{"id":678782,"date":"2025-12-29T22:32:12","date_gmt":"2025-12-29T22:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/678782\/"},"modified":"2025-12-29T22:32:12","modified_gmt":"2025-12-29T22:32:12","slug":"das-naechste-halbjahr-wird-hart-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/678782\/","title":{"rendered":"Das n\u00e4chste Halbjahr wird hart \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>In den kommenden sechs Monaten wird die Zypern-Frage die f\u00fcr Europa wichtigen Beziehungen \u00fcberschatten. Denn am 1. J\u00e4nner \u00fcbernimmt Nikosia den EU-Ratsvorsitz. <\/p>\n<p>\u00a0<br \/>\n                    29.12.2025 um 21:14\n                <\/p>\n<p>\n            von<br \/>\n            unserer Korrespondentin Susanne G\u00fcsten (Istanbul)\n        <\/p>\n<p>Das Jahr 2025 hat die T\u00fcrkei und die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" das=\"\" n=\"\" halbjahr=\"\" wird=\"\" hart=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> enger zusammengebracht. Aufgeschreckt durch die Absage der USA an die traditionelle transatlantische Verbundenheit, besann sich Europa auf die Potenziale der T\u00fcrkei als Regional- und Milit\u00e4rmacht. \u201eAn einer guten und vertieften Partnerschaft mit der T\u00fcrkei\u201c f\u00fchre kein Weg vorbei, sagte der deutsche Bundeskanzler, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/friedrich-merz\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" das=\"\" n=\"\" halbjahr=\"\" wird=\"\" hart=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Merz<\/a>, im Oktober bei seinem Besuch in Ankara. Doch im neuen Jahr warten neue Stolpersteine. In den ersten sechs Monaten d\u00fcrfte die Zusammenarbeit stocken.<\/p>\n<p>Das liegt am ungel\u00f6sten Zypern-Problem, einem chronischen Konfliktherd zwischen T\u00fcrkei und Europa. Zypern ist seit 1974 in einen griechischen und einen t\u00fcrkischen Sektor gespalten. Ankara erkennt die zur EU geh\u00f6rende griechische Inselrepublik nicht an und fordert, vor einer Normalisierung m\u00fcsse es Verbesserungen f\u00fcr den international isolierten t\u00fcrkischen Inselteil geben. Das lehnt Nikosia ab. Schon bei der letzten zyprischen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft im Jahr 2012 boykottierte die T\u00fcrkei deshalb viele Kontakte mit Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Diesmal k\u00f6nne es \u00e4hnlich laufen, hei\u00dft es bei europ\u00e4ischen Diplomaten. Sie warten gespannt darauf, ob Ankara mit einer offiziellen \u201eErkl\u00e4rung der Nicht-Zusammenarbeit\u201c im ersten Halbjahr 2026 auf stur schaltet. Das sei der \u201eLackmus-Test\u201c der t\u00fcrkischen Ann\u00e4herung an die EU. Die T\u00fcrkei ist in einer wesentlich st\u00e4rkeren Position als 2012. Damals hatte das Land bei weitem nicht das politische Gewicht von heute, da sie als Vermittlerin im Ukraine-Krieg und in der Gaza-Krise auftritt, Kampfdrohnen in alle Welt verkauft und von Donald Trump als \u201efantastischer\u201c Partner gelobt wird.<\/p>\n<p>Staatspr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/recep-tayyip-erdogan\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" das=\"\" n=\"\" halbjahr=\"\" wird=\"\" hart=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Recep Tayyip Erdogan<\/a> wird deshalb ohne Gegenleistung nicht auf die griechischen Zyprer zugehen. Auch die Regierung in Nikosia d\u00fcrfte nicht kompromissbereit sein. Sie steht wenige Monate vor den Parlamentswahlen im Mai unter dem Druck der rechtsgerichteten Elam-Partei. Kurz vor Jahresende verst\u00e4rkte Zypern au\u00dferdem die Zusammenarbeit im Dreierb\u00fcndnis mit Griechenland und Israel, das von der T\u00fcrkei als Allianz gegen Ankara betrachtet wird.