{"id":682241,"date":"2025-12-31T07:31:24","date_gmt":"2025-12-31T07:31:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682241\/"},"modified":"2025-12-31T07:31:24","modified_gmt":"2025-12-31T07:31:24","slug":"wieder-spueren-worum-es-im-da-sein-wirklich-geht-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682241\/","title":{"rendered":"Wieder sp\u00fcren, worum es im Da-Sein wirklich geht \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>So l\u00e4uft die Zeit ab. F\u00fcr manche Leute ganz still und friedlich. F\u00fcr andere mit Krach und Feuerwerk. Und f\u00fcr die n\u00e4chsten mit tr\u00e4nenden Augen und Kopfschmerzen. Manche sto\u00dfen sachte mit ihren Sektgl\u00e4sern an und w\u00fcnschen sich nur eins: Dass im neuen Jahr die Vernunft wieder mehr Platz bekommt in den K\u00f6pfen. Aber um das zuzulassen, braucht es Gelassenheit. Eine Eigenschaft, welche die meisten Bewohner dieser Zeitinsel nicht haben. Oder sich nicht zutrauen.<\/p>\n<p>Jene Gelassenheit, die man bekommt, wenn man sich endlich wieder von den Bildschirmen l\u00f6st, die einen berieseln, erschrecken, permanent in Spannung halten. Sodass wir die K\u00f6pfe nicht wenden k\u00f6nnen und aufatmen. Nachdenken dar\u00fcber, worum es in unserem Leben eigentlich geht. Und was wir darin eigentlich m\u00f6gen und w\u00fcnschen.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20e2ed38fac244eeb76fc9849a6a4a0e.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/medien\/2025\/12\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/medien\/2025\/12\/1\"\/><\/p>\n<p>Ohne diese Jahreswechsel-W\u00fcnsche-Orgien, die nur noch die Autoren all der d\u00e4mlichen Texte \u00fcber \u201eW\u00fcnsche f\u00fcrs neue Jahr\u201c glauben. Kein Mensch geht so ins neue Jahr, auch wenn sich das die Fitness-Studios so gern ausmalen. Die meisten Leute sind am 31. Dezember um 23:59 Uhr einfach froh, dass sie wieder ein Jahr leidlich \u00fcberlebt, ihren Job behalten haben und die Wohnung bezahlen konnten. Und sogar noch Geld \u00fcbrig blieb f\u00fcr den Kartoffelsalat, die W\u00fcrstchen und den Sekt.<\/p>\n<p>Unsertwegen<\/p>\n<p>Und dass sie nicht allein aus dem Fenster gucken, wenn irgendwo jemand die Sekunden herunterz\u00e4hlt bis zur Null. Und dass die Menschen, mit denen man anst\u00f6\u00dft und die man ans Herz dr\u00fcckt, tats\u00e4chlich unsertwegen da sind. Weil sie einen tats\u00e4chlich m\u00f6gen und durchs halbe Land gefahren sind, um mit einem einfach auf den Moment anzusto\u00dfen, in dem das letzte Kalenderblatt f\u00e4llt. Und alles den Blick weitet auf ein neues Jahr, in dem man eigentlich nur so of wie m\u00f6glich so miteinander sein m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und offen sein m\u00f6chte f\u00fcr alles, was einem das Leben schenkt. Einfach so. Mal abgesehen davon, dass das Leben sowieso ein einzigartiges Geschenk ist. Und sowieso viel zu kurz. Weil wir so im Hamsterrad besch\u00e4ftigt sind, dass wir gar nicht mehr sehen, was wirklich wichtig ist und das Herz erw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Sodass man dann durchaus erstaunt auf den neuen Kalender schaut, der einen vielleicht genau dazu einl\u00e4dt: Die Welt da drau\u00dfen, die Stadt da drau\u00dfen wieder und wieder mit offenen Augen wahrzunehmen. Eine Einladung, jederzeit Hut und Mantel schnappen zu k\u00f6nnen, um durch die Stadt zu laufen, in der man irgendwie lebt. Und die