{"id":685898,"date":"2026-01-01T19:09:11","date_gmt":"2026-01-01T19:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685898\/"},"modified":"2026-01-01T19:09:11","modified_gmt":"2026-01-01T19:09:11","slug":"so-viele-gewebespenden-wie-noch-nie-eine-gemeinschaftsleistung-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685898\/","title":{"rendered":"So viele Gewebespenden wie noch nie \u2013 eine Gemeinschaftsleistung \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Eine gute Nachricht zum Jahresbeginn: Noch nie wurden in Deutschland so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr. Obwohl es prozentual nicht mehr Zustimmungen gab als 2024, war die Anzahl der Meldungen, der Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che und damit auch der Personen, die Gewebe gespendet haben, erkennbar h\u00f6her als 2024. <\/p>\n<p>9.640 Patient:innen konnten mit einem Transplantat aus dem Netzwerk der gemeinn\u00fctzigen Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Gewebetransplantation (DGFG) versorgt werden. Das ist eine Steigerung von 15,2 Prozent zum Vorjahr \u2013 ebenfalls ein Rekordwert.<\/p>\n<p>Sachsen war eines der spendenst\u00e4rksten Bundesl\u00e4nder: Hier wurden insgesamt 609 Gewebespenden realisiert, davon allein 112 am Universit\u00e4tsklinikum Leipzig (UKL), einer Gesellschafterklinik der DGFG. Das UKL ist damit eine der spendenst\u00e4rksten Kliniken im Netzwerk der DGFG.<\/p>\n<p>Erstmals erreichten die DGFG mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespender:innen aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen. \u00dcber 12.000 Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che zur Gewebespende wurden im Jahr 2025 mit An- und Zugeh\u00f6rigen von Verstorbenen gef\u00fchrt, wobei in 4.585 F\u00e4llen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote lag mit 37,9 Prozent nach einem Abw\u00e4rtstrend in den vergangenen drei Jahren mit einem Minus von 0,2 Prozent zu 2024 nur leicht unter dem Vorjahresniveau. <\/p>\n<p>\u201eInsgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugeh\u00f6rigen. Ihr Altruismus und ihre Solidarit\u00e4t machen die Gewebemedizin erst m\u00f6glich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spender:innen melden und die Gewebespende in ihr Selbstverst\u00e4ndnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.\u201c, sagt DGFG-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Martin B\u00f6rgel.<\/p>\n<p>Augenhornh\u00e4ute \u2013 am h\u00e4ufigsten gespendet, am h\u00e4ufigsten transplantiert<\/p>\n<p>Von 4.188 durchgef\u00fchrten Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach ihrem Tod ihre Augenhornh\u00e4ute. In 2025 wurden 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt und erm\u00f6glichten Patient:innen, ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das entspricht einer Steigerung um 16 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. Und trotzdem besteht weiterhin ein Mangel an Augenhornh\u00e4uten und anderen Geweben.<\/p>\n<p>Mangel an Herzklappen trotz gestiegener Spendezahl in 2025<\/p>\n<p>Besonders eklatant ist der Mangel bei Herzklappen: Diese wurden zu 84,4 Prozent im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz f\u00fcr eine Organtransplantation medizinisch nicht in Frage kam. Ihre Anzahl steht somit im Zusammenhang mit den in Deutschland durchgef\u00fchrten Organspenden. In diesem Jahr wurden im Netzwerk der DGFG mit einer Anzahl von 472 18,3 Prozent mehr Herzklappen gespendet als 2024. Dennoch konnte die DGFG nur weniger als die H\u00e4lfte der Anfragen bedienen, was die Wichtigkeit des Ausbaus von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben verdeutlicht.<\/p>\n<p>Innovation als Schl\u00fcssel zur besseren Patientenversorgung<\/p>\n<p>Die DGFG arbeitet als gemeinn\u00fctzige Organisation des Gesundheitswesens kontinuierlich daran, die Versorgungssituation mit Geweben in Deutschland zu verbessern, ob im Rahmen der Spende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten im Netzwerk oder in der Entwicklung neuer Verfahren und Gewebezubereitungen. <\/p>\n<p>Im Jahr 2025 feierte die DGFG das Jubil\u00e4um des LaMEK-Transplantats, das im Dezember 2015 als vorpr\u00e4parierte Lamelle f\u00fcr die sogenannte DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik) vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt wurde. Bei diesem Operationsverfahren wird ausschlie\u00dflich die gesch\u00e4digte Endothelschicht der Hornhaut ersetzt; das \u00fcbrige Gewebe bleibt erhalten. <\/p>\n<p>F\u00fcr diese Technik muss das chirurgische Team im OP die lamellare Schicht der Augenhornhaut direkt vor der Transplantation pr\u00e4parieren \u2013 ein zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand, der auch das Risiko des Transplantatverlusts in sich birgt. Die LaMEK bietet eine vorpr\u00e4parierte, standardisierte und sichere Erleichterung, da die Lamelle im OP nur noch abgezogen werden muss. <\/p>\n<p>So erhalten Patient:innen ein qualit\u00e4tsgepr\u00fcftes Transplantat und die Augenkliniken werden entlastet. Im Netzwerk der DGFG wurde die LaMEK seit 2015 4.371 -mal vermittelt, in 2025 allein 556-mal.