{"id":688773,"date":"2026-01-02T22:57:15","date_gmt":"2026-01-02T22:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/688773\/"},"modified":"2026-01-02T22:57:15","modified_gmt":"2026-01-02T22:57:15","slug":"2-000-jahre-alte-herpesviren-im-menschlichen-genom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/688773\/","title":{"rendered":"2.000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom"},"content":{"rendered":"<p>    <a href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"EmbeddedImage\" style=\"max-height:200px; max-width: 200px;\" src=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/institutionlogo36662\" border=\"0\" alt=\"institution logo\"\/><\/a><\/p>\n<p>        <a title=\"LinkedIn\" href=\"#\" onclick=\"window.open('https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&amp;url=http:\/\/www.idw-online.de\/-DS6NAA','Share on LinkedIn', 'status=1, width=800, height=600, resizable=0, top=100, left=100')\"><img decoding=\"async\" style=\"width:20px;height:20px;visibility:hidden;\" src=\"https:\/\/idw-online.de\/images\/bluesky_mbsw.svg\"\/><\/a><\/p>\n<p>        <a title=\"Twitter\" href=\"#\" onclick=\"window.open('https:\/\/twitter.com\/share?url=http:\/\/www.idw-online.de\/-DS6NAA&amp;text=Bahnbrechende+Entdeckung%3A+2.000+Jahre+alte+Herpesviren+im+menschlichen+Genom','Share on Twitter', 'status=1, width=800, height=600, resizable=0, top=100, left=100')\"><img decoding=\"async\" style=\"width:20px;height:20px;visibility:hidden;\" src=\"https:\/\/idw-online.de\/images\/x_mbsw.svg\"\/><\/a><\/p>\n<p>        <a title=\"Bluesky\" href=\"#\" onclick=\"window.open('https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Bahnbrechende+Entdeckung%3A+2.000+Jahre+alte+Herpesviren+im+menschlichen+Genom%20http:\/\/www.idw-online.de\/-DS6NAA','Share on Bluesky', 'status=1, width=800, height=600, resizable=0, top=100, left=100')\"><img decoding=\"async\" style=\"width:20px;height:20px;visibility:hidden;\" src=\"https:\/\/idw-online.de\/images\/bluesky_mbsw.svg\"\/><\/a><\/p>\n<p>\n            Teilen:\u00a0\n        <\/p>\n<p>    02.01.2026 20:00<\/p>\n<p>    Bahnbrechende Entdeckung: 2.000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom <\/p>\n<p>\n    Genomdaten best\u00e4tigen, dass bestimmte humane Herpesviren bereits vor tausenden Jahren Teil des menschlichen Genoms wurden<\/p>\n<p>\n    Zum ersten Mal haben Wissenschafter*innen alte Genome der Humanen Beta-Herpesviren 6A und 6B (HHV-6A\/B) aus \u00fcber zwei Jahrtausende alten arch\u00e4ologischen menschlichen \u00dcberresten rekonstruiert. Die von der Universit\u00e4t Wien und der Universit\u00e4t Tartu (Estland) geleitete und in Science Advances ver\u00f6ffentlichte Studie best\u00e4tigt, dass sich diese Viren seit mindestens der Eisenzeit mit und innerhalb des Menschen entwickelt haben. Die Ergebnisse zeichnen die lange Geschichte der Integration von HHV-6 in menschliche Chromosomen nach und deuten darauf hin, dass HHV-6A diese F\u00e4higkeit fr\u00fch verloren hat.<\/p>\n<p>HHV-6B infiziert etwa 90 Prozent aller Kinder im Alter von zwei Jahren und ist vor allem als Ursache der Roseola infantum \u2013 oder &#8222;sechsten Krankheit&#8220; \u2013 bekannt, der h\u00e4ufigsten Ursache f\u00fcr Fieberkr\u00e4mpfe bei Kleinkindern. Zusammen mit seinem nahen Verwandten HHV-6A geh\u00f6rt es zu einer Gruppe weit verbreiteter humaner Herpesviren, die nach einer anf\u00e4nglich milden Erkrankung in der fr\u00fchen Kindheit typischerweise lebenslange, latente Infektionen ausl\u00f6sen. Was sie so au\u00dfergew\u00f6hnlich macht, ist ihre F\u00e4higkeit, sich in menschliche Chromosomen zu integrieren \u2013 eine Eigenschaft, die es dem Virus erm\u00f6glicht, inaktiv zu bleiben und in seltenen F\u00e4llen als Teil des eigenen Genoms des Wirts vererbt zu werden. Solche vererbten Viruskopien kommen heute