{"id":682144,"date":"2025-12-31T06:33:13","date_gmt":"2025-12-31T06:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682144\/"},"modified":"2025-12-31T06:33:13","modified_gmt":"2025-12-31T06:33:13","slug":"2025-ein-boomjahr-fuer-horror-filme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682144\/","title":{"rendered":"2025 &#8211; ein Boomjahr f\u00fcr Horror-Filme"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/substance-film-100.jpg\" alt=\"Szene aus dem Film &quot;The Substance&quot;.\" title=\"Szene aus dem Film &quot;The Substance&quot;. | picture alliance \/ COLLECTION CH\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 31.12.2025 04:48 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Horrorfilme waren in diesem Jahr besonders beliebt &#8211; und zeigten eine gro\u00dfe Bandbreite. Wieso ist dieses Film-Genre wieder so relevant? Und was sagt das \u00fcber unsere Gegenwart aus?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Caroline O. Jebens, SWR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das vergangene Jahr waren 365 Tage des Horrors &#8211; und zwar im w\u00f6rtlichen Sinne, wenn es ums Kino geht. Horrorfilme haben gro\u00dfe Gewinne an den Kassen eingespielt, \u00fcber 1,12 Milliarden Dollar allein in den USA, gut 17 Prozent der dortigen Gesamteinnahmen. Auch hierzulande und international schnitten Horrorfilme gut in Kinos und Streaming-Charts ab.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Innerhalb weniger Jahre ist Horror damit zum Publikumsgaranten f\u00fcr die Filmindustrie geworden. Und zu einem Genre mit gro\u00dfer Bandbreite: Sequels bekannter Horrorreihen, Neuauflagen von Klassikern, feministischer Bodyhorror und gesellschaftskritische Psycho-Filme. Publikum und Kritiker wurden gleicherma\u00dfen bedient.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie hat sich das einst bel\u00e4chelte Genre zum neuen Goldstandard der Branche entwickelt? Wieso resoniert Horror heute scheinbar mehr denn je?<\/p>\n<p>    Von blutiger Unterhaltung zu &#8222;gehobenem Horror&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Horror als elaboriertes Genre: Das geht unter anderem auf das Deb\u00fct von Regisseur Jordan Peele zur\u00fcck. &#8222;Get Out&#8220; erz\u00e4hlte 2017 von einem schwarzen jungen Mann, der in die F\u00e4nge der rassistischen Familie seiner wei\u00dfen Freundin ger\u00e4t. Der Film verwob sozialkritische Satire mit konkreter Gewalt und wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Oscar f\u00fcr das beste Originaldrehbuch &#8211; der erste f\u00fcr einen Horrorfilm und f\u00fcr einen afroamerikanischen Drehbuchautor zugleich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Get Out&#8220; markierte damit einen Wandel in der gegenw\u00e4rtigen Rezeption des Horrorgenres: weg von blutr\u00fcnstigen Unterhaltungsfilmen der CGI-getriebenen Nullerjahre, hin zu sogenanntem &#8222;elevated horror&#8220;, dem &#8222;gehobenen Horrorfilm&#8220;, k\u00fcnstlerisch anspruchsvoll, mit origin\u00e4rem Plot.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Neben Peele gelten auch die US-Amerikaner Ari Aster und Robert Eggers als neue Meister des Genres. Aster widmete sich komplexen Themen wie Verlust und Abh\u00e4ngigkeiten in einer Paarbeziehung in &#8222;Midsommar&#8220; (2019). Mit &#8222;Eddington&#8220; zeigte er dieses Jahr einen bitterb\u00f6sen Western, der die Auswirkungen der Pandemie verhandelt.<\/p>\n<p>    Horror als sozialkritischer Spiegel der Gesellschaft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eggers bediente fr\u00fch Folklore-Themen und entwickelte eine expressionistische Bildsprache wie in &#8222;The Lighthouse&#8220; (2019). Seine diesj\u00e4hrige Adaption des Horrorklassikers &#8222;Nosferatu&#8220; ist eine weitere Hommage an das Kino der Weimarer Republik.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einer der erfolgreichsten internationalen Horrorfilme dieses Jahres stammt jedoch aus Australien. Die Br\u00fcder Philippou hatten sich bereits mit &#8222;Talk to Me&#8220; (2022) als Horror-Duo hervorgetan. Nun erschien mit &#8222;Bring Her Back&#8220; ein von den Kritikern gelobter Film, der sich in brutal-surrealen Szenen mit Trauer innerhalb einer Pflegefamilie auseinandersetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die Neuauflagen bekannter Horrorreihen wie &#8222;28 Years Later&#8220;, &#8222;Final Destination: Bloodlines&#8220;, &#8222;The Conjuring: Last Rites&#8220; oder klassische Stoffe wie &#8222;Dracula &#8211; Die Auferstehung&#8220; und &#8222;Frankenstein&#8220; waren dieses Jahr beliebt. Origin\u00e4re Horrorstoffe als sozialkritischer Spiegel der Gesellschaft finden wieder ein gro\u00dfes Publikum.