{"id":678947,"date":"2025-12-30T00:04:22","date_gmt":"2025-12-30T00:04:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/678947\/"},"modified":"2025-12-30T00:04:22","modified_gmt":"2025-12-30T00:04:22","slug":"fantina-wo-johannstadt-nach-sizilien-schmeckt-johannstadt-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/678947\/","title":{"rendered":"Fantina \u2013 wo Johannstadt nach Sizilien schmeckt\u00a0 \u2013 Johannstadt.de"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist in der <a href=\"https:\/\/www.johannstadt.de\/2025\/11\/die-achte-ausgabe-der-zeile-ist-da\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zeile 8<\/a> erschienen. Autorin: Andrea Schubert<\/p>\n<p>Unweit der Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke, in einer Seitenstra\u00dfe der Johannstadt, liegt ein Ort, den man leicht \u00fcbersehen k\u00f6nnte \u2013 w\u00e4re da nicht der verlockende Duft von frisch gebackenem Teig. In der Neubertstra\u00dfe befindet sich die Pizzeria Fantina, die l\u00e4ngst kein Geheimtipp mehr ist. Sie z\u00e4hlt zu den beliebtesten Adressen der Johannstadt \u2013 und das aus gutem Grund.\u00a0<\/p>\n<p>In den Sommermonaten sind die begehrten Pl\u00e4tze im Au\u00dfenbereich nur mit Gl\u00fcck oder einer Reservierung im Vorfeld zu ergattern, von den wenigen Tischen im kleinen Gastraum im Winter ganz zu schweigen. Und auch wenn das Ambiente in der Neubertstra\u00dfe nur bedingt an italienische Verh\u00e4ltnisse erinnert, schafft es Wirt Daniel Roccadoro, seine Heimat Sizilien in die Johannstadt zu zaubern. Vor allem durch seine unnachahmliche Gastfreundschaft, die riesigen, unglaublich guten Pizzen, den s\u00fcffigen Wein und die leckeren Antipasti.\u00a0<\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es bei Fantina \u00fcber 106 Pizzen und Panini. <\/p>\n<p>Viele herausragende Kreationen laden in Fantina dazu ein, mutig neue Geschm\u00e4cker zu testen, denn Daniel m\u00f6chte seinen G\u00e4sten Abwechslung und Besonderes bieten. Da w\u00e4ren PIZZA GARLETTO mit Spanferkel, PIZZA RACLETTE mit Raclette-K\u00e4se und Kartoffeln oder PIZZA PIAOTTA mit getrockneten Tomaten, gekochtem Ei und wildem Brokkoli. Nat\u00fcrlich rufen auch die typischen Klassiker. Aber nicht Pizza Margherita oder Hawaii sind die beliebtesten Pizzen bei Fantina, das Rennen wird von Diavola angef\u00fchrt. Jedes Jahr kommen vier bis f\u00fcnf neue Pizzen dazu, die nach Familienmitgliedern oder Orten in oder rund um Fantina auf Sizilien benannt sind, der Heimatregion von Daniel Roccadoro. Wenn Daniel im Sommer in den S\u00fcden reist, nimmt er jedes Jahr Speisekarten mit, in denen seine alte Heimat gew\u00fcrdigt wird. Das r\u00fchrt die alten Menschen, die heute zum Gro\u00dfteil Fantina ausmachen. Nahezu alle jungen Leute sind aus der verstreut liegenden Siedlung weggegangen, auch Daniel.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.johannstadt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/20250604_190334-min-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"573\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20250604_190334-min-1024x573.jpg\" alt=\"Pizza\" class=\"wp-image-53145\"  \/><\/a>Pizza | Foto: Andrea Schubert<\/p>\n<p>Im September ist es 30 Jahre her, dass Daniel Roccadoro Sizilien verlassen hat \u2013 zun\u00e4chst nur mit der Absicht, ein paar Monate in der Wintersaison in Deutschland als Pizzab\u00e4cker zu arbeiten. Seit 2001 lebt Daniel nun schon in der Johannstadt, nach Stationen in Mei\u00dfen und Pirna \u2013 angestellt nicht nur als Pizzab\u00e4cker, sondern auch als T\u00fcrsteher und Dolmetscher (zweite Muttersprache Franz\u00f6sisch). 2010 hatte seine Frau Steffi, die mit dem zweiten Kind zu Hause war, die Idee, eine Pizzeria aufzumachen. Nicht unbedingt als Restaurant, sondern als Lieferdienst: Er als Pizzab\u00e4cker, sie als gelernte Restaurantfachfrau. Und wenn, dann in der Johannstadt! Daniel hat die R\u00e4ume selbst hergerichtet \u2013 als Raum f\u00fcr die G\u00e4ste, zum Pizza abholen. Die Er\u00f6ffnung war im Februar 2011.