{"id":6794,"date":"2025-04-04T04:49:11","date_gmt":"2025-04-04T04:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6794\/"},"modified":"2025-04-04T04:49:11","modified_gmt":"2025-04-04T04:49:11","slug":"trump-laesst-seine-zollsaetze-mit-bestimmter-formel-errechnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6794\/","title":{"rendered":"Trump l\u00e4sst seine Zolls\u00e4tze mit bestimmter Formel errechnen"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 03.04.2025 13:04 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die USA kontern EU-Z\u00f6lle von &#8222;39 Prozent&#8220; mit Gegenz\u00f6llen von 20 Prozent. Doch die EU-Z\u00f6lle sind bei Weitem nicht so hoch, wie Trump unterstellt. Hintergrund ist die Formel, auf der seine Z\u00f6lle basieren. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs ist eine beeindruckende Tabelle, die Trump da gestern hochhielt: links die bestehenden Zolls\u00e4tze auf US-Waren in den einzelnen L\u00e4ndern &#8211; rechts die neuen US-Gegenz\u00f6lle. Danach werden die USA etwa bestehende Z\u00f6lle von 39 Prozent in der Europ\u00e4ischen Union mit einem Zollsatz von 20 Prozent kontern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber wenn die EU tats\u00e4chlich Z\u00f6lle in H\u00f6he von 39 Prozent auf US-Waren erhebt &#8211; sind dann umgekehrt Z\u00f6lle von 20 Prozent auf EU-Importe in die USA nicht sogar mehr als fair? Mit anderen Worten: Hat Trump recht?<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Trumps Tafel mit den angeblichen Importz\u00f6llen anderer L\u00e4nder auf US-Waren und den geplanten US-Gegenz\u00f6llen.\n                    <\/p>\n<p>    Die Mathematik hinter Trumps Z\u00f6llen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTats\u00e4chlich haben die Zahlen auf der Trumpschen Tabelle mit den spezifischen Zolls\u00e4tzen der einzelnen L\u00e4nder rein gar nichts zu tun. Auf der <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/issue-areas\/reciprocal-tariff-calculations\" title=\"Reciprocal Tariff Calculations\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Homepage des US-Handelsbeauftragten<\/a> kann man nachlesen, wie sie berechnet werden: Das Handelsdefizit der USA mit einem bestimmten Land wird durch die Gesamtexporte dieses Landes in die USA geteilt und dann halbiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber warum sind die US-Z\u00f6lle nur halb so hoch? Trump dr\u00fcckte es so aus: &#8222;Wir sind gute Menschen.&#8220; Finanzjournalist und Buchautor James Surowiecki war \u00fcbrigens der Erste, der diesen Zusammenhang in <a href=\"https:\/\/x.com\/JamesSurowiecki\/status\/1907559189234196942\" title=\"JamesSurowiecki Trump Tariffs\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">einem Post auf X<\/a> erl\u00e4uterte.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/audio\/audio-213538.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>Thomas Spickhofen, Thomas Spickhofen, ARD Br\u00fcssel, tagesschau, 03.04.2025 13:31 Uhr<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p>    Fake-Zollsatz von 39 Prozent<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd so kommt Trump denn auch auf die 39 respektive 20 Prozent im Falle der EU: Der <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/countries-regions\/europe-middle-east\/europe\/european-union\" title=\"European Union United States Trade Representative\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Handels\u00fcberschuss von 235,6 Milliarden Dollar<\/a> wird geteilt durch 605,8 Milliarden Dollar Exporte. Das ergibt 0,39 &#8211; also in der Trumpschen Logik einen Zollsatz der EU auf US-Waren von 39 Prozent. Dieser vermeintliche Zollsatz von 39 Prozent, geteilt durch 2, ergibt wiederum aufgerundet den neuen US-Zollsatz auf EU-Importe von 20 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese Rechnung l\u00e4sst sich auch f\u00fcr andere L\u00e4nder so nachvollziehen. Dabei gilt f\u00fcr alle L\u00e4nder, mit denen die USA selbst einen Handels\u00fcberschuss haben, ein pauschaler Zollsatz von zehn Prozent.<\/p>\n<p>    Wie hoch sind die EU-Z\u00f6lle auf US-Waren wirklich?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch was sagen die &#8222;echten&#8220; Zahlen? Tats\u00e4chlich liegen die Zolls\u00e4tze der EU im Durchschnitt \u00fcber denen der USA. Dabei basieren die Z\u00f6lle, die die Europ\u00e4ische Union auf Waren aus den USA erhebt, auf den Meistbeg\u00fcnstigungszolls\u00e4tzen (MFN), die f\u00fcr alle Handelspartner ohne bevorzugte Handelsabkommen gelten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer durchschnittliche EU-Zollsatz auf Importe aus L\u00e4ndern, die nicht der EU angeh\u00f6ren, <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/statis_e\/daily_update_e\/tariff_profiles\/CE_E.pdf\" title=\"WTO Tariffs European Union\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">betr\u00e4gt laut der Welthandelsorganisation (WTO) 5,0 Prozent<\/a> und liegt damit deutlich \u00fcber dem durchschnittlichen Zollsatz, den die USA auf Importe erheben (<a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/statis_e\/daily_update_e\/tariff_profiles\/US_E.pdf\" title=\"WTO Tariffs USA \" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">3,3 Prozent<\/a>).