{"id":682066,"date":"2025-12-31T05:48:11","date_gmt":"2025-12-31T05:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682066\/"},"modified":"2025-12-31T05:48:11","modified_gmt":"2025-12-31T05:48:11","slug":"spanien-und-portugal-historische-eu-beitritte-vor-40-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682066\/","title":{"rendered":"Spanien und Portugal: Historische EU-Beitritte vor 40 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>\n        Politisch beginnt das neue Jahr auf der Iberischen Halbinsel mit einem denkw\u00fcrdigen Jubil\u00e4um: Am 1. J\u00e4nner 1986, also vor genau 40 Jahren, traten Spanien und Portugal der damaligen Europ\u00e4ischen Gemeinschaft (EG) bei. Der Beitritt der beiden Nachbarl\u00e4nder von der Iberischen Halbinsel geh\u00f6rt zu einer der erfolgreichsten Integrationsgeschichten der Europ\u00e4ischen Union. Sie k\u00f6nnten gewisserma\u00dfen auch Vorbildwirkung haben.\n      <\/p>\n<p>\n        31. 12. 2025,  05:33\u00a0Uhr<br \/>\n        Lesedauer:        2 Minuten<\/p>\n<p>Die Erwartungen aktueller EU-Beitrittskandidaten wie Montenegro, Albanien, Nordmazedonien oder Serbien sind n\u00e4mlich \u00e4hnlich wie die damaligen Hoffnungen Spaniens und Portugals. Es geht um die Absicherung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und nicht selten wie im Fall der Ukraine, Moldau oder Georgien auch um internationale Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie geopolitischen Schutz.<\/p>\n<p>Vor allem aber blicken die EU-Beitrittskandidaten auf den Zugang zu einem Binnenmarkt mit \u00fcber 440 Millionen Menschen, Struktur- und Koh\u00e4sionsfonds sowie ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen. Das taten damals nat\u00fcrlich auch Spanien und Portugal. Doch bei diesen beiden L\u00e4ndern ging es um viel mehr. &#8222;Ihr EU-Beitritt bedeutete die endg\u00fcltige R\u00fcckkehr nach Europa &#8211; politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich&#8220;, erkl\u00e4rt der spanische Politikwissenschafter Ignacio S\u00e1nchez-Cuenca im Gespr\u00e4ch mit der APA.<\/p>\n<p>EG-Beitritt als Demokratie- und Stabilit\u00e4tsanker<\/p>\n<p>Der EG-Beitritt war f\u00fcr Portugal und Spanien kein rein wirtschaftliches Projekt, sondern ein Demokratie- und Stabilit\u00e4tsanker. \u00dcber Jahrzehnte waren beide L\u00e4nder als Diktaturen vor allem politisch von Europa isoliert. Spaniens faschistischer Langzeit-Diktator Francisco Franco regierte das Land bis zu seinem Tod 1975 mit eiserner Hand. Erst seit 1978 ist Spanien wieder eine Demokratie. Doch der Staatsstreichversuch von Franco-treuen Milit\u00e4rs am 23. Februar 1981 zeigt, wie schwach und gef\u00e4hrdet diese Demokratie noch lange war.<\/p>\n<p>In Portugal war die Lage \u00e4hnlich. Erst nach 48 Jahren endete die Salazar-Diktatur 1974 mit der Nelkenrevolution. Spanien und Portugal hatten die l\u00e4ngsten Diktaturen Europas im 20. Jahrhundert. &#8222;Der \u00dcbergang zu Demokratien war langsam und nicht immer einfach. Doch mit ihren Beitritten zur damaligen Europ\u00e4ischen Gemeinschaft wurde der Demokratisierungsprozess endg\u00fcltig abgeschlossen&#8220;, sagt Politologe S\u00e1nchez Cuenca von der Madrider Juan Carlos III. Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Beitritt zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft wirkte wie ein demokratischer Anker: Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Grundrechte wurden nicht nur politisches Ziel, sondern verbindlicher Rahmen. Und nat\u00fcrlich bot Europa den beiden strukturschwachen L\u00e4ndern die M\u00f6glichkeit eines wirtschaftlichen Aufholprozesses.