{"id":685908,"date":"2026-01-01T19:15:14","date_gmt":"2026-01-01T19:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685908\/"},"modified":"2026-01-01T19:15:14","modified_gmt":"2026-01-01T19:15:14","slug":"wie-sich-frankfurt-als-designhauptstadt-praesentiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685908\/","title":{"rendered":"Wie sich Frankfurt als Designhauptstadt pr\u00e4sentiert"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Am Morgen des 1. Januar wird sich vermutlich nichts ge\u00e4ndert haben: keine Plakate an den W\u00e4nden, keine Banner an den Museen, keine neuen Farben oder Geb\u00e4ude. Und doch beginnt an diesem Tag offiziell ein Jahr, das Frankfurt und die Rhein-Main-Region international ins Rampenlicht r\u00fccken soll: 2026 wird die Region zur World Design Capital, zur Designhauptstadt der Welt. Ein Titel, der gro\u00df klingt, Erwartungen weckt, dessen Wirkung sich aber erst noch entfalten muss.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vergeben wird er von der World Design Organization, die damit St\u00e4dte oder Regionen auszeichnet, in denen Gestaltung mehr ist als die Herstellung sch\u00f6ner Gebrauchsobjekte: Design soll verstanden werden als Werkzeug f\u00fcr gesellschaftlichen Wandel, f\u00fcr Demokratie, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Innovation. Im November 2023 fiel die Entscheidung f\u00fcr Frankfurt und Rhein-Main. Die Region reiht sich damit ein in eine namhafte Liste fr\u00fcherer Designhauptst\u00e4dte, von Kapstadt \u00fcber Helsinki, von Valencia \u00fcber Mexiko-Stadt bis nach San Diego und Tijuana, die den Titel 2024 trugen. Die Bewerbung der Region \u00fcberzeugte mit der Dichte an Kreativschaffenden, Hochschulen, Unternehmen und Institutionen \u2013 und mit dem Anspruch, Design als Haltung zu begreifen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Von null angefangen: Carolina Romahn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der World Design Capital\" height=\"2668\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/von-null-angefangen-carolina.webp.webp\" width=\"4000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Von null angefangen: Carolina Romahn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der World Design CapitalLando Hass<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch kurz vor dem Start des Designjahres ist die Stimmung in der Szene ambivalent. Einerseits w\u00e4chst die begr\u00fcndete Hoffnung, dass der Titel ein Schaufenster f\u00fcr die Region wird, internationale Aufmerksamkeit erzeugt, junge Talente anzieht und Projekte hervorbringt, die bleiben. Andererseits ist in der Kreativbranche Skepsis zu h\u00f6ren. \u201eMan nimmt die World Design Capital im Alltag kaum wahr\u201c, sagen Vertreter der Szene. Es fehle an Leuchtt\u00fcrmen, an einem Gef\u00fchl, dass hier etwas Gro\u00dfes anl\u00e4uft, und an einer breiten, \u00f6ffentlichkeitswirksamen Wahrnehmung \u00fcber die Kreativschaffenden hinaus. Die Design Capital, sagte Frankfurts Wirtschaftsdezernentin Stephanie W\u00fcst (FDP) bei einem F.A.Z.-Redaktionsbesuch im November, sei eine Riesenchance f\u00fcr die Branche. Doch zeigte sich W\u00fcst mit Blick auf das Designjahr auch nerv\u00f6s, wie sie es formulierte. Die erhofften Ergebnisse, mit der Design Capital eine Strahlkraft f\u00fcr die Region zu erzeugen, seien nicht erkennbar, sagte sie damals.<\/p>\n<p>World Design Capital: Unternehmen halten sich zur\u00fcck<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der Szene wird mithin kritisiert, dass sich bislang zu wenige Kommunen und Unternehmen mit eigenen, deutlich sichtbaren Beitr\u00e4gen eingebracht h\u00e4tten: Viele Ank\u00fcndigungen, sich mit Projekten oder F\u00f6rdermitteln zu beteiligen, wurden zur\u00fcckgezogen, hei\u00dft es. Gerade von einer wirtschaftsstarken Region h\u00e4tten Beobachter ein st\u00e4rkeres Engagement erwartet, allerdings falle das Designjahr auch in eine konjunkturell schwierige Zeit, hei\u00dft es.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Gebabbel: Erste Projekte der World Design Capital laufen in der Region, so wie die sogenannte Babbelbank in Oberursel mit Michael Ruppel, Klaus Winkler und Edeltraud Lintelow.\" height=\"4000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gebabbel-erste-projekte-der.webp.webp\" width=\"5333\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Gebabbel: Erste Projekte der World Design Capital laufen in der Region, so wie die sogenannte Babbelbank in Oberursel mit Michael Ruppel, Klaus Winkler und Edeltraud Lintelow.Jannis Schubert<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Gesellschaft, die das Gro\u00dfevent organisieren soll, verweist darauf, dass das Designjahr bewusst prozesshaft angelegt ist. \u201eWir sind mit dem Projekt wirklich bei null gestartet \u2013 keiner kannte den Titel World Design Capital\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Carolina Romahn. Umso bemerkenswerter sei es, wie viele Institutionen, Initiativen und Kommunen sich inzwischen beteiligten, findet sie. \u201eDie Auszeichnung verweist auf etwas, das noch im Entstehen ist. Viele Projekte werden sich im Laufe des Jahres weiterentwickeln oder \u00fcberhaupt erst entstehen \u2013 und genau diesen Gestaltungsprozess wollen wir sichtbar machen.