitutionsprojekt-zwischen-der-schweiz-und-cote-divoire-wenn-die-geschichte-in-bewegung-gerat-15059687.html?icid=topic-list_15083016___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" data-hydrate-props=\"{&amp;escapedquot;element&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;type&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;relatedContent&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;fieldMap&amp;escapedquot;:{},&amp;escapedquot;relation&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;fields&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;isPaid&amp;escapedquot;:true},&amp;escapedquot;href&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;\/kultur\/ein-vorbildliches-restitutionsprojekt-zwischen-der-schweiz-und-cote-divoire-wenn-die-geschichte-in-bewegung-gerat-15059687.html&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;teaserTitle&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;kicker&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;Ein vorbildliches Restitutionsprojekt zwischen der Schweiz und C\u00f4te d\u2019Ivoire&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;headline&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;Wenn die Geschichte in Bewegung ger\u00e4t&amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;id&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;15059687&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;type&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;story&amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;isPartOfList&amp;escapedquot;:true,&amp;escapedquot;topicListType&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;topic-list&amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;showArrow&amp;escapedquot;:true}\" data-hydrate-slots=\"{&#039;default&#039;:[]}\" class=\"tspBTll\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein vorbildliches Restitutionsprojekt zwischen der Schweiz und C\u00f4te d\u2019Ivoire Wenn die Geschichte in Bewegung ger\u00e4t <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/chaos-im-cafe-der-mikrokosmos-der-kunstlerin-kerstin-bratsch-15067400.html?icid=topic-list_15083016___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" data-hydrate-props=\"{&amp;escapedquot;element&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;type&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;relatedContent&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;fieldMap&amp;escapedquot;:{},&amp;escapedquot;relation&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;fields&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;isPaid&amp;escapedquot;:null},&amp;escapedquot;href&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;\/kultur\/chaos-im-cafe-der-mikrokosmos-der-kunstlerin-kerstin-bratsch-15067400.html&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;teaserTitle&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;kicker&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;Chaos im Caf\u00e9&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;headline&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;Der Mikrokosmos der K\u00fcnstlerin Kerstin Br\u00e4tsch &amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;id&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;15067400&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;type&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;story&amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;isPartOfList&amp;escapedquot;:true,&amp;escapedquot;topicListType&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;topic-list&amp;escapedquot;},&amp;escapedquot;showArrow&amp;escapedquot;:true}\" data-hydrate-slots=\"{&#039;default&#039;:[]}\" class=\"tspBTll\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chaos im Caf\u00e9 Der Mikrokosmos der K\u00fcnstlerin Kerstin Br\u00e4tsch  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Bis vor wenigen Wochen noch galt ihre volle Konzentration dem Werkverzeichnis. \u201eStahl Skulpturen\u201c ist im Kehrer Verlag erschienen, die ersten Exemplare wurden gerade ausgeliefert, das zweib\u00e4ndige Werk begleiten Texte von Christian Malycha, Herann Wiesler und dem langj\u00e4hrigen Partner der K\u00fcnstlerin, Robert Kudielka. Kurz danach, am 22. Dezember, ist Gisela von Bruchhausen in Berlin gestorben, sie wurde 85 Jahre alt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es braucht Mut, um sich ins Abseits zu stellen. Die Gruppe Odious hat dies Anfang der 1980er Jahre&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":673705,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,3534,3299,29,214,30,3295,27668,1794,215],"class_list":{"0":"post-673704","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-bildhauer","10":"tag-bildhauerei","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-hochschulen","15":"tag-kunst-in-berlin","16":"tag-kunst-und-design","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115788168829366264","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=673704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673704\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/673705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=673704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=673704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=673704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}