{"id":679143,"date":"2025-12-30T01:54:15","date_gmt":"2025-12-30T01:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/679143\/"},"modified":"2025-12-30T01:54:15","modified_gmt":"2025-12-30T01:54:15","slug":"adjayes-neubau-fuers-studio-museum-harlem-ein-statement-aus-schwarzem-beton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/679143\/","title":{"rendered":"Adjayes Neubau f\u00fcrs Studio Museum Harlem: Ein Statement aus schwarzem Beton"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Ein eigenartiges architektonisches Ensemble begegnet dem Flaneur nun an der zentralen Kreuzung von Harlem, dem African Square. Da ist an der Nordseite des Platzes das brutalistische Unget\u00fcm der New Yorker Verwaltung aus den 70er Jahren, benannt nach dem legend\u00e4ren schwarzen Senator Adam Clayton Powell. Schr\u00e4g gegen\u00fcber liegt das Art-d\u00e9co-Hochhaus des einst glanzvollen Theresa Hotel, in dem Prominenz von <a href=\"https:\/\/taz.de\/Sonderstellung-von-Boxer-Muhammad-Ali\/!6110231\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Muhammad Ali<\/a> \u00fcber Fidel Castro bis zu Jimi Hendrix abgestiegen ist. Eine Platte im B\u00fcrgersteig davor gedenkt des Besuchs von Nelson Mandela 1990 in der \u201eHauptstadt des schwarzen Amerika\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Auf der anderen Seit des A. C. Powell Boulevard ist seit Neuestem ein eklektizistisches Trio an Geb\u00e4uden zu bewundern, das in seiner Gebrochenheit den Charakter des Platzes spiegelt: Auf der Ecke ein gesichtsloser Glaskubus f\u00fcr das Servicezentrum eines Mobilfunkanbieters, etwas weiter eines der reich ornamentierten Lagerh\u00e4user aus dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert und dazwischen dr\u00e4ngt wie eine dunkle Festung das gerade neu er\u00f6ffnete Studio Museum of Harlem des britisch-ghanaischen Architekten David Adjaye hervor, ganz in schwarzem Beton.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Die Schwere des Geb\u00e4udes, das der Architekturkritiker der New York Times, Michael Kimmelman, als \u201emuskul\u00f6s\u201c bezeichnet, widerspricht beim ersten Augenschein dem Anspruch des Museums, sich ganz dem Viertel zu \u00f6ffnen und ein Teil von Harlem zu sein. Dass sich die vielfach gebrochene und verschachtelte Fassade wie \u201eein Essay \u00fcber Blackness\u201c liest, wie Kimmelman schreibt, erscheint eher abstrakt. Und ob wohl der Kniff Adjayes funktioniert, die typischen Treppenaufg\u00e4nge zu Harlemer Wohnh\u00e4usern \u2013 oft Zentrum des sozialen Lebens des Viertels \u2013 ins Geb\u00e4udeinnere zu verlegen?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Mit dem Museum festigt Adjaye seine Reputation als der exponierteste schwarze Architekt, der nicht nur wichtige Kulturinstitutionen wie <a href=\"https:\/\/taz.de\/Trumps-umstrittenes-Architektur-Dekret\/!6071014\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Museum f\u00fcr afroamerikanische Geschichte an der National Mall in Washington, D. C., geplant hat<\/a>, sondern auch der afrikanischen Diaspora eine eigene architektonische Sprache verleiht. Sein Renommee aber erlitt einen schweren Schlag, als 2023 Anschuldigungen sexueller Bel\u00e4stigung gegen ihn vorgebracht wurden. Auch von der Arbeit am Studio Museum musste er vorzeitig zur\u00fccktreten.<\/p>\n<p>      Bescheidene Anf\u00e4nge<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Die Architektur des 160-Millionen-Dollar-Baus tr\u00e4gt weiterhin die Handschrift Adjayes. Und sie ist ein Statement: Der Bau sticht heraus. Denn trotz seiner bescheidenen Anf\u00e4nge <a href=\"https:\/\/taz.de\/New-Yorker-Museen\/!5762161\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ist das Studio Museum<\/a> zu einer weltweit bedeutenden Institution f\u00fcr die Kultur der afrikanischen Diaspora geworden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Als es 1968 in einem Loft \u00fcber einem Schnapsladen nahe dem heutigen Standort er\u00f6ffnete, sollte es den in traditionellen Institutionen dramatisch unterrepr\u00e4sentierten afroamerikanischen K\u00fcnstlern einen Raum zum Arbeiten und Ausstellen geben und dies m\u00f6glichst nah an den Menschen des Viertels. Sammeln geh\u00f6rte damals nicht zur Mission des Museums. Heute besitzt das Studio Museum mehr als 9.000 Werke schwarzer K\u00fcnstler mit gro\u00dfen Namen wie Jacob Lawrence, Romare Bearden, Jean-Michel Basquiat und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Portraetmalerei-der-US-Praesidenten\/!5818714\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kehinde Wiley.