{"id":675836,"date":"2025-12-27T22:29:37","date_gmt":"2025-12-27T22:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/675836\/"},"modified":"2025-12-27T22:29:37","modified_gmt":"2025-12-27T22:29:37","slug":"ausstellung-meissen-in-der-ddr-im-japanischen-palais-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/675836\/","title":{"rendered":"Ausstellung \u201eMeissen in der DDR\u201c im Japanischen Palais Dresden"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es gab in der <a data-rtr-index=\"23\" title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/ddr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">DDR<\/a> eine F\u00fcnferbande. Ihre Namen: Ludwig Zerpner, Heinz Werner, Peter Strang, Rudi Stolle und Volkmar Bretschneider. Das Quintett residierte in einem Schloss: Moritzburg bei Dresden. Doch ihr eigentliches Herrschaftsgebiet lag woanders: im nahe\u00ad gelegenen Meissen, genauer gesagt in der dortigen Porzellanmanufaktur.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Fast alles, was sie von 1960 an bis in die Mitte der Achtzigerjahre neu produzierte, war zuvor \u00fcber die Arbeits\u00adtische der F\u00fcnferbande gegangen, deren offizieller Name \u201eKollektiv K\u00fcnstlerische Entwicklung\u201c lautete. Dabei waren die Aufgaben im Quintett klar geschieden: Zerpner arbeitete als Form\u00adgestalter, Werner als Maler, Stange als Plastiker. Nur Stolle und Bretschneider waren tats\u00e4chlich kollektiv f\u00fcr einen Bereich des Porzellandesigns zust\u00e4ndig: Dekorgestaltung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die f\u00fcnf vom Kollektiv K\u00fcnstlerische Entwicklung: von links Heinz Werner, Peter Strang, Rudi Stolle, Volkmar Bretschneider und Ludwig Zepner.\" height=\"1535\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/die-fuenf-vom-kollektiv.webp.webp\" width=\"2252\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Die f\u00fcnf vom Kollektiv K\u00fcnstlerische Entwicklung: von links Heinz Werner, Peter Strang, Rudi Stolle, Volkmar Bretschneider und Ludwig Zepner.Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Mythos Meissen, begr\u00fcndet durch die erste in Europa erfolgte Porzellanherstellung im Jahr 1710, hat nur wenige allgemein bekannte Einzelpers\u00f6nlichkeiten zu bieten. Da ist Johann Friedrich B\u00f6ttger, der vom s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten August dem Starken als Goldmacher engagiert und festgesetzt wurde, aber die Methode des Porzellanmachens entschl\u00fcsselte, die zuvor nur in Ostasien bekannt war. Dann Johann Joachim Kaendler, mit dessen aufwendigen Porzellanfiguren die Manufaktur ihren europ\u00e4ischen Rang gegen\u00fcber den zahlreichen Nachahmern behaupten konnte. Und Johann Gregorius H\u00f6roldt, der dort eine Porzellan\u00admalerei entwickelte, die der chinesischen und japanischen mehr als ebenb\u00fcrtig war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Und nochmal die f\u00fcnf, als Clownsgruppe ausgef\u00fchrt von Peter Strang, nat\u00fcrlich in Mei\u00dfener Porzellan: von rechts hier Zepner, Bretschneide, Werner, Strang und Stolle.\" height=\"1535\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/und-nochmal-die-fuenf-als.webp.webp\" width=\"2303\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Und nochmal die f\u00fcnf, als Clownsgruppe ausgef\u00fchrt von Peter Strang, nat\u00fcrlich in Mei\u00dfener Porzellan: von rechts hier Zepner, Bretschneide, Werner, Strang und Stolle.Esther Hoyer\/Alexander Schmidt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber alle drei wirkten im ersten halben Jahrhundert der Manufakturgeschichte von Meissen. Danach zehrte die Manufaktur von der Fortsetzung des anf\u00e4nglich Geleisteten. Und hatte damit auch Erfolg, \u00fcber weitere zwei Jahrhunderte hinweg. Bis in die DDR.