{"id":676407,"date":"2025-12-28T04:46:17","date_gmt":"2025-12-28T04:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/676407\/"},"modified":"2025-12-28T04:46:17","modified_gmt":"2025-12-28T04:46:17","slug":"hier-erinnert-sich-ihr-visagist-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/676407\/","title":{"rendered":"Hier erinnert sich ihr Visagist"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Berlin<\/strong> &#8211; Wenn Hildegard Knef, diese gro\u00dfe K\u00fcnstlerin, ihrem Visagisten schrieb, dann ging das so. \u201eGeliebter Ren\u00e9, Mama braucht&#8230;\u201c. Keine n\u00fcchterne Bitte um Ausstattung oder Kosmetikbehandlung, sondern kleine Miniaturen voller Witz und Selbstironie. \u201eKannst du morgen kommen? Haut und Seele h\u00e4tten&#8217;s n\u00f6tig.\u201c Ren\u00e9 Koch vermisst diese Nachrichten bis heute.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Am heutigen Sonntag w\u00e4re Hildegard Knef 100 Jahre alt geworden. Als Schauspielerin, S\u00e4ngerin und Autorin pr\u00e4gte sie das Nachkriegsdeutschland und blieb eigensinnig.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Eine Frau mit rauchiger Stimme, klugen Texten und dunkel geschminkten Augen. \u201eWenn sie die Wimpern dran hatte, dann war sie schon Diva\u201c, erinnert sich ihr fr\u00fcherer Visagist Koch. Am meisten fasziniert habe ihn ihr Humor. Sie habe sich trotz Widrigkeiten im Leben nicht unterkriegen lassen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Mit Liedern wie \u201eF\u00fcr mich soll\u2019s rote Rosen regnen\u201c, \u201eIm 80. Stockwerk\u201c und \u201eVon nun an ging&#8217;s bergab\u201c wurde Knef zur Chansonikone. Ihr Lied \u201eBerlin, dein Gesicht hat Sommersprossen\u201c ist eine Hymne auf eine komplizierte Stadt.<\/p>\n<p>Wenn der Skorpion zustach<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Geboren wurde sie am 28. Dezember 1925 in Ulm. Knef drehte mit \u201eDie M\u00f6rder sind unter uns\u201c (1946) den ersten deutschen Nachkriegsspielfilm und \u00fcbernahm nach einem erfolglosen Versuch in Hollywood die Titelrolle im Film \u201eDie S\u00fcnderin\u201c (1951). Der zeigte eine Nacktszene und l\u00f6ste wegen seines Themas einen Skandal aus. Sie spielte am Broadway, schrieb eigene Liedtexte und war auch als Buchautorin erfolgreich (\u201eDer geschenkte Gaul\u201c). Gemalt hat sie auch. Sie erlebte Krankheiten, Tablettenabh\u00e4ngigkeit und drei Ehen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">F\u00fcr Koch war sie modern, emanzipiert und ehrlich &#8211; diese Ehrlichkeit habe ihr manchmal auch geschadet, erz\u00e4hlt er. F\u00fcr ihn gab es zwei Versionen von ihr &#8211; die m\u00fctterliche Hilde und die \u00f6ffentlich auftretende Diva. Knef sei ein typischer Steinbock gewesen, sagt Koch, \u201eAszendent Skorpion\u201c &#8211; und \u201ewenn der kam, hat sie auch gestochen\u201c. Er habe aber gut mit ihr umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Ihre Ehrlichkeit konnte man auch in Interviews beobachten. Da sprach sie offen \u00fcber Misserfolge und sagte schlaue Dinge, wie man im Dokumentarfilm \u201eHildegard Knef &#8211; Ich will alles\u201c sehen kann, den die ARD zeigt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist nun mal ein unordentliches Leben\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Als sich ein Fernsehreporter an einer Charakterisierung von ihr versuchte (sie sei angeblich \u201enaiv-vertrauend\u201c, trotzdem berechnend, \u201etrotzig-unabh\u00e4ngig\u201c, aber anlehnungsbed\u00fcrftig), antwortete sie: \u201eSie machen aus mir 24 Personen auf einmal.\u201c Und nahm sich eine Zigarette.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Nat\u00fcrlich mache der Mensch viel Ver\u00e4nderung durch, sagte Knef dann weiter. Die Ver\u00e4nderung, die Ver\u00e4nderlichkeit sei das Best\u00e4ndigste in unseren Leben. \u201eEs ist nun mal ein unordentliches Leben.\u201c Das gelte f\u00fcr jedes Leben. Selbst wenn man versuche, es sehr ordentlich zu gestalten.