{"id":689038,"date":"2026-01-03T01:37:19","date_gmt":"2026-01-03T01:37:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689038\/"},"modified":"2026-01-03T01:37:19","modified_gmt":"2026-01-03T01:37:19","slug":"immer-weniger-neue-radwege-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689038\/","title":{"rendered":"Immer weniger neue Radwege in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin tritt beim Radwegebau auf die Bremse, w\u00e4hrend andere europ\u00e4ische St\u00e4dte weiter beschleunigen. Die Folgen dieses Kurses zeigen sich bereits heute in Zahlen und Konflikten zwischen Verkehrsverwaltung und den Bezirken. Der R\u00fcckgang der realisierten Kilometer neuer und modernisierter Radwege wirft grunds\u00e4tzliche Fragen zur Berliner Verkehrspolitik auf. Denn verf\u00fcgbare F\u00f6rdergelder scheinen mutwillig nicht in Anspruch genommen zu werden.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Radweg-Kantstrasse-Charlottenburg-\u00a9-Foto-ENTWICKLUNGSSTADT-5.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60841\" class=\"lazyload wp-image-60841 size-full\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Radweg-Kantstrasse-Charlottenburg-\u00a9-Foto-ENTWICKLUNGSSTADT-5.jpg\" alt=\"Radweg, Kantstra\u00dfe, Charlottenburg\" width=\"1280\" height=\"720\"  data- data-orig-\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-60841\" class=\"wp-caption-text\">Seit 2020 sinkt der Umfang neu gebauter oder modernisierter Radwege in Berlin deutlich. Die offiziellen Fortschrittsberichte zeigen, warum dieser Trend aus Sicht der nachhaltigen Mobilit\u00e4t problematisch ist. \/ \u00a9 Foto: ENTWICKLUNGSSTADT<\/p>\n<p>\u00a9 Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Berlin galt viele Jahre als Labor der Verkehrswende, vor allem w\u00e4hrend der rotgr\u00fcnen Regierungsjahre. Kaum eine andere deutsche Gro\u00dfstadt hatte das Fahrrad politisch so stark in den Mittelpunkt ger\u00fcckt wie die Hauptstadt, zumindest kommunikativ, zumindest auf dem Papier.<\/p>\n<p>Ein aktueller Blick in die j\u00e4hrlichen Fortschrittsberichte Fahrrad der Senatsverwaltung zeigt jedoch: Der tats\u00e4chliche Ausbau neuer oder modernisierter Radwege hat seit 2020 deutlich an Tempo verloren, um es freundlich auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Nachfrage nach dem Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel weiter steigt, sinken die realisierten Kilometer neuer Infrastruktur kontinuierlich; ein Befund, der aus Sicht nachhaltiger Mobilit\u00e4tsentwicklung Fragen an Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde aufwirft.<\/p>\n<p>Radwege in Berlin: Hohe Ausbauzahlen zu Beginn der 2020er Jahre, danach stetiger R\u00fcckgang<\/p>\n<p>Der Fortschrittsbericht 2020 markiert in der Betrachtung der vergangenen f\u00fcnf Jahre den H\u00f6hepunkt der Ausbauphase: Mehr als 50 Kilometer Radverkehrsanlagen wurden damals fertiggestellt, darunter zahlreiche tempor\u00e4re Pop-up-Radwege, die sp\u00e4ter verstetigt werden sollten.<\/p>\n<p>In den Folgejahren schrumpfte dieser Wert deutlich, auch schon w\u00e4hrend der rotgr\u00fcnen Regierungsjahre. 2021 lagen die neu geschaffenen Strecken noch bei rund 39 Kilometern, 2022 bei 26,5 Kilometern. 2023 und 2024 bewegten sich die Zahlen mit nur noch 26,0 beziehungsweise 23,6 Kilometern weiter auf sinkendem Niveau. In diese Zahlen z\u00e4hlen aber nicht nur neue Radwege, sondern auch Modernisierungen oder Sanierungen. So werden hier also mitnichten nur neue Radwege ausgewiesen sondern auch solche, bei denen beispielsweise nur die Fahrbahnmarkierung erneuert wurde.