{"id":673934,"date":"2025-12-27T00:51:45","date_gmt":"2025-12-27T00:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/673934\/"},"modified":"2025-12-27T00:51:45","modified_gmt":"2025-12-27T00:51:45","slug":"heute-muss-mal-richard-ein-paar-federn-lassen-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/673934\/","title":{"rendered":"\u00bbHeute muss mal Richard ein paar Federn lassen\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Rechner von Ann-Katrin Zimmermann liegt ein Audiofile f\u00fcr den heutigen Abend: die Tannh\u00e4user-Ouvert\u00fcre. Wuchtig, romantisch, ergreifend. \u00bbJa, heut muss mal Richard ein paar Federn lassen\u00ab, kommentiert die Musikwissenschaftlerin, \u00bbvor allem die fremden, mit denen er sich so gern schm\u00fcckt.\u00ab Es klingt beil\u00e4ufig, aber es kommt von Herzen: Zimmermann mag auch Wagner \u2013 zumindest seine Musik. Die H\u00fctte wird voll und nat\u00fcrlich sind auch diesmal die St\u00fchle im Schumann-Eck im Foyer des Gewandhauses zuerst besetzt: Nur wer eine Stunde vor Konzertbeginn kommt, kann der Einf\u00fchrung in den Wagner-Abend des Orchesters zuh\u00f6ren. Es wird launig, unterhaltsam, informativ. Zimmermann holt in ihren Konzerteinf\u00fchrungen die Komponisten vom Sockel und erz\u00e4hlt l\u00e4ngst nicht nur von deren Verdiensten. Viel Musik ist zu h\u00f6ren, die F\u00e4hrten auslegt f\u00fcr intensives Erleben anschlie\u00dfend im Konzert. Und Ann-Katrin Zimmermann verr\u00e4t, wo sich Komponisten ihre \u00bbInspirationen\u00ab geholt haben.\u00a0<\/p>\n<p>Seit heute Morgen um sechs sitzt sie an ihrem Schreibtisch in der \u00bbDramaturgie\u00ab des Gewandhauses. \u00bbIch kann morgens, bevor der Trubel beginnt, einfach am besten arbeiten\u00ab, sagt die schmale, drahtige Professorin. Nat\u00fcrlich wird sie auch selbst das Konzert besuchen, das geh\u00f6rt zum Job. Ein sehr langer Tag. Wie so oft.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr Ann-Katrin Zimmermann sind das gl\u00fcckliche Tage. \u00bbIch mache hier das, wof\u00fcr ich brenne\u00ab, sagt sie. Als sie im Januar 2013 erfuhr, dass sie die Stelle am Gewandhaus bekommt, war das f\u00fcr die Schw\u00e4bin einerseits der Sprung ins kalte Wasser und andererseits die willkommene Alternative zum Wissenschaftsbetrieb \u2013 kreativ, n\u00e4her an der Kunst und an denen, die Musik machen und lieben. \u00bbHier bin ich nicht Einzelk\u00e4mpfer, sondern Teamarbeiter\u00ab, sagt sie fr\u00f6hlich. \u00bbUnd habe das Gef\u00fchl, noch mehr von dem einbringen zu k\u00f6nnen, was mir wichtig ist.\u00ab Wobei sie der Uni (in T\u00fcbingen) als Dozentin treu geblieben ist.<\/p>\n<p>Musik als Beruf kam in ihrer Familie nicht vor. \u00bbWir haben viel gesungen\u00ab, sagt Ann-Katrin Zimmermann. \u00bbAber Sport war in der Freizeit genauso wichtig wie das Musizieren. In meinem Heimatst\u00e4dtchen Ebersbach an der Fils gab\u2019s ein naturwissenschaftliches Gymnasium und ich wollte Biologie studieren. Erst kam die Philosophie dazwischen und dann die Musikwissenschaft.\u00ab Mit musikalischer Praxis von der Blockfl\u00f6te \u00fcber das Klavier und die Orgel zum Fagott. Als Kirchenmusikerin, Chorleiterin, Musikschullehrerin und Kuratorin einer Instrumentensammlung. Promotion und Habilitation dabei irgendwie aus der Bewegung heraus. \u00bbSchreiben und Musik \u2013 das hab ich schon immer leidenschaftlich gern gemacht. Schreiben \u00fcber Musik war f\u00fcr mich die perfekte Kombination und eine Herausforderung. Noch dazu in Leipzig, wo Musikgeschichte hinter jeder Ecke lauert! Nahezu alle Komponistenwaren mal irgendwann hier.