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck kennt nur Minuten<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Wann sie gl\u00fccklich gewesen sei? \u201eAlso richtig gl\u00fccklich? Was ist gl\u00fccklich?\u201c, entgegnet Koch. Knef habe ja selbst geschrieben: \u201eDas Gl\u00fcck kennt nur Minuten, der Rest ist Warteraum\u201c. Wenn ihre Tochter da gewesen sei, sei sie wie jede Mama sicher gl\u00fccklich gewesen. Das Interessante an Knef sei, dass sie nie gejammert habe. \u201eSie war ein Steh-Auf-Frauchen.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eIch habe mit ihr mehr gelacht als geweint\u201c, sagt Koch, der in einer Altbauwohnung im Westen Berlins heute viele Erinnerungsst\u00fccke ausstellt. Wenn sie mal einen schlechten Tag gehabt habe, dann habe er sie mit seiner Ente abgeholt und sie seien zum KaDeWe gefahren oder ins Hutgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Lieber eine Stange Zigaretten<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Wenn man ihr etwas habe schenken wollen, habe man ihr mit drei Dingen eine Freude machen k\u00f6nnen. Es seien nicht die roten Rosen gewesen, wie die Fans immer gedacht h\u00e4tten, erz\u00e4hlt Koch. \u201eNein. Eine Stange Marlboro, eine Flasche Champagner &#8211; Dom P\u00e9rignon, und eine Sch\u00fcssel Kaviar, russisch.\u201c Er habe ihr auch Kosmetiksachen oder Kleider mitgebracht.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Als sich die Zeiten und die Mode \u00e4nderten, habe er ihr mal geraten, beim Make-up weniger zu machen. Sie habe die Wimpern aber behalten wollen &#8211; und im Nachhinein sei das gut gewesen, r\u00e4umt Koch ein. \u201eWir reden heute noch von den Wimpern und es war doch richtig, dass sie sie nicht abgelegt hat.\u201c<\/p>\n<p>Die legend\u00e4ren k\u00fcnstlichen Wimpern<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Ein Paar ihrer Wimpern liegt heute in der Vitrine. Damals konnte man nicht einfach in der Drogerie magnetische Wimpern kaufen oder Contouring-Videos auf Tiktok gucken. Den Kleber habe er damals noch in Hollywood bestellen m\u00fcssen, erz\u00e4hlt Koch, der die Knef auch mal liebevoll \u201eIda Putenschlund\u201c nannte, wenn sie noch verknittert im Bett lag.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Er habe sich mal einen Ohrring von ihr geliehen und vergessen ihn zur\u00fcckzugeben, erz\u00e4hlt Koch. Sie schrieb ihm: \u201eDu hast meinen goldenen Ohrring. Nicht, dass ich ihn dir nicht g\u00f6nne. Doch leih ihn mir mal f\u00fcr einen Abend aus. Deine Ida Putenschlund.\u201c Die beiden kannten sich seit den 1970ern, mehr als zwei Jahrzehnte.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Knef starb am 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren. Ihr Leben wurde mit Heike Makatsch verfilmt und als Graphic Novel erz\u00e4hlt. Ob sie erwartet h\u00e4tte, dass ihre Erinnerungsst\u00fccke mal bei Koch ausgestellt werden? Er glaube, sie sei ein Mensch gewesen, der im Moment gelebt habe, sagt Koch. \u201eDas war f\u00fcr sie immer das Sch\u00f6nste, der Moment.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin &#8211; Wenn Hildegard Knef, diese gro\u00dfe K\u00fcnstlerin, ihrem Visagisten schrieb, dann ging das so. \u201eGeliebter Ren\u00e9, Mama&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":676408,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,92,30,2989,2549,93,810,156304],"class_list":{"0":"post-676407","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-film","11":"tag-germany","12":"tag-geschichte","13":"tag-leute","14":"tag-literatur","15":"tag-musik","16":"tag-zum-28-dezember"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115795380471349983","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=676407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676407\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/676408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=676407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=676407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=676407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}