<\/p>\n<p>Berlins Verkehrsentwicklung: In vier Jahren hat sich die Zahl neuer oder modernisierter Radwege halbiert<\/p>\n<p>Die Auswertung der j\u00e4hrlichen Daten zeigt damit einen klaren Trend: Innerhalb von vier Jahren hat sich der j\u00e4hrliche Umfang neu gebauter oder modernisierter Radwege nahezu halbiert. Zwar wird weiterhin geplant, doch zwischen Ank\u00fcndigung, Planung und tats\u00e4chlicher Umsetzung klafft zunehmend eine L\u00fccke.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird dieser Widerspruch im Vergleich zu den eigenen Zielsetzungen. Das Berliner Mobilit\u00e4tsgesetz sieht einen deutlich h\u00f6heren j\u00e4hrlichen Ausbau vor, insbesondere im sogenannten Vorrangnetz. Unter der fr\u00fcheren Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Die Gr\u00fcnen) wurden 2022 noch rund 26,5 Kilometer realisiert; ein Wert, den die aktuelle Koalition mehrfach \u00fcbertreffen wollte.<\/p>\n<p>Verkehrssenatorin Ute Bonde: Politischer Anspruch und reale Umsetzung driften weit auseinander<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich blieb der Ausbau unter Verkehrssenatorin Ute Bonde bislang hinter diesen Ank\u00fcndigungen zur\u00fcck. F\u00fcr das Jahr 2025 meldete die Senatsverwaltung 20,5 Kilometer neue Radwege; weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als urspr\u00fcnglich in Aussicht gestellt. Begr\u00fcndet wird dies unter anderem mit Sparzw\u00e4ngen sowie damit, dass \u201eeinfach umsetzbare Projekte\u201c bereits abgearbeitet seien.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Planungen f\u00fcr 2026, wie sie unter anderem in der Berliner Morgenpost dargestellt werden, best\u00e4tigt den weiterhin vorsichtigen Kurs der Senatsverkehrsverwaltung. Vorgesehen sind bislang acht Vorhaben, darunter mehrere Fahrradstra\u00dfen in Pankow, Lichtenberg, Treptow-K\u00f6penick und Mitte. Hinzu kommen lediglich drei neue Radwege an Hauptstra\u00dfen, etwa an der Berliner Stra\u00dfe in Charlottenburg-Wilmersdorf oder der K\u00f6penicker Stra\u00dfe in Friedrichshain-Kreuzberg.<\/p>\n<p>Ausblick auf den Radwegausbau 2026: Viele Projekte, wenig neue Kilometer<\/p>\n<p>Selbst wenn alle diese Projekte planm\u00e4\u00dfig umgesetzt werden, ist absehbar: Das Niveau der fr\u00fchen 2020er-Jahre wird auch im Jahr 2026 nicht erreicht. Um allein die Werte von 2024 zu halten, m\u00fcssten weitere Vorhaben hinzukommen; aktuell sind sie jedoch weder finanziert noch terminiert.<\/p>\n<p>Man muss daher kein gro\u00dfer Wahrsager zu sein, um vorherzusehen, dass die Werte des Jahres 2026 wohl unter den Werten von 2025 liegen werden. F\u00fcr Verkehrssenatorin Bonde, die ihren Fokus auf andere Projekte legt, scheint dies auch nicht problematisch zu sein.<\/p>\n<p>Ausbau von Radwegen: Ein europ\u00e4ischer Vergleich f\u00e4llt f\u00fcr Berlin ern\u00fcchternd aus<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Berlin beim Radwegebau auf die Bremse tritt, verfolgen andere europ\u00e4ische Metropolen einen vollkommen gegenteiligen Ansatz. St\u00e4dte wie Paris, Kopenhagen oder Barcelona investieren weiterhin massiv in durchg\u00e4ngige, gesch\u00fctzte Radverkehrsnetze, oft als integralen Bestandteil von Klima-, Gesundheits- und Stadtentwicklungsstrategien.<\/p>\n<p>Der ganz offensichtliche Berliner R\u00fcckzug wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Bruch mit der eigenen Vorreiterrolle, und l\u00e4sst gleichsam einen gro\u00dfen Teil verf\u00fcgbarer F\u00f6rdergelder verfallen, die f\u00fcr die Hauptstadt eigentlich leicht abzugreifen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Bedenkliches Signal: Berliner Senat ignoriert eine der gr\u00f6\u00dften Verkehrsgruppen Berlins<\/p>\n<p>Aus Sicht nachhaltiger Mobilit\u00e4tsentwicklung ist dies ein bedenkliches Signal. Der R\u00fcckgang beim Radwegebau steht im Kontrast zu steigenden Nutzungszahlen, wachsendem Sicherheitsbed\u00fcrfnis und den langfristigen Zielen der Verkehrswende. 