{"id":689709,"date":"2026-01-03T08:19:11","date_gmt":"2026-01-03T08:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689709\/"},"modified":"2026-01-03T08:19:11","modified_gmt":"2026-01-03T08:19:11","slug":"messegesellschaften-naechstes-jahr-sechs-premieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689709\/","title":{"rendered":"Messegesellschaften: \u201eN\u00e4chstes Jahr? Sechs Premieren!\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Zum Interview empf\u00e4ngt Gerald B\u00f6se im 12. Stock des Messehochhauses in K\u00f6ln-Deutz. Auf einer Fensterablage sind Bilder des Managers zusammen mit Sprint-Legende Usain Bolt, Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel, Papst Franziskus und Offizieren der Bundeswehr zu sehen.  Der Bilderbogen gibt einen Eindruck davon, wie die Koelnmesse sich selbst sieht \u2013 als internationaler Player.<\/p>\n<p><b>Welt am Sonntag<\/b>: Herr B\u00f6se, wie ist das Jahr 2025 gesch\u00e4ftlich f\u00fcr die Koelnmesse gelaufen, was erwarten Sie f\u00fcr 2026?<\/p>\n<p><b>Gerald B\u00f6se<\/b>: \u00a0Das Jahr 2025 kann an die guten Vorjahre ankn\u00fcpfen. Wir erwarten einen Umsatz, der noch einmal h\u00f6her liegt als in unserem Rekordjahr 2023. Wir rechnen mit einem Umsatz von etwa 450 Millionen Euro und mit einem Ergebnis, das das Rekordjahr 2023 auch noch einmal \u00fcbertrifft.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Ihre Zahlen h\u00e4nge ja auch immer vom Messezyklus ab, manche Jahre sind st\u00e4rker, manche schw\u00e4cher aufgrund von Messen, die nicht j\u00e4hrlich stattfinden.<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ja, wir hatten diesmal wieder die M\u00f6belzuliefermesse Interzum, die Nahrungsmittel-Schau Anuga, die bislang gr\u00f6\u00dfte Messe in der Geschichte dieses Unternehmens mit \u00fcber 8300 Ausstellern aus 110 L\u00e4ndern. Und nat\u00fcrlich die Spielemesse Gamescom, die wieder neue Bestmarke gesetzt hat.<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Aber sicherlich haben Sie auch die allgemeine wirtschaftliche Flaute zu sp\u00fcren bekommen, oder etwa nicht?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Vor allem bei den Konsumg\u00fcter-Themen sp\u00fcren wir das nat\u00fcrlich auch, etwa im M\u00f6belbereich. Im Oktober gab es ja erstmals die Interior Design Days Cologne au\u00dferhalb der Messehallen f\u00fcr das design-affine Publikum, in zentralen Locations in der Stadt. Und das kam auch gut an, 2026 werden wir diese Messe im Rahmen der B\u00fcrom\u00f6bel-Messe Orgatec auf dem Messegel\u00e4nde fortsetzen.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Die Internationale M\u00f6belmesse IMM wurde aufgeteilt, nachdem die IMM im Januar \u00fcberraschend ausgefallen war.<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ja, das war ein schwieriger Prozess. Im Januar 2026 wird die IMM als reine Fachmesse f\u00fcr den eher konsumigen Markt wieder bei uns stattfinden. Dort werden auch gro\u00dfe asiatische Hersteller teilnehmen, die derzeit mit Macht auf den europ\u00e4ischen Markt dr\u00e4ngen. Zumal es f\u00fcr diese Hersteller derzeit in den USA wegen der Z\u00f6lle nicht so einfach ist. <\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Stichwort Asien: Das ist ja auch ein Markt, auf dem sich die Koelnmesse zunehmend engagiert.\u00a0<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ja, und nicht nur dort. Im Jahr vor der Corona-Pandemie hatten wir 25 Auslandsmessen, 2025 waren es schon 39. Und n\u00e4chstes Jahr feiern wir noch einmal sechs Premieren, zwei in Neu-Delhi und eine in Jakarta. \u00a0Aber eben auch in Chicago, in Bergamo und auf Mallorca finden Koelnmesse-Premieren statt. In Indien, S\u00fcdostasien, im Mittleren Osten und auch in S\u00fcdamerika sehen wir viel Dynamik. Und deshalb m\u00fcssen wir auch da unsere Chancen nutzen, auch mit Partnern wie dmg Events von der Daily Mail Group aus London, die in Middle East\/im arabischen Raum sehr stark vertreten ist. Da sind wir mittlerweile in Riad und Dubai mit vier Messen pr\u00e4sent, etwa Ablegern unserer Eisenwaren-Messe, der Orgatec, der FSB Sport Show und der ISM Middle East. Es kommt noch eine f\u00fcnfte Messe in Riad dazu, eine Dentalmesse. \u00a0Wir sind dabei, Tochtergesellschaften in Dubai, Riad und Indonesien zu gr\u00fcnden.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Hilft das auch Firmen aus NRW?