{"id":67795,"date":"2025-04-28T10:35:12","date_gmt":"2025-04-28T10:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/67795\/"},"modified":"2025-04-28T10:35:12","modified_gmt":"2025-04-28T10:35:12","slug":"gewalt-gegen-einsatzkraefte-warum-retter-und-helfer-zunehmend-angegriffen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/67795\/","title":{"rendered":"Gewalt gegen Einsatzkr\u00e4fte: Warum Retter und Helfer zunehmend angegriffen werden"},"content":{"rendered":"<p>In Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland steigt die Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und andere Einsatzkr\u00e4fte. Professor Jonas Rees von der Uni Bielefeld erkl\u00e4rt, warum die Pandemie ein Wendepunkt war \u2013 und warum Vertrauen in staatliche Institutionen so entscheidend ist.<\/p>\n<p>\u00dcbergriffe auf Helfer nehmen deutlich zu<\/p>\n<p>In einer Themenreihe zur &#8222;<a href=\"https:\/\/www.radioberg.de\/artikel\/eure-helden-helfer-fuer-mehr-respekt-im-dienst-2288761.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Woche f\u00fcr mehr Respekt im Dienst<\/a>&#8220; beleuchtet Jos\u00e9 Narciandi die wachsende Bedrohung f\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte. Professor Jonas Rees, Psychologe an der Universit\u00e4t Bielefeld, best\u00e4tigt im Gespr\u00e4ch, dass die Zahl der t\u00e4tlichen Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und vergleichbare Berufsgruppen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.<\/p>\n<p>Wie Rees erkl\u00e4rt, zeigt die polizeiliche Kriminalstatistik einen alarmierenden Trend: Waren es 2018 noch rund 17.600 F\u00e4lle, stieg die Zahl 2023 auf etwa 24.800. Besonders auff\u00e4llig sei dabei der Anstieg nach der Corona-Pandemie. Zwischen 2021 und 2022 kletterten die Zahlen sprunghaft von 20.000 auf 23.000 Delikte.<\/p>\n<p>&#8222;Die Pandemie k\u00f6nnte als eine Art Trendbruch wirken&#8220;, so Rees, auch wenn noch nicht sicher sei, ob der Anstieg dauerhaft bleibt.<\/p>\n<p>Gewalt als Spiegel einer ver\u00e4nderten Gesellschaft<\/p>\n<p>Rees verweist darauf, dass der Anstieg der \u00dcbergriffe Teil einer allgemeinen Zunahme von Gewaltkriminalit\u00e4t sei. Seit der Pandemie seien K\u00f6rperverletzungsdelikte insgesamt deutlich h\u00e4ufiger geworden.<\/p>\n<p>&#8222;Es scheint, als sei die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft insgesamt gestiegen&#8220;, sagt der Wissenschaftler. Allerdings gebe es spezifische Risikofaktoren: Uniformierte Menschen, die den Staat repr\u00e4sentieren, wie Polizisten oder Mitarbeitende von Ordnungs\u00e4mtern, seien besonders oft Ziel von Angriffen.<\/p>\n<p>Warum gerade Menschen in Uniform im Fokus stehen<\/p>\n<p>Der Kern des Problems liegt laut Rees in der Rolle der Einsatzkr\u00e4fte selbst: Sie m\u00fcssten im Rahmen ihres Berufs h\u00e4ufig Freiheitsbeschr\u00e4nkungen durchsetzen, etwa Platzverweise aussprechen oder Festnahmen vollziehen. Diese Eingriffe in pers\u00f6nliche Freiheiten k\u00f6nnten starke emotionale Reaktionen hervorrufen.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn Menschen Ma\u00dfnahmen als ungerechtfertigt oder \u00fcberzogen empfinden, reagieren sie oft aggressiv&#8220;, erkl\u00e4rt Rees. Dazu komme ein zunehmendes Misstrauen gegen\u00fcber staatlichen Institutionen, das w\u00e4hrend der Corona-Pandemie befeuert worden sei.<\/p>\n<p>Corona-Pandemie als Katalysator f\u00fcr Misstrauen<\/p>\n<p>Die Corona-Jahre haben bestehendes Misstrauen in vielen Teilen der Bev\u00f6lkerung verst\u00e4rkt. Rees erl\u00e4utert, dass neue Gruppierungen entstanden seien, die sich durch eine generelle Ablehnung staatlicher Ma\u00dfnahmen definieren.<\/p>\n<p>&#8222;Dieses Misstrauen ist nicht einfach verschwunden&#8220;, so Rees. Stattdessen sei es in manchen Milieus tief verankert und schlage sich in einer sinkenden Akzeptanz gegen\u00fcber Beh\u00f6rden und ihren Repr\u00e4sentanten nieder \u2013 bis hin zu offener Aggression.<\/p>\n<p>Gruppendynamiken versch\u00e4rfen das Problem<\/p>\n<p>Ein weiteres Ph\u00e4nomen, das Rees hervorhebt: In Gruppensituationen wie Demonstrationen oder Gro\u00dfveranstaltungen sinke die Hemmschwelle f\u00fcr Gewalt. Anonymit\u00e4t in der Masse, emotionale Ansteckung und ver\u00e4nderte soziale Normen k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass selbst unbeteiligte Zuschauer in \u00dcbergriffe verwickelt werden.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn Aggression gegen\u00fcber Einsatzkr\u00e4ften toleriert oder sogar beklatscht wird, steigt die Bereitschaft, sich \u00e4hnlich zu verhalten&#8220;, erkl\u00e4rt Rees.<\/p>\n<p>Vertrauen wiederherstellen: Ein langer Weg<\/p>\n<p>Einfache L\u00f6sungen sieht Jonas Rees nicht. Der Aufbau von Vertrauen in staatliche Institutionen sei ein langwieriger Prozess. Er fordert mehr Transparenz und offene Kommunikation von Beh\u00f6rden sowie R\u00e4ume f\u00fcr konstruktiven gesellschaftlichen Dialog.<\/p>\n<p>Kurzfristig k\u00f6nnten Deeskalationsstrategien und gezielte Schulungen f\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte helfen, das Risiko zu mindern. &#8222;Aber eine einfache L\u00f6sung gibt es leider nicht&#8220;, res\u00fcmiert Rees.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland steigt die Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und andere Einsatzkr\u00e4fte. 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