{"id":687630,"date":"2026-01-02T12:28:12","date_gmt":"2026-01-02T12:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/687630\/"},"modified":"2026-01-02T12:28:12","modified_gmt":"2026-01-02T12:28:12","slug":"dommusik-muenster-hat-mehr-als-200-luminiscence-shows-live-mitgestaltet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/687630\/","title":{"rendered":"Dommusik M\u00fcnster hat mehr als 200 &#8222;Luminiscence&#8220;-Shows live mitgestaltet"},"content":{"rendered":"<p>02.01.2026, 08:10 Uhr, Bistum M\u00fcnster&#13;\n<\/p>\n<p>Der Dom liegt im Halbdunkeln. Ein leises Summen im Chor, ein letzter Blickkontakt. Domkapellmeister Alexander Lauer hebt den Kopf. Was folgt, ist pr\u00e4zise getaktet, minuti\u00f6s einstudiert \u2013 und doch jedes Mal anders. Mehr als 200 Mal hat die Dommusik M\u00fcnster seit September die Licht- und Soundshow \u201eLuminiscence\u201c im Dom live begleitet. An bis zu sechs Abenden in der Woche, oft dreimal hintereinander, haben mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher die 800-j\u00e4hrige Geschichte des Doms kennengelernt \u2013 die Dommusik war immer dabei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/csm_2026-01-02-s\u00e4nger_55d0f9713d.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Martin Dirking, Sabine Giesbert, Katharina Pago, Katharina Losinzky und Alexander Lauer (von links) im Altarraum des St.-Paulus-Doms, w\u00e4hrend sich dieser f\u00fcr eine weitere Auff\u00fchrung von \u201eLuminiscence\u201c langsam f\u00fcllt.<\/p>\n<p>\u00a9 Bistum M\u00fcnster<\/p>\n<p>Gemeinsam mit einem jeweils 20-k\u00f6pfigen Chor aus einem Pool von rund 70 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern aus dem Domchor, dem Knabenchor am Dom, und dem M\u00e4dchenchor am Dom sowie wechselnden Organisten trug Lauer die musikalische Verantwortung f\u00fcr nahezu jede Auff\u00fchrung. \u201eZun\u00e4chst wollten wir nur drei bis vier Vorstellungen mit Live-Musik begleiten. Als von Seiten des Veranstalters der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert wurde, alle Abende mit einem Live-Chor anbieten zu wollen, haben wir diese Herausforderung angenommen,\u201c erinnert sich der Domkapellmeister.\u00a0<\/p>\n<p>Was folgte, war eine logistische und musikalische Kraftanstrengung. Urlaube, Probenpl\u00e4ne, Krankheitsf\u00e4lle \u2013 alles musste koordiniert werden, damit jeden Abend ein vollst\u00e4ndiger Chor im Dom stand. Und doch: Die Entscheidung, alle Auff\u00fchrungen live zu begleiten, erwies sich als richtig. \u201eDas Musikband, das abgespielt wird, ist immer gleich\u201c, sagt Lauer. \u201eWir sind es nicht. Und genau das macht es lebendig.\u201c<\/p>\n<p>Denn der Live-Charakter war von Anfang an ein zentrales Anliegen. W\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern wie Frankreich und Spanien Chor und Orchester nur an ausgew\u00e4hlten Tagen auftraten, entschieden sich die Verantwortlichen in M\u00fcnster f\u00fcr die dauerhafte Pr\u00e4senz. \u201eDas ist der Unterschied zwischen Dosensuppe und frisch gekocht\u201c, beschreibt Lauer schmunzelnd.\u00a0<\/p>\n<p>Der Dom multisensorisch erleben<\/p>\n<p>Mit den Wochen ver\u00e4nderte sich der Blick auf das Projekt. Die anf\u00e4ngliche Aufregung wich der Routine \u2013 und dann einer neuen Tiefe. \u201eManchmal kam man m\u00fcde hin\u201c, erinnert sich Sabine Giesbert an den einen oder anderen Abend. \u201eAber ich bin jedes Mal gest\u00e4rkt wieder rausgegangen.\u201c Diese Intensit\u00e4t verlangte auch Selbstf\u00fcrsorge: Kr\u00e4fte einteilen, Stimme schonen, Pausen nutzen. Zwischen drei Shows am Abend entstanden kleine Rituale \u2013 Gespr\u00e4che, gemeinsames Essen, kurze Ruhe. \u201eDiese halben Stunden Pause schwei\u00dfen zusammen\u201c, sagt die 18-j\u00e4hrige Katharina Pago.