\u201c<\/p>\n<p>Frankfurt als Designhauptstadt: Programm umfasst 450 Vorhaben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Tats\u00e4chlich umfasst das derzeitige Programm rund 450 Vorhaben \u2013 von eigenen Formaten \u00fcber Kooperationen bis hin zu Beitr\u00e4gen aus einem offenen Aufruf. Geb\u00fcndelt sind sie in f\u00fcnf thematische Schwerpunkte, die Gestaltung als gesellschaftliche Praxis erlebbar machen sollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Treffpunkt: \u201eDer Kiosk der Solidarit\u00e4t\u201c ist ein Projekt der World Design Capital.\" height=\"1999\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/treffpunkt-der-kiosk-der.webp.webp\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Treffpunkt: \u201eDer Kiosk der Solidarit\u00e4t\u201c ist ein Projekt der World Design Capital.Monika Keiler<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch sagen viele Beobachter, dass man sp\u00e4t dran sei mit der Entwicklung des Programms, mit der Inszenierung von Projekten. Exemplarisch daf\u00fcr steht die Absage der urspr\u00fcnglich f\u00fcr Anfang November geplanten Auftakt-Pressekonferenz, sie wurde auf Mitte Januar verschoben. Carolina Romahn gibt zu, dass ein solches Mammutprojekt nie vollst\u00e4ndig planbar sei: \u201eJede Veranstaltung ist erst dann fertig, wenn sie stattfindet.\u201c<\/p>\n<p>World Design Capital: Auftaktfeier am 16. Januar 2026<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zu den zentralen Eckpunkten des Designjahres in der Region geh\u00f6rt das \u201eGrand Opening\u201c am 16. Januar in der Centralstation Darmstadt. Mit dabei sind Ministerpr\u00e4sident Boris Rhein (CDU), Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD), Vertreter der Kommunen, der World Design Organization sowie Stimmen aus Wissenschaft und Kultur. Der Abend soll die Region als Labor f\u00fcr zukunftsweisende Gestaltung positionieren \u2013 mit Reden und k\u00fcnstlerischen Inszenierungen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein weiterer Baustein ist der WDC-Campus im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt. Von April an pr\u00e4sentieren dort mehr als ein Dutzend Hochschulen ihre Arbeiten, entstehen soll so ein interdisziplin\u00e4res Schaufenster zwischen Design, Architektur, Kunst, Ingenieur- und Gesellschaftswissenschaften. Hinzu kommen Panels, Workshops und Vortr\u00e4ge, die den Nachwuchs ebenso adressieren wie Fachpublikum.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Gro\u00dfe Beteiligung: Im April 2024 fand die Signing Ceremony zum Auftakt der World Design Capital Frankfurt\/Rhein-Main im Congress Park Hanau statt.\" height=\"2667\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grosse-beteiligung-im-april.webp.webp\" width=\"4000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Gro\u00dfe Beteiligung: Im April 2024 fand die Signing Ceremony zum Auftakt der World Design Capital Frankfurt\/Rhein-Main im Congress Park Hanau statt.Ben Kilb<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u00d6ffentlichkeitswirksam soll auch die Open Design Week im Juni werden. Zehn Tage lang \u00f6ffnen Agenturen, Studios, Werkst\u00e4tten und Unternehmen in der gesamten Region ihre T\u00fcren. Mit dem Hessischen Kreativwirtschaftstag zum Auftakt und dem international bekannten Forward Festival am zweiten Wochenende wollen die Veranstalter ein Signal setzen. \u201eWir wollen Menschen einladen, in der Region Dinge zu erleben \u2013 Projekte und Experimente, die \u00fcber den Alltag hinausgehen\u201c, sagt Romahn. Gleichzeitig bestehe weiterhin die M\u00f6glichkeit, sich zu beteiligen, etwa mit eigenen Programmpunkten oder offenen Formaten.<\/p>\n<p>Warum die Kreativwirtschaft f\u00fcr Rhein-Main wichtig ist<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Design als Wirtschaftsfaktor spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Kreativwirtschaft z\u00e4hlt in Hessen rund 150.000 Besch\u00e4ftigte und erwirtschaftet etwa 17 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Mehr als 35.000 Kreative arbeiten allein in Frankfurt, wo mehr als die H\u00e4lfte der hessischen Branchenums\u00e4tze erzielt wird. Dass das Land Millionen in die World Design Capital investiert hat, ist auch Ausdruck des politischen Interesses, diese St\u00e4rke sichtbarer zu machen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gleichzeitig ist aus der Branche zu h\u00f6ren, dass man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben solle. Beobachter vergleichen den Titel mit jenem der Kulturhauptstadt Europas \u2013 und das Budget der World Design Capital sei deutlich kleiner. Die Initiatoren verweisen darauf, dass es ihnen weniger um spektakul\u00e4re Einzelprojekte gehe als um Vernetzung und gemeinsames Gestalten \u00fcber Stadt- und L\u00e4ndergrenzen hinweg. \u201eDas Bed\u00fcrfnis nach einem \u201aWir\u2018 in der Region ist gro\u00df\u201c, sagt Romahn. Die Resonanz zeige, dass die World Design Capital l\u00e4ngst beginne \u2013 nicht erst 2026.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ob die Ziele erreicht werden, soll eine umfangreiche Wirkungsstudie messen, die sich an einer Vorlage aus Valencia orientiert. Die Stadt hatte 2022 als World Design Capital deutlich mehr Besucher verzeichnet als sonst.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">F\u00fcr Frankfurt und Rhein-Main beginnt nun der Praxistest. Der Titel allein ver\u00e4ndert noch nichts. Erst wenn Projekte sichtbar werden, wenn Kommunen, Unternehmen und B\u00fcrger gleicherma\u00dfen erkennen, was Gestaltung im Alltag bewirken kann, wird sich entscheiden, ob die World Design Capital mehr war als ein gut klingender Name. Der 1. Januar ist daf\u00fcr erst der Anfang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Morgen des 1. 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