{"id":683428,"date":"2025-12-31T18:38:27","date_gmt":"2025-12-31T18:38:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/683428\/"},"modified":"2025-12-31T18:38:27","modified_gmt":"2025-12-31T18:38:27","slug":"organische-architektur-und-kakteen-in-der-mondlandschaft-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/683428\/","title":{"rendered":"Organische Architektur und Kakteen in der Mondlandschaft \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBuenas tardes!\u201c Die Senora war gerade dabei, den Steinboden des Supermercados zu kehren. Als Raumpflegerin, Kassiererin, Bedienung der Feinkostabteilung und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin in einer Person hatte sie allerhand zu tun. Ob der knapp schulterhohe St\u00e4nder mit den Musikkassetten und dem alten Vorh\u00e4ngeschloss nur als musealer Hingucker gedacht war? Keinesfalls. \u201eDie kann man alle kaufen\u201c, stellt die Gesch\u00e4ftsfrau klar. Ansonsten orientiert sich das Warenangebot an eher schlichten Bed\u00fcrfnissen. Jedenfalls ist der Laden von unserer Bleibe aus sozusagen \u201enah und frisch\u201c. <\/p>\n<p>Also angekommen in Punta Mujeres, an der Nordostk\u00fcste von Lanzarote. Die Idee eines Insel-Februars jenseits des Trubels von Badhotspots wie Puerto del Carmen und Playa Blanca lief sich schon recht gut an. Die Kanaren sind trotz des gleichen Anfangsbuchstabens, der identischen Buchstabenanzahl und der Lage am Rande des Atlantik klimatisch mit der Karibik nicht gleichzusetzen. <\/p>\n<p>Auch wenn die Tagestemperaturen kaum unter 20 Grad sinken und das Meer mit gut 18 bis 19 Grad beschwimmbar bleibt, sollte ein solides Joggingteil im Reisegep\u00e4ck nicht fehlen. F\u00fcr Wanderer empfiehlt sich dazu noch eine Regen-Windjacke, denn die Insel hat im Winter auch einige nasse Tage zu bieten. Dazu sollte festes Schuhwerk f\u00fcr Wanderungen im scharfkantigen Vulkangestein mit von der Partie sein. Ansonsten kann, wer zwischen dem Abtakeln des Weihnachtsbaums und dem Einf\u00e4rben der Ostereier auf Lanzarote als Individualreisender anlandet, nicht so ganz danebenliegen.<\/p>\n<p>Was formte die Landschaft? Vulkanismus<\/p>\n<p>Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Patscherkofel bei Innsbruck kein erloschener Vulkan ist (entgegen mancher Einzelmeinung), werden sich am Thema <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/20147883\/guatemala-der-vulkan-brodelt-und-die-zeit-ist-kreisfoermig\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Vulkanismus<\/a> Interessierte au\u00dfer Landes begeben m\u00fcssen. Das Ph\u00e4nomen, wie Feuerberge Land formen, kann man in der Mondlandschaft auf Lanzarote eindrucksvoll nacherleben. Die Kanaren sind allesamt vulkanischer Herkunft, so entstand auch das Profil der n\u00f6rdlichsten Insel mit der imposanten Kraterlandschaft der Feuerberge im Timanfaya Nationalpark.<\/p>\n<p>Wer die Insel pr\u00e4gte: C\u00e9sar Manrique<\/p>\n<p>Die Rede ist von der vermutlich bekanntesten Pers\u00f6nlichkeit der Insel \u2013 C\u00e9sar Manrique, Maler, Designer, Architekt, Umweltsch\u00fctzer. Der international renommierte K\u00fcnstler (1919\u20131992) l\u00e4sst sich schwer einordnen, vielleicht kommt Gestalter seinem breiten Schaffen mit dem Bestreben, Natur und Kultur zu einen, am n\u00e4chsten. Manriques expressive Malweise begeisterte in New York; trotzdem kehrte er nach Lanzarote zur\u00fcck und verwandelte Brachliegendes in faszinierende Architektur. Dies stets unter strenger Beachtung und Miteinbeziehung des vulkanischen Inselursprungs.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Nordost9a.jpg\" alt=\"Abgesehen vom Sonntagsmarkt, ist Teguise beschaulich. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Abgesehen vom Sonntagsmarkt, ist Teguise beschaulich. \u2003Bundschuh<\/p>\n<p>Zudem machte sich C\u00e9sar Manrique in der Restaurierung von Bauruinen federf\u00fchrend verdient. Besonders im Nordosten der Insel hinterlie\u00df der K\u00fcnstler viele Fu\u00dfabdr\u00fccke. Dazu geh\u00f6rt der \u201eJardin de Cactus\u201c mit seiner bezaubernd anmutenden Sammlung tausender <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/20277290\/wie-man-kakteen-auch-mit-schwarzem-daumen-gut-ueberwintert\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Kakteen<\/a> \u2013 zusammen mit Lavas\u00e4ulen eine beeindruckend bizarre Kulisse. In dem schon an sich sehenswerten Ort Har\u00eda stehen Wohnhaus und Atelier von Manrique. Das Ensemble blieb so erhalten, wie es zu seinem Tod aussah und ist zu besichtigen. <\/p>\n<p>Und ein Must f\u00fcr Besucher ist Jameos del Agua: Ein an mehreren Stellen eingest\u00fcrzter, in seinen Ausma\u00dfen gewaltiger Lavatunnel wurde von Manrique 1968 zu einem mit subtropischen Pflanzen und einem unterirdischen See versehenen Gesamtkunstwerk gestaltet. Hier ist es gelungen, die recht eint\u00f6nige, aber in ihrer Bizarrheit faszinierende Lavalandschaft in eine ganz besondere Erlebniswelt zu verwandeln.<\/p>\n<p>Ein Grund, Har\u00eda zu besuchen: die Atmosph\u00e4re<\/p>\n<p>Der kleine Ort Har\u00eda verf\u00fcgt, abgesehen von der einstigen Inselhauptstadt Teguise, wohl \u00fcber die bemerkenswerteste Kolonialarchitektur auf Lanzarote und gilt als der sch\u00f6nste Ort im Norden. Vor allem der erstaunlich \u00fcppige Bestand an kanarischen Dattelpalmen und eine die Plaza Leon y Castillo beschattende Lorbeerallee machen den Ort zu einer charmanten Bummelmeile. Wer mag, rastet bei einem Glas Vino del pa\u00eds im Traditionshaus \u201eCentro Socio-Cultural\u201c rechts neben der Kirche oder einer anderen Bar mit lokalem Ambiente.<\/p>\n<p>Auch die kleine, recht versteckt gelegene Markthalle mit Gark\u00fcche ist ein Ort um h\u00e4ngenzubleiben. Gut besucht, aber doch nicht \u00fcberlaufen pr\u00e4sentiert sich der Kunsthandwerksmarkt am Samstag. Und wer es gerne etwas beschaulicher hat, kann als Alternative zum sonnt\u00e4glichen Markt in Teguise die gem\u00fctlichen Standln von Har\u00eda w\u00e4hlen. Als ganz besondere Sehensw\u00fcrdigkeit des Ortes gilt \u00fcbrigens das letzte Wohnhaus von C\u00e9sar Manrique, das 2013 der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wurde. <\/p>\n<p>Wenn herumfahren, dann weiter nach Norden<\/p>\n<p>Nur wenige Autominuten von Har\u00eda entfernt erreicht man in n\u00f6rdlicher Richtung die wei\u00dfen W\u00fcrfelh\u00e4user von M\u00e1guez. Die historische Kirche Santa B\u00e1rbara wurde nach der Demontage des bauf\u00e4lligen Originals, angeregt von C\u00e9sar Manrique, nach Originalpl\u00e4nen wiederaufgebaut und stellt ein Freilichtmuseum im Miniformat f\u00fcr sich dar. Wer etwa am Barbaratag (am 4. Dezember) in der Gegend ist, sollte sich hier die mehrt\u00e4gigen Festlichkeiten nicht entgehen lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Nordost2.jpg\" alt=\"Vulkane und Lavafelder pr\u00e4gen Lanzarote. Mondlandschaft im Timanfaya Nationalpark.  \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Vulkane und Lavafelder pr\u00e4gen Lanzarote. Mondlandschaft im Timanfaya Nationalpark.  \u2003Bundschuh<\/p>\n<p>Ein Tipp f\u00fcr Sparefrohs: Etwa auf halber Strecke zwischen den D\u00f6rfern M\u00e1guez und Ye f\u00fchrt eine Stra\u00dfe zum Aussichtspunkt Mirador de Guinate am Steilabfall des Famara-Massivs. Betreffs des grandiosen Ausblicks steht dieses meist windige Pl\u00e4tzchen dem ber\u00fchmten Mirador del R\u00edo um nichts nach, und den knalligen Panoramaausblick gibt\u2018s, anders als von ersterem, dem Parade-Mirador aus, kostenlos und ohne Gedr\u00e4nge.<\/p>\n<p>Am Fu\u00dfe des Vulkans Monte Corona, der mit 609 Metern H\u00f6he das Panorama des Inselnordens beherrscht, liegt das \u00d6rtchen Ye \u2013 so ziemlich am Ende der Welt. In den L\u00e4ndereien um den fast kreisrunden Berg wird, wie sonst nur in der Inselmitte, Wein kultiviert. Vorausgesetzt man hat sein Auto gut \u00fcber die schauderhaft kraterholprige Zufahrt gebracht, kann man ein recht gutes Sortiment an Weinen in der urigen \u201eBodega Los Almacenes\u201c zusammen mit unterschiedlichen Mojo-So\u00dfen verkosten.<\/p>\n<p>Warum in der alten Hauptstadt stoppen?<\/p>\n<p>In der ehemaligen, 1402 gegr\u00fcndeten Hauptstadt der Insel hat sich die historische Bausubstanz seit dem 17. Jahrhundert gut erhalten. Die mittelalterlichen Geb\u00e4ude von Teguise fielen hingegen einer Anzahl von Piraten\u00fcberf\u00e4llen mit dem Blutbad von 1586 als tragischem H\u00f6hepunkt zum Opfer. Im kleinen Zentrum pr\u00e4sentiert sich spanische Kolonialarchitektur, die als Muster f\u00fcr die Kolonialbauten in Lateinamerika gelten kann, in beispielhafter Form. <\/p>\n<p>Eine Stadtwanderung durch die kleinen Gassen f\u00fchrt an zahlreichen L\u00e4den mit Kunsthandwerk, Bars und Restaurants, oft in altehrw\u00fcrdigem verwinkeltem Gem\u00e4uer situiert und mit schmucken Innenh\u00f6fen ausgestattet, vorbei. Das im Palacio Sp\u00ednola untergebrachte Museo del Timple vermittelt einen atmosph\u00e4risch dichten Eindruck von der Wohnkultur des Inseladels im 18. Jahrhundert. <\/p>\n<p>An Sonntagen findet der ziemlich \u201eangesagte\u201c folkloristische Markt statt, dann reiht sich Bus an Bus. Zwischen den eng stehenden St\u00e4nden dr\u00e4ngen sich die Touristen aus allen Teilen der Insel \u2013 das Angebot ist vielf\u00e4ltig, der Besuch bleibt Geschmackssache.<\/p>\n<p>Und noch ein Must? Die Trutzburg am Kraterrand<\/p>\n<p>Massives Mauerwerk, eine Zugbr\u00fccke und Wacht\u00fcrme \u2013 so empf\u00e4ngt das Castillo de Santa B\u00e1rbara seine G\u00e4ste. Die Anf\u00e4nge der Befestigung oberhalb von Teguise reichen bis in das 14. Jahrhundert zur\u00fcck. Der weite Ausblick von den T\u00fcrmen der exponiert gelegenen Burg half, die Stadtbev\u00f6lkerung vor den \u00dcberf\u00e4llen nordafrikanischer Piraten zu warnen. Um die Stadt selbst zu sch\u00fctzen, ist das Fort jedoch zu weit entfernt. Der Adel fand hinter den Mauern des Castillo de Santa B\u00e1rbara Sicherheit, das Volk fl\u00fcchtete in den Norden der Insel. <\/p>\n<p>Trotz ihrer Wehrhaftigkeit wurde die recht kleine Burg 1586 von algerischen Freibeutern zerst\u00f6rt, aber schon in den Folgejahren auf- und weiter ausgebaut. Im Inneren der Burg befindet sich ein kleines, durchaus familiengerechtes Piratenmuseum.<\/p>\n<p>Was tun auf Lanzarote, wenn man sportlich ist?<\/p>\n<p>Dunkle Lavaasche oder blendend heller Sand, ganz nach Belieben \u2013 Lanzarote hat viele attraktive Str\u00e4nde. Dazu kommt eine schier unersch\u00f6pfliche Anzahl von Einstiegsleitern und kleinen teilweise recht gesch\u00fctzten Buchten an Felsstr\u00e4nden, die je nach Gezeitenablauf und Wellengang ben\u00fctzbar sind. Diese k\u00f6nnen, so wie in dem kleinen Dorf Punta Mujeres, auch zu Naturschwimmbecken ausgestaltet werden. <\/p>\n<p>Hier trifft man, besonders an Wochenenden auf Leute aus der Umgebung und aus dem Inneren der Insel. Es liegt auf der Hand, dass das Meer das Angebot f\u00fcr Outdoor-Sport dominiert. Dazu kommen aber auch die Passatwinde, ideal f\u00fcr Drachen- und Gleitschirmflieger. <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus animiert das flache Inselprofil zum Radsport. Und wer es wirklich wissen m\u00f6chte, reist im Fr\u00fchling zum Triathlon \u201e<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/20196052\/ironman-wm-kaernterin-lisa-perterer-starke-fuenfte\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Ironman<\/a> Lanzarote\u201c auf die nord\u00f6stlichste der Kanareninseln an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eBuenas tardes!\u201c Die Senora war gerade dabei, den Steinboden des Supermercados zu kehren. 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