{"id":677229,"date":"2025-12-29T08:06:13","date_gmt":"2025-12-29T08:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/677229\/"},"modified":"2025-12-29T08:06:13","modified_gmt":"2025-12-29T08:06:13","slug":"traditionsgeschaeft-in-stuttgart-immer-sauber-bleiben-seit-100-jahren-die-reinigung-trieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/677229\/","title":{"rendered":"Traditionsgesch\u00e4ft in Stuttgart: Immer sauber bleiben \u2013 seit 100 Jahren: Die Reinigung Trieb"},"content":{"rendered":"<p>Ein Krieg, b\u00fcgelfreie Hemden, Corona, ein verheerender Brand \u2013 die Reinigung Trieb hat schon viel \u00fcberstanden. Trotz aller Widerst\u00e4nde feiert sie ihr 100-Jahr-Jubil\u00e4um.<\/p>\n<p> Alles lag in Tr\u00fcmmern. Wirklich alles. 96 Jahre Firmengeschichte waren in Flammen aufgegangen, verkohlt, verbrannt. Die Waschmaschinen und Trockner schwarz und verbogen wie ein Mobile von Calder, die Hemden, Anz\u00fcge, Jacketts, Kleider, Teppiche, Polster nurmehr Asche. Der Firmensitz der Reinigung Trieb in der Stephanspassage <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.stuttgarter-textilreinigung-ausgebrannt-nach-dem-schock-kehrt-im-familienbetrieb-der-optimismus-zurueck.0567cc52-d0d0-4563-b856-c70747371293.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">war im Fr\u00fchjahr 2021 ausgebrannt<\/a>. <\/p>\n<p>Sie standen vor dem Nichts <\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter stehen Thomas Trieb, seine Schwester Christina Porges und Triebs Sohn Dominik mitsamt ihren knapp 30 Angestellten wieder in dem Laden nahe des Hauptbahnhofs. Nichts k\u00fcndet mehr von dem Brand. Waschmaschinen und Trockner r\u00fctteln und rotieren, Hemden werden mit Dampf gegl\u00e4ttet, die Manschetten und Kragen von Hand geb\u00fcgelt, Flecken entfernt mit allerlei magischen Mitteln, Seide und Empfindsames wird gereinigt, meterlange Tischdecken aus einer Vorstellung der Oper werden gemangelt. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.00c82f3a-0e24-4286-a117-e54ece1d93b7.original1024.media.jpeg\"\/>     In bitteren Zeiten: Nach dem Brand    Foto: Lichtgut    <\/p>\n<p>Beim B\u00e4cker wird schon geschafft, wenn sie anfangen; aber die meisten Menschen schlummern noch, wenn in der Reinigung Trieb das Licht angeht. Auf 400 Quadratmeter und zwei Ebenen arbeiten hier knapp 30 Leute, in Schichten nat\u00fcrlich. \u00dcber eine schmale Wendeltreppe geht es in den Keller. Also eine richtig schmale Wendeltreppe, arg viel mehr Masse als ein d\u00fcrrer Hering darf man da nicht haben. Zunehmen kann man hier ohnehin nicht. Hei\u00df ist es, und es ist Winter. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Temperaturen im Sommer hier drin sind. 2000 St\u00fccke reinigen sie jeden Tag. Und der Laden h\u00e4ngt voll. Jeder Zentimeter wird genutzt, und tats\u00e4chlich glaubt man, die Triebs wei\u00df man um den Ausdehnungszauber von Hermine Granger aus \u201eHarry Potter\u201c. Anders kann man sich nicht erkl\u00e4ren, wie all das Platz findet. <\/p>\n<p>Der Opa war Ma\u00dfschneider <\/p>\n<p>Wer da am Tresen steht, seine W\u00e4sche abgibt und seinen Zettel bekommt als Nachweis und zum Abholen, der sieht ein Raumwunder, eine der letzten Reinigungen, die es im Gro\u00dfraum <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> noch gibt. F\u00fcr die Triebs und Porges ist das ein St\u00fcck Heimat. <\/p>\n<p>Opa Walter Trieb hat 1925 seine Ma\u00dfschneiderei gegr\u00fcndet. Nach dem Krieg zieht er in den Hindenburgbau. Und merkt, dass die Amerikaner ihre Uniformen pflegen lassen m\u00fcssen. Er bietet einen B\u00fcgelservice an. Und als es aufw\u00e4rtsgeht, das Wirtschaftswunder Deutschland und Stuttgart den Aufschwung und Geld beschert, die M\u00e4nner im Anzug ins B\u00fcro eilen, bietet Walters Sohn Horst, ebenfalls Ma\u00dfschneider, Mitte der 50er Jahre auch noch eine Reinigung an. Jahrzehnte lang wiederholt sich das zigtausendfach, was Thomas Trieb und Christina Porges als Kinder erlebt haben. \u201eMorgens haben die M\u00e4nner ihren Anzug auf dem Weg ins B\u00fcro zum Reinigen gebracht\u201c, erz\u00e4hlen sie, \u201eabends wieder mitgenommen.\u201c Teure Abendkleider und Bettw\u00e4sche, Textilien, der Bedarf war gro\u00df. Trieb w\u00e4chst und expandiert. Mit Filialen in Botnang und der T\u00fcbinger Stra\u00dfe. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.3ace6412-b3e4-4ea2-a5cf-7e9b592386e0.original1024.media.jpeg\"\/>     Thomas Trieb kurz vor der Wiederer\u00f6ffnung    Foto: Andreas Rosar    <\/p>\n<p>Thomas Trieb will eigentlich \u201eElektriker werden\u201c, sagt er, f\u00fcgt sich dann aber in die Familientradition. 1981 macht er seine Lehre als Textilreiniger bei der Reinigung Gr\u00fchn in Ludwigsburg. Zehn Jahre sp\u00e4ter legt er die Meisterpr\u00fcfung ab, \u00fcbernimmt 1995 den Betrieb. Seine Schwester lernt Einzelh\u00e4ndlerin bei C.F Braun, besser bekannt als Betten-Braun, mittlerweile wie so viele Traditionsgesch\u00e4fte verschwunden. Damit dies ihrem elterlichen Betrieb nicht passiert, qualifiziert sie sich zur Betriebswirtin und zur Fachfrau f\u00fcr Textil, Detachur und Umwelt.<\/p>\n<p>Immer mit neuen Ideen <\/p>\n<p>Detachur ist \u00fcbrigens das Entfernen von Flecken auf Textilien und Teppichen. Also die fachgerechte, die daf\u00fcr sorgt, dass der Fleck wirklich weg ist. Das ist der Anspruch. \u201eDas muss ohnehin funktionieren\u201c, sein Handwerk muss man beherrschen, deshalb hat auch Dominik Trieb den Meister gemacht. Christina Porges ist f\u00fcr die Organisation zust\u00e4ndig, f\u00fcrs Personal. \u201eDer Service muss stimmen\u201c, sagt sie, \u201eund man muss sich immer wieder neu erfinden.\u201c So haben sie vor Jahren Venus angeschafft, ein Ger\u00e4t aus D\u00e4nemark. Es ist quasi ein Hemd aus Kunstfaser, \u00fcber das man das gewaschene Hemd zieht. Venus wird dann mit auf 90 bis 110 Grad erw\u00e4rmter Luft aufgeblasen, die gleichzeitig das sich mit aufbl\u00e4hende Hemd in 40 Sekunden gl\u00e4ttet. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.49cbc011-17e5-408c-b030-6afdc60862a9.original1024.media.jpeg\"\/>     Viel Platz ist nicht im Untergeschoss des Ladens.    Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>Sie hatten eine Waschbox, eine 24-Stunden-Reinigung. Mit automatischer Ausgabe. Und manchmal sind sie ihrer Zeit voraus. So wie mit dem W\u00e4schetaxi. Da holen sie die dreckige W\u00e4sche ab, bringen sie sauber zur\u00fcck. \u201eDas lief anfangs nur schleppend\u201c, sagt Porges. Dann kam <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Corona\" title=\"Corona\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Corona<\/a>. Und so schwierig das auch war, weil keiner mehr ins B\u00fcro ging und Anzug trug, das Taxi setzte sich durch. <\/p>\n<p>Anders als fr\u00fcher, muss man heute nur noch selten einen Anzug tragen. Auch die Anl\u00e4sse, Ballkleider oder Cocktailkleider zu tragen, sind selten geworden. Das hei\u00dft, die Kundschaft, die man hat, muss man pflegen. Etwa das Wilhelma-Theater, das Musical, Hotels, Einzelh\u00e4ndler oder Kanzleien, die die Anz\u00fcge ihrer Angestellten reinigen lassen. Sonst geht man den Weg der Konkurrenz. Besser gesagt, der ehemaligen Konkurrenz. Nur noch einen weiteren Meister der Textilreinigung gibt es im Gro\u00dfraum Stuttgart. Viele Betriebe haben dicht gemacht. Wer sich auf den Preiskampf einl\u00e4sst, f\u00fcr den wurde es schwer. Billiger geht immer, besser nicht. So verlangen sie f\u00fcrs Hemd mindestens 3,69 Euro, f\u00fcrs Sakko 11,90 Euro, \u201ewir stellen uns auf die W\u00fcnsche der Kunden ein, und bieten eine Leistung, die unseren Kunden Lebenszeit spart\u201c, sagt Porges. <\/p>\n<p>Doch 2021 stellte sich tats\u00e4chlich die Frage, lohnt das Weitermachen? Das Erdgeschoss v\u00f6llig ausgebrannt, das Untergeschoss verru\u00dft und voll L\u00f6schschaum. Wahrscheinlich war es gut, dass sie nicht lange \u00fcberlegen und sagen: \u201eWir machen weiter!\u201c Sie ziehen einige Meter weiter in die Kronenstra\u00dfe. Schon drei Tage sp\u00e4ter reinigen sie mit Hilfe von Kollegen wieder f\u00fcr ihre Gro\u00dfkunden. \u201eDen historischen Standort wollen sie trotz der Enge nicht aufgeben, denn \u201eunsere Kunden, wissen, wo wir sind.\u201c Und tats\u00e4chlich, nach einem Jahr ziehen sie zur\u00fcck. Mit neuen Maschinen. Aber dem altgewohnten Service. Und jetzt haben sie tats\u00e4chlich allen Widerst\u00e4nden getrotzt. Und die 100 Jahre voll gemacht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Krieg, b\u00fcgelfreie Hemden, Corona, ein verheerender Brand \u2013 die Reinigung Trieb hat schon viel \u00fcberstanden. 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