<\/p>\n<p>&#8222;Kaum ein Land profitierte wirtschaftlich derart von europ\u00e4ischen Finanzhilfen wie Spanien&#8220;, erkl\u00e4rt der spanisch-\u00f6sterreichische Zeithistoriker Jos\u00e9 Manuel S\u00e1enz Rotko von der Pontificia Comillas Universit\u00e4t in Madrid. \u00d6konomisch bedeutete der EU-Beitritt f\u00fcr beide L\u00e4nder einen tiefgreifenden Strukturwandel. Sie \u00f6ffneten ihre M\u00e4rkte, modernisierten Industrie und Landwirtschaft und konnten dank der EU-F\u00f6rdermittel massiv in Infrastruktur investieren.<\/p>\n<p>Tiefgreifender Strukturwandel<\/p>\n<p>Autobahnen, Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge, moderne H\u00e4fen und Flugh\u00e4fen ver\u00e4nderten die L\u00e4nder sichtbar. Spanien entwickelte sich von einer agrarisch gepr\u00e4gten Volkswirtschaft zu einem diversifizierten Industriestandort mit starken Dienstleistungs-, Tourismus- und Technologiesektoren. Das Pro-Kopf-Einkommen n\u00e4herte sich schrittweise dem EU-Durchschnitt an &#8211; ein Prozess, der ohne die europ\u00e4ische Integration kaum denkbar gewesen w\u00e4re. &#8222;Auch deshalb geh\u00f6ren Spanier heuer zu den \u00fcberzeugtesten Europ\u00e4ern \u00fcberhaupt&#8220;, meint S\u00e1enz Rotko.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist Spanien vom Netto-Empf\u00e4nger zum Gestalter geworden. Es handelt sich um die viertgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft im Euro-Raum. 2025 betrug das spanische Wirtschaftswachstum 2,9 Prozent, das portugiesische 1,9. Damit liegen beiden L\u00e4nder \u00fcber dem EU-Durchschnitt von 1,1 Prozent. Spanien ist in Europa Vorreiter bei der Energiewende, Klimaschutz und Gleichstellungspolitik. Geschickt nutzt Spanien seine Stellung als Br\u00fcckenbauer zwischen Lateinamerika und Europa.<\/p>\n<p>Der EG- oder EU-Beitritt Spaniens und Portugal f\u00fchrte viel schneller und st\u00e4rker zu einem tiefgreifenden Transformationsprozess auf politischer wie wirtschaftlicher Ebene als das heute der Fall ist. Davon k\u00f6nnen heutige EU-Beitrittskandidaten nur tr\u00e4umen. Doch damals war die Europ\u00e4ische Gemeinschaft noch kleiner, \u00fcbersichtlicher und politisch homogener. Die Beitrittsperspektiven waren klar und schnell. Damals gab es eine europ\u00e4ische Aufbruchsstimmung, w\u00e4hrend heuer Eurokrisen, rechtspopulistische Str\u00f6mungen, Migrationskrisen und geopolitische Blockkonflikte die EU dominieren und spalten. Zudem wollte die damalige EG im Kalten Krieg S\u00fcdeuropa politisch wie wirtschaftlich stabilisieren.<\/p>\n<p>Auch waren die Anforderungen und die Reformlast f\u00fcr einen Beitritt in das Vereinte Europa bei Spanien und Portugals damals viel geringer. Aber auch die Bev\u00f6lkerung nahm den EU-Beitritt anders wahr. &#8222;F\u00fcr die Spanier und Portugiesen in der 1980er Jahren bedeutete er ein Ankommen im Westen. Heuer wird Integration in der EU von der Bev\u00f6lkerung der aktuellen EU-Beitrittskandidaten eher als wirtschaftliche Zweckgemeinschaft und weniger identit\u00e4tsstiftend wahrgenommen&#8220;, meint Politologe Ignacio S\u00e1nchez-Cuenca.<\/p>\n<p>(Von Manuel Meyer\/APA)<\/p>\n<p>(Quelle: APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Politisch beginnt das neue Jahr auf der Iberischen Halbinsel mit einem denkw\u00fcrdigen Jubil\u00e4um: Am 1. J\u00e4nner 1986, also&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":682067,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-682066","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115812611063597034","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682066","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=682066"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682066\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/682067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=682066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=682066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=682066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}