bei etwa einem Prozent der Menschen vor. W\u00e4hrend fr\u00fchere Studien die Hypothese aufgestellt hatten, dass diese Integrationen schon sehr alt sind, liefern die neuen Daten dieser Studie den ersten direkten genomischen Beweis daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Wiederherstellung viraler DNA aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten<\/p>\n<p>Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universit\u00e4t Wien und der Universit\u00e4t Tartu (Estland) \u2013 in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4t Cambridge und dem University College London \u2013 untersuchte fast 4.000 menschliche Skelettproben aus arch\u00e4ologischen St\u00e4tten in ganz Europa. Elf alte Virusgenome wurden identifiziert und rekonstruiert \u2013 das \u00e4lteste stammt von einem jungen M\u00e4dchen aus der Eisenzeit in Italien (1100\u2013600 v. u. Z.). Die \u00fcbrigen Individuen deckten einen weiten geografischen und zeitlichen Bereich ab: Beide HHV-Typen wurden im mittelalterlichen England, Belgien und Estland gefunden, w\u00e4hrend HHV-6B auch in Proben aus Italien und dem fr\u00fchen historischen Russland auftrat. Mehrere der englischen Individuen trugen vererbte Formen von HHV-6B, was sie zu den fr\u00fchesten bekannten Tr\u00e4ger*innen chromosomal integrierter humaner Herpesviren macht. Die belgische Fundst\u00e4tte Sint-Truiden lieferte die gr\u00f6\u00dfte Anzahl von F\u00e4llen, wobei beide Virusarten innerhalb derselben Population zirkulierten.<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend HHV-6 fast 90 % der menschlichen Bev\u00f6lkerung irgendwann in ihrem Leben infiziert, tragen nur etwa 1 % das von ihren Eltern vererbte Virus in allen Zellen ihres K\u00f6rpers. Diese 1 % der F\u00e4lle sind diejenigen, die wir mit Hilfe von alter DNA am ehesten identifizieren k\u00f6nnen, was die Suche nach viralen Sequenzen ziemlich schwierig macht&#8220;, sagte die leitende Forscherin der Studie, Meriam Guellil vom Department f\u00fcr Evolution\u00e4re Anthropologie an der Universit\u00e4t Wien. &#8222;Auf der Grundlage unserer Daten l\u00e4sst sich die Evolution der Viren nun \u00fcber mehr als 2.500 Jahre in Europa zur\u00fcckverfolgen, wobei Genome aus dem 8. bis 6. Jahrhundert v. u. Z. bis heute verwendet wurden.&#8220;<\/p>\n<p>Alte Integrationen, dauerhafte Folgen<\/p>\n<p>Anhand der rekonstruierten Genome konnten die Forscher*innen bestimmen, in welchem Chromosom sich die Viren integriert hatten. Vergleiche mit modernen Daten ergaben, dass einige Integrationen uralt sind und \u00fcber Jahrtausende hinweg von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Eine der beiden Virusarten (HHV-6A) scheint im Laufe der Zeit ihre F\u00e4higkeit verloren zu haben, sich in die menschliche DNA zu integrieren \u2013 ein Beweis daf\u00fcr, dass sich diese Viren w\u00e4hrend ihrer Koexistenz mit dem Menschenunterschiedlich entwickelt haben.<\/p>\n<p>&#8222;Ist eine Kopie von HHV-6B im Genom vorhanden, kann das in Zusammenhang mit Angina pectoris und Herzerkrankungen stehen&#8220;, sagt Charlotte Houldcroft (Fachbereich Genetik, Universit\u00e4t Cambridge). &#8222;Wir wissen, dass diese vererbbaren Formen von HHV-6A und B heute in Gro\u00dfbritannien h\u00e4ufiger vorkommen als im \u00fcbrigen Europa, und dies ist der erste Nachweis f\u00fcr alte Tr\u00e4ger*innen aus Gro\u00dfbritannien.