{"id":682728,"date":"2025-12-31T12:10:11","date_gmt":"2025-12-31T12:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682728\/"},"modified":"2025-12-31T12:10:11","modified_gmt":"2025-12-31T12:10:11","slug":"gastbeitrag-zur-wiedereroeffnung-des-konzertsaals-am-kieler-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/682728\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag zur Wiederer\u00f6ffnung des Konzertsaals am Kieler Schloss"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Kiel. Christian Kuhnt ist Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Er freut sich ganz besonders auf die nach Jahren der Sanierung f\u00fcr Mitte Januar 2026 geplante Wiederer\u00f6ffnung des Konzertsaales am Kieler Schloss. Den Kieler Nachrichten hat er verraten, warum das so ist. Es ist eine Liebeserkl\u00e4rung geworden.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Es erging mir beim ersten Mal wohl wie allen, die aus der Fremde nach Kiel kommen: Man steht vor dem Konzertsaal, den man in Kiel stolz \u201eSchloss\u201c nennt \u2013 und reibt sich verwundert die Augen. Denn die gl\u00e4serne Fassade hat mit M\u00e4rchenromantik ungef\u00e4hr so viel zu tun wie ein k\u00f6stliches Fischbr\u00f6tchen mit Haute Cuisine.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Am 7. November 1959 meldete das Hamburger Abendblatt: \u201eDas Kieler Schloss: Abriss und Wiederaufbau\u201c. Eine \u00dcberschrift, die stutzig macht. Denn <a href=\"\" rel=\"\" title=\"\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"\">vom alten Schloss<\/a> war nach den Kriegsjahren kaum mehr als der Westfl\u00fcgel, der ber\u00fchmte \u201eRantzaubau\u201c, \u00fcbriggeblieben. Ein vollst\u00e4ndiger Wiederaufbau? Der w\u00e4re nicht nur ein Mammutprojekt gewesen, sondern h\u00e4tte auch nicht zu den ehrgeizigen Pl\u00e4nen gepasst, die schon seit den 1930er-Jahren in den Schubladen lagen.<\/p>\n<p>Moderne Architektur statt nostalgische Rekonstruktion<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Zeit der Residenzen war vorbei, Kiel blickte nach vorn. Statt nostalgischer Rekonstruktion entschied man sich f\u00fcr eine Vision: F\u00fcr stolze 17 Millionen DM sollte ein \u201ekulturelles Zentrum zwischen Nord und Ostsee\u201c entstehen \u2013 ein Ort, der Menschen zusammenbringt, Kunst und Musik Raum gibt und die Stadt mit neuem Leben erf\u00fcllt. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Der Entwurf des Neubaus folgte dieser Idee konsequent: gro\u00dfz\u00fcgige R\u00e4ume f\u00fcr verschiedene Kultureinrichtungen, moderne Architektur und als Herzst\u00fcck ein Konzertsaal, den Kiel so dringend brauchte. Aus den Tr\u00fcmmern wuchs etwas v\u00f6llig Neues: ein Haus f\u00fcr die Zukunft, f\u00fcr Begegnungen \u2013 ein Ort, der Geschichte und Moderne miteinander verbindet. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Eine charmante Fu\u00dfnote: Bereits einen Monat vor der feierlichen Einweihung Ende Mai 1965 fand unter dem Titel \u201eKonzert zum Feierabend\u201c die erste Musikveranstaltung mit dem Tanzorchester des NDR statt. Heute w\u00fcrde man das wohl \u201eniedrigschwellig\u201c oder \u201enahbar\u201c nennen \u2013 damals war es einfach eine sympathische Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Kulturbeflissene stolpern \u00fcber Namen \u201eKieler Schloss\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Initiatoren unseres besonderen Kulturortes an der F\u00f6rde sprachen anfangs brav vom \u201eKonzertsaal am Kieler Schloss\u201c \u2013 geografisch korrekt. Doch irgendwann verschwanden die beiden ersten Worte wie eine Sprotte beim Imbiss. \u00dcbrig blieb: \u201eKieler Schloss\u201c. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">W\u00e4hrend die Kieler das l\u00e4ngst gewohnt sind, stolpern kulturbeflissene G\u00e4ste dar\u00fcber wie \u00fcber eine lose Bordsteinkante. Dabei hat dieser Ort Besseres verdient, als bel\u00e4chelt zu werden. Dieser Text \u00fcber \u201emein\u201c Schloss ist keine Chronik \u2013 er ist eine Liebeserkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<blockquote><p>Schon damals war es um mich geschehen: Gib mir Schloss, gib mir mehr Schloss!<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 iQZobn\">Christian Kuhnt<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 hQAqgn\">Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Man muss nur eintreten, um sich verf\u00fchren zu lassen: in einen Saal, der zu den modernsten Konzertorten der Republik z\u00e4hlt. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Besuch vor knapp 30 Jahren. Da offenbarte sich alles, was diesen Raum ausmacht: <a href=\"https:\/\/www.kn-online.de\/kultur\/regional\/konzerthaus-am-kieler-schloss-philharmoniker-testen-die-akustik-im-saal-RDSRXE4SBZGNLMSJDBZGU7VJ6Q.html\" target=\"_self\" rel=\"noopener\" title=\"https:\/\/www.kn-online.de\/kultur\/regional\/konzerthaus-am-kieler-schloss-philharmoniker-testen-die-akustik-im-saal-RDSRXE4SBZGNLMSJDBZGU7VJ6Q.html\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.kn-online.de\/kultur\/regional\/konzerthaus-am-kieler-schloss-philharmoniker-testen-die-akustik-im-saal-RDSRXE4SBZGNLMSJDBZGU7VJ6Q.html\">eine Akustik von \u00fcberw\u00e4ltigender Unmittelbarkeit, Intimit\u00e4t, N\u00e4he<\/a>. Schon damals war es um mich geschehen: Gib mir Schloss, gib mir mehr Schloss!<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Kommen Sie mit mir durch die Eingangst\u00fcr hinein ins Foyer mit seinen Kronleuchtern. Wir schleichen uns am Einlasspersonal vorbei in den Saal: Rote Polster auf 1200 Klappsitzen, goldene Bord\u00fcren, wei\u00dfe W\u00e4nde mit Lampen, die an Badezimmer der 70er erinnern. Und die gro\u00dfe Frage: Wo ist hier eigentlich die B\u00fchne? Die Antwort: Es gibt eigentlich keine. Die Musik beginnt direkt vor der ersten Reihe, ohne Sockel. Keine museale Distanz, keine Absperrkordel. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Kunst ist mitten unter uns \u2013 so nah, dass man fast den Atem der Musiker sp\u00fcrt. Ein bisschen wie im Zirkus, nur ohne Zwergponys. Und genau das macht mein Schloss so einzigartig: Hier ist Musik kein fernes Heiligtum, sondern ein lebendiges Erlebnis.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">KN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kiel. Christian Kuhnt ist Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals. 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