{"id":685936,"date":"2026-01-01T19:30:13","date_gmt":"2026-01-01T19:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685936\/"},"modified":"2026-01-01T19:30:13","modified_gmt":"2026-01-01T19:30:13","slug":"munch-nolde-und-co-meisterwerke-trotzen-schnee-und-regen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/685936\/","title":{"rendered":"Munch, Nolde und Co.: Meisterwerke trotzen Schnee und Regen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenn wertvolle Gem\u00e4lde heute f\u00fcr Ausstellungen angefragt werden, sind die H\u00fcrden hoch: Versicherungspr\u00e4mien sind zu kalkulieren und strengste konservatorische Vorgaben zu ber\u00fccksichtigen. Kunstwerke werden daher in Klimakisten transportiert, die sich vor dem Ein- und Auspacken 24 Stunden akklimatisieren m\u00fcssen, um die kostbaren St\u00fccke beim Transport m\u00f6glichst keinen Temperaturschwankungen auszusetzen. Die Malschicht k\u00f6nnte sonst br\u00fcchig werden. Besonders wertvolle Gem\u00e4lde reisen zudem in Spezialkisten, die mit Schwingungsd\u00e4mpfern ausgestattet sind. Dass diese heute selbstverst\u00e4ndlichen, Ausstellungsplanungen in horrende Kosten treibenden Standards kaum mehr als vierzig Jahre alt sind, bezeugen \u00e4ltere Sammler, Kunsth\u00e4ndler und Museumskollegen, die Kunstwerke noch in Decken oder Luftpolsterfolie geh\u00fcllt im Kofferraum zu Ausstellungen transportierten.<\/p>\n<p>Munch meinte, seine Werke seien das Wetter gew\u00f6hnt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Geht man in der Kunstgeschichte weiter zur\u00fcck, st\u00f6\u00dft man auf faszinierende Berichte und Fotografien von Meisterwerken unter freiem Himmel \u2013 und dies nicht nur bei \u00fcberst\u00fcrzten, zum Beispiel krisenbedingten Umlagerungen, sondern als Teil eines scheinbar selbstverst\u00e4ndlichen Umgangs mit den kostbaren Werken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">K\u00fcnstler selbst gingen oft am wenigsten zimperlich mit ihren Werken um. Mehr noch: Der norwegische Maler <a data-rtr-index=\"3\" title=\"Edvard Munch\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/edvard-munch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Edvard Munch<\/a> etwa liebte es, seine Bilder der Witterung auszusetzen, um ihnen den letzten Schliff zu verleihen. \u201eAls Maler war Munch vor allem ein gro\u00dfer Suchender. Er probierte alles aus\u201c, berichtet Munchs Biograph und Zeitgenosse Rolf Stenersen. Wenn dem Maler seine Werke allzu atelierfrisch erschienen, setzte er sie gerne tagelang der Sonne und dem Regen aus. \u201eDann passen die Farben oft besser zueinander\u201c, soll Munch dazu ge\u00e4u\u00dfert haben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Vincent van Goghs Gem\u00e4lde \u201eDie Ernte\u201c wurde um das Jahr 1916 herum im Garten der Sammler Karl Ernst und Gertrud Osthaus aufgestellt.\" height=\"1200\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/vincent-van-goghs-gemaelde-die.webp.webp\" width=\"1627\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Vincent van Goghs Gem\u00e4lde \u201eDie Ernte\u201c wurde um das Jahr 1916 herum im Garten der Sammler Karl Ernst und Gertrud Osthaus aufgestellt.Bildarchiv Foto Marburg<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Munch-Sammler und Kunsthistoriker Curt Glaser erinnerte sich daran, dass bei seinen Besuchen bei Munch manche der Leinw\u00e4nde \u201edrau\u00dfen in Regen und Schnee\u201c hingen: \u201eEs war ein schneeheller Tag, und an den Au\u00dfenw\u00e4nden der H\u00e4user in dem gro\u00dfen Garten standen neben- und \u00fcbereinander die farbenstarken Gem\u00e4lde, die gar nicht genug Licht trinken zu k\u00f6nnen scheinen, die erst hier im Freien, in der vollen, prallen Helligkeit ihren ganzen Zauber entfalteten. W\u00e4hrend wir langsam von einem Bilde zum anderen schritten, begann Schnee zu fallen. Munch stapfte mit einem Strohwisch in der Hand umher, fegte bald das eine, bald das andere Bild ab, damit man es sehen konnte. Ich war etwas besorgt, da\u00df der Schnee den Bildern schaden k\u00f6nnte. Aber Munch meinte: \u201aNein, nein, das sind sie gew\u00f6hnt.\u2018\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch von Emil Nolde ist \u00fcberliefert, dass er seine Aquarelle zeitweise Schneeflocken und klirrender K\u00e4lte aussetzte und sich freute, \u201ewenn auf dem Papier die gefrorenen Farben in kristallinen Sternen und Strahlungen sich setzten\u201c.