{"id":687566,"date":"2026-01-02T11:52:12","date_gmt":"2026-01-02T11:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/687566\/"},"modified":"2026-01-02T11:52:12","modified_gmt":"2026-01-02T11:52:12","slug":"iman-issa-lass-uns-spielen-ausstellung-im-lenbachhaus-muenchen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/687566\/","title":{"rendered":"Iman Issa: Lass uns spielen, Ausstellung im Lenbachhaus M\u00fcnchen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mitunter f\u00fchlt man sich in dieser <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ausstellung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausstellung<\/a> von Iman Issa wie ein Kind. Wie eines, das noch nicht gen\u00fcgend W\u00f6rter kennt, um die Bilder, die es sieht, benennen zu k\u00f6nnen. Oder mit den W\u00f6rtern, die das Bild begleiten, noch nichts anfangen kann. Jedenfalls steht man ein ums andere Mal im <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Lenbachhaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lenbachhaus<\/a> vor einer dieser Skulpturen, liest das K\u00e4rtchen daneben\u00a0\u2013 und f\u00fchlt sich wie der Teil eines gro\u00dfen R\u00e4tsels.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Denn die vermeintlichen Erl\u00e4uterungstexte, wie man sie aus dem Museum neben den Kunstwerken kennt, sind mitnichten erl\u00e4uternd. Im Gegenteil: Sie verwirren oder erheitern \u2013 mitunter beides. Denn was hat die Beschreibung von zwei Fotografien, die angeblich einmal im Westjordanland 2024, einmal in Zagreb 1993 aufgenommen wurden, mit diesem abstrahierten doppelten Lottchen aus Draht da an der Wand zu tun? Die Skulptur wirkt harmlos. Aber Orte und Jahreszahlen\u00a0\u2013 irgendwo im Hinterkopf schrillen da Alarmglocken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Oder wo liegt die Verbindung zwischen einem \u201eEntwurf f\u00fcr ein Denkmal\u201c und den abwechselnd aufleuchtenden Kugellampen? Und warum steht neben einem schneewei\u00dfen ovalen Objekt, das an eine aufw\u00e4rts fressende doppelte Pac-Man-Spielfigur erinnert, eine Texttafel mit dem Paradoxon \u201eSelbstportr\u00e4t von Alenka Zupan\u010di\u010d, die den Witz erz\u00e4hlt: \u201aHier gibt es keine Kannibalen. Wir haben den letzten gestern gegessen.\u2018\u201c?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/a58a9d76-882f-49ca-b6ff-e7cbd9157ad5.jpg\"   alt=\"\u201eSelf as Alenka Zupan\u010di\u010d\u201c hei\u00dft diese Skulptur mit der daneben stehenden Texttafel mit dem Kannibalenwitz von Iman Issa aus der Reihe \u201eSelf-Portrait\u201c von 2020.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>\u201eSelf as Alenka Zupan\u010di\u010d\u201c hei\u00dft diese Skulptur mit der daneben stehenden Texttafel mit dem Kannibalenwitz von Iman Issa aus der Reihe \u201eSelf-Portrait\u201c von 2020. (Foto: Courtesy Sylvia Kouvali \/ Iman Issa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das gr\u00f6\u00dfte <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/R%C3%A4tsel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00e4tsel<\/a> aber kommt weiter hinten. Die zehnteilige Foto-Serie hei\u00dft tats\u00e4chlich \u201eDas Spiel\u201c und ist die j\u00fcngste Arbeit von Iman Issa. Da soll man die Beschreibungen auf den Wandtexten den Bildern zuordnen. Obwohl angeblich nur eine Zuordnung richtig ist, muss man irgendwie \u00fcber Kreuz denken, um die passende Antwort zu finden \u2013 sofern es sie \u00fcberhaupt gibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Kommt einem irgendwie bekannt vor? Ja. Nur nicht aus dem musealen Kontext. All das erinnert an Bild- und Wortr\u00e4tsel, an Gesellschaftsspiele, ist aber mitnichten logisch. Sp\u00e4testens jetzt wird klar: Die Texte sind kein Beiwerk. Sie sind wesentlicher Teil des Kunstwerks. Dazu da, unser Sehen zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch wer ist diese K\u00fcnstlerin, die sich fortw\u00e4hrend die Frage stellt: \u201eWas ist ein Kunstwerk?\u201c Eine K\u00fcnstlerin, die versucht, \u00fcber ein spielerisches Konstrukt den Blick auf die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kunst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunst<\/a> anders zu lenken, den Betrachter zu irritieren und zum Nachdenken zu bringen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Iman Issa stammt aus \u00c4gypten, ist 46 Jahre alt und hat in Kairo Philosophie und Politikwissenschaften studiert. 