<\/p>\n<p>Orden und Ehrenzeichen aus Porzellan f\u00fcr verdiente Aktivisten<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Da firmierte das von Beginn seiner Existenz an staatliche Unternehmen seit 1950 als \u201eVolkseigener Betrieb\u201c und war mit den traditionellen Produktlinien ein wichtiger Devisenbringer: Rund neunzig Prozent des in Meissen produzierten Porzellans gingen in den West-Export; in der DDR selbst war es noch am ehesten m\u00f6glich, an Mitarbeiter abgegebene St\u00fccke zweiter Wahl unter der Hand zu erwerben \u2013 1985 waren dort immerhin 1500 Personen besch\u00e4ftigt, die direkte Einkaufsm\u00f6glichkeiten hatten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Oder man hatte sich verdient gemacht um Staat oder Sport: Dann winkten eigens aus Porzellan gefertigte Ordens- und Ehrenzeichen. Diese wiesen andere Schmuckelemente auf als die aus k\u00f6niglichen Zeiten \u00fcberlieferten Geschirre, Vasen oder Figuren: Lenink\u00f6pfe waren da g\u00e4ngig, auch architektonische Wahrzeichen des sozialistischen Deutschland und Symbole der dortigen Organisationen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Meissener Plakette aus B\u00f6ttgersteinzeug und Porzellan zum Interkosmos-Flug Sigmund J\u00e4hns im September 1978\" height=\"1535\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/meissener-plakette-aus.webp.webp\" width=\"2303\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Meissener Plakette aus B\u00f6ttgersteinzeug und Porzellan zum Interkosmos-Flug Sigmund J\u00e4hns im September 1978Esther Hoyer\/Alexander Schmidt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Exemplarisch f\u00fcr die Akzeptanz Meissens als sozialistischen Musterbetriebs wurde 1953 die Enth\u00fcllung des vierundzwanzig Meter breiten Wandbildes aus Porzellankacheln am Haus der Ministerien in Ost-Berlin: Dargestellt waren auf diesem zweitgr\u00f6\u00dften Werk der Manufakturgeschichte (nach dem \u201eF\u00fcrstenzug\u201c am Dresdner Residenzschloss) die Gr\u00fcndung der DDR und der Wiederaufbau des kriegszerst\u00f6rten Landes.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit diesem Projekt nach einem Entwurf von Max Lingner setzt denn auch die Ausstellung \u201eDie \u00adblauen Schwerter \u2013 Meissen in der DDR\u201c ein, f\u00fcr die sich die beiden weiterhin in Staatsbesitz befindlichen s\u00e4chsischen Kulturschwergewichte zusammengetan haben: Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen. Ort der Pr\u00e4sentation ist das Japanische Palais in Dresden, jener barocke Bau, in dem August der Starke seine Porzellansammlung unterbringen wollte, ehe ihm die Kosten \u00fcber den Kopf wuchsen. Heute wird die weltweit einmalige Kollektion im Dresdner Zwinger gezeigt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und diesem Genius loci wird die Schau gerecht, denn sie zeigt auf begeisternd \u00adanschauliche Weise, wie die DDR die \u00adManufakturprodukte in Fortsetzung der k\u00f6nig\u00adlichen Gr\u00fcndungsgeschichte als \u00adEinnahmequelle und Repr\u00e4sentativobjekte nutzte. Und dass es dabei immer noch auf die individuelle Meisterschaft von Gestaltern ankam \u2013 siehe die anfangs erw\u00e4hnte \u201eF\u00fcnferbande\u201c, deren K\u00f6nnen mit Reiseprivilegien belohnt wurde (Ausnahme war Peter Strang, der Familienangeh\u00f6rige in Westdeutschland hatte).<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">So konnte das \u201eKollektiv K\u00fcnstlerische Entwicklung\u201c etwa Studien in Japan betreiben, was sich dann in weltmarkttauglichen Meissen-Entw\u00fcrfen niederschlug. Aber gerettet hat das feudale Erbe den sozialistischen Staat nicht. Sich selbst auch nicht: Heute hat Meissen nur noch rund 400 Mitarbeiter und schreibt Verluste. Aber repr\u00e4sentativ ist sein Porzellan geblieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gab in der DDR eine F\u00fcnferbande. 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