&#8220;<\/p>\n<p>Ein neues Kapitel in der Evolution von Viren und Wirten<\/p>\n<p>Die Entdeckung dieser alten HHV-6-Genome liefert den ersten zeitlich belegten Beweis f\u00fcr die langfristige Koevolution dieses Virus mit dem Menschen auf genomischer Ebene. Sie zeigt auch, wie alte DNA die langfristige Evolution von Infektionskrankheiten aufdecken kann \u2013 von kurzlebigen Infektionen im Kindesalter bis hin zu viralen Sequenzen, die Teil des menschlichen Genoms geworden sind. HHV-6A und HHV-6B, die erst in den 1980er Jahren entdeckt wurden, lassen sich nun bis in die Eisenzeit zur\u00fcckverfolgen und liefern direkte genomische Beweise f\u00fcr eine alte, gemeinsame Geschichte von Viren und Menschen. &#8222;Moderne genetische Daten deuten darauf hin, dass sich HHV-6 seit unserer Migration aus Afrika zusammen mit den Menschen entwickelt haben k\u00f6nnte&#8220;, sagt Guellil. &#8222;Diese alten Genome liefern nun den ersten konkreten Beweis f\u00fcr ihre Pr\u00e4senz in der fernen Vergangenheit der Menschheit.&#8220;\n    <\/p>\n<p>    Wissenschaftliche Ansprechpartner:<\/p>\n<p>Dr. Meriam Guellil<br \/>Department of Evolution\u00e4re Anthropologie,<br \/>Universit\u00e4t Wien<br \/>1090 Wien, Althanstra\u00dfe 14<br \/>meriam.guellil@univie.ac.at<br \/>www.univie.ac.at<\/p>\n<p>    Originalpublikation:<\/p>\n<p>Meriam Guellil et al. (2025). Tracing 2500 Years of Human Betaherpesvirus 6A and 6B Diversity Through Ancient DNA. In Science Advances (2025).<\/p>\n<p><b>Bilder<\/b><\/p>\n<p class=\"widescreenhide\"><a class=\"main\" data-reveal-id=\"imgModal1\" href=\"#\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/newsimage.jpeg\" width=\"180\" height=\"135\" alt=\"Labortechnikerin und eine der Autor*innen im kontaminationskontrollierten Alten DNA Labor an der University of Tartu bei der Extraktion von winzigen Mengen DNA aus jahrhundertealten Skeletten.\" title=\"Labortechnikerin und eine der Autor*innen im kontaminationskontrollierten Alten DNA Labor an der University of Tartu bei der Extraktion von winzigen Mengen DNA aus jahrhundertealten Skeletten.\" border=\"0\" id=\"image_416465_thumb\"\/><\/a><br \/>\n<a class=\"main\" data-reveal-id=\"imgModal\"\/><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/image?id=416465&amp;size=screen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&lt;<\/a><br \/>Labortechnikerin und eine der Autor*innen im kontaminationskontrollierten Alten DNA Labor an der Uni <a class=\"main\" data-reveal-id=\"imgModal1\" href=\"#\">&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Copyright: University of Tartu Institute of Genomics Ancient DNA Laboratory<\/p>\n<p>\n    <strong>Merkmale dieser Pressemitteilung: <br \/><\/strong><br \/>\n     Journalisten, Wissenschaftler<br \/>Geschichte \/ Arch\u00e4ologie, Medizin<br \/>\u00fcberregional<br \/>Forschungs- \/ Wissenstransfer, Forschungsergebnisse<br \/>Deutsch\n    <\/p>\n<p>    \u00a0<\/p>\n<dl class=\"sub-nav green maincontent\">\n<dd class=\"active\">\n    <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/javascript:history.back()\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur\u00fcck<\/a>\n    <\/dd>\n<\/dl>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/loading.gif\" width=\"128\" height=\"128\"\/><\/p>\n<p>    <script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Teilen:\u00a0 02.01.2026 20:00 Bahnbrechende Entdeckung: 2.000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom Genomdaten best\u00e4tigen, dass bestimmte humane Herpesviren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":688774,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,30,141,232],"class_list":{"0":"post-688773","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gesundheit","11":"tag-health"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115827982186765758","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688773","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=688773"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688773\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/688774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=688773"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=688773"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=688773"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}