{"id":689868,"date":"2026-01-03T09:50:27","date_gmt":"2026-01-03T09:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689868\/"},"modified":"2026-01-03T09:50:27","modified_gmt":"2026-01-03T09:50:27","slug":"britz-spandau-westend-wo-berlin-neuerdings-cool-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/689868\/","title":{"rendered":"Britz, Spandau, Westend \u2013 wo Berlin neuerdings cool ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAGen tspAGeo\">Freitagmittag macht es sich der junge Mann mit dem Undercut, der sich Benji nennt, auf einem der Ledersitze im oberen Stock bequem. Von den Decken h\u00e4ngen Vogelk\u00e4fige und wunderlich viele Diskokugeln. Benji ist jetzt seit elf Stunden in der Wilden Renate, sagt er, meistens unten im Erdgeschoss, wo der Dancefloor noch d\u00fcsterer ist und die B\u00e4sse noch durchdringender wummern.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Eigentlich war das hier als <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/club-in-berlin-friedrichshain-fangt-neu-an-die-wilde-renate-bleibt--schliesst-nach-silvester-aber-erst-einmal-15065501.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abschiedsparty <\/a>geplant. Nach 18 Jahren w\u00fcrde der Club an der Elsenbr\u00fccke schlie\u00dfen m\u00fcssen, hie\u00df es. Angeblich werde der Mietvertrag nicht verl\u00e4ngert. Die Renate drohte das n\u00e4chste Opfer im langsamen Verschwinden der Berliner Clublandschaft zu werden.<\/p>\n<p>Bezirke-Newsletter: Friedrichshain-Kreuzberg<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/icon-friedrichshain-kreuzberg.png\" alt=\"\" class=\"tspAPem\"\/><\/p>\n<p class=\"tspAPgw\"> Mehr Neuigkeiten zum Bezirk gibt es in unserem Newsletter \u2014 jede Woche per E-Mail. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Also wollte man sich Silvester mit einer Party verabschieden, die in Erinnerung bleibt. Und zwar 86 Stunden lang. Es sollte ein letzter langer Rausch werden, und da wollte Undercut-Benji unbedingt mit von der Partie sein. Er hatte sich damals ge\u00e4rgert, als Ende 2024 das Watergate schloss und er nicht in Berlin war. Weil sich die Betreiber der Wilden Renate nun doch noch mit dem Eigent\u00fcmer des Grundst\u00fccks einigten, hei\u00dft die Marathonparty jetzt nicht mehr \u201eFinal Round\u201c, sondern \u201eIt\u2019s not over\u201c. Ein Mann kommt vorbei, er sucht seine Sonnenbrille.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-club-wilde-renate-in-berlin-aussenbereich.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15096796\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Die Renate steht f\u00fcr das Berlin der letzten zwei Jahrzehnte: f\u00fcr improvisierte Freir\u00e4ume, f\u00fcr Orte, die nie schick sein wollten, sondern offen.\u00a0 <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 IMAGO\/Berlinfoto <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Die Renate in Friedrichshain ist ein Paradebeispiel f\u00fcr die Berliner Clubszene im Jahr 2026. Vor allem wegen des auslaufenden Mietvertrags von Verdr\u00e4ngung bedroht, h\u00e4lt der Club sich dennoch seit Jahren \u2013 und erfindet sich immer wieder neu. Vieles, was lange funktionierte, klappt seit der Pandemie nicht mehr. Probleme, die vor\u00fcbergehend erschienen, haben sich zementiert. Gleichzeitig entsteht Neues. Wo steht die Berliner Clubszene heute? Wir sind auf der Suche nach Antworten durch Clubs in ganz Berlin gezogen. <\/p>\n<p> \u201eIt\u2019s not over\u201c <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Die Wilde Renate steht f\u00fcr ausschweifenden Hedonismus. F\u00fcr Lebensbejahung. Daf\u00fcr, sich im Moment zu verlieren, umgeben von Menschen in unterschiedlichen Kosmen und Aggregatzust\u00e4nden. Die Renate ist ein unsaniertes, unansehnliches Berliner Mietshaus mit grauer Fassade. Die Dancefloors sind \u00fcber verschiedene Treppenaufg\u00e4nge erreichbar, ein verwinkeltes Labyrinth f\u00fcr Erwachsene.