2024 waren mehr als 18% der Berliner Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs, 5 Prozent mehr als noch 2013. Die Tendenz ist weiter steigend.<\/p>\n<p>Ob Berlin den unter Kai Wegner, Manja Schreiner und Ute Bonde eingeschlagenen Kurs in den kommenden Jahren korrigiert oder den Bedeutungsverlust des Radverkehrs weiter in Kauf nimmt, k\u00f6nnte sich im September 2026 zeigen, bei der anstehenden Abgeordnetenhauswahl.<\/p>\n<p>Offener Bruch: Bezirk Mitte k\u00fcndigt Zusammenarbeit mit Verkehrsverwaltung auf<\/p>\n<p>Dass der Kurs der Senatsverwaltung auch bei den Bezirken auf deutliches Missfallen st\u00f6\u00dft, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Bezirk Mitte. Denn das Bezirksamt Berlin-Mitte wirft der Senatsverkehrsverwaltung vor, verbindliche Zusagen f\u00fcr die Einrichtung neuer Kiezblocks gebrochen zu haben, und k\u00fcndigte vor kurzem an, die begonnenen Planungen notfalls <a href=\"https:\/\/www.entwicklungsstadt.de\/kiezblocks-in-berlin-mitte-finanzierungsstreit-zwischen-bezirk-und-senat-eskaliert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in Eigenregie abschlie\u00dfen zu wollen<\/a>.<\/p>\n<p>In Berlin-Mitte waren urspr\u00fcnglich zw\u00f6lf Kiezblocks vorgesehen. Diese sollten auf Basis eines umfassenden Beteiligungsprozesses entwickelt werden, der unter anderem Kiezspazierg\u00e4nge sowie Abstimmungen mit Polizei, Feuerwehr und den Berliner Verkehrsbetrieben umfasste, um m\u00f6gliche Vorbehalte und kritische Punkte von vornherein auszur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Trotz Planungskorrekturen wurde die in Aussicht gestellte Finanzierung laut Bezirk gestrichen<\/p>\n<p>Nachdem die\u00a0Senatsverwaltung f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt die Finanzierung Ende 2024 gestoppt hatte, reagierte der Bezirk mit weitreichenden Zugest\u00e4ndnissen. Statt zw\u00f6lf sollten zun\u00e4chst nur noch drei Kiezblocks weiterverfolgt werden.<\/p>\n<p>Zudem wurde zugesagt, auf harte Ma\u00dfnahmen wie Poller m\u00f6glichst zu verzichten und stattdessen mildere verkehrsberuhigende Instrumente zu pr\u00fcfen. Auch die Auswirkungen auf das \u00fcbergeordnete Hauptstra\u00dfennetz sollten gesondert untersucht werden.<\/p>\n<p>Trotz dieser Anpassungen, so der Bezirk, sei die urspr\u00fcnglich in Aussicht gestellte Finanzierung nicht erneuert worden. Dadurch sei bereits ein Schaden von rund 300.000 Euro entstanden, weitere beauftragte Leistungen summierten sich auf \u00fcber 100.000 Euro.<\/p>\n<p>F\u00f6rdergelder verfallen, obwohl sie abrufbar w\u00e4ren: Welche Strategie verfolgt Berlins Verkehrsverwaltung?<\/p>\n<p>Der schwelende Konflikt zwischen Senat und Bezirk Mitte ist nur eines von mehreren bekannten Beispielen, bei denen die Bezirke Sturm laufen gegen die Streichung von Geldern f\u00fcr eigentlich l\u00e4ngst vereinbarte (und langfristig vorbereitete) Verkehrsprojekte.<\/p>\n<p>Welche Strategie die Berliner Verkehrsverwaltung damit verfolgt, bleibt dabei durchaus nebul\u00f6s. Man wird jedoch das Gef\u00fchl nicht los, dass sie nicht in die richtige Richtung f\u00fchrt. Aber noch ist ja Zeit, denn das Wahljahr 2026 hat soeben erst begonnen.<\/p>\n<p>Quellen: Der Stern, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Mitte, Der Tagesspiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin tritt beim Radwegebau auf die Bremse, w\u00e4hrend andere europ\u00e4ische St\u00e4dte weiter beschleunigen. 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