{"id":689560,"date":"2026-01-03T06:54:17","date_gmt":"2026-01-03T06:54:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689560\/"},"modified":"2026-01-03T06:54:17","modified_gmt":"2026-01-03T06:54:17","slug":"nachfolge-in-fellbach-apotheker-56-gibt-seine-geschaefte-ab-und-blickt-kritisch-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689560\/","title":{"rendered":"Nachfolge in Fellbach: Apotheker (56) gibt seine Gesch\u00e4fte ab \u2013 und blickt kritisch in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Thomas von K\u00fcnsberg Sarre hat seine Apotheken erfolgreich ausgebaut und gibt sie nun weiter. Er \u00e4u\u00dfert sich zur Lage der Branche und dem deutschlandweiten Apothekensterben.<\/p>\n<p>Thomas von K\u00fcnsberg Sarre \u00fcbergibt seine<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Fellbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Fellbach<\/a>er Stadt-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Apotheke\" title=\"Apotheke\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Apotheke<\/a> sowie seine drei weiteren Apotheken nach fast zwanzig Jahren. Wir haben mit ihm \u00fcber die Nachfolge gesprochen und warum bundesweit die Zahl der Apotheken schwindet. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Herr von K\u00fcnsberg Sarre, welche Rolle haben Apotheken aus Ihrer Sicht in einer Stadt?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Apotheken stellen f\u00fcr jeden einen niederschwelligen Zugang zu verl\u00e4sslichen Informationen zu allen Gesundheitsfragen dar und sind unerl\u00e4sslich. In welchem Lebensbereich sonst hat jeder spontan und sogar in der Nacht Zugang zu einem akademisch-ausgebildeten Fachmann?<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was f\u00fchrt dazu, dass es bundesweit immer weniger Apotheken gibt?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Als ich mich 2006 selbstst\u00e4ndig machte, gab es in Deutschland fast 22.000 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Apotheke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Apotheken<\/a> in der Hand von mehr als 19.000 Apothekern. Heute gibt es nur mehr rund 17.000 Apotheken. Was aber viel dramatischer ist, ist der R\u00fcckgang der Zahl der Apotheker, die die Apotheken betreiben, n\u00e4mlich um 7000 weniger auf nur rund 12.000. Wir haben in zwanzig Jahren mehr als ein Drittel der unternehmerischen Apotheker verloren! Es gibt 7000 Apotheker weniger, die es heute wagen, als eingetragener Kaufmann ihre Apotheken selbstst\u00e4ndig zu f\u00fchren und mit ihrem Privatverm\u00f6gen f\u00fcr die G\u00fcte ihrer Arbeit zu haften. Daf\u00fcr gibt es nur einen Grund: Die gesetzliche Verg\u00fctung f\u00fcr die Arzneimittelabgabe, die seit 2004 \u2013 also vor mehr als zwanzig Jahren \u2013 nicht nennenswert erh\u00f6ht worden ist. Gleichzeitig sind Geh\u00e4lter, Mieten, Energie und allgemeine Kosten dramatisch gestiegen. Als Kompensation f\u00fcr den Ertragsverfall wurden \u201eNebelkerzen\u201c gez\u00fcndet wie \u201eirgendwelche pharmazeutische Dienstleistungen erbringen\u201c.\u00a0<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Stellen Sie sich vor, der Staat w\u00fcrde einem Tankstellenbesitzer im Jahr 2025 ausschlie\u00dflich den Benzinpreis von 2004 erlauben. Er wei\u00df, dass er damit eigentlich nicht \u00fcberleben kann und verg\u00fctet daf\u00fcr als Kompensation das Luftdruckmessen und das Wischwassernachf\u00fcllen. Das braucht der Kunde aber nicht. Stattdessen muss er weiter fahren, weil es immer weniger Tankstellen gibt. F\u00fcr die kostenlosen Zusatzleistungen muss er nun Termine vereinbaren, Formulare ausf\u00fcllen, Protokolle unterschreiben etc. Auf so einem Niveau machen \u201eGesundheitsexperten\u201c aller politischen Parteien <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gesundheitsreform\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesundheitspolitik<\/a>, blasen die B\u00fcrokratie auf, zerst\u00f6ren wohnortnahe Versorgung und schaffen keinen Nutzen f\u00fcr ihre W\u00e4hler. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.1bc7ba8d-1ae0-4f6f-ae60-515c385eb5a4.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Stadt-Apotheke in   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Fellbach\" title=\"Fellbach\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fellbach<\/a> ist zentral in der Bahnhofstra\u00dfe 52 ans\u00e4ssig.    Foto: Gottfried Stoppel    <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Welche Rolle spielen dabei eigentlich die Online-Apotheken?