\u00ab Mozart, Mendelssohn Bartholdy, die Schumanns, Wagner, Brahms, Bruckner, Tschaikowski, Mahler, Schostakowitsch \u2026 Und Bach? Hat sie etwa Bach vergessen? Ann-Katrin Zimmermann winkt ab: \u00bbBach! Bach ist in Leipzig und f\u00fcr mich pers\u00f6nlich eh allgegenw\u00e4rtig. Seinetwegen hab ich Orgel gelernt!\u00ab<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 meldeten sich pl\u00f6tzlich alte Freunde und fragten am Telefon: \u00bbAnni, stimmt das? Bist du das?\u00ab Ja, es hatte sich rumgesprochen: Ann-Katrin Zimmermann ist f\u00fcr einen Grammy nominiert. In der Kategorie \u00bbBest Album Notes\u00ab. Die sie geschrieben hat f\u00fcr die Aufnahme von Beethovens drei letzten Sonaten, gespielt vom koreanischen Pianisten Sunwook Kim im Kunstkraftwerk, hier in Leipzig. \u00bbDas war surreal\u00ab, sagt Zimmermann heute. \u00bbEigentlich so ein schnell hingeworfener Text, den man lieber nochmal bearbeiten m\u00f6chte. Und dann war ich eine der ganz wenigen Deutschen auf der Grammy-Liste 2022 \u2013 zusammen mit Hans Zimmer.\u00ab<\/p>\n<p>Ihre Begeisterung f\u00fcr Leipzig h\u00e4lt an, auch weil hier alles kompakt beieinanderliegt. Egal, wo sie hinwill \u2013 es sind immer nur ein paar Minuten mit dem Rad. \u00bbEs gibt hier bunte musikalische Szenen, fantastische Bibliotheken, Ausstellungen \u2013 alles in gutem Mix von Aush\u00e4ngeschildern und Geheimtipps.\u00ab Und Musikgeschichte nicht nur zum Nachlesen, sondern zum Miterleben. Der Job bringt Themenvielfalt und gibt Gelegenheit, in die Tiefe zu gehen. \u00bbMal ehrlich: Ich wei\u00df nicht, ob ich mir freiwillig so viel Schostakowitsch auf einmal angetan h\u00e4tte. Aber eine riesige Werkschau wie das Schostakowitsch-Festival im vergangenen Mai nutzt man als Chance, ihn umfassend zu erkunden \u2013 auch den Schostakowitsch, den wir vielleicht noch nicht kennen.\u00ab Unser Bild von ihm sei von wenigen popul\u00e4ren Werken gepr\u00e4gt: \u00bbder F\u00fcnf, der Sieben, der Zehn, dem Streichquartett Nr. 8 \u2013 aber da gibt\u2019s noch so vielmehr\u00ab \u2013 freilich auch einiges, was Ann-Katrin Zimmermann unter \u00bbgutem Handwerk\u00ab und \u00bbeffektvoller Propaganda\u00ab einordnet.\u00a0<\/p>\n<p>Gibt es eigentlich klassische Komponisten, deren Musik sie nicht mag? Ann-Katrin Zimmermann muss l\u00e4nger nachdenken. \u00bbIch kann fast allen was abgewinnen.\u00ab Sie zuckt mit den Schultern. \u00bbAber von einigen werde ich schnell satt. Sorry, aber s\u00fc\u00dflich-seichte Schunkelklassik vertrag ich nur gering dosiert.\u00ab\u00a0<\/p>\n<p>Ihr sch\u00f6nster Platz in Leipzig liegt gar nicht in der Stadt. \u00bbIch radle raus zum Werbeliner See \u2013Laufen, Fotografieren, den V\u00f6geln zuh\u00f6ren. Schwimmen darf man dort ja nicht. Eigentlich.\u00ab Das ist der Ausgleich. Irgendwie habe auch das mit Musik zu tun und sei einfach n\u00f6tig, wenn man nicht verbrennen will mit der Sache, f\u00fcr die man brennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf dem Rechner von Ann-Katrin Zimmermann liegt ein Audiofile f\u00fcr den heutigen Abend: die Tannh\u00e4user-Ouvert\u00fcre. 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