man doch kaum noch wahrnimmt, wenn man durch die dr\u00e4ngenden Forderungen der Tage jagt. Ohne aufzublicken. Ohne innezuhalten. Ohne Luft zu schnappen und die Augen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die stillen Seiten der Stadt<\/p>\n<p>Und das kann durchaus ein kleiner Tischkalender sein, wie ihn der Sax-Verlag auch in diesem Jahr wieder aufgelegt hat \u2013 mit lauter durchsonnten Fotos der manchmal gar nicht quirligen Stadt Leipzig. Mit lauter Ecken, in denen man einfach mal im eiligen Hasten inneh\u00e4lt, die Nase in die Sonne h\u00e4lt und schaut. Zuschaut, wie die Zeit flie\u00dft. Manchmal schnell, manchmal ganz langsam. Und irgendetwas best\u00e4tigt einem im Hinterkopf: \u201eDu bis jetzt hier. Das ist dein Moment.\u201c<\/p>\n<p>Sagen Sie sich das mal. Sie werden merken, was es ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Ob nun am zugefrorenen Karl-Heine-Kanal oder am nicht zugefrorenen Elsterm\u00fchlgraben. Ob beim ersten Knospentreiben im Clara-Zetkin-Park oder mit den ersten Bl\u00fcten am Thomashaus am Dittrichring. Der eine bleibt da stehen und z\u00fcckt sein Smartphone, um das festzuhalten und zu teilen. Und der andere steht einfach da und merkt: Jetzt ist jetzt.<\/p>\n<p>Ob beim Blick in den lichten Innenhof des Grassi-Museums oder beim Blick hin\u00fcber zum Riverboat am Karl-Heine-Kanal. Es gibt ja all diese Orte, an denen man sich ausklinken kann aus der Hektik des Alltags. An denen man sp\u00fcren kann, dass man da ist. Und dass es im Leben eigentlich die ganze Zeit darum geht: zu sp\u00fcren, dass man da ist.<\/p>\n<p>In die Welt geworfen, mit all seinen W\u00fcnschen und Erwartungen. Von denen die wichtigsten alle mit Menschen zu tu haben, die wir m\u00f6gen, die uns guttun und die wir schon am ersten Tag des Jahres wieder vermissen, wenn sie schon wieder abreisen mussten. Vielleicht einen dieser kleinen Kalender in der Reisetasche, damit sie an uns denken da in der Ferne. Und auch an sich selbst.<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtigkeit eines Jahres<\/p>\n<p>Denn nichts ist schneller fort als ein ganzes Jahr, in dem wir nicht gemerkt haben, dass wir da waren.<\/p>\n<p>Vielleicht hilft Ihnen ja das, was wir mit der Leipziger Zeitung so treiben, wo wir uns ja bem\u00fchen, den Blick f\u00fcr das Jetzt zu sch\u00e4rfen. Und diese seltsam unfertige Stadt, die nie zur Ruhe kommt. Ab und zu genau daran zu denken, an das, was Ihnen wirklich wichtig ist. Das kann auch diese Stadt mit ihren sonnigen Ecken sein, an denen man stutzt und stehen bleibt und merkt, wie man mitsamt der Stadt durch die Zeit schwimmt.<\/p>\n<p>Das Gl\u00e4seransto\u00dfen ist nur ein Moment. Und wer den Anderen dabei in die Augen schaut, merkt, dass es allen genauso geht. Man sp\u00fcrt f\u00fcr einen Moment, wie alles flie\u00dft. Und dass jeder Moment, den wir wirklich mit unseren Sinnen wahrnehmen, ein Geschenk ist.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es das, was wir uns w\u00fcnschen sollten f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr: aufmerksamer zu sein auf all das, was uns wirklich lebendig macht.<\/p>\n<p><strong>\u201eTischkalender Leipzig 2026\u201c<\/strong>, Sax-Verlag, Beucha und Markkleeberg 2025, 5,95 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"So l\u00e4uft die Zeit ab. F\u00fcr manche Leute ganz still und friedlich. 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