\u00a0<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: F\u00fcr Mittelst\u00e4ndler ist es ganz entscheidend, \u00fcber die Koelnmesse Zugang zu den Wachstumsm\u00e4rkten im Ausland zu bekommen. \u00a0Durch die neuen Handelsbl\u00f6cke entstehen intraregionale Hubs, die auch der Messewirtschaft weltweit neue Impulse geben. Hiesige Unternehmen bauen ihre Pr\u00e4senz auf den deutschen Messem\u00e4rkten derzeit nicht aus, sondern setzen verst\u00e4rkt auf neue, dynamische M\u00e4rkte.<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: In Asien und Nahost entstehen ja vielerorts neue Messegel\u00e4nde.\u00a0<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ja, zum Beispiel in Vietnam und Indien wachsen moderne Messegel\u00e4nde. Aber auch in Dubai und S\u00e3o Paulo sind in den vergangenen Jahren gro\u00dfe neue Messezentren entstanden. Und damit diese Pl\u00e4tze nicht von weltweit agierenden Messeriesen aus den USA und Gro\u00dfbritannien besetzt werden, expandieren wir dort auch, um mit unseren K\u00f6lner Erfolgsmessen zu punkten. \u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Und in Europa tut sich gar nichts mehr?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Doch, da wachsen wir \u2013 auch mithilfe von Allianzen. Etwa in Italien und Spanien, unter anderem im Foodbereich. Da sind wir an den Messepl\u00e4tzen in Parma, Bergamo und Mailand pr\u00e4sent. In Spanien starten wir 2026 mit der Art Cologne in Palma und einer Anuga Select 2027 in Madrid\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Die Kunstmesse Art Cologne geht nach Mallorca, wie kam es denn dazu?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Das ist ein kleines, aber feines Projekt. Wir wurden von der Regierung und dem Galeristenverband der Balearen dazu eingeladen, denn Palma de Mallorca m\u00f6chte 2031 europ\u00e4ische Kulturhauptstadt werden und dazu auch die Kunstszene f\u00f6rdern. Und dazu ist die Art Cologne als \u00e4lteste Kunstmesse der Welt der richtige Partner. Zumal sich K\u00f6ln \u00fcber viele Jahre ja auch als Br\u00fccke zwischen der US-Kunstszene und der Europas etabliert hat. Nach Palma de Mallorca gibt es mittlerweile auch direkte Linienfl\u00fcge aus den USA, sowie eine internationale Galeristen- und Sammlerszene. \u00a0Und Palma hat mittlerweile auch ein Veranstaltungszentrum direkt am Meer, mit angeschlossenem Hotel der Melia-Gruppe. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Aber in K\u00f6ln wird offensichtlich auch noch investiert, Sie haben ja im Vorjahr Ihr neues Kongresszentrum Confex eingeweiht. Wie wird das angenommen?\u00a0<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Wir investieren am Standort K\u00f6ln eine Milliarde Euro bis 2040. \u00a0Unser neues Confex macht sich schon jetzt bezahlt: Wir haben damit neue Veranstaltungstypen nach K\u00f6ln bekommen, die bislang um den Westen der Republik insgesamt eher einen Bogen gemacht haben, weil es hier keine entsprechende Infrastruktur gab.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Was sind das denn f\u00fcr Events?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Etwa medizinische Kongresse, die fr\u00fcher eher in Berlin, sowie in Nord- und S\u00fcddeutschland stattfanden. Und mit dem Bahnhof K\u00f6ln Messe\/Deutz sind wir optimal erreichbar. Die Notfallmediziner etwa hatten fr\u00fcher meist 1500 Teilnehmer auf ihren Kongressen, in K\u00f6ln aber 3000. Sie haben sich deshalb entschlossen, in K\u00f6ln und im Confex zu bleiben. Und bei anderen Sparten wie der Onkologie sieht es \u00e4hnlich aus. Die hatten sogar zus\u00e4tzlich zum Confex die neue Halle 1 f\u00fcr die Aussteller angemietet. Uns liegen Buchungen und Terminreservierungen bis ins Jahr 2032 vor, auch f\u00fcr gro\u00dfe Firmenveranstaltungen. So hat etwa die Zurich-Versicherung bei uns ihr 150. Firmenjubil\u00e4um gefeiert.  <\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Wir sitzen hier im alten, denkmalgesch\u00fctzten Messehochhaus, Sie planen aber eine neue Unternehmenszentrale. <\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ja, denn unser Mietvertrag hier l\u00e4uft 2033 aus und ein Neubau auf dem Messegel\u00e4nde ist langfristig die wirtschaftlichste L\u00f6sung. Wo jetzt unsere \u00e4lteste Halle 3 steht, soll deshalb ein neuer Multifunktionsbau entstehen. Neben B\u00fcror\u00e4umen f\u00fcr unsere Mitarbeiter wird es im Erdgeschoss unter anderem einen Service-Bereich mit G\u00e4steclub, Pressezentrum, Food Court und Sicherheitszentrale geben. Vor allem wird das neue Geb\u00e4ude die Eingangssituation im s\u00fcdlichen Bereich noch einmal verbessern.