<\/p>\n<p>Gewebespende soll in der \u00d6ffentlichkeit zunehmend sichtbarer werden<\/p>\n<p>\u201eIm Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bev\u00f6lkerung oft unbekannt. Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht\u201c, erkl\u00e4rt Martin B\u00f6rgel. In Deutschland wurden 88,3 Prozent der gespendeten Gewebe nach Herz-Kreislauf-Versterben realisiert, der Gro\u00dfteil der spendenden Personen liegt in einer Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 Prozent). 32 Prozent der Personen, die Gewebe gespendet haben waren \u00e4lter als 75. <\/p>\n<p>Oft wissen Angeh\u00f6rige nicht, wie und ob die verstorbene Person sich zur Gewebespende ge\u00e4u\u00dfert hat. 69 Prozent der Zustimmungen und 62,9 Prozent der Ablehnungen wurden, dem Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend, von Angeh\u00f6rigen nach dem mutma\u00dflichen Willen der Verstorbenen entschieden. <\/p>\n<p>\u201eDeshalb arbeiten wir konstant daran, die Gewebemedizin in der \u00d6ffentlichkeit sichtbarer zu machen. F\u00fcr 2026 w\u00fcnschen wir uns, dass der Aufkl\u00e4rungsgrad zur Gewebespende weiter zunimmt. Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugeh\u00f6rigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation.\u201c<\/p>\n<p>Anbindung von Gewebespendeeinrichtungen an das Organspenderegister<\/p>\n<p>Ein weiteres Hilfsmittel der Willens\u00e4u\u00dferung ist das im M\u00e4rz 2024 in Betrieb genommene Organspende Register (OGR). Seitdem haben dort 448.681 Menschen ihre Zustimmung oder ihre Ablehnung zur Organ- und Gewebespende festgehalten (Quelle: www.organspende-info.de, Stand 30. Dezember 2025). <\/p>\n<p>Im Jahr 2026 soll nach Verabschiedung des Dritten Gesetzes zur \u00c4nderung des Transplantationsgesetzes die rechtliche Grundlage geschaffen sein, damit auch Gewebespendeeinrichtungen auf das Register und dessen Eintragungen zugreifen k\u00f6nnen. Das Gesetzesvorhaben war im November 2024 mit dem Bruch der Regierungskoalition zun\u00e4chst eingestellt, im Sommer 2025 vom Bundesgesundheitsministerium aber wieder aufgenommen worden.<\/p>\n<p>\u00dcber die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Gewebetransplantation (DGFG)<\/p>\n<p>Die DGFG f\u00f6rdert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle T\u00e4tigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. F\u00fcr alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate \u00fcber eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. <\/p>\n<p>Als unabh\u00e4ngige, gemeinn\u00fctzige Gesellschaft wird die DGFG ausschlie\u00dflich von \u00f6ffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universit\u00e4tsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universit\u00e4tsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universit\u00e4tsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterst\u00fctzung durch die Netzwerkpartner:innen und ihrer Unabh\u00e4ngigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine gute Nachricht zum Jahresbeginn: Noch nie wurden in Deutschland so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":511827,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,859,11815,19768],"class_list":{"0":"post-685898","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-leipzig","12":"tag-sachsen","13":"tag-transplantation","14":"tag-ukl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115821423139641455","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=685898"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685898\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/511827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=685898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=685898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=685898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}