<\/a> Der Wert seines Sammlungsbestands wird auf 300 Millionen gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Es ist klar, dass die heutige Institution eine andere Rolle spielen muss als das alte Studio Museum. Nicht nur das Museum ist stark gewachsen, auch sein Kontext hat sich ver\u00e4ndert: Harlem ist anders geworden, New York ist anders geworden, und die amerikanische Kulturlandschaft ist anders geworden.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8151952\/1200\/StudioMuseuminHarlem-BuildingImagery-GrandStair.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/StudioMuseuminHarlem-BuildingImagery-GrandStair.jpeg\" alt=\"Blick ins Atrium mit Treppen\" title=\"Blick ins Atrium mit Treppen\" height=\"443\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die Treppen im Atrium von Adjayes Neubau sollen an Feuertreppen in Harlem erinnern, die auch als sozialer Treffpunkt fungieren<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nAlbert Vecerka\/Esto; Courtesy Studio Museum Harlem<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Die USA waren 1968 auf dem H\u00f6hepunkt der B\u00fcrgerrechtsbewegung, Martin Luther King war gerade ermordet worden, Harlem hatte die schlimmsten Unruhen seiner Geschichte erlebt. Zugleich standen in New York 21 Mitglieder der Black Panthers vor Gericht. Im Studio Museum und auf den Stra\u00dfen des Viertels wurde darum gerungen, schwarzes Bewusstsein, eine schwarze Sprache zu finden. Derweil war der Stadtteil selbst vernachl\u00e4ssigt und verfallen.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Das Studio Museum k\u00f6nnte zur Pilgerst\u00e4tte f\u00fcr Coolness-J\u00e4ger werden<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">2025 hat die amerikanische Kultur bewegte f\u00fcnf Jahre hinter sich. Nach dem Mord an George Floyd 2020 stolperten sich amerikanische Kunstinstitutionen geradezu \u00fcber die F\u00fc\u00dfe, das zu tun, was das Studio Museum schon immer getan hat: schwarze Kunst zu zeigen, zu f\u00f6rdern und zu sammeln. Dann kam Trump erneut an die Macht und stellte die Kunsteinrichtungen unter Druck, ihre Inklusionsbem\u00fchungen wieder einzustellen. Das schwarze Harlem wird unterdessen von einer Gentrifizierungswelle \u00fcberrollt.<\/p>\n<p>      Querschnitt dessen, was schwarze Kunst sein soll<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"12\">Direktorin Thelma Golden sieht ihr Museum in diesen Zeiten nach wie vor als Fels in der Brandung: \u201eDas Museum soll das sein, was es schon immer war \u2013 ein Raum, der sich mutig und radikal durch die Stimmen und die Vision schwarzer K\u00fcnstler definiert.\u201c So zeigt die Er\u00f6ffnungsausstellung in den verschachtelten, vieldimensionalen Galerien des Adjaye Baus einen beeindruckenden Querschnitt dessen, was schwarze Kunst seit 200 Jahren alles sein kann \u2013 von Portr\u00e4ts aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert bis zur Performance-Kunst von David Hammons.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"13\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Kuenstler-ueber-Schwarze-Geschichte\/!5945054\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Welche Rolle schwarze Kunst<\/a> in einem sich ver\u00e4ndernden politischen und kulturellen Kontext spielen kann, bleibt jedoch ebenso unklar wie diejenige, die das Museum in New York spielen wird. Thelma Golden m\u00f6chte, dass es ein Ort ist, der Hoffnung macht, an dem Auseinandersetzung mit komplexen Ideen m\u00f6glich ist. Gef\u00e4hrdet wird ihr Ansinnen freilich nicht nur durch die feindselige Politik in Washington. Eher dadurch, dass schwarze Kunst trotz Donald Trump weiterhin als schick gilt; das Studio Museum k\u00f6nnte zur Pilgerst\u00e4tte f\u00fcr Coolness-J\u00e4ger werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"14\">Dann w\u00fcrde das Museum mit seinem Stararchitekten-Bau unweigerlich die Aufwertung Harlems vorantreiben. Zugleich ist es ohnehin als etablierte Institution l\u00e4ngst wie andere <a href=\"https:\/\/taz.de\/Auszeichnung-fuer-Zanele-Muholi\/!5892491\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">New Yorker Museen Spielball eines Interessengeflechts<\/a> aus Finanz und Politik. Es ist ein kompliziertes Terrain, auf dem Thelma Golden da zu navigieren hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein eigenartiges architektonisches Ensemble begegnet dem Flaneur nun an der zentralen Kreuzung von Harlem, dem African Square. 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