{"id":681637,"date":"2025-12-31T01:33:11","date_gmt":"2025-12-31T01:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/681637\/"},"modified":"2025-12-31T01:33:11","modified_gmt":"2025-12-31T01:33:11","slug":"musik-machen-ist-nie-eine-grosse-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/681637\/","title":{"rendered":"\u201eMusik machen ist nie eine gro\u00dfe Arbeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Musik machen ist nie eine gro\u00dfe Arbeit. Jedenfalls f\u00fcr ihn. Sicher: Die Proben k\u00f6nnen anstrengen. Das Konzert dann aber ist pures Vergn\u00fcgen \u2013 wenn der Druck weg ist, den die zeitlich und logistisch eng getaktete Vorbereitung bedingt. Auch wenn die Konzerte seit vielen Jahren auch an Weihnachten und am Jahreswechsel stattfinden. Das kennt er schon aus Knabenchorzeiten. Patrick Hahn, seit 2021 Generalmusikdirektor (GMD) des Sinfonieorchesters Wuppertal, hat gerade sein letztes Konzert im Orchestergraben der Oper Barmen absolviert, steht vor seinem letzten Neujahrskonzert in der Historischen Stadthalle. Auftakt in ein Jahr der letzten Male. Zum Sommer verl\u00e4sst er die Stadt. Was allemal einschneidender f\u00fcr ihn ist als das Arbeiten an Feiertagen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Terminkalender ist prall gef\u00fcllt: Am Samstag dirigierte Patrick Hahn noch \u201eDie Fledermaus\u201c an der Deutschen Oper Berlin, am Sonntag dann \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c in Wuppertal. Bevor er am heutigen Silvestertag wieder nach Berlin reist, um dort die Strauss-Operette aufzuf\u00fchren, wurde das Neujahrskonzert in Wuppertal geprobt. Der Jahreswechsel f\u00e4llt dennoch nicht ins Wasser: Er wird in der Hauptstadt nach dem Konzert mit Kollegen aus dem Orchester gefeiert. Und am Vormittag des 1. Januar sitzt der 30-J\u00e4hrige wieder im Zug nach Wuppertal. Sorgen ums Ankommen angesichts der aktuellen Streckensperrungen der Bahn hat er nicht. \u201eDann steig\u2018 ich halt in Hamm aus und nehme den Regionalzug\u201c, sagt er zuversichtlich. Au\u00dferdem ist immer ein zeitlicher Puffer eingeplant. Die Lekt\u00fcre im Zug ist \u00fcbrigens nicht das Programm des morgen anstehenden Konzerts, sondern Wagners \u201eWalk\u00fcre\u201c, die am 18. Januar in Wuppertal konzertant gegeben wird.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Musik an Sonn- und Feiertagen ist Hahn vertraut: Schon in der Jugend spielte er die Orgel bei zwei Messen in zwei Kirchen hintereinander und gab im Anschluss Konzerte f\u00fcr Patienten in einer Rehaklinik in der Steiermark, \u201edas dankbarste Publikum, das man sich vorstellen kann\u201c. Wie Arbeit f\u00fchlte sich das schon damals nicht an. Wenn auch das fr\u00fche Aufstehen f\u00fcr das Orgelspiel manchmal schwerfiel. Was der \u00d6sterreicher damals begann, um das Taschengeld aufzubessern, pflegt er heute noch. Allerdings, dem Beruf geschuldet, unregelm\u00e4\u00dfig. Gerade erst war er im alten Kirchenchor aktiv.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nachdem er den Dezember weitgehend in Berlin verbracht hat, war er \u00fcber die Weihnachtstage zu Hause bei der Familie, Eltern und zwei Br\u00fcdern. P\u00fcnktlich an Heiligabend schneite es dicke Flocken in der 4500 Seelen Marktgemeinde Eggersdorf bei Graz. Hahn baute mit seiner Nichte im \u201eWinter Wonderland\u201c einen Schneemann. R\u00fchrte bewusst keine Partitur an. \u201eDie n\u00e4chsten Monate werden ja selbst verschuldet sehr intensiv\u201c, blickt der GMD auf den konzertanten Ring, der sich nach dem fulminanten \u201eDas Rheingold\u201c-Auftakt bestens verkauft. \u201eDie Kunst hat \u00fcberzeugt, daran hatte ich nie Zweifel\u201c, freut er sich, der Spagat ist geschafft, sowohl Nicht-Wagnerianer als auch passionierte Wagnerianer zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr das Neujahrskonzert gab es nun zwei Proben mit dem Orchester am Montagabend und die Haupt- und Generalproben am Dienstag. Das Programm ist \u201eein buntes Sammelsurium\u201c aus Johann Strauss (Sohn), Schostakowitsch, Bernhard Lang, Georg Kreisler und Modest Mussorgskis \u201eBilder einer Ausstellung\u201c in einer jazzigen Komposition von Yaron Gottfried: Vom Ursprung sind nur ein paar Motivfetzen \u00fcbrig geblieben, stattdessen gibt es Raum f\u00fcr Improvisation. Spielen wird das Frank