{"id":674322,"date":"2025-12-27T05:14:11","date_gmt":"2025-12-27T05:14:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674322\/"},"modified":"2025-12-27T05:14:11","modified_gmt":"2025-12-27T05:14:11","slug":"tanz-ums-ueberleben-eine-dresdner-club-betreiberin-erzaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674322\/","title":{"rendered":"Tanz ums \u00dcberleben \u2013 Eine Dresdner Club-Betreiberin erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u00abWir k\u00f6nnen nicht jeden Monat die L\u00f6hne p\u00fcnktlich zahlen\u00bb, sagt Josefine Went. Sie steht auf dem gekachelten Floor des Dresdner Technoclubs \u00abobjekt klein a\u00bb. Sonnenlicht f\u00e4llt durch die bunt beklebten Fenster. Von den n\u00e4chtlichen Raves ist jetzt gerade nichts zu sp\u00fcren. \u00abEs ist echt ein sehr krasses Auf und Ab\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>Went leitet zusammen mit Felix Buchta das OKA, wie sie den Club nennen. 65 Menschen sind derzeit angestellt. \u00abEs tut nat\u00fcrlich immer weh zu sagen und f\u00fchlt sich sehr unsolidarisch an, aber auch der steigende Mindestlohn ist f\u00fcr uns ein Problem\u00bb, sagt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Nicht nur das: Die hohen Kosten f\u00fcr Miete und Betrieb machen dem Club ebenfalls zu schaffen. \u00abWir gehen ganz gut aus 2025 raus und haben gleichzeitig auch schon wieder Angst vor 2026.\u00bb<\/p>\n<p>Geht den Clubs Puste aus?<\/p>\n<p>Wie dem OKA geht es vielen Clubs. Zwar w\u00fcrden seit der Corona-Pandemie wieder mehr Menschen feiern gehen, aber Energie, Mieten, Gagen und L\u00f6hne seien sp\u00fcrbar teurer geworden, sagt OKA-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Vorstand der Live Initiative Sachsen (LISA), Felix Buchta. \u00abDie Situation der s\u00e4chsischen Clubs und Livemusikspielst\u00e4tten ist weiterhin extrem prek\u00e4r und f\u00fcr viele existenzbedrohend\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>\u00abViele Clubs arbeiten am Rande der Rentabilit\u00e4t und \u00fcberleben seit der Corona-Pandemie nur mit massiven Anstrengungen, dank der Solidarit\u00e4t in der Szene und durch pers\u00f6nliche Ausbeutung\u00bb, erkl\u00e4rt Buchta. Doch diese Ressourcen seien endlich. Die wenigsten Spielst\u00e4tten w\u00fcrden noch \u00fcber R\u00fccklagen verf\u00fcgen. \u00abWenn sie \u00fcberhaupt jemals welche hatten.\u00bb<\/p>\n<p>Im September hatte die Linksfraktion im s\u00e4chsischen Landtag einen Schutzschirm f\u00fcr Clubs und Livemusikb\u00fchnen gefordert. Steigende Kosten, Besucherr\u00fcckg\u00e4nge und fehlende Unterst\u00fctzung w\u00fcrden viele Einrichtungen in ihrer Existenz bedrohen. Die Fraktion forderte daher ein Soforthilfeprogramm.<\/p>\n<p>Partyverhalten \u00e4ndert sich<\/p>\n<p>Auch die Art, wie Menschen feiern, hat sich seit der Corona-Pandemie ver\u00e4ndert, sagt Alex Pagel vom neu gegr\u00fcndeten B\u00fcro f\u00fcr Popkultur und Musik Sachsen (BPM). \u00abJunge Generationen haben schlichtweg ein St\u00fcck weit verlernt, in den Club zu gehen\u00bb, sagt Pagel. Bei weniger Publikum w\u00fcrden die Veranstalter bei ihren Buchungen eher auf Nummer sicher gehen. Und das sei auch f\u00fcr viele Nachwuchsk\u00fcnstlerinnen und -k\u00fcnstler ein Problem.