<\/p>\n<p>Aus dem Garten wird ein Museum<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein anderer Grund, im Atelier entstandene Gem\u00e4lde unter freiem Himmel zu platzieren, war das zum Fotografieren der Werke notwendige helle Tageslicht. So hat sich im Nachlass des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner eine Aufnahme erhalten, die die w\u00e4hrend seines Aufenthalts auf Fehmarn entstandenen Gem\u00e4lde im Sonnenlicht zeigt, angelehnt an die Mauer des Leuchtturms Staberhuk. Offensichtlich aus demselben Grund zeigt eine Reihe bemerkenswerter Fotografien die von Karl Ernst Osthaus f\u00fcr die Folkwang-Sammlung erworbenen Gem\u00e4lde Vincent van Goghs, ausgerahmt und an eine Pergola drapiert im Hagener Garten seines Museums.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gertrud Osthaus, die Frau des Sammlers, hatte immer wieder versucht, die Wirkung der farbstarken Gem\u00e4lde van Goghs, Gauguins und Noldes in die M\u00f6glichkeiten der Schwarz-Wei\u00df-Fotografie zu \u00fcbersetzen: \u201eDas Schwierige ist, die richtigen Tonwerte herauszubringen\u201c, berichtete sie 1916 \u00fcber ihre fotografischen Versuche: \u201eDa mu\u00df man probieren und studieren. Mir hat eine gute Gelbscheibe, hinter dem Objektiv angebracht, sehr geholfen.\u201c F\u00fcr einen ihrer Versuche der ad\u00e4quaten Wiedergabe von van Goghs farbstarker Malerei wird sie dessen Bilder kurzerhand in den Garten des Museums gebracht haben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein bekannterer Fall von heutigen \u201eMillion-Dollar-Paintings\u201c unter freiem Himmel ist die Aktion \u201eVorgartenausstellung\u201c auf dem Grundst\u00fcck der Wuppertaler Galerie Parnass, mit der die D\u00fcsseldorfer Maler Konrad Lueg, Sigmar Polke und Gerhard Richter 1964 auf ihre neuesten Werke aufmerksam machten. Richter war erst 1961 aus der DDR nach Westdeutschland gekommen, wo er 1962 mit seiner Malerei nach Schwarz-Wei\u00df-Fotos den \u201eKapitalistischen Realismus\u201c begr\u00fcndet hatte. Im Februar 1964 waren die jungen K\u00fcnstler von D\u00fcsseldorf nach Wuppertal gefahren und zeigten ihre neuesten Arbeiten in einer Art Guerilla-Aktion im Vorgarten der Wuppertaler Avantgarde-Galerie, wo sie ihre Gem\u00e4lde an den Gartenzaun und Mauervorspr\u00fcnge lehnten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Von Gerhard Richter waren einige der fr\u00fchesten Werke seines Werkverzeichnisses dabei, darunter die Gem\u00e4lde \u201eSargtr\u00e4ger\u201c (1962, Pinakothek der Moderne, M\u00fcnchen) und \u201eBomber\u201c (1963, St\u00e4dtische Galerie Wolfsburg). Die Aktion hatte den gew\u00fcnschten Erfolg: Bereits im November des Jahres wurden die drei K\u00fcnstler von Rolf J\u00e4hrling, dem Inhaber der Galerie, eingeladen, ihre Werke in der Gruppenausstellung \u201eNeue Realisten\u201c auch in den Galerier\u00e4umen zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Ein Warhol auf dem Dach von Bob Dylans Wagen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das spektakul\u00e4rste Bilddokument eines heute kaum mehr bezahlbaren Gem\u00e4ldes unter freiem Himmel ist die Fotografie des Abtransports eines Warhol-Gem\u00e4ldes auf einem Autodach in den Stra\u00dfen von Manhattan. 1965 besuchte Bob Dylan Andy Warhol in dessen Atelier an der East 47th Street und erhielt von ihm die 2,10 mal 1,34 Meter gro\u00dfe Fassung des Gem\u00e4ldes \u201eDouble Elvis\u201c, die sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art befindet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als Bob Dylan Warhols Factory verlie\u00df, musste er feststellen, dass das Bild nicht in den Kofferraum seines Wagens passte. Die Verbringung in freier Weltstadtluft hat, soweit man das durch Autopsie im Museum heute feststellen kann, keine bleibenden Sch\u00e4den hinterlassen. Stattdessen ist das Gem\u00e4lde nicht zuletzt durch die ikonischen Fotos des Transports in die Pop-Geschichte eingegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn wertvolle Gem\u00e4lde heute f\u00fcr Ausstellungen angefragt werden, sind die H\u00fcrden hoch: Versicherungspr\u00e4mien sind zu kalkulieren und strengste&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":685937,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-685936","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115821505683121307","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=685936"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/685936\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/685937"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=685936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=685936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=685936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}