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Im Erdgeschoss h\u00e4ngt ein wei\u00dfer Zettel, auf dem steht, wann welcher DJ auflegt und wo. Morgen, also am Samstag, dem 3. Januar, spielt um 19 Uhr Gelbes Pep aus D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Die Renate steht f\u00fcr das Berlin der letzten zwei Jahrzehnte: f\u00fcr improvisierte Freir\u00e4ume, f\u00fcr Orte, die nie schick sein wollten, sondern offen. F\u00fcr ein Nachtleben, das nicht nur auf Rendite aus war. Dass ausgerechnet solche Orte immer wieder um ihre Existenz k\u00e4mpfen m\u00fcssen, erz\u00e4hlt viel \u00fcber eine Stadt, in der Boden und Mietpreise steigen, Aufwertung Zwischennutzungen beendet und Kreative in die Peripherie dr\u00e4ngt. Eine Stadt,<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/ware-unwiederbringlich-verloren-wird-die-berliner-kulturbrauerei-kaputtgespart-14832728.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> in der Kultur zunehmend erkl\u00e4ren muss, warum sie bleiben darf<\/a>.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Am Eingang der Renate werden, wie bei allen guten Berliner Clubs, die Kameras der Smartphones abgeklebt. Nicht, weil hier st\u00e4ndig wilde Dinge passieren. Sondern um Menschen \u00fcberhaupt erst den Raum zu geben, so zu sein, wie sie sind \u2013 oder in diesem Moment sein m\u00f6chten. Der Club als Safe Space.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-berlin-deutschland-06-07-2025-friedrichshain-protest-gegen-ein-geplantes-hotel-auf-dem-techn.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15096794\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Direkt neben dem about blank am Ostkreuz wurde im Sommer 2025 ein Hotelneubau mit 240 Betten genehmigt. Im Bezirk Friedrichshain gibt es Widerstand gegen den Plan. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 IMAGO\/dts Nachrichtenagentur <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">In der Wilden Renate trifft man keine aggressiven Menschen, sagt Benji.\u00a0Keine Macker. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass niemand betrunken ist. Weil Alkohol von allen Drogen, die in Clubs wie diesem konsumiert werden, den dumpfesten Rausch verspricht. Unangenehmer als Betrunkene seien eigentlich nur Kokser, sagt Benji. Wer in der Wilden Renate auf dem Dancefloor aus Versehen einem anderen Gast auf die F\u00fc\u00dfe tritt, hat gute Chancen, dass der Getretene sich entschuldigt.<\/p>\n<p> Partytourismus <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Der Mythos von Berlin als <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/zug-der-liebe-zieht-durch-berlin-tausende-tanzen-bei-techno-parade--stau-auf-den-nebenstrassen-14251046.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Technostadt<\/a> ist eng verkn\u00fcpft mit Tourismus. Gerade die gro\u00dfen Namen, Berghain und Tresor, und auch die Renate, leben zu einem gro\u00dfen Teil von Touristen. In einer Freitagnacht vor dem Tresor, der als Touri-Club bekannt ist, l\u00e4sst sich das beobachten. Gegen 1.30 Uhr ist die Schlange mal 20 Meter lang, mal f\u00fcnf. K\u00fcrzer wird sie nicht.