{"id":683826,"date":"2025-12-31T22:34:11","date_gmt":"2025-12-31T22:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/683826\/"},"modified":"2025-12-31T22:34:11","modified_gmt":"2025-12-31T22:34:11","slug":"silvester-muelltonnen-geleert-sperrmuell-entfernt-wie-sich-frankfurt-auf-krawall-vorbereitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/683826\/","title":{"rendered":"Silvester: M\u00fclltonnen geleert, Sperrm\u00fcll entfernt \u2013 wie sich Frankfurt auf Krawall vorbereitet"},"content":{"rendered":"<p>Der Mordversuch mit einem E-Scooter auf einen Streifenwagen aus der vergangenen Silvesternacht wirkt bis heute nach. Frankfurt r\u00fcstet deshalb so auf wie lange nicht. Auch die Kliniken erwarten viele Verletzte.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als kurz vor Mitternacht am 31. Dezember 2024 im Frankfurter Stadtteil Nordwest ein E-Scooter von einer Br\u00fccke auf einen fahrenden Streifenwagen geworfen wird, schl\u00e4gt er auf Dach und Windschutzscheibe ein, Glassplitter fliegen durch den Innenraum. Die Beamten \u00fcberleben nur mit Gl\u00fcck. Der Angriff auch ein Jahr danach als Mahnung, was passieren k\u00f6nnte, wenn Silvester nicht nur gefeiert, sondern instrumentalisiert wird.<\/p>\n<p>Diese Tat hat sich tief eingebrannt \u2013 bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Sie ist einer der Gr\u00fcnde, warum Frankfurt in diesem Jahr so fr\u00fch und so massiv aufr\u00fcstet. Die Polizei verst\u00e4rkt ihre Pr\u00e4senz deutlich, nicht nur mit uniformierten Kr\u00e4ften im Stadtgebiet, sondern auch durch zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung der Bereitschaftspolizei. Das \u00dcberfallkommando, eine Sondereinheit der Polizei, ist mit mehr Personal im Einsatz als im regul\u00e4ren Dienst, um auf pl\u00f6tzliche Gefahrenlagen sofort reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In vielen Stadtteilen wurden M\u00fclltonnen geleert, Sperrm\u00fcll entfernt, \u00f6ffentliche B\u00fccherschr\u00e4nke ausger\u00e4umt. Das alles geschieht aus Erfahrung. Auch die Krankenh\u00e4user der Stadt bereiten sich auf diese Nacht vor. Kliniken haben zus\u00e4tzliches Personal eingeplant, Notaufnahmen verst\u00e4rkt, Polikliniken arbeiten nicht wie \u00fcblich mit einem, sondern mit mehreren \u00c4rzten gleichzeitig. F\u00fcr den Fall eines pl\u00f6tzlichen Massenanfalls von Verletzten existieren R\u00fcckfallebenen, die aktiviert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag liegt die Auslastung der Frankfurter Krankenh\u00e4user bei rund 30 Prozent. Drei Kliniken k\u00f6nnen aktuell keine neuen Patienten mit chirurgischen Verletzungen aufnehmen, unter anderem wegen bereits behandelter Feuerwerksverletzungen. Ein Krankenhaus in Frankfurt meldet \u201e\u00dcberlastung der Notaufnahme\u201c \u2013 keine Versorgung von neuen Patienten m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt der Polizei liegt in dieser Nacht klar auf der Innenstadt. Zeil, Hauptwache, Konstablerwache, Eiserner Steg und das Mainufer ziehen traditionell Tausende Menschen an. Hier gelten strikte Feuerwerksverbote, \u00fcberwacht durch Polizei und Sicherheitsdienste. Taschen werden kontrolliert, Zug\u00e4nge bei Bedarf gesperrt, Br\u00fccken k\u00f6nnen bei \u00dcberf\u00fcllung kurzfristig geschlossen werden. In Alt-Sachsenhausen und im Bahnhofsviertel ist die Pr\u00e4senz besonders hoch. Diese Bereiche gelten als neuralgische Punkte, weil sich dort Feiernde aus allen Richtungen mischen und der unsachgem\u00e4\u00dfe Umgang mit Pyrotechnik immer wieder auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wird der Einsatz durch Technik: Tempor\u00e4re Videoschutzzonen sollen helfen, gef\u00e4hrliche Entwicklungen fr\u00fchzeitig zu erkennen. In den Video-Operation-Centern werden die Bilder in Echtzeit ausgewertet, zus\u00e4tzlich kommt Technik zur Detektion fremder Drohnen zum Einsatz.<\/p>\n<p>Auch die Feuerwehr Frankfurt setzt in der Silvesternacht auf mehr Personal, etwa in der Leitstelle. Im Stadtgebiet sind zus\u00e4tzliche F\u00fchrungsdienste im Einsatz, um Eins\u00e4tze zu koordinieren und bei komplexen Lagen schnell entscheiden zu k\u00f6nnen. Alle Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet sind in dieser Nacht vollst\u00e4ndig besetzt und einsatzbereit. Begleitend setzt die Feuerwehr auf Pr\u00e4vention: An U- und S-Bahnh\u00f6fen sowie an Litfa\u00dfs\u00e4ulen wird zu Respekt gegen\u00fcber Einsatzkr\u00e4ften aufgerufen. Feuerwehr-Sprecher Florian Erbacher sagte, man erwarte ein respektvolles Entgegenkommen der Bev\u00f6lkerung, damit die Einsatzkr\u00e4fte ihre Arbeit sicher erledigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch aus der Polizei kommt ein klarer Appell. Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Hessen warnt davor, wegen einer kleinen Gruppe von Krawallmachern mit pauschalen Verboten zu reagieren. Silvester sei f\u00fcr Millionen Menschen ein fester Bestandteil des Lebens \u2013 einmal im Jahr Feuerwerk, Lichter, der \u00dcbergang ins neue Jahr. Wer sich nicht an Regeln halte oder Einsatzkr\u00e4fte angreife, m\u00fcsse konsequent zur Verantwortung gezogen werden. Gewalt gegen Polizei und Rettungsdienste gelte als gesellschaftlich hochsch\u00e4dlich und d\u00fcrfe nicht relativiert werden. Gleichzeitig, so die Gewerkschaft, d\u00fcrfe man denen, die verantwortungsvoll feierten, diese Tradition nicht nehmen. Entscheidend sei eine starke Pr\u00e4senz vor Ort und R\u00fcckhalt f\u00fcr Beamten, die in dieser Nacht f\u00fcr Sicherheit sorgen.<\/p>\n<p>Kriminologe: \u201eMischung macht den Jahreswechsel zu einem besonderen Risikotag\u201c<\/p>\n<p>Warum gerade diese Nacht immer wieder kippt, erkl\u00e4rt der Kriminologe Prof. Dr. Dirk Baier: \u201eSilvester ist kein gew\u00f6hnlicher Tag. Es gibt keinen zweiten im Jahr mit einem derart starken Erwartungsdruck zu feiern. Menschen sind drau\u00dfen unterwegs, konsumieren Alkohol, bewegen sich im \u00f6ffentlichen Raum. Dinge sind erlaubt, die sonst verboten sind, etwa das Z\u00fcnden von Feuerwerk. Diese Mischung macht den Jahreswechsel zu einem besonderen Risikotag, an dem schlicht mehr passiert als an anderen Tagen.\u201c<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig sind dabei seit Jahren vor allem Jugendliche und Heranwachsende. Das sei kein neues Ph\u00e4nomen, sondern ein Grundbefund der Gewaltforschung. Junge Menschen hielten sich h\u00e4ufiger in Gruppen auf, Fremdkontrolle nehme ab, Selbstkontrolle ebenfalls. \u201eEs ist eine Lebensphase, in der Grenzen getestet werden. Silvester bietet daf\u00fcr eine B\u00fchne. Gruppendynamiken, Alkohol und das Gef\u00fchl einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation verst\u00e4rken sich gegenseitig. Man darf l\u00e4nger unterwegs sein, mehr trinken, lauter sein \u2013 all das geh\u00f6rt f\u00fcr viele zum Jahreswechsel dazu\u201c, so der Kriminologe.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcsse unterschieden werden. Es gebe die allt\u00e4gliche Jugendgewalt, die auch an Silvester sichtbar werde, weil mehr junge Menschen drau\u00dfen seien und Situationen schneller eskalierten. Daneben existiere ein kleinerer, aber gef\u00e4hrlicheres Ph\u00e4nomen: Gruppen junger M\u00e4nner, die gezielt die Konfrontation suchten, Polizei und Rettungskr\u00e4fte herausforderten, Hinterhalte planten. Diese Form der Gewalt nutzte den Silvesterabend bewusst aus, weil Aufmerksamkeit sicher ist \u2013 gesellschaftlich wie medial. Innerhalb der Gruppe entstehe Anerkennung, wenn es gelinge, den Staat herauszufordern. \u201eEs ist eine Dynamik, die sich vor allem in Gro\u00dfst\u00e4dten zeigt, dort, wo viele Menschen, Problemlagen und Subkulturen auf engem Raum zusammenkommen\u201c, sagt Baier.<\/p>\n<p>Die Frankfurter Polizei wird in der Nacht fortlaufend Lagebilder erstellen und Einsatzkr\u00e4fte je nach Entwicklung verlagern. Schwerpunkte bleiben die Innenstadt, Alt-Sachsenhausen, das Bahnhofsviertel sowie einzelne Stadtteile im Norden. Bei Verst\u00f6\u00dfen gegen Feuerwerksverbote oder Angriffen auf Einsatzkr\u00e4fte ist ein konsequentes Einschreiten angek\u00fcndigt. Die Erfahrungen der Vorjahre zeigen, dass sich die Lage vor allem in den Stunden rund um Mitternacht und in den fr\u00fchen Morgenstunden zuspitzen kann. Eine detaillierte Bilanz der Silvesternacht will die Polizei im Laufe des Neujahrstages vorlegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Mordversuch mit einem E-Scooter auf einen Streifenwagen aus der vergangenen Silvesternacht wirkt bis heute nach. 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