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Wenn sich jemand die M\u00fche macht und die Gesch\u00e4ftsberichte der Versandhandels-Apotheken liest, erkennt er, dass die gro\u00dfen Versand-Apotheken defizit\u00e4r sind. Bei Amazon ist es im \u00dcbrigen nicht viel anders. Die Versandhandelssparte von<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Amazon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Amazon<\/a> macht Milliardenums\u00e4tze und entweder keinen oder fast keinen Gewinn. Im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Handel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Handel<\/a> ist die letzte Meile zum Kunden die teuerste. In Niedriglohnl\u00e4ndern kann man die letzte Meile g\u00fcnstig organisieren, aber nicht in einem Hochpreisland wie in Deutschland. Mich erinnert die Situation an Schlecker. \u00dcber Jahrzehnte hat <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Schlecker\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlecker<\/a> mit niedrigen Preisen kleine Drogerien kaputt gemacht, die \u201eSchleckerfrauen\u201c ausgebeutet und am Ende hat der Insolvenzverwalter festgestellt, dass man nicht erfolgreich sein kann, wenn man unterm Einkaufspreis verkauft. Resultat ist, dass es halt keine kleinen Drogerien in jeder kleineren Stadt mehr gibt. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was macht das Besondere einer station\u00e4ren Apotheke aus?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Ich kann nicht allgemein f\u00fcr die station\u00e4re Apotheke sprechen. Das Besondere unserer Apotheken ist, die besten Mitarbeiter an uns zu binden. Wir brauchen die besten Mitarbeiter mit Probleml\u00f6sungskompetenz und mit der Bereitschaft, Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln zu \u00fcbernehmen. Wenn es einen Fachkr\u00e4ftemangel gibt, dann geben wir ausl\u00e4ndischen Mitarbeitern eine Perspektive. Wir kaufen m\u00f6glichst regional ein und versuchen, den Handel beziehungsweise die Vereine vor Ort zu st\u00e4rken. Wenn es Lieferengp\u00e4sse gibt \u2013 dann agieren wir \u00fcberregional und nutzen die Digitalisierung. Dann importieren wir lebensnotwendige Antibiotikas\u00e4fte aus Polen oder Coronatests aus China. Wir denken an die Umwelt und verwenden nur \u00d6kostrom \u2013 sowohl f\u00fcr den Betrieb der Apotheken als auch f\u00fcr die Botenfahrzeuge. Jede Bestellung bis 13 Uhr wird innerhalb von vier Kilometern am gleichen Tag ausgeliefert. Mit den Elektro-Botenfahrzeugen sind wir schneller und umweltfreundlicher als jeder Versandhandel.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Welche Gr\u00fcnde haben dazu gef\u00fchrt, dass Sie die Apotheke abgeben?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Ich betrachte es als gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass ich in knapp zwanzig Jahren aus der Stadt-Apotheke Fellbach mit drei Mitarbeitern eine Apothekengruppe bestehend aus vier Apotheken \u2013 Fellbach, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Backnang\" title=\"Backnang\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Backnang<\/a>, Kirchheim, N\u00fcrtingen \u2013 und einem Spezialversand mit 72 Mitarbeitern aufbauen durfte. Wir konzentrieren uns auf den sekund\u00e4ren Gesundheitsmarkt und sind damit ein St\u00fcck weit von den Rezepten mit der miserablen Verg\u00fctung unabh\u00e4ngig. Wirtschaftlich betrachtet macht es f\u00fcr mich keinen Sinn, dass ich verkaufe. Aber ich habe ja noch ein Leben neben den Apotheken. Parallel dazu habe ich vor zehn Jahren einen Herstellungsbetrieb gegr\u00fcndet und mich vergangenes Jahr an einem spannenden Start-up beteiligt. <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Dar\u00fcber hinaus bin ich an weiteren Firmen in der Pharmabranche beteiligt und gestalte bei der einen oder anderen als Beiratsmitglied mit. Ich habe die QP-Qualifikation und werde immer wieder angefragt, bei der Organisation von Herstellprozessen beratend zu unterst\u00fctzen. Das alles habe ich bislang abgelehnt oder nur so nebenbei gemacht, weil mein Fokus stets die Apotheken waren. Vergangenes Jahr kam ein Apotheker-Ehepaar auf mich zu, das seit vielen Jahren f\u00fcr mich arbeitet und einen erheblichen Anteil unseres Erfolgs verantwortet. Es teilte mir mit, dass sie sich selbstst\u00e4ndig machen wollen. Ich dachte mir, dass die beiden die idealen Nachfolger seien \u2013 auch wenn es eigentlich ein wenig zu fr\u00fch f\u00fcr mich ist. Nachdem man als Apotheker in Deutschland nicht mehr als vier Apotheken betreiben darf, hatte ich das Gef\u00fchl, dass meine Mission erf\u00fcllt sei und ich zu neuen Ufern aufbrechen darf. Darauf freue ich mich mit meinen 56 Jahren wie ein Uniabsolvent, der gerade ins Berufsleben startet. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wann \u00fcbergeben Sie die Apotheke in Fellbach und die drei weiteren?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Der Kaufvertrag wurde im Oktober 2024 unterschrieben, die Mitarbeiter wurden im November 2024 informiert. Familie Raichle und ich haben das Jahr 2025 als \u00dcbergangsjahr gestaltet. Damit ich mich von meinen gesch\u00e4tzten Mitarbeitern und Kunden entw\u00f6hnen kann und damit Familie Raichle in ihre neuen Rollen als \u201eChefs\u201c wachsen k\u00f6nnen. Am 31. Dezember ist Schluss f\u00fcr mich. Tobias Raichle hat ein paar spannende Ideen entwickelt und wird die Apothekengruppe weiterhin innovativ halten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Thomas von K\u00fcnsberg Sarre hat seine Apotheken erfolgreich ausgebaut und gibt sie nun weiter. 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