<\/p>\n<p>\u201eDie T\u00fcrkei hat bereits erkennen lassen, dass sie im ersten Halbjahr keinen offiziellen Kommunikationskanal mit der EU-Ratspr\u00e4sidentschaft unterhalten wird\u201c, sagt Ebru Turhan, Professorin und Europa-Expertin an der T\u00fcrkisch-Deutschen Universit\u00e4t in Istanbul. Insgesamt d\u00fcrfte der Einfluss der T\u00fcrkei in Br\u00fcssel sinken. Schlie\u00dflich spielten die Ratspr\u00e4sidentschaften \u201eeine wichtige Rolle bei der Festlegung der Agenda und Priorit\u00e4ten der EU \u2013 insbesondere in au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Prozessen\u201c, sagte Turhan zur \u201ePresse\u201c.<\/p>\n<p>Zypern will sich nach Regierungsangaben w\u00e4hrend seiner Pr\u00e4sidentschaft darauf konzentrieren, die europ\u00e4ische Wettbewerbs- und Verteidigungsf\u00e4higkeit zu verbessern und die Migration besser zu steuern. Laut Medienberichten hofft die Regierung in Nikosia zudem auf mehr EU-Engagement zur L\u00f6sung der Zypern-Frage w\u00e4hrend ihrer Pr\u00e4sidentschaft. F\u00fcr 2027 plant Zypern den Beginn von Gasexporten nach Europa. Auch dabei zeichnet sich Streit mit der T\u00fcrkei ab, die den t\u00fcrkischen Inselteil bei der Ausbeutung von Gasvorkommen benachteiligt sieht.<\/p>\n<p>Probleme gibt es zwischen Ankara und Br\u00fcssel auch ohne den Zypern-Konflikt genug. Die T\u00fcrkei fordert mehr Reisefreiheit f\u00fcr ihre B\u00fcrger, doch die EU verlangt als Vorbedingung eine Reform der drakonischen t\u00fcrkischen Anti-Terrorgesetze. Europa will auch wissen, warum so viele T\u00fcrken mit Sonderp\u00e4ssen \u2013 so genannten Gr\u00fcnen P\u00e4ssen \u2013 f\u00fcr visafreies Reisen ausgestattet werden, die eigentlich nur f\u00fcr hohe Beamte gedacht sind.<\/p>\n<p>Erdogan will durchsetzen, dass das europ\u00e4ische R\u00fcstungsprogramm SAFE mit einem Volumen von 150 Milliarden Euro f\u00fcr die t\u00fcrkische Waffenindustrie ge\u00f6ffnet wird. Deutschland geh\u00f6rt in der EU zu den gr\u00f6\u00dften Unterst\u00fctzern des t\u00fcrkischen Wunsches. Aber nicht nur Zypern stemmt sich gegen eine t\u00fcrkische Beteiligung; auch Griechenland und Frankreich haben Bedenken.<\/p>\n<p>Im Geb\u00e4lk der t\u00fcrkisch-europ\u00e4ischen Beziehungen d\u00fcrfte es im neuen Jahr also knirschen. Einen R\u00fcckfall in die Krisen der vergangenen Jahre mit aggressiven Vorst\u00f6\u00dfen der T\u00fcrkei im \u00f6stlichen Mittelmeer und EU-Sanktionen gegen Ankara will aber niemand, wie T\u00fcrkei-Expertin Turhan meint. Angesichts der vielen regionalen Krisen und Kriege und der transatlantischen Verwerfungen k\u00f6nnten sich weder T\u00fcrken noch Europ\u00e4er den Luxus erlauben, den Dialog vollst\u00e4ndig abzuw\u00fcrgen, sagt sie. <\/p>\n<p>Hinter verschlossenen T\u00fcren k\u00f6nnte es deshalb neue Bewegung geben. Zypern erw\u00e4gt eine Bewerbung um eine Aufnahme in die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/nato\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" das=\"\" n=\"\" halbjahr=\"\" wird=\"\" hart=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nato<\/a>, was ohne Zustimmung der T\u00fcrkei unm\u00f6glich w\u00e4re. T\u00fcrkischen Medienberichten zufolge k\u00f6nnte Zypern die EU-Pr\u00e4sidentschaft dazu nutzen, Ankara ein Entgegenkommen bei SAFE im Gegenzug f\u00fcr ein Ja Ankara zur Beteiligung Zyperns am Nato-Partnerschaftsprogramm PfP anzubieten.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber informelle Kan\u00e4le\u201c k\u00f6nnten Zyprer und T\u00fcrken im ersten Halbjahr abseits der Kameras und ohne Erfolgsdruck \u00fcber SAFE, die angestrebte Modernisierung der Zollunion zwischen T\u00fcrkei und EU oder den Zypern-Konflikt selbst sprechen, meint Turhan. Als Vermittler, der T\u00fcrken und Zyprer an einen Tisch bringen k\u00f6nnte, kommt Turhan besonders ein EU-Mitglied in Frage: \u201eSolche Verhandlungen k\u00f6nnten \u00fcber Schl\u00fcsselstaaten wie etwa Deutschland vermittelt werden.\u201c<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den kommenden sechs Monaten wird die Zypern-Frage die f\u00fcr Europa wichtigen Beziehungen \u00fcberschatten. 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