{"id":684419,"date":"2026-01-01T04:31:17","date_gmt":"2026-01-01T04:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/684419\/"},"modified":"2026-01-01T04:31:17","modified_gmt":"2026-01-01T04:31:17","slug":"100-jaehrige-familientradition-geht-zu-ende-enkel-zieht-schlussstrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/684419\/","title":{"rendered":"100-j\u00e4hrige Familientradition geht zu Ende: Enkel zieht Schlussstrich"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Nein, leicht ist ihm die Entscheidung nicht gefallen, sagt Uwe Schwartzkopf, emotional erlebt er gerade ein Auf und Ab. Aber er hat schon \u00f6fter aufgeh\u00f6rt, meint er tapfer: als Marktleiter bei Tengelmann, als Innenstadth\u00e4ndler, und nun eben als Inhaber des Donaumarkts.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Noch hat der Getr\u00e4nke- und Lebensmittelmarkt unterhalb des Tuttlinger Honbergs in der Liptinger Stra\u00dfe ge\u00f6ffnet, auch Kunden werden weiter beliefert. Doch der Ausverkauf l\u00e4uft, am 31. Januar macht Uwe Schwartzkopf die T\u00fcren zu. \u201eDann hab ich noch einen Monat zum Ausr\u00e4umen, das wird am schwierigsten\u201c, meint er und blickt ein wenig sorgenvoll auf tausende Getr\u00e4nkekisten, die sich auf der Verkaufsfl\u00e4che und im Lager stapeln.<\/p>\n<p>Der Ruhestand lockt<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dass er aufh\u00f6ren w\u00fcrde, war f\u00fcr Schwartzkopf schon l\u00e4nger klar. Im Juli hat er seinen 66. Geburtstag gefeiert, seit Oktober ist er in Rente, auch seine Frau hat schon ihren Ruhestand angetreten. Zudem lief das Gesch\u00e4ft zuletzt eher mau &#8211; die 14-monatige Sperrung der Stockacher Stra\u00dfe hat der Markt zu sp\u00fcren bekommen. Und gerade j\u00fcngere Leute lie\u00dfen sich von Dumping-Preisen gro\u00dfer Konkurrenten anlocken, meint Schwartzkopf.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Deshalb legt er seine Priorit\u00e4ten nun auf andere Dinge: Zeit mit den zwei Enkelkindern zum Beispiel, seine Arbeit im Gemeinderat (seit 2014 ist er f\u00fcr die LBU Mitglied, seit kurzem Fraktionssprecher), auch seine Gesundheit. \u201eFast jede Getr\u00e4nkekiste hier hab ich mal in der Hand gehabt, das laugt k\u00f6rperlich schon aus, und meine Knochen werden nicht j\u00fcnger\u201c, meint er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/411d78ec-c833-4f1c-b821-0d5674199a7c.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Der Donaumarkt in der Liptinger Stra\u00dfe in Tuttlingen. Fr\u00fcher war hier die &quot;Milchzentrale&quot;. \"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Der Donaumarkt in der Liptinger Stra\u00dfe in Tuttlingen. Fr\u00fcher war hier die &#8222;Milchzentrale&#8220;.  (Foto: Dorothea Hecht)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Kurz nach Weihnachten machte Schwartzkopf seinen Entschluss \u00f6ffentlich, unter anderem mit einem Post auf seinen Social-Media-Kan\u00e4len. \u201eSo viele Reaktionen habe ich noch nie bekommen\u201c, sagt der 66-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Geflohen vor dem SED-Regime<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Kein Wunder, denn mit Schwartzkopf h\u00f6rt eine Institution im Tuttlinger Einzelhandel auf &#8211; und eine Familientradition geht zu Ende. Schon Schwartzkopfs Gro\u00dfeltern betrieben ab 1918 ein Kolonialwarengesch\u00e4ft in Neuruppin n\u00f6rdlich von Berlin. In den 1950er-Jahren \u00fcbernahmen seine Eltern das Gesch\u00e4ft und bauten es aus. \u201eMein Vater war ein sehr guter Kaufmann, ein Meister des Rechnens\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Doch der Vater war auch ein kritischer Geist und alles andere als ein linientreuer SED-Genosse. Als das Gesch\u00e4ft kurz vor dem Mauerbau 1961 verstaatlicht werden sollte, ergriffen die Eltern mit ihren drei Kindern die Flucht, Uwe Schwartzkopf war damals keine zwei Jahre alt. \u201eSie haben alles zur\u00fcckgelassen, was sie sich aufgebaut hatten\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Familie Schwartzkopf landete \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsverteilung in Schramberg. In Tuttlingen ergab sich kurze Zeit sp\u00e4ter die Gelegenheit, ein VIVO-Lebensmittelgesch\u00e4ft in der Stockacher Stra\u00dfe zu \u00fcbernehmen. Heute ist dort Kaufland. \u201eDas Gesch\u00e4ft lief prima\u201c, erinnert sich Schwartzkopf &#8211; bis in den 1970er-Jahren die ersten Gro\u00dfm\u00e4rkte er\u00f6ffneten. \u201eMein Vater erkannte, dass man als kleines Lebensmittelgesch\u00e4ft keine Chance mehr gegen die Gro\u00dfen hat.\u201c<\/p>\n<p>25 Jahre war er bei Tengelmann<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Uwe Schwartzkopf machte deshalb 1975 bei Tengelmann am Tuttlinger Marktplatz die Lehre als Einzelhandelskaufmann. 25 Jahre blieb er bei Tengelmann-Grosso, 15 Jahre lang leitete er verschiedene M\u00e4rkte. Als Grosso im Jahr 2000 von der Lidl&amp;Schwarz-Gruppe \u00fcbernommen wurde, war f\u00fcr ihn schnell klar: \u201eF\u00fcr einen Gro\u00dfkonzern will ich nicht arbeiten.\u201c<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Am 8. M\u00e4rz 2001 machte er sich mit dem Donaumarkt in der Gartenstra\u00dfe selbstst\u00e4ndig (heute werden dort im Kebapladen K2 D\u00f6ner verkauft). Er verkaufte Lebensmittel direkt von Erzeugern, aber auch aus dem Gro\u00dfhandel &#8211; \u201eich hatte 15.000 Artikel im Sortiment\u201c, erz\u00e4hlt er stolz. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter \u00fcbernahm er zus\u00e4tzlich den Getr\u00e4nkemarkt in der Liptinger Stra\u00dfe, der zuvor zur Hirsch-Brauerei geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/c99788ae-e8a8-4df0-ab87-97eb7f6d23aa.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Uwe Schwartzkopf mit Mitarbeiterin Ulrike Sch\u00e4fer, im damaligen Lebensmittelmarkt in der Gartenstra\u00dfe.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Uwe Schwartzkopf mit Mitarbeiterin Ulrike Sch\u00e4fer, im damaligen Lebensmittelmarkt in der Gartenstra\u00dfe. (Foto: Archiv\/Christoph Kiefer)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Gesch\u00e4ft als kleiner Innenstadt-H\u00e4ndler sei angesichts der gro\u00dfen Mitbewerber schwierig gewesen, meint Schwartzkopf. Viele, gerade \u00e4ltere Leute seien zwar froh gewesen, dass sie bei ihm nach kurzem Fu\u00dfweg einkaufen konnten. \u201eManche kamen aber auch nur zum Reden\u201c, erinnert er sich. \u201eWenn man morgens einen Salatkopf kauft und nachmittags eine Butter, kann man als H\u00e4ndler davon nicht leben.\u201c<\/p>\n<p>Ausgerechnet Gummib\u00e4rchen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Getr\u00e4nkemarkt in der Liptinger Stra\u00dfe dagegen lief recht gut. Ein kleines Lebensmittel-Sortiment, vor allem aus der Region, bietet er dort weiterhin an. Heimlicher Verkaufsschlager: \u201eGummib\u00e4rchen!\u201c, verr\u00e4t Schwartzkopf. Aber auch Faller-Konfit\u00fcre, heimischer Honig und Mehl sind sehr gefragt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/7865138f-0a48-4104-b628-f245ec92d77f.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Neben Getr\u00e4nken gibt es im Donaumarkt Tuttlingen vor allem regionale Lebensmitteln, zum Beispiel von umliegenden Bauern. \"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Neben Getr\u00e4nken gibt es im Donaumarkt Tuttlingen vor allem regionale Lebensmitteln, zum Beispiel von umliegenden Bauern.  (Foto: Dorothea Hecht )<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dass er nun schlie\u00dft, f\u00e4llt Schwartzkopf auch deshalb schwer, weil seine Verk\u00e4uferin Ulrike Sch\u00e4fer auf Jobsuche gehen muss. Seit 30 Jahren sind die beiden ein Team. \u201eEs gibt nicht viele so freundliche Verk\u00e4uferinnen wie meine Frau Sch\u00e4fer &#8211; in all den Jahren war sie nicht einmal schlecht drauf oder krank\u201c, sagt er. Er hofft, dass sie bald etwas Neues findet.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Er selbst l\u00e4sst sich in der Zeit des Abschieds ein T\u00fcrchen offen: Vielleicht werde er kleinere Auftr\u00e4ge und Lieferungen auch nach der Schlie\u00dfung noch machen, meint Schwartzkopf, dann ist es nicht ganz vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nein, leicht ist ihm die Entscheidung nicht gefallen, sagt Uwe Schwartzkopf, emotional erlebt er gerade ein Auf und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":684420,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,171,174,173,172],"class_list":{"0":"post-684419","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-markets","14":"tag-maerkte","15":"tag-unternehmen","16":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115817970989280599","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/684419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=684419"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/684419\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/684420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=684419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=684419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=684419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}