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Drei Griechen Anfang 20 wurden gerade abgewiesen. Sie sind f\u00fcr ein paar Tage in Berlin, erz\u00e4hlen sie auf Nachfrage, nicht nur zum Feiern. Sie haben Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die T\u00fcrpolitik. \u201eIch denke mal, sie haben einen Grund\u201c, sagt einer von ihnen. Welchen, das wissen sie allerdings nicht. Um die Ecke ist das <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/heute-geht-mama-in-den-kitkat-club-ich-habe-zwei-kinder-lebe-getrennt--und-mein-ausgleich-sind-kinky-partys-14714657.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kitkat<\/a>, ebenfalls international bekannt, vor allem f\u00fcr seine ausschweifenden Sexpartys, sie wollen es jetzt dort probieren. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-schange-vor-dem-club-tresor-berlin-berlin-deutschland-queue-in-front-of-the-club-tresor-berl.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15096938\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Mal ist die Schlange vor dem Tresor f\u00fcnf Meter lang, mal zwanzig. K\u00fcrzer wird sie so gut wie nie. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 imago images\/F. Anthea Schaap <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Auch vor dem Club: eine Gruppe Wiener im Millennial-Alter, sie wohnen in Berlin. Ein 19-j\u00e4hriger Australier. Zwei hippe Amerikaner mit einem irischen Freund. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Halb auf dem B\u00fcrgersteig, halb auf der Stra\u00dfe liegt ein bewusstloser junger Mann. Neben ihm sitzt eine junge Frau, Noa, 20 Jahre alt. Sie hat den Freund in die stabile Seitenlage gebracht, zwei weitere Freunde holen gerade Wasser am Sp\u00e4ti. \u201eEverything okay\u201c, beruhigt Noa mehrfach besorgt dreinschauende Passanten. Auch sie wurden gerade am Tresor abgewiesen. Die Gruppe ist laut, sie kommt aus Barcelona. \u201eWir waren noch nie in Berlin und die Fl\u00fcge waren billig, 50, 60 Euro.\u201c Sie wollen in Berlin Techno feiern gehen, sagt Noa. \u201eWir wollten eigentlich ins Berghain, aber wenn wir schon hier abgewiesen wurden, wei\u00df ich nicht, ob wir es dort schaffen.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/img-1611.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15095086\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Vor dem Tresor ist die alte Tresort\u00fcr von der urspr\u00fcnglichen Location aufgestellt. Der Club befand sich ab seiner Gr\u00fcndung 1991 im Tresorraum des ehemaligen Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Stra\u00dfe. Seit 2007 liegt er in der K\u00f6penicker Stra\u00dfe. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 Cristina Plett <\/p>\n<p> Club und Community  <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Damit wirkt die Gruppe wie ein Klischee aus einer anderen Zeit: der des Easyjetsets. Der Journalist Tobias Rapp beschrieb das Ph\u00e4nomen 2009 in seinem Buch \u201eLost and Sound\u201c. \u201eJedes Wochenende bev\u00f6lkern junge Leute aus ganz Europa ein paar Kilometer am Berliner Spreeufer; sie kommen mit Billigfliegern.\u201c Das war damals. Wie ist es heute? Die Billigflieger sind nicht mehr so billig, Berlins Tourismus stagniert. Die absoluten G\u00e4stezahlen haben das Pr\u00e4-Pandemie-Niveau von 13,9 Millionen G\u00e4sten nicht wieder erreicht. 2024 kamen immerhin wieder 12,7 Millionen G\u00e4ste, doch f\u00fcr 2025 zeichnet sich ab, dass es wieder weniger sein werden. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Das sp\u00fcren die Clubs. \u201eDas Nachtleben lebt viel vom <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-wirtschaft\/muss-sich-berlin-neu-erfinden-herr-kieker-wir-sind-nicht-mehr-das-new-kid-on-the-block-13867378.