{"id":674857,"date":"2025-12-27T11:12:25","date_gmt":"2025-12-27T11:12:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674857\/"},"modified":"2025-12-27T11:12:25","modified_gmt":"2025-12-27T11:12:25","slug":"grosser-erfolg-in-der-oper-bonn-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674857\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfer Erfolg in der Oper Bonn \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/musical-tootsie-grosser-erfolg-in-der-oper-bonn\/tootsie_2126px1535px-foto-annabelldornieden-design-theaterbonn\/\" rel=\"attachment wp-att-32101 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32101\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/tootsie_2126px1535px-foto-annabelldornieden-design-theaterbonn-300x217.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"217\"  \/><\/a>Theater Bonn\/ TOOTSIE\/ Julian Culemann\/ Foto: \u00a9 Annabell Dornieden<\/p>\n<p><b>Die Bonner Oper war voll, und es waren normale Menschen in der Mitte des Lebens, teilweise mit \u00e4lteren Kindern, die mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen das Musical \u201eTootsie\u201c sahen, und das an einem ganz normalen Montag vor Weihnachten. Sie spendeten reichlich Szenenapplaus und hatten offensichtlich gro\u00dfen Spa\u00df. Das Musical \u201eTootsie\u201c wurde am 11. Oktober 2018 in einer Pre-Broadway- Produktion in Chicago gestartet und brachte es am Broadway auf 318 Auff\u00fchrungen, es folgten eine National Tour USA mit 496 Auff\u00fchrungen, eine Produktion in Buenos Aires mit 412 Auff\u00fchrungen, eine Tournee in Spanien, die noch l\u00e4uft, 2022 eine Produktion im Staatstheater am G\u00e4rtnerplatz, M\u00fcnchen und jetzt die in Bonn, die am 26. Oktober 2025 Premiere hatte, in Kooperation mit M\u00fcnchen. Auf so viele Auff\u00fchrungen bringen es nur wenige Opern. Was hat das Musical, was die Oper nicht hat? (Besuchte Vorstellung: 22. Dezember 2025) <\/b><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>1982 hatte Dustin Hoffmann in einem Film, der f\u00fcr zehn Oscars nominiert war und vom American Film Institute auf Platz 2 der 100 besten Kom\u00f6dien aller Zeiten gesetzt war, seinen gro\u00dfen Auftritt als Mann in Frauenkleidern. Er spielte eine resolute selbstbewusste Frau um die 40, die als TV-Serienstar Karriere macht. Diesen Film haben <b>Robert Horn<\/b> (Buch) und <b>David Yazbek<\/b> (Musik) in ein wundervolles Musical verwandelt, das in der deutschen \u00dcbersetzung von <b>Simon Hale<\/b> einen perfekt getimten Gag nach dem anderen bringt. Es ist eine moderne Broadway-Musical Comedy. Die Musik von <b>David Yazbek <\/b>ist im klassischen Broadway-Sound mit Pop- und Jazz-Einfl\u00fcssen und mit Vaudeville- Ankl\u00e4ngen gehalten, und sie ist sehr humorvoll, energiegeladen und dialognah. Der Sound charakterisiert neben dem Stimmtyp sehr pr\u00e4gnant die dargestellte Person \u2013 zum Beispiel die arbeitslose Schauspielerin Sandy (<b>Vera Bolten<\/b>) mit einer Quietschstimme \u2013 und unterst\u00fctzt die Pointen. Es ist eine gelungene Mischung aus Ensemble-Nummern, Comedy-Songs und emotionalen Balladen. Zus\u00e4tzlich wird mit den Ensemble-T\u00e4nzen, die in ihrer perfekten Choreografie und Koordination eine Augenweide sind, das Genre \u201eBroadway- Musical\u201c glamour\u00f6s gefeiert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/musical-tootsie-grosser-erfolg-in-der-oper-bonn\/hp1tootsie08\/\" rel=\"attachment wp-att-32102 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32102\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/hp1tootsie08-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"186\"  \/><\/a>Theater Bonn\/ TOOTSIE\/Julian Culemann, Ensemble\/ Foto: \u00a9 Bettina St\u00f6\u00df<\/p>\n<p>Der arbeitslose Schauspieler Michael Dorsey bekommt bei einem Casting f\u00fcr ein Romeo-und-Julia-Musical unter dem Namen Dorothy Michaels als Frau verkleidet die Rolle der Amme und wird