2005 ging sie nach <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/New_York\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">New York<\/a> und studierte an der Columbia Bildende Kunst, wandte sich zun\u00e4chst vor allem der Fotografie zu. Berlin wurde ihr zeitweilig zur zweiten Heimat, aktuell lebt sie in Paris, lehrt seit Anfang\u00a02020 als Professorin f\u00fcr Bildhauerei an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste Wien. Iman Issas Werk wird international ausgestellt, sie hat zahlreiche Preise erhalten, zuletzt den Ernst-Rietschel-Kunstpreis f\u00fcr Skulptur 2024.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Herkunft von der Philosophie erkl\u00e4rt vielleicht ihren gedanklichen Ansatz. Auch dies, dass sie Motive alter Artefakte neu deutet. Die \u201eHeritage Studies\u201c, eine Serie, die sie 2015 begonnen hat, nehmen Bezug auf historische Museumsobjekte und stammen aus unterschiedlichen Regionen und Traditionen. Eine Papyrusrolle wird zu einem k\u00fchnen roten Bodenobjekt. Herrscher verschiedener Dynastien zu reduzierten geometrischen Figuren. Diese sind ebenso klar und technisch sauber ausgearbeitet wie die \u201eSelbstportr\u00e4ts\u201c, die aus dem 3D-Drucker stammen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ab1cfb2a-42f0-4e98-90c5-aa622025583a.jpg\"   alt=\"\u201eCar Wash\u201c ist eine fr\u00fche Videoarbeit von Iman Issa aus dem Jahr 2006.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>\u201eCar Wash\u201c ist eine fr\u00fche Videoarbeit von Iman Issa aus dem Jahr 2006. (Foto: Courtesy carlier gebauer, Berlin \/ Iman Issa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch wenn sie oft skulptural arbeitet, so spielen Fotos oft eine gro\u00dfe Rolle. Sowohl als gedankliche Ausgangsbasis als auch als Teil ihrer Kunstwerke. Und es gibt auch einige, vergleichsweise roughe Videos, wie \u201eCar Wash\u201c von 2006, in dem sie zwei M\u00e4nner beobachtet, die in einer Auto-Waschanlage arbeiten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch den Ernst, der hinter all den vordergr\u00fcndig spielerischen Herangehensweisen von Iman Issa steht, begreift man erst drau\u00dfen vor der T\u00fcr. Dort, links vom Eingang zur Ausstellung in einer Nische und leicht zu \u00fcbersehen beim Hineingehen, l\u00e4uft der Film \u201eProposal for an Iraq War Memorial\u201c. Ein wildes f\u00fcnfmin\u00fctiges Video, zusammengeschnitten aus sogenanntem Found Footage, also gefundenem Bildmaterial, und Ausschnitten aus dem Hollywood-M\u00e4rchenfilm \u201eDer Dieb von Bagdad\u201c von 1940.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wieder taucht der Begriff vom Denkmal auf. Wieder stimmt das, was man sieht, nicht \u00fcberein mit den Texten, aber auch nicht der eigenen, von Tradition und Gesellschaft gepr\u00e4gten Vorstellung dessen, was ein Denkmal sein soll, sein darf, sein k\u00f6nnte. Irgendwann sieht man einen US-Soldaten auf einer Treppe irgendwo in einem irakischen Dorf mit dem Schnellfeuergewehr im Anschlag. \u00dcber ihm steht ein kleiner Junge und pinkelt ihm auf den Helm, oder zumindest wirkt es in der Perspektive so. Eine Szene, die noch surrealer anmutet als die vom Dieb von Bagdad, der auf einem Teppich davonfliegt. Nat\u00fcrlich rei\u00dft einen das zum Lachen hin. Doch die Bilder des verheerenden Bombardements, die dann folgen, brechen jeden Anflug von Heiterkeit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Iman Issa will nicht spielen. Sie will darauf hinweisen: Hinter jedem Denkmal, hinter jedem Objekt und jeder Darstellung, die wir meist selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen, stecken oft Leid und Zerst\u00f6rung. Das sollte man mitdenken, wenn man sich auf dieses gro\u00dfe R\u00e4tselraten von Iman Issa einl\u00e4sst\u00a0\u2013 und sich definitiv nicht auf Bronzetafeln und Textk\u00e4rtchen verlassen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong><a href=\"https:\/\/www.lenbachhaus.de\/programm\/ausstellungen\/detail\/iman-issa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Iman Issa. Lass uns spielen<\/a><\/strong><strong>, Lenbachhaus <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a><\/strong><strong>, bis 12. April 2026<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mitunter f\u00fchlt man sich in dieser Ausstellung von Iman Issa wie ein Kind. 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