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie EU-Zollpolitik ist somit auf den ersten Blick insgesamt protektionistischer als die Zollpolitik der USA. Werden allerdings die Produktklassen mit ihren unterschiedlichen Importwerten gewichtet, so f\u00e4llt der Unterschied schon deutlich geringer aus. Der WTO zufolge verlangen die USA einen durchschnittlichen Zoll, gewichtet nach dem Volumen der tats\u00e4chlich gehandelten Waren, von 2,2 Prozent &#8211; in der EU werden 2,7 Prozent f\u00e4llig.<\/p>\n<p>    EU sch\u00fctzt Landwirte durch h\u00f6here Z\u00f6lle<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei variieren die Z\u00f6lle je nach Produktkategorie deutlich. So sind etwa die US-Z\u00f6lle auf landwirtschaftliche Produkte deutlich niedriger als jene der Europ\u00e4ischen Union. Die USA m\u00fcssen auf den Export landwirtschaftlicher Produkte in die EU im Schnitt einen <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/statis_e\/daily_update_e\/tariff_profiles\/CE_E.pdf\" title=\"WTO Tariffs European Union\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Einfuhrzoll von 14,7 Prozent<\/a> zahlen, gewichtet sind es 4,2 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZum Vergleich: Umgekehrt m\u00fcssen die EU-L\u00e4nder in den USA einen <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/res_e\/statis_e\/daily_update_e\/tariff_profiles\/US_E.pdf\" title=\"WTO Tariffs USA \" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Importzoll auf Agrarprodukte von 7,5 Prozent <\/a>im Schnitt respektive 2,5 Prozent gewichtet zahlen. Die EU sch\u00fctzt somit ihre Landwirte tendenziell st\u00e4rker als die USA. Bei nicht-landwirtschaftlichen Produkten sieht es anders aus: Hier liegt der gewichtete Zollsatz auf die Einfuhr von US-Waren in die EU bei gerade einmal 0,9 Prozent &#8211; und damit unter dem entsprechenden US-Zoll von 1,4 Prozent.<\/p>\n<p>    Das Mehrwertsteuer-Missverst\u00e4ndnis<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas Trump aber wirklich erz\u00fcrnt, ist ohnehin die Mehrwertsteuer in der Europ\u00e4ischen Union auf US-Importe: &#8222;Ich hatte Probleme mit der EU, denn \u2026 sie haben uns mit Z\u00f6llen belegt. Sie tun es in Form einer Mehrwertsteuer, die etwa 20 Prozent betr\u00e4gt&#8220;, hatte Trump bereits Ende Februar erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAn dieser Aussage stimmt jedoch lediglich die Zahl: &#8222;etwa 20 Prozent&#8220;. Tats\u00e4chlich liegt in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern der durchschnittliche Normalsatz bei der Mehrwertsteuer bei knapp 22 Prozent, in Deutschland sind es 19 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDar\u00fcber hinaus ist Trumps Argument jedoch mehr als fragw\u00fcrdig. Denn eine Mehrwertsteuer ist eben kein Zoll &#8211; und sie wirkt auch nicht so. Das sieht im \u00dcbrigen auch die WTO so. Schlie\u00dflich wird die Mehrwertsteuer auch auf Produkte aus der EU f\u00e4llig. Inl\u00e4ndische Unternehmen m\u00fcssen sie gleicherma\u00dfen bezahlen. Ein in den USA hergestelltes Auto wird folglich mit demselben Mehrwertsteuersatz besteuert wie ein Auto, das in der EU oder irgendwo sonst auf der Welt hergestellt wurde.<\/p>\n<p>    Verhandlungsmasse f\u00fcr den &#8222;Dealmaker&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNichtsdestotrotz l\u00e4sst sich unterm Strich festhalten: Die EU-Zollpolitik war &#8211; bis gestern &#8211; protektionistischer als jene der Vereinigten Staaten. Insofern hat Trump durchaus einen Punkt. Doch seine angek\u00fcndigten Gegenz\u00f6lle entbehren jeglicher Grundlage: Der durchschnittliche gewichtete Zollsatz der EU auf US-Waren liegt eben bei 2,7 Prozent &#8211; und nicht bei 39 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKlar ist aber auch, dass den von Trump kolportierten Zahlen ein klares Kalk\u00fcl zugrunde liegt. F\u00fcr den selbst ernannten &#8222;Dealmaker&#8220; sind sowohl die angeblichen 39 Prozent als auch sein Gegenzoll von 20 Prozent in erster Linie Verhandlungsmasse, um einen &#8222;g\u00fcnstigeren Deal&#8220; f\u00fcr die USA zu erreichen.<\/p>\n<p>    Gr\u00f6\u00dfte Zollerh\u00f6hungen in der Geschichte?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSollten jedoch die von Trump angek\u00fcndigten Z\u00f6lle auf Einfuhren aus der EU und anderen L\u00e4ndern tats\u00e4chlich ab dem 9. April in der genannten H\u00f6he kommen, so w\u00e4re dies die gr\u00f6\u00dfte Zollerh\u00f6hung in der Geschichte der Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBerechnungen der Commerzbank zufolge w\u00fcrde sich dadurch der Effektivzoll der USA, also die Zolleinnahmen in Prozent des gesamten Einfuhrwertes, auf rund 20 Prozent erh\u00f6hen. Das w\u00e4re ein Anstieg um 17 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Das ber\u00fcchtigte Smoot\/Hawley-Zollgesetz von 1930, das f\u00fcr die Weltwirtschaft verheerende Folgen hatte, erh\u00f6hte den Effektivzoll um rund sechs Prozentpunkte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 03.04.2025 13:04 Uhr Die USA kontern EU-Z\u00f6lle von &#8222;39 Prozent&#8220; mit Gegenz\u00f6llen von 20 Prozent. 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