<\/p>\n<p>Hinzu komme, dass Clubs h\u00e4ufig neuen Wohnungen weichen m\u00fcssten. So sei es etwa beim Leipziger Kultclub \u00abDistillery\u00bb gewesen, der mehrfach umziehen musste und dieses Jahr an einem neuen Standort er\u00f6ffnete. \u00abDer ist aber auch noch ungewiss\u00bb, sagt Pagel. Eine Idee sei die Einf\u00fchrung einer Schutzzone, wie es in K\u00f6ln geplant sei. Dort hat die Stadt einen Bebauungsplan f\u00fcr eine bestimmte Zone aufgestellt, um die dortige Club- und Nachtkultur st\u00e4dtebaulich zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Geld f\u00fcr Clubs statt Samtsitze<\/p>\n<p>F\u00fcr manche kommt dagegen jede Hilfe zu sp\u00e4t, so auch f\u00fcr das \u00abInstitut f\u00fcr Zukunft\u00bb (IfZ) in Leipzig. Vergangenes Jahr hatte der Club nach zehn Jahren dichtgemacht. Und auch der Nachfolger Axxon N. k\u00e4mpft nach eigenen Angaben wegen hoher Renovierungskosten und einem schwierigen Sommer ums \u00dcberleben. Medienberichten zufolge l\u00e4uft ein Insolvenzverfahren. \u00abWir sind mitten in Gespr\u00e4chen dar\u00fcber, wie der Club weitergef\u00fchrt werden kann\u00bb, hei\u00dft es in einem Post auf der Plattform Instagram von November.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Netzwerks LISA sind Clubs und Livemusikspielst\u00e4tten nicht nur Begegnungsorte und Schutzr\u00e4ume, sondern h\u00e4tten auch eine zentrale Bedeutung f\u00fcr die F\u00f6rderung des k\u00fcnstlerischen Nachwuchses. Buchta fordert daher ein Umdenken. \u00abOhne sinnvolle Querfinanzierungsmodelle wird die s\u00e4chsische Clubkultur kaum zu erhalten sein\u00bb, f\u00fcrchtet er. Es sei nicht gerecht, dass Clubs nach wie vor um Anerkennung als Kulturst\u00e4tten und F\u00f6rderung k\u00e4mpfen, w\u00e4hrend die meisten Mittel an \u00abdie altehrw\u00fcrdigen H\u00e4user mit Samtsitzen\u00bb gingen.<\/p>\n<p>Silvesterparty bringt Hoffnung<\/p>\n<p>Im OKA hat sich seit der Er\u00f6ffnung 2017 auf dem Industriegel\u00e4nde in Dresden-Neustadt einiges getan. \u00abWir haben viel mehr Veranstaltungen als fr\u00fcher\u00bb, erz\u00e4hlt Went. Fr\u00fcher habe es nur zwei Raves im Monat gegeben, inzwischen seien es mehr als zehn. Mittlerweile vermieten sie die R\u00e4ume auch f\u00fcr Geburtstage, Firmenfeiern oder Hochzeiten und h\u00e4tten fast das ganze Jahr ge\u00f6ffnet. Vor rund zweieinhalb Jahren hatte der Club nach einem Brand trotzdem einen \u00f6ffentlichen Hilferuf gestartet.<\/p>\n<p>Aktuell erhalten sie F\u00f6rdergelder von der Stadt Dresden, sagt Went. Die reichten aber nicht aus. 2026 erhalten sie wegen der Haushaltssperre sogar nur 75 Prozent der F\u00f6rderung. Die meisten Angestellten, DJ-Gagen und \u00fcbrige Ausgaben w\u00fcrden allein \u00fcber den Clubbetrieb finanziert.<\/p>\n<p>\u00abEs gibt aber auch immer wieder Lichtblicke\u00bb, sagt Went. K\u00fcrzlich habe der Club einen der Hauptpreise des Applaus-Awards gewonnen, einem hoch dotierten Kulturpreis des Bundes. Zudem w\u00fcrden an Silvester meistens sehr viele Menschen kommen. \u00abDas macht ein bisschen Hoffnung auf dieses Jahr gesehen\u00bb, sagt Went. Im April 2026 wird das OKA neun Jahre alt. \u00abWir haben gesagt, wir wollen auf jeden Fall zehn Jahre alt werden \u2013 und eigentlich auch 30.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00abWir k\u00f6nnen nicht jeden Monat die L\u00f6hne p\u00fcnktlich zahlen\u00bb, sagt Josefine Went. 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