Dupree Trio, das die Wuppertaler bereits Open Air auf dem Laurentiusplatz erleben konnten. \u201eEin sch\u00f6ner Abschluss\u201c f\u00fcr seine Neujahrskonzerte in Wuppertal, mit einem ungew\u00f6hnlichen Programm, das \u201eheimatverbunden\u201c ist, indem es Hahns Lieblingskomponisten Strauss einschlie\u00dft, zeitgen\u00f6ssische Entdeckungen und Kreisler aufbietet und \u201edurch den Jazz eine moderne Lesart hat\u201c. Eine spezielle Neujahrsreferenz gibt es nicht, Konfettiregen sind wegen der Reinigung untersagt. Silvester-Einlagen hat Hahn in Wuppertal zuletzt 2022 bei der \u201eLustigen Witwe\u201c von Leh\u00e1r erlebt: ein Schwipslied mit echtem Sektgenuss. Was ihn in Berlin erwartet, wei\u00df er nicht. Im letzten Jahr, als der Silvestertag mitten in der China-Tournee lag, gab es zwar Countdown und Feuerwerk, dort wird das Neujahrsfest traditionell abererst sp\u00e4ter begangen.<\/p>\n<p>Kein Weihnachtsschmuck, aber eine Nussknacker-Queen      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Wohnungssuche verlief kurz: Bereits die erste Besichtigung war erfolgreich, damals im August 2021. Das viele Licht, der Weitblick (vom eigenen Balkon) und die N\u00e4he zur Oper \u00fcberzeugten. \u201eIch konnte mir gut vorstellen, hier zu sein.\u201c Die Wohnung im dritten Stock eines Hauses, das 1903 aus einer Mischung von Gr\u00fcnderzeit- zum Jugend-Stil erbaut und 1993 in die Denkmalschutzliste aufgenommen wurde, weist viele Elemente der damaligen Zeit auf. Von der kunstvollen Wohnungst\u00fcr, Stuckdecken \u00fcber hohen W\u00e4nden bis hin zu den hellen Eichendielen. Vier R\u00e4ume hat Hahn hier. Sein Stil ist \u201emanchmal minimalistisch, funktional, praktisch und dezent chic\u201c. Er habe viel Spa\u00df beim Einrichten, Planen, dem Ausw\u00e4hlen der Farben, \u201eich mag die Kombination aus Neu und Altbau\u201c. Binnen drei Monaten schaffte er die Einrichtungsgegenst\u00e4nde an, fand sie meist im Internet, lagerte sie zun\u00e4chst bei den Eltern. Mit Vater und Bruder wurden sie dann nach Wuppertal gebracht. An die W\u00e4nde h\u00e4ngte er viele Kunstwerke, darunter auch zwei von Timm Ulrich, mit hintergr\u00fcndigem Wortwitz, die Hahn besonders sch\u00e4tzt, und eine fotok\u00fcnstlerisch bearbeitete Stra\u00dfen-Landschaft aus Autowracks. In einer Vitrine steht eine kleine Nussknacker-Queen in leuchtend blauem Outfit, eine limited Edition aus dem Erzgebirge, die rasch vergriffen war. \u00dcberall finden sich Vasen mit Blumenstr\u00e4u\u00dfen von Konzerten. Weihnachtsschmuck fehlt dagegen, auch wenn Hahn schon einige Jahresendzeiten in Wuppertal verbracht hat. \u201eDer muss ja wieder irgendwohin siedeln\u201c, wehrt er ab. Au\u00dferdem \u201ehat die Mama endlos Schmuck\u201c. Zumindest die Kerze in der Laterne auf dem Fenstersims hat weihnachtlichen Flair.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bleibt der Blick nach vorn: Pers\u00f6nlich w\u00fcnscht sich der sympathische junge Mann f\u00fcr 2026, dass \u201eder starke famili\u00e4re R\u00fcckhalt, der mich gepr\u00e4gt hat, bleibt\u201c. Betont, dass er damit auch Gesundheit f\u00fcr die Eltern meint. Gedanken an die Abschiedsmonate von Wuppertal hegt er (noch) nicht: \u201eEs ist soviel zu tun, dass das Gef\u00fchl nicht aufkommt, \u201edas wird verdr\u00e4ngt\u201c. Unabh\u00e4ngig davon ist die Zukunft bis ins Jahr 2028 terminiert. Der Kalender enth\u00e4lt viele Opernproduktionen. Das immer wieder vermutete feste Engagement an einem Haus ist nicht dabei, \u201edas ist nicht der Grund, weshalb ich gehe\u201c, winkt Hahn ab.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Langfristig hat er nur noch seine Wohnung in Wien, lebt wieder mehr aus dem Koffer. Daran ist er gew\u00f6hnt. Lediglich der weit vorausschauende Umgang mit den Noten, damit die immer dort sind, wo sie f\u00fcr die anstehenden Proben gebraucht werden, ist schwierig und fehleranf\u00e4llig. Das Reisen mit der Bahn wird bleiben, das Auto, das f\u00fcr Wuppertal angeschafft wurde, damit er bei schlechtem Wetter nicht auf das Rad angewiesen ist, kommt daf\u00fcr nicht infrage. Vielleicht bleibt es ja da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Musik machen ist nie eine gro\u00dfe Arbeit. Jedenfalls f\u00fcr ihn. Sicher: Die Proben k\u00f6nnen anstrengen. 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