als Frau behandelt. Der cholerische Regisseur nennt sie \u201eTootsie\u201c, was so viel hei\u00dft wie \u201eSch\u00e4tzchen\u201c, eine abf\u00e4llige Bezeichnung von M\u00e4nnern f\u00fcr Frauen. In seiner Rolle als Frau, die die Amme spielt, mischt Michael die gesamte Produktion auf. Aus \u201eRomeo und Julia\u201c nach Shakespeare wird das Musical \u201eDorothy\u201c. Der Darsteller des Romeo, nicht besonders heller Held einer Fernsehserie, aber mit gro\u00dfem Namen, verliebt sich unsterblich in Dorothy und l\u00e4sst sich sogar ihr Bild auf die Brust t\u00e4towieren. Das Musical wird ein Bomben-Erfolg, aber als Michael sich in die Hauptdarstellerin verliebt, ger\u00e4t er in eine ernsthafte Identit\u00e4tskrise. Ein gro\u00dfer Teil der Gags bezieht sich auf Michaels Doppelrolle als Mann und Frau, der zum Teil rasante Identit\u00e4tswechsel auf offener B\u00fchne vollzieht, ein weiterer sind Seitenhiebe auf Theaterklischees wie sexistische Regisseure, einfallslose Autor:innen, herzlose Agent:innen, opportunistische Produzent:innen und arme ausgebeutete arbeitslose Schauspieler:innen in der Mega-Theaterstadt New York. Dabei fehlt nicht ein sozialkritischer Hintergrund im K\u00fcnstlermilieu und ein kr\u00e4ftiger Seitenhieb auf das sogenannte Regietheater, das die zugrundeliegenden St\u00fccke \u2013 mittlerweile auch Opern \u2013 bis zur Unkenntlichkeit ver\u00e4ndert, \u201edekonstruiert\u201c, wie die Verfechter des Regietheaters sagen. Ist es Zufall, dass <b>Daniel Berger<\/b>, der Darsteller des Regisseurs Ron, die gleiche Frisur hat wie Peter Konwitschny, dessen Inszenierung der \u201eFrau ohne Schatten\u201c von Richard Strauss k\u00fcrzlich in Bonn Premiere hatte und als Regietheater nicht allen gefiel?<\/p>\n<p>Die Idee des Manns, der eine Frauenrolle spielt, kann man von Shakespeare herleiten, denn zu Shakespeares Zeit wurden alle Rollen, auch die Frauenrollen, von M\u00e4nnern gespielt, weil Frauen im 16. und 17. Jahrhundert nicht auf der B\u00fchne auftreten durften. Ophelia, Julia oder Lady Macbeth wurden also urspr\u00fcnglich von (jungen) M\u00e4nnern gespielt. Heute ist es anders, es sei denn, man entscheidet sich, zum Beispiel mitunter im Londoner Globe Theatre, f\u00fcr eine historisch informierte Auff\u00fchrungspraxis.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/musical-tootsie-grosser-erfolg-in-der-oper-bonn\/hp1tootsie414\/\" rel=\"attachment wp-att-32103 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32103\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/hp1tootsie414-300x191.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\"  \/><\/a>Theater Bonn\/ TOOTSIE\/ Alexandra Farkic, Julian Culemann, Jan Nicolas Bastel, Ensemble\/ Foto: \u00a9 Bettina St\u00f6\u00df<\/p>\n<p>Unter der musikalischen Leitung von <b>J\u00fcrgen Grimm<\/b> in der Regie von <b>Gil Mehmert<\/b> bringt das 20-k\u00f6pfige Ensemble, erg\u00e4nzt von Statist:innen des Theater Bonn, eine hervorragende Leistung. Das B\u00fchnenbild von <b>Judith Leikauf<\/b> und <b>Karl Fehringer<\/b> erm\u00f6glicht mit Hilfe der Drehb\u00fchne nahtlose Szenenwechsel, die attraktiven Kost\u00fcme von <b>Claudia Pohle<\/b> wurden f\u00fcr die Bonner Inszenierung neu geschneidert. Herausragend ist <b>Julian Culeman<\/b> als Michael Dorsey alias Dorothy Michaels alias Tootsie, dem man die Frau, die er spielt, wegen der perfekten weiblichen K\u00f6rpersprache, der Maske und der Kost\u00fcme voll abnimmt. Er f\u00fcllt die Doppelrolle nicht nur als S\u00e4nger und T\u00e4nzer, sondern als Schauspieler, der eine Frau spielt, in jeder Hinsicht, mit Sinn f\u00fcr die komischen Details, aus. Dabei nimmt man ihm ab, dass er eben kein Crossdresser ist, sondern jemand, den wirtschaftliche Not getrieben hat, die Rolle seines Lebens, n\u00e4mlich Dorothy Michaels, die die Amme spielt, zu spielen. <b>Alexandra Farkic<\/b> als Julie Nichols alias Julia und <b>Jan Nicholas Bastel <\/b>als Max van Horn, Darsteller des Romeo, sind Dorothys B\u00fchnenpartner, und Max verliebt sich in Dorothy, Dorothy verliebt sich in Julia, was nat\u00fcrlich gar nicht geht, denn dann m\u00fcsste sie ihre Identit\u00e4t preisgeben. Am Ende outet sich Michael, und es k\u00f6nnte eine Liebe zwischen Julia und ihm geben. Sein Rollenspiel als Dorothy ist jedenfalls damit beendet.<\/p>\n<p>Das Theaterformat Musical kam aus den USA nach Europa, und im Gegensatz zur Oper werden die Stimmen der Singenden und das Orchester elektronisch verst\u00e4rkt, man kommt also mit einer Band von 17 Musikern aus. Es wird im Sprachduktus gesungen, ohne Koloraturen und Wiederholungen wie in der Oper, und die Dialoge werden in der Landessprache gesprochen. Musicals werden in der Regel en suite gespielt. Am Broadway, in London und in Hamburg spielen Theater oft jahrelang immer dasselbe St\u00fcck. \u201eDas Phantom der Oper\u201c von Andrew Lloyd Webber lief am Broadway 35 Jahre lang von 1988 bis 2023 in 13 981 Vorstellungen. \u201eDer K\u00f6nig der L\u00f6wen\u201c mit Musik von Elton John l\u00e4uft in Hamburg seit 2001 mit acht Vorstellungen pro Woche. Die Oper Bonn setzt jede Spielzeit eine Musical-Produktion an, 2024\/25 war es \u201eHairspray\u201c, 2023\/24 \u201eFrankenstein Junior\u201c, die jeweils in mehr als 30 Vorstellungen \u00fcber die Spielzeit verteilt angesetzt wurden. Die Musicals sind beim Publikum sehr beliebt und ein wichtiger K\u00f6der, Menschen ins Opernhaus zu locken. Auch andere Opernh\u00e4user haben Musicals auf dem Spielplan, weil damit ein breites Publikum angesprochen werden kann. Die besuchte Vorstellung am Montag, dem 22. Dezember 2025 war praktisch ausverkauft, und es waren Besucher:innen aller Altersklassen gekommen, die lange und ausdauernd applaudierten.<\/p>\n<p>\u201eTootsie\u201c ist perfekte Unterhaltung mit Tiefgang, denn man hat sich intensiv mit Geschlechterrollen und Genderfragen auseinandergesetzt, auch wenn die LGBTQ-Problematik ausgeklammert war. Den Besuch mit Kindern ab 12 Jahren kann ich uneingeschr\u00e4nkt empfehlen, denn die Musik ist schmissig, die Situationskomik ist enorm, und die Choreografie ist beeindruckend. Das Musical l\u00e4uft noch bis zum 14. Mai 2026.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.theater-bonn.de\/de\/programm\/tootsie\/225156\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theater Bonn \/ St\u00fcckeseite<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Theater Bonn\/ TOOTSIE\/ Julian Culemann, Ensemble\/ Foto: \u00a9 Bettina St\u00f6\u00df<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Theater Bonn\/ TOOTSIE\/ Julian Culemann\/ Foto: \u00a9 Annabell Dornieden Die Bonner Oper war voll, und es waren normale&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":674858,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[156790,1741,156791,3364,29,30,156792,156793,156794,156795,156796,156797,1209,38592,38593,38595,73232],"class_list":{"0":"post-674857","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-alexandra-farkic","9":"tag-bonn","10":"tag-daniel-berger","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-gil-mehmert","15":"tag-jan-nicholas-bastel","16":"tag-julian-culeman","17":"tag-juergen-grimm","18":"tag-musical-tootsie","19":"tag-musical-tootsie-bonn","20":"tag-nordrhein-westfalen","21":"tag-oper-bonn","22":"tag-theater-bonn","23":"tag-ursula-hartlapp-lindemeyer-das-opernmagazin","24":"tag-vera-bolten"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115791236684467609","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=674857"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674857\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/674858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=674857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=674857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=674857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}