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tourismus<\/a>, da macht sich das auf jeden Fall bemerkbar\u201c, sagt Emiko Gejic, die Sprecherin der Clubcommission, der Interessenvertretung der Berliner Clubs. Dazu kommt: Im Vergleich zu vor der Pandemie klagen viele Clubs \u00fcber weniger Besucher. Gejic von der Clubcommission habe das von vielen Clubbetreibenden geh\u00f6rt, aber: \u201eEs ist sehr unterschiedlich, je nach Veranstaltung, Club und Community.\u201c\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-12-12-2022-berlin-ger-stadtansicht-aus-dem-edge-tower-an-der-warschauer-brucke-im-bild-der-t.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15096910\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Das Berghain steht f\u00fcr das Berliner Clubleben wie kein anderer Club, unver\u00e4ndert ein Magnet f\u00fcr Touristen und Einheimische. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 imago\/Marius Schwarz <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Das Stichwort Community und damit Veranstaltungskollektive sind seit der Pandemie deutlich wichtiger geworden: Partyreihen, die sich einen Namen gemacht haben, ihre DJs und ihr Publikum mitbringen. Die Promo f\u00fcr die Party \u00fcbernehmen sie in den meisten F\u00e4llen auch. Statt selbst das Musikprogramm DJ f\u00fcr DJ zusammenzustellen, setzen viele Clubs daher auf Kollektive. Weil diese oft aus mehreren Menschen bestehen, die das ehrenamtlich machen, reduziert das ein St\u00fcck weit den finanziellen Druck. Die Kehrseite liegt auf der Hand: Das kann mit Selbstausbeutung einhergehen.<\/p>\n<p> Ab in die Randbezirke  <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">W\u00e4hrend mit dem Watergate und dem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/legendarer-berliner-queer-club-schwuz-muss-nach-fast-50-jahren-schliessen-14646035.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SchwuZ<\/a> im vergangenen Jahr zwei gro\u00dfe, etablierte Clubs schlie\u00dfen mussten, ist an den R\u00e4ndern der Stadt Neues entstanden. Ende November erfreute sich ganz Berlin und auch die \u00fcberregionale Presse daran, dass im Westen der Stadt zwei neue Clubs er\u00f6ffneten: der AM Club in Spandau und das C115 auf der ehemaligen Avus-Trib\u00fcne im Westend. Was aus beiden wird, bleibt abzuwarten. In Spandau fanden erst zwei Partys statt. Das C115 m\u00f6chte der Betreiber nicht im Dauerbetrieb als Club nutzen, sondern auch als Eventlocation. Businesslunch, Dinnerpartys oder Filmscreenings seien m\u00f6glich, sagte er <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neuer-Club-in-Berlin\/%216134266\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">der \u201etaz\u201c<\/a>. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-avus-tribune-westend-charlottenburg-berlin-deutschland-avus-tribune-westend-charlottenburg-b.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15097000\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Neuerdings befindet sich auf der Trib\u00fcne der Stadtautobahn Avus, ehemals eine Rennstrecke, der Club C115. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 imago\/Sch\u00f6ning <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Es ist eine Mischung, die man angesichts steigender Kosten \u2013 Mieten, Energie, DJ-Gagen, Personal \u2013 immer h\u00e4ufiger antrifft. Die Eventlocation Coco Boule etwa, Anfang 2025 in zentraler Lage am Moritzplatz er\u00f6ffnet, veranstaltet manchmal Technopartys, aber auch die Weihnachtsfeier von Netflix fand dort statt. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Gerade Clubs mit einem gro\u00dfen Au\u00dfenbereich, wie dem Yaam oder dem about blank, setzt auch noch die Grundsteuerreform zu. Die gilt seit einem Jahr: Wenn Kulturorte oder Gewerbe in einer Gegend liegen, in der sonst \u00fcberwiegend Wohnungen stehen, wird die Fl\u00e4che hoch besteuert. Grundsteuer wird f\u00fcr das verlangt, was finanziell aus der Fl\u00e4che herauszuholen w\u00e4re\u00a0\u2013 egal, wie sie gerade tats\u00e4chlich genutzt wird. Die Mehrkosten sind teilweise so hoch, dass sie laut der Clubcommission f\u00fcr einige Standorte das Aus bedeuten k\u00f6nnten. Das Yaam etwa m\u00fcsse \u00fcber 1300 Prozent mehr zahlen, sagte Marcel Weber, Vorsitzender der Clubcommission, dem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/clubs-und-biergarten-vor-existenzvernichtung-die-grundsteuerreform-droht-das-berliner-stadtbild-zu-verandern-15001940.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesspiegel im Dezember<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Durch die Bank weg sind die Eintrittspreise gestiegen, 25 bis 30 Euro zahlt man heute in den gro\u00dfen Clubs von Berghain bis RSO. Doch es gibt Kollektive und Gruppierungen, die der Kostenspirale etwas entgegensetzen wollen. Daf\u00fcr muss man an den Stadtrand fahren, wo es noch Platz und erschwingliche Mieten gibt. Dort findet man ihn: einen Do-it-yourself-Spirit, 15 Euro Eintritt und Bier f\u00fcr 3 Euro. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/klub016-berlin-kultur-clubs-tresor-die-technodiskothek-tresor-in-der-leipziger-stra-e-im-berliner-be.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15097390\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Eine Nacht im Tresor in den 1990ern. Damals war es dort billig, heute kostet allein der Eintritt 25 Euro. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 imago\/Christian Ditsch <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Eine Party im S\u00fcden Berlins.\u00a0Das B\u00fcrogeb\u00e4ude aus den Siebzigerjahren betritt man \u00fcber den Hinterhof. Vorne ein M\u00f6bel-Laden. Im Obergeschoss des Seitenfl\u00fcgels ein gro\u00dfer, zum Club umgebauter Raum. Die selbst gebaute Anlage hat Wumms. Seit dem vergangenen Sommer wird der Ort bespielt, erz\u00e4hlt der Mann an der Garderobe. \u201eIhr habt noch nicht viel verpasst\u201c, das sei hier gerade noch am Beginnen, gibt er uns verschw\u00f6rerisch mit auf den Heimweg. Die Party wird noch bis 12 Uhr mittags laufen. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Oder einige Kilometer weiter \u00f6stlich, wenige Wochen sp\u00e4ter, in Britz. Um 1 Uhr nachts sitzen an einem Samstagabend noch Leute im \u201eZum Netzroller\u201c, dem Lokal eines Tennisclubs. Gegen\u00fcber leuchtet ein blaues Schild, darauf steht in gelber Schrift \u201eBlue Velvet \u2013 Party-Insel der reiferen Jugend\u201c. Das Geb\u00e4ude mutet wie das Gemeinschaftshaus eines Schrebergartenvereins an. Hier sei mal ein Swingerclub gewesen, erz\u00e4hlt Julian Martin,<strong> <\/strong>Mitglied des gemeinn\u00fctzigen Vereins, der das Blue Velvet betreibt, am Telefon. \u201eHeute ist es ein DIY-Space und Clubraum.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/blue-velvet-credit-cristina-plett.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15093743\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Das Blue Velvet befindet sich in Britz gegen\u00fcber von einem Tennisclub. Auf dem Schild steht: \u201eBlue Velvet \u2013 Party-Insel der reiferen Jugend\u201c. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 Cristina Plett <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Drinnen gibt es auch hier eine sehr gute Anlage, dazu ein professionelles Lichtkonzept. Und trotzdem einen barackigen Charme, abgewetzte Sofas und Sekt f\u00fcr f\u00fcnf Euro Spendenempfehlung. Zwei bis drei Mal im Monat finden hier Partys statt, im Rest des Geb\u00e4udes sind Probenr\u00e4ume und Ateliers. Der Garten ist 1600 Quadratmeter gro\u00df, im Sommer steigen dort Open Airs. <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Die Gruppe um das Blue Velvet hatte urspr\u00fcnglich einen Probenraum und Community Space an der Karl-Marx-Stra\u00dfe. Dort mussten sie raus. Dann bekamen sie vom Bezirk die Aussicht auf diesen Ort am <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-wirtschaft\/altes-blub-gelande-wird-bebaut-860-neue-mietwohnungen-in-britz-11859590.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Britzer Garten<\/a>, wie<strong> <\/strong>Martin erz\u00e4hlt. 2023 er\u00f6ffneten sie im \u201esoft opening\u201c. \u201eIch merke, dass es vonseiten der Stadt ein Wohlwollen gibt, dass so etwas passiert, dass man so was ins Leben rufen kann.\u201c Der Bezirk und der Kultursenat h\u00e4tten ihnen nun einen Erbbaurechtsvertrag \u00fcber 60 Jahre angeboten. Bevor das Blue Velvet einzog, stand das Geb\u00e4ude lange leer. Nun sind hier Menschen, die den Ort instand setzen und weiterentwickeln wollen, so sieht es Martin. Sie \u00fcberlegen, es zu machen, sagt Martin, \u201edie Veranstaltungen bei uns laufen immer professioneller\u201c. Noch st\u00fcnden sie erst am Anfang der Verhandlungen. <\/p>\n<blockquote class=\"tspAYhp\">\n<p>Es hat auch Positives, wenn sich Clubkultur verbreitet und neue R\u00e4ume dort entstehen, wo es bisher noch kein ausgepr\u00e4gtes Nachtleben gibt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspAYhq\"><strong>Emiko Gejic<\/strong> von der Berliner Clubcommission<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Doch nimmt das Partyvolk den Weg auf sich? Die n\u00e4chste Bushaltestelle ist zehn Minuten Fu\u00dfweg entfernt, die n\u00e4chste U-Bahn-Station eine halbe Stunde. Aus Kreuzberg zahlt man samstagnachts rund 30 Euro f\u00fcr die Fahrt in einem Taxi. Viele andere Clubs liegen deutlich zentraler. Solange es sie noch gibt. \u201eEs gibt Partys, die voll sind und wo die H\u00e4lfte der G\u00e4ste mit\u2019m Taxi kommt\u201c, sagt Martin. \u201eDann gibt es Partys, die eigentlich eine stabile Followerschaft haben und halb leer sind. F\u00fcr beide F\u00e4lle m\u00fcssen wir einen Weg finden, damit umzugehen und gleichzeitig finanziell stabil zu bleiben.\u201c<strong> <\/strong><\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Emiko Gejic von der Clubcommission findet die Bewegung an den Rand erst mal gut. \u201eEs hat auch Positives, wenn sich Clubkultur verbreitet und neue R\u00e4ume dort entstehen, wo es bisher noch kein ausgepr\u00e4gtes Nachtleben gibt.\u201d Aber: \u201eDie Verlagerung der Szene in die Au\u00dfenbezirke ist in dem Sinn problematisch, dass sich nicht alle Personen nachts sicher auf der Stra\u00dfe in weniger belebten Bezirken bewegen k\u00f6nnen. Vor allem queere Personen sind hier betroffen, besonders vor dem Hintergrund <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/queerfeindlicher-angriff-in-berlin-lichtenberg-mann-schlagt-und-beleidigt-trans-frau-in-strassenbahn-14940482.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vermehrter Angriffe im vergangenen Jahr auf queere Personen und Orte<\/a>.\u201c F\u00fcr sie seien Touristenmagnete wie das Berghain genauso relevant wie ein DIY-Space in Britz. \u201eEs ist wichtig, diese Vielfalt zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p> Keine Feier ohne den Fiskus <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Sonntagabend, kurz vor Mitternacht. Der Kater Blau liegt direkt am Spreeufer. In dem Raum, den sie \u201eAcid Bogen\u201c nennen, lehnt Mariana an der Bar. Bisschen Pause machen. Sie ist Kolumbianierin und arbeitet eigentlich in der Schweiz. Den Kater, sagt sie, habe sie seit dem Vorabