{"id":685573,"date":"2026-01-01T16:07:17","date_gmt":"2026-01-01T16:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685573\/"},"modified":"2026-01-01T16:07:17","modified_gmt":"2026-01-01T16:07:17","slug":"der-eu-bleibt-noch-ein-jahr-zeit-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685573\/","title":{"rendered":"Der EU bleibt noch ein Jahr Zeit \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4er m\u00fcssen das Jahr 2026 daf\u00fcr n\u00fctzen, ihre Union nach innen wie nach au\u00dfen zu stabilisieren. Denn ab 2027 werden in Frankreich m\u00f6glicherweise die Nationalpopulisten regieren \u2013 und alle Chancen auf Reformen zunichte machen. <\/p>\n<p>In einer Zeit, in der existenzielle Krisen Europa im gef\u00fchlten Wochentakt heimsuchen, ist es m\u00fc\u00dfig, ein Schicksalsjahr herbeizuschreiben. Die in ihrer Heftigkeit fast schon biblischen Plagen haben die Planungshorizonte in Br\u00fcssel und den anderen Hauptst\u00e4dten der Europ\u00e4ischen Union schrumpfen lassen. Denn wer kann schon erahnen, was Donald Trump oder <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/putin\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" eu=\"\" bleibt=\"\" noch=\"\" ein=\"\" jahr=\"\" zeit=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a> im Laufe der n\u00e4chsten Woche einfallen wird \u2013 geschweige denn im Laufe des n\u00e4chsten Jahres? Europa muss notgedrungen auf Sicht fahren. <\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz wird 2026 ein Jahr der Weichenstellungen. Es ist auf absehbare Zeit das letzte Jahr, in dem die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" eu=\"\" bleibt=\"\" noch=\"\" ein=\"\" jahr=\"\" zeit=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> in Br\u00fcssel und Stra\u00dfburg so funktionieren wird, wie wir es gewohnt sind: l\u00f6sungsorientiert, prozedural, auf Ausgleich bedacht und der europ\u00e4ischen Integration verpflichtet. In den kommenden zw\u00f6lf Monaten haben die europ\u00e4ischen Entscheidungstr\u00e4ger die Chance, die Union auf den einen Ernstfall vorzubereiten, den ihre Gr\u00fcndungsv\u00e4ter (Gr\u00fcndungsm\u00fctter hatte es in der Politik der 1950er Jahre noch nicht gegeben) so nicht vorhergesehen haben: n\u00e4mlich das Szenario, in dem sich das zweitgr\u00f6\u00dfte Mitgliedsland gegen die EU wendet. <\/p>\n<p>Dass in Frankreich im Fr\u00fchjahr 2027 die Pr\u00e4sidentschaft an den rechtspopulistischen <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/rassemblement-national\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" eu=\"\" bleibt=\"\" noch=\"\" ein=\"\" jahr=\"\" zeit=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rassemblement National<\/a> gehen d\u00fcrfte, wird mit jeder Woche wahrscheinlicher. <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/emmanuel-macron\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" eu=\"\" bleibt=\"\" noch=\"\" ein=\"\" jahr=\"\" zeit=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emmanuel Macron<\/a>, der amtierende, aber immer machtloser wirkende Staatschef, mag in seinem Abwehrkampf gegen Marine Le Pen und <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/jordan-bardella\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" eu=\"\" bleibt=\"\" noch=\"\" ein=\"\" jahr=\"\" zeit=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jordan Bardella<\/a> noch so viele strategisch wichtige europ\u00e4ische Initiativen \u2013 beispielsweise das Handelsabkommen der EU mit S\u00fcdamerika \u2013 abr\u00e4umen, die Herzen der w\u00fctenden Wahlbev\u00f6lkerung werden ihm deswegen nicht zufliegen. Und die Zeiten, in denen ein \u201erepublikanischer Block\u201c in Frankreich eine Grenze zu Rechtsau\u00dfen ziehen konnte, sind l\u00e4ngst pass\u00e9. <\/p>\n<p>Die Folgen des zu erwartenden (aber keinesfalls sicheren) Siegs der Rechten f\u00fcr die EU lassen sich am ehesten mit einer Autoimmunerkrankung vergleichen. Der Rassemblement National w\u00fcrde in diesem Fall die europ\u00e4ischen Organe angreifen \u2013 unter der irrigen Annahme, dass diese Fremdk\u00f6rper seien. Angestachelt von Gesinnungsgenossen in Moskau, Washington und im Silicon Valley, w\u00fcrde ein populistisch regiertes Frankreich die Grundpr\u00e4misse der Union in Frage stellen: kein Nehmen ohne Geben. Doch im Weltbild der (nicht nur) franz\u00f6sischen Populisten ist jede Errungenschaft der europ\u00e4ischen Einigung ein gottgegebenes Recht und jede damit einhergehende Verpflichtung ein Affront National. Europa ist das, was Frankreich nutzt. Der Rest? Muss weg.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise kann die EU Schutzvorkehrungen treffen. Das Jahr 2026 ist daf\u00fcr insofern g\u00fcnstig, als heuer einige Grundsatzentscheidungen anstehen, was den EU-Haushalt f\u00fcr die Finanzierungsperiode 2028 bis 2034 sowie die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Reform des Binnenmarkts anbelangt. Hinzu kommt die alte geopolitische Bedrohung aus Ost und die neue geopolitische Bedrohung aus West, die zum Handeln zwingt. Alles, was die Europ\u00e4er in den kommenden Monaten beschlie\u00dfen werden, sollte in erster Linie dazu dienen, ihre Union zu stabilisieren und gegen Angriffe von innen und au\u00dfen zu festigen: mehr Wettbewerb am Binnenmarkt, mehr Kapital f\u00fcr europ\u00e4ische Firmen, mehr Schutz vor kolonialen Gel\u00fcsten Chinas, Russlands und der USA, mehr Handel mit Gleichgesinnten.<\/p>\n<p>In einem Jahr, wenn die letzten Zauderer und Verdr\u00e4nger den Ernst der Lage erkannt haben, wird es daf\u00fcr zu sp\u00e4t sein. Dann wird es so sein wie in Rainer Maria Rilkes Herbstgedicht: \u201eWer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.\u201c<\/p>\n<p>E-Mails an:<strong> michael.laczynski@diepresse.<b class=\"email-obfuscated\">obfuscation<\/b>com<\/strong><\/p>\n<blockquote class=\"fm-quote flexmodule flexmodule--quote\"><\/blockquote>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Europ\u00e4er m\u00fcssen das Jahr 2026 daf\u00fcr n\u00fctzen, ihre Union nach innen wie nach au\u00dfen zu stabilisieren. 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