{"id":685768,"date":"2026-01-01T17:58:13","date_gmt":"2026-01-01T17:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685768\/"},"modified":"2026-01-01T17:58:13","modified_gmt":"2026-01-01T17:58:13","slug":"bayerische-staatsoper-rolando-villazon-brilliert-in-der-fledermaus-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685768\/","title":{"rendered":"Bayerische Staatsoper: Rolando Villaz\u00f3n brilliert in der &#8222;Fledermaus&#8220; &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mit akkurat gestutztem Bart und tief ins Gesicht gezogener Schlafm\u00fctze ist er zun\u00e4chst kaum wiederzuerkennen: Rolando Villaz\u00f3n als Gabriel von Eisenstein in Barrie Koskys Inszenierung von Johann Strauss\u2018 \u201eDie Fledermaus\u201c am Nationaltheater. Denn zur Ouvert\u00fcre wird der mexikanische Tenor in seinem gro\u00dfen rosa Doppelbett von einem Dutzend virtuos tanzender Flederm\u00e4use (Choreografie: Otto Pichler) bedr\u00e4ngt, darf aber noch keinen Ton singen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn er das dann tut an diesem Silvesterabend, dann h\u00f6ren wir sein so charakteristisches Timbre, das in der tief liegenden Tenor-Partie, die oft auch von Baritonen gesungen wird, gut zur Geltung kommt. Und wir sehen seine enorme Spiellaune, die er in dieser Operette aufs Sch\u00f6nste pr\u00e4sentieren kann. Etwa im Duett mit seinem Freund Dr. Falke, der ihn zum Ball des Prinz Orlofsky einl\u00e4dt \u2013 vom jungen Konstantin Krimmel mit noblem, feinem Bariton verk\u00f6rpert. Hier brilliert Villaz\u00f3n s\u00e4ngerdarstellerisch ebenso wie dann im zweiten Akt, wenn er als Orlofskys Gast mit dem Ballett tanzt. Und dort von seiner mit einer Maske verkleideten Gattin Rosalinde um sein \u201eDamen\u00fcrchen\u201c gebracht wird, das dann im dritten Akt zum Corpus Delicti f\u00fcr seine Untreue wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Neben Villaz\u00f3n sorgen f\u00fcr allerbeste Silvesterlaune die wunderbare Rachel-Willis-S\u00f8rensen, die als Rosalinde mit gehaltvollem, sch\u00f6nem Sopran mit sicherer H\u00f6he bet\u00f6rt und nicht zuletzt einen feurigen Czard\u00e1s als vermeintliche ungarische Gr\u00e4fin hinlegt. Gro\u00dfartig auch Pavol Breslik als ihr ehemaliger Liebhaber Alfred. Sein Gesang l\u00e4sst sie immer noch schwach werden. Das beglaubigt der slowakische Tenor wunderbar mit feinem Glanz in der Stimme und gro\u00dfer Lust am Spiel. Von \u201eNessun dorma\u201c \u00fcber \u201eUna furtiva lagrima\u201c bis \u201eO, namenlose Freude\u201c singt er ein halbes Dutzend Tenor-Schlager einmal kurz an und bringt Rosalinde fast um den Verstand.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/9147376d-4dcf-4f5c-b3c6-48ab8f11766c.jpg\"   alt=\"Tenor-Schlager mit Tennisschl\u00e4ger: Pavol Breslik als Alfred mit Rachel-Willis-S\u00f8rensen als Rosalinde Eisenstein.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Tenor-Schlager mit Tennisschl\u00e4ger: Pavol Breslik als Alfred mit Rachel-Willis-S\u00f8rensen als Rosalinde Eisenstein. (Foto: Geoffroy Schied)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Regisseur Barrie Kosky hat aus der ber\u00fchmten Wiener Operette, die es neben Franz Leh\u00e1rs \u201eLustiger Witwe\u201c als einzige auf die B\u00fchnen der gro\u00dfen H\u00e4user geschafft hat, eine veritable Revue-Operette gemacht. Den zweiten Akt l\u00e4sst er wie im Rausch vor\u00fcbergleiten, wenn Prinz Orlofsky sein \u201eIch lade gern mir G\u00e4ste ein\u201c inmitten einer Schar von T\u00e4nzern im Glitzer-Fummel singen darf, was John Holiday mit exzellentem Countertenor hervorragend gelingt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch Rosalindes Czard\u00e1s wird von einer agilen T\u00e4nzertruppe begleitet und bekommt so eine besondere Note. Dazu passt die Vervielf\u00e4ltigung des Gerichtsdieners Frosch, der hier in sechsfacher Gestalt auftritt, dominiert von Max Pollak, der einen wunderbaren Stepptanz plus Body Percussion hinlegt und ebenso zum Mitklatschen animiert, wie sich sp\u00e4ter bei der Zugabe des Radetzky-Marsches das Publikum im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker w\u00e4hnen darf, wo der Dirigent ebenfalls zum fein abgestimmten Mitklatschen