\u00a0<\/p>\n<p>Am Anfang standen nur drei Tische im Gastraum und St\u00fchle am Tresen. Die anf\u00e4nglich kleine Karte umfasste 20 Pizzen und wenige Nudelgerichte. Doch die Leute wollten nicht nur Pizza abholen, sondern auch vor Ort essen, sodass der Gastraum erweitert werden musste.\u00a0<\/p>\n<p>Seitdem hat es einige Ver\u00e4nderungen bei Fantina gegeben, nicht nur im Speisenangebot. Aber nichts bleibt dem aufmerksamen Stammgast verborgen: <\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eManche kommen zwei- bis dreimal die Woche hier essen, ihnen entgeht kein neuer Nagel in der Wand\u201c, scherzt Daniel. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eIch gehe mit gro\u00dfer Freude zur Arbeit, es ist fast wie Urlaub. Es ist eine Freundschaft zu meiner Kundschaft entstanden. Selbst w\u00e4hrend der Corona-Pandemie sind uns unsere Kunden treu geblieben und haben die Pizzen durchs Fenster abgeholt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Ob er schon einmal \u00fcber eine Erweiterung der Gastr\u00e4ume nachgedacht hat, schlie\u00dflich sind besonders im Winter die Kapazit\u00e4ten sehr begrenzt?\u00a0<\/p>\n<p>Der Vertragsabschluss mit dem Nachbargesch\u00e4ft stand sogar schon kurz bevor und die Genehmigung der Stadt f\u00fcr den Durchbruch in K\u00fcche und Gastraum wurde bereits erteilt. Doch Daniel ist froh, dass die Verhandlungen \u00fcber die Anmietung kurzfristig scheiterten, denn bald darauf kam Corona.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Auch heute w\u00fcrde er nicht mehr an eine Erweiterung denken: <\/p>\n<p>\u201eEs ist gut, so wie es ist. Die Menschen kommen hierher, weil sie sich wohlf\u00fchlen. Nicht nur die Pizza schmeckt, es ist famili\u00e4r. Manche G\u00e4ste sagen auch, es k\u00f6nnte die Atmosph\u00e4re von Fantina zerst\u00f6ren. So wie es ist, reicht es f\u00fcr uns. Mehr G\u00e4ste br\u00e4uchten auch mehr Personal, doch wir sind nur zu dritt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Daniel kommt immer wieder auf den Personalmangel zu sprechen, wenn auch ohne Groll. \u201eIch habe bei uns schon einige junge Leute, auch aus Italien, ausgebildet. Aber ich kann sie nicht festketten.\u201c Umso mehr strahlen Steffi und Daniel, als sie berichten, dass ihr Sohn, der gerade eine Ausbildung zum Koch im Carolaschl\u00f6sschen macht, sp\u00e4ter einmal Fantina \u00fcbernehmen m\u00f6chte. Auch die Tochter hilft ab und zu aus, um ihr Taschengeld aufzubessern. Insgesamt ist Fantina ein Familienprojekt: Die Mutter von Daniel sammelt jedes Jahr im Juni in Sizilien den Oregano f\u00fcr das Restaurant.\u00a0<\/p>\n<p>Beim Hinausgehen zeigt Daniel noch auf ein Foto, das am Ortseingang von Fantina in Sizilien aufgenommen wurde. Von einem Gast.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eEinige G\u00e4ste haben Fantina schon besucht, um den Ort kennenzulernen, nach dem unser Restaurant benannt ist. Manche waren sogar schon bei meiner Mutter\u201c, grinst er.\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Und gibt es etwas, das sich Daniel von der Johannstadt w\u00fcnscht?\u00a0<\/p>\n<p>\u201eNein, die G\u00e4ste sind toll. Sie sollen so bleiben, wie sie sind. Viele kommen auch von weiter her. Wir sind eine Familie. Auch wenn meine unverbl\u00fcmte Art vielleicht manchen vor den Kopf st\u00f6\u00dft\u201c, schiebt Daniel mit Blick auf die eine oder andere kommentierte Bewertung im Internet ein. \u201eAber das hat sich Gott sei Dank immer auf mich und nicht auf unser Essen bezogen\u201c, erg\u00e4nzt er schmunzelnd. Auch mit den anderen Gesch\u00e4ften versteht er sich gut.<\/p>\n<p>\u201eWenn es bei uns zu voll ist, schicke ich die G\u00e4ste auch zu Aslan. Der Eigent\u00fcmer des F\u00e4hrgartens kommt im Winter ab und zu vorbei. Es gibt hier keinen Hass und keinen Neid, das finde ich toll!<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich bin froh, Teil des Viertels zu sein. Aus der Johannstadt wegziehen? Nur f\u00fcr einen Lottogewinn vielleicht.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Von Andrea Schubert\u00a0<\/p>\n<p>In eigener Sache:<\/p>\n<p>Gef\u00e4llt dir unsere Arbeit? Um weiterhin Wissenswertes, Hintergr\u00fcnde und Geschichten aus der Johannstadt berichten zu k\u00f6nnen, bitten wir dich um eine Spende. 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