{"id":674883,"date":"2025-12-27T11:27:18","date_gmt":"2025-12-27T11:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674883\/"},"modified":"2025-12-27T11:27:18","modified_gmt":"2025-12-27T11:27:18","slug":"ein-land-in-dem-die-ausbeutung-von-frauen-endlich-ein-ende-hat-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/674883\/","title":{"rendered":"Ein Land, in dem die Ausbeutung von Frauen endlich ein Ende hat \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Ich tr\u00e4ume davon, dass wir aufh\u00f6ren, Prostitution als normalen Markt zu behandeln, in dem Verantwortung verw\u00e4ssert wird. Davon, dass der Kauf von Frauen nicht l\u00e4nger verharmlost wird und Freier sich nicht mehr damit herausreden k\u00f6nnen, sie h\u00e4tten nicht gewusst, ob eine Frau unter Zwang stand. Diese vermeintliche Unwissenheit sch\u00fctzt T\u00e4ter und l\u00e4sst Frauen allein.<\/p>\n<p>In meinem Ehrenamt in der Ortsgruppe Leipzig des SISTERS \u2013 f\u00fcr den Ausstieg aus der Prostitution! e.V. begegne ich Prostituierten, deren Alltag weit entfernt ist von dem Bild \u201efreiwilliger Sexarbeit\u201c, welches so oft in den Medien vermittelt wird. Ihre Realit\u00e4t ist gepr\u00e4gt von Zwang, Armut, Gewalt, Abh\u00e4ngigkeiten und k\u00f6rperlichen, wie auch psychischen Belastungen. Jede Begegnung zeigt mir aufs Neue, wie dringend wir als Gesellschaft umdenken und handeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn wir eine Frau fragen, warum sie in der Prostitution ist, bekommen wir oft zun\u00e4chst gar keine Antwort. Aus Angst, aus Scham, aus Abh\u00e4ngigkeit oder weil sie unter Zwang steht. Manche Frauen sagen offen, dass sie gezwungen werden. Andere sprechen von Freiwilligkeit und erst sp\u00e4ter, wenn Vertrauen entsteht, von Schulden, Gewalt, Druck oder fehlenden Alternativen. Die Antworten sind unterschiedlich, die Strukturen dahinter oft dieselben.<\/p>\n<p>Wir von SISTERS \u2013 f\u00fcr den Ausstieg aus der Prostitution! e.V., begleiten auch in Leipzig Frauen ehrenamtlich beim Ausstieg aus der Prostitution. Unsere Erfahrung zeigt, dass die k\u00f6rperlichen und psychischen Folgesch\u00e4den gravierend sind. Unabh\u00e4ngig davon, ob Frauen als freiwillig oder als Opfer von Zwangsprostitution eingeordnet werden, \u00e4hneln sich die Traumatisierungen, Belastungen und langfristigen Sch\u00e4den in erschreckender Weise.<\/p>\n<p>In Deutschland, das als Bordell Europas gilt, wird gern zwischen Menschenhandel und sogenannter freiwilliger Prostitution unterschieden. Diese Trennung wirkt beruhigend, h\u00e4lt der Realit\u00e4t jedoch nicht stand. Die \u00dcberg\u00e4nge sind flie\u00dfend. Viele Frauen geraten in Strukturen, aus denen es kaum einen Ausweg gibt. Ich tr\u00e4ume davon, dass jede Frau, die m\u00f6chte, aussteigen kann und dass es noch mehr Menschen gibt, die sich bei uns ehrenamtlich f\u00fcr diese oft vergessenen Frauen einsetzen und ihnen dadurch Sichtbarkeit verschaffen.<\/p>\n<p>Ich tr\u00e4ume von der Einf\u00fchrung des Nordischen Modells in Deutschland. Einem Ansatz, der die Nachfrage nach dem Kauf von Frauen verringert, indem es Freier zur Verantwortung zieht und Prostituierte vollst\u00e4ndig entkriminalisiert. Ein Modell, das entstigmatisiert, Rechte verschafft und den Weg f\u00fcr einheitliche, staatlich abgesicherte Ausstiegsprogramme ebnet. Programme, die den Ausstieg aus der Prostitution tats\u00e4chlich erm\u00f6glichen, weil sie verl\u00e4sslich, fl\u00e4chendeckend und langfristig finanziert sind.<\/p>\n<p>Machen wir es kurz: Ich tr\u00e4ume von einer Gesellschaft, die Frauen sch\u00fctzt, statt ihre Ausbeutung zu verwalten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ich tr\u00e4ume davon, dass wir aufh\u00f6ren, Prostitution als normalen Markt zu behandeln, in dem Verantwortung verw\u00e4ssert wird. 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