auffordert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dieser \u201eFrosch mit f\u00fcnf Kaulquappen\u201c bereichert nicht zuletzt das Couplet Adeles \u201eSpiel ich die Unschuld vom Lande\u201c im dritten Akt. Mirjam Mesak schl\u00e4gt daf\u00fcr ebenso geschmeidigen, lyrischen Soubretten-Ton an wie schon bei \u201eMein Herr Marquis\u201c im zweiten Akt. Kevin Conners als stotternder Advokat Dr. Blind ist einer der wenigen S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen, die nicht neu besetzt sind. Doch allesamt agieren sie an diesem Abend auf gleichem Niveau wie das Ensemble der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/die-fledermaus-barrie-kosky-bayerische-nationaloper-1.6324258\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Premiere um Diana Damrau und Georg Nigl als Ehepaar Eisenstein<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Fast geblendet wird man vom sexy kost\u00fcmierten und maskierten Staatsopern-Chor (Kost\u00fcme: Klaus Bruns), der gro\u00dfen Spa\u00df an der grellen Exaltiertheit hat und ein zauberhaftes \u201eDuidu\u201c singt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/5c2c4999-ee6d-490d-9bc2-00b395277f76.jpg\"   alt=\"In diesem Knast geht's lustig zu: Martin Winkler als Gef\u00e4ngnisdirektor Frank mit Rolando Villaz\u00f3n als schon reichlich angeschickerter Gabriel von Eisenstein.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>In diesem Knast geht&#8217;s lustig zu: Martin Winkler als Gef\u00e4ngnisdirektor Frank mit Rolando Villaz\u00f3n als schon reichlich angeschickerter Gabriel von Eisenstein. (Foto: Geoffroy Schied)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Barrie Kosky wollte sich nicht lustig machen \u00fcber den betrunkenen Gerichtsdiener Frosch, daf\u00fcr entbl\u00f6\u00dft er den Gef\u00e4ngnisdirektor Frank (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-das-rheingold-tobias-kratzer-alberich-nacktheit-oper-li.3278024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Martin Winkler<\/a>) buchst\u00e4blich. Kosky l\u00e4sst den \u00f6sterreichischen\u00a0Bassbariton\u00a0fast nackt auftreten und allerlei Slapstick pr\u00e4sentieren, wie aus seinem Tanga gefingerte Schl\u00fcssel oder Z\u00e4hneputzen plus Spucken in die Schreibtisch-Schublade.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch das ist der einzige wirkliche Schwachpunkt einer quicklebendigen Inszenierung, die dank Nicholas Carter am Pult auch orchestral einen enormen Drive bekommt und mit viel Temperament und teils rasanten Tempi \u00fcberzeugt, die das Bayerische Staatsorchester ab der schmissigen Ouvert\u00fcre nicht nur makellos bew\u00e4ltigt, sondern auch mit prallem, elegantem Leben f\u00fcllt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong>\u201eDie Fledermaus\u201c von <\/strong><strong><strong>Johann Strau<\/strong><\/strong><strong>ss in der Inszenierung von Barrie Kosky, weitere Vorstellungen gibt es an der Bayerischen Staatsoper am 3., 6. und 10. Januar, Infos unter <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.staatsoper.de\/stuecke\/die-fledermaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.staatsoper.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit akkurat gestutztem Bart und tief ins Gesicht gezogener Schlafm\u00fctze ist er zun\u00e4chst kaum wiederzuerkennen: Rolando Villaz\u00f3n als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":685769,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[65540,772,29,30,2392,1268,50502,149],"class_list":{"0":"post-685768","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayerische-staatsoper","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-kultur-in-muenchen","13":"tag-muenchen","14":"tag-oper-muenchen","15":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115821144267293036","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=685768"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685768\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/685769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=685768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=685768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=685768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}