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Wieso ist das notwendig?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Wenn man vom ICE-Bahnhof kommt, wird dieses Geb\u00e4ude den Haupteingang S\u00fcd bei gro\u00dfen Messen wie Gamescom, der Fitness-Messe FIBO und der Anuga entlasten und deutlich zur Aufenthaltsqualit\u00e4t unserer G\u00e4ste beitragen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 190 Millionen Euro. Der Baubeginn soll nach der Anuga 2027 losgehen, der voraussichtliche Einzug wird im Jahr 2033 stattfinden. Und dann endet eben auch der Mietvertrag hier im Messehochhaus, das mittlerweile sehr sanierungsbed\u00fcrftig ist.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Die Eigent\u00fcmer der Messe, die Stadt K\u00f6ln und das Land NRW investieren also auch weiterhin ausreichend in den hiesigen Standort?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: \u00a0Sie geben uns die unternehmerische Freiheit, aus eigener Kraft die Zukunftsinvestitionen zu t\u00e4tigen. Daf\u00fcr verzichten sie auf direkte Dividendenzahlungen. Speziell die Investitionen in Nachhaltigkeit sind dabei ein Schwerpunkt. Beim Strom sind wir schon zu 100 Prozent beim \u00d6kostrom. Wir stellen nun die gesamte W\u00e4rme- und K\u00e4lteversorgung um. Dazu haben wir E.on und die Rheinenergie als Partner mit ins Boot geholt. Ab 2028 k\u00f6nnen wir die Energieversorgung des Gel\u00e4ndes mithilfe von W\u00e4rmepumpen und Geothermie klimaneutral gestalten. Auf unserer Halle 11 haben wir ja bereits die gr\u00f6\u00dfte innerst\u00e4dtische Solaranlage K\u00f6lns. Wir haben also auch schon einiges getan, gem\u00e4\u00df unseres Masterplanes Energie von 2015. Insgesamt sind Investitionen von etwa einer Milliarde Euro von den Eigent\u00fcmern bewilligt worden. \u00a0Und etwa die H\u00e4lfte des Geldes haben wir bereits verbaut, um die Koelnmesse zukunftsf\u00e4hig aufzustellen. \u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Noch mal zur\u00fcck ins Ausland: Auf der Expo 2025 in Japan hat die Koelnmesse im Auftrag der Bundesregierung das Deutsche Haus betreut. Wie ist die Weltausstellung gelaufen, wie ist das finanzielle Fazit f\u00fcr die Messe, bewerben Sie sich auch schon f\u00fcr die n\u00e4chste gro\u00dfe Expo 2030 in Riad?\u00a0<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Die Expo in Osaka ist sehr erfolgreich gelaufen, mit mehr als drei Millionen Besuchern im deutschen Pavillon, da war immer richtig was los. Zu Gast waren auch viele prominente Besucher, etwa Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier, K\u00f6nige und K\u00f6niginnen sowie zahlreiche Wirtschaftsvertreter. Deutschland hat mit seinem Auftritt mehrere Auszeichnungen gewonnen und war ein Magnet f\u00fcr die Besucher.<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Aber wurde unterm Strich auch Geld verdient?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Das Sch\u00f6ne war, dass die Koelnmesse dort sechs Monate lang vor der Welt\u00f6ffentlichkeit ihre Professionalit\u00e4t bei Gro\u00dfevents unter Beweis stellen konnte. Finanziell sieht es so aus, dass kein finanzieller Verlust f\u00fcr die Koelnmesse entsteht. Nun m\u00fcssen wir sehen, wie die Ausschreibungsmodalit\u00e4ten f\u00fcr Riad werden. Wir konzentrieren uns weiter auf die Weltausstellungen, weil da unser Know-how liegt.\u00a0<\/p>\n<p><b>WamS<\/b>: Sie sind als Reserveoffizier mittlerweile wieder bei der Bundeswehr engagiert. Dort gibt es f\u00fcr Reservisten eine Altersgrenze von 65 Jahren. Wie sieht das bei der Koelnmesse aus?<\/p>\n<p><b>B\u00f6se<\/b>: Ich bin 63 und mein Vertrag l\u00e4uft bis Ende 2028. Die Arbeit hier macht mir gro\u00dfe Freude und ich habe einiges vor. Ob und wie es dann weitergeht, wird man ab 2027 mit dem Aufsichtsrat unter Vorsitz des Oberb\u00fcrgermeisters Torsten Burmester besprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum Interview empf\u00e4ngt Gerald B\u00f6se im 12. Stock des Messehochhauses in K\u00f6ln-Deutz. 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