<\/p>\n<p>    &#8222;Blood &amp; Sinners&#8220;: Vampirgenre in den S\u00fcdstaaten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Verarbeitung gesellschaftlicher Konflikte ist im Horrorgenre bereits fr\u00fch angelegt: F\u00fcr die ersten Filminszenierungen wurden Schauerromane des 19. Jahrhunderts adaptiert, wurden \u00c4ngste und erste Reaktionen auf Wissenschaft, Medizin, Industrialisierung und Migration ins neue Medium Film \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob in Literatur oder Film: Horror funktioniert \u00fcber Affekte. Insbesondere irrationale \u00c4ngste einer Gesellschaft dr\u00fccken sich darin aus. In fr\u00fchen Werken sind Monster oft Randgestalten, die eine Vorstellung von Normalit\u00e4t bedrohen &#8211; ein Umstand, der das Genre heute erz\u00e4hlerisch besonders interessant macht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Umso mehr gilt das in einer Gegenwart, die f\u00fcr soziale Ungerechtigkeiten sensibilisiert ist. Denn Horror thematisiert, was auch abseits der Leinwand f\u00fcr Unruhen und \u00c4ngste sorgt. Zwei der erfolgreichsten Horrorstreifen des Jahres in den Vereinigten Staaten stehen ma\u00dfgeblich daf\u00fcr: &#8222;Blood &amp; Sinners&#8220; von Ryan Coogler, der das Vampirgenre in die Szenerie der rassistisch gepr\u00e4gten S\u00fcdstaaten verlegt. Und &#8222;Weapons&#8220; von Zach Cregger erkundet, wie eine Gemeinschaft mit dem Verlust von Schulkindern umgeht.<\/p>\n<p>    Frauen deuten Genre um: Body-Horror und Romantik<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders Frauen entwickelten zuletzt subversive Geschichten: Die Franz\u00f6sinnen Julia Durcournaus und Coralie Fargeat nutzten beispielsweise das Subgenre Bodyhorror. Fargeat pr\u00e4sentierte mit &#8222;The Substance&#8220; den gro\u00dfen Oscar-Kandidaten des Jahres. Die Bilder des Films reizen den brutalen Umgang mit alternden Frauen in Hollywood bis zum \u00c4u\u00dfersten aus. &#8222;The Ugly Stepsister&#8220; der norwegischen Regisseurin Emilie Blichfeldt nahm sich &#8222;Aschenputtel&#8220; aus der Perspektive der Stiefschwester vor. Genau wie in Grimms M\u00e4rchen l\u00e4sst sie sich brutal verst\u00fcmmeln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Neue Horrorfilme bedienen au\u00dferdem h\u00e4ufig Romantiktropen. Dazu z\u00e4hlt in diesem Jahr &#8222;Companion &#8211; Die perfekte Begleitung&#8220; von Drew Hancock. Er zeigt eine Protagonistin, die herausfindet, dass ihr Love-Interest v\u00f6llig anderes mit ihr vor hat als erhofft. In Zeiten sich versch\u00e4rfender Gewalt gegen Frauen k\u00f6nnen solche Filme sogar als ironische Reaktionen gelesen werden. Das Verst\u00e4ndnis des romantischen Ideals hat sich demnach ver\u00e4ndert: Was einst als hingebungsvoll gedeutet wurde, entpuppt sich als Grenz\u00fcberschreitung.<\/p>\n<p>    Horrorfilm als Katharsis<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das kritische Publikum sucht im Film ein Ventil f\u00fcr anhaltende gesellschaftliche Missst\u00e4nde, seien es rassistische Verh\u00e4ltnisse, regressive Sch\u00f6nheitsnormen oder Ignoranz gegen\u00fcber Gewalt, Trauma und Verlust. Drastische Bilder adressieren kurzweilig die \u00c4ngste, die damit verbunden sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der Regel \u00fcbernehmen Horrorfilme dabei eine kathartische Rolle: Sie zeigen den \u00dcberlebenden, der das B\u00f6se \u00fcberwindet, Menschen, die sich f\u00fcr andere opfern, oder das &#8222;final girl&#8220;, das den Schauplatz der Gewalt sichtlich versehrt, aber doch siegreich verl\u00e4sst. Auf dass im neuen Jahr 2026 der Gesellschaft neue Spiegel vorgehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 31.12.2025 04:48 Uhr Horrorfilme waren in diesem Jahr besonders beliebt &#8211; und zeigten eine gro\u00dfe Bandbreite. 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