\u00a0<\/p>\n<p>Die Frage, was eine multimediale Show mit einem sakralen Raum macht, begleitete das Projekt von Beginn an. \u201eAm Anfang hatte ich Sorge, dass der Dom zur Konzerthalle wird\u201c, sagt Lauer offen. Heute sieht er es anders: \u201eDurch Luminiscence wurde sehr vielen Menschen erm\u00f6glicht, unseren Dom auch au\u00dferhalb der Liturgie multisensorisch zu erleben.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/csm_2026-01-02-luminiscence1_04a2392b77.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Mehr als 200 Mal hat die Dommusik M\u00fcnster seit September die Licht- und Soundshow \u201eLuminiscence\u201c im Dom live begleitet.<\/p>\n<p>\u00a9 Marius Jacoby<\/p>\n<p>Dass ausgerechnet liturgische Ges\u00e4nge \u2013 Kyrie, Miserere, In paradisum \u2013 im Zentrum der Musik stehen, verleiht der Show Tiefe. \u201eEs sind diese leisen Stellen\u201c, sagt Martin Dirking, der in etwa 50 Shows mitgesungen hat. \u201eDa merkt man, wie der Raum tr\u00e4gt.\u201c Lieblingsmomente gibt es viele: das \u201eMiserere\u201c (Allegri) in der Dunkelheit, das schwebende \u201eIn paradisum\u201c (Faur\u00e9), das Sopran-Solo (P\u00e9rotin), das f\u00fcr manche \u201ewie der \u00dcbergang in eine andere Welt\u201c wirkt.<\/p>\n<p>Was die Dommusik besonders bewegt hat, sind die Reaktionen. Tr\u00e4nen, Zwischenapplaus, stehende Ovationen \u2013 und immer wieder die gl\u00fccklichen Gesichter beim Auszug durch den Mittelgang. \u201eDiese Freude spiegelt sich auf uns zur\u00fcck\u201c, sagt Martin Dirking. \u201eDas hat man so nicht vom Band.\u201c Viele Besucher wussten zun\u00e4chst gar nicht, dass sie einen Chor aus M\u00fcnster h\u00f6ren. \u201eManche dachten, wir seien aus Frankreich\u201c, erz\u00e4hlt Katharina Pago. \u201eWenn sie dann h\u00f6ren, dass es die Dommusik ist, staunen sie.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>\u201cDas bringt die Chorfamilie zusammen\u201d<\/p>\n<p>Was bleibt nach mehr als 200 Auff\u00fchrungen? F\u00fcr die Dommusik ein Gef\u00fchl von Dankbarkeit. \u201eDass wir das machen durften, ist ein Geschenk\u201c, sagt Katharina Losinzky. K\u00fcnstlerisch wie menschlich habe das Projekt Spuren hinterlassen: Stimmtraining durch Regelm\u00e4\u00dfigkeit, neue Verbindungen zwischen Domchor, Knabenchor und M\u00e4dchenchor. \u201eDas bringt die Chorfamilie zusammen\u201c, sagt Katharina Pago und erg\u00e4nzt: \u201eS\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger im Alter von 16 bis 70 \u2013 das ist etwas Besonderes.\u201c<\/p>\n<p>Viele der Mitwirkenden verbindet mehr als dieses Projekt. Sie sind in der Dommusik gro\u00df geworden. \u201eDas ist etwas sehr Famili\u00e4res\u201c, sagt Katharina Losinzky. Gerade die vielen jungen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, die aus Knaben- und Jugendch\u00f6ren hervorgegangen sind, sieht die 44-J\u00e4hrige als gro\u00dfen Schatz: \u201eSie bekommen hier eine hervorragende musikalische Ausbildung \u2013 das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich.\u201c Luminiscence habe diese gewachsene Struktur einmal mehr sichtbar gemacht \u2013 und ihre Tragf\u00e4higkeit bewiesen.<\/p>\n<p>Wenn nun die letzte Auff\u00fchrung am 18. Januar verklingt, endet ein Kapitel, das den Dom neu h\u00f6r- und sichtbar gemacht hat, findet der Domkapellmeister. Und auch als Musiker nimmt er etwas mit: \u201eWir haben gelernt, in der Routine nach Perfektion zu suchen und haben darin immer wieder Neues entdeckt.\u201c Und manch einer S\u00e4ngerin oder einem S\u00e4nger wird an den kommenden Abenden vielleicht sogar etwas fehlen.<\/p>\n<p>Ann-Christin Ladermann<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"02.01.2026, 08:10 Uhr, Bistum M\u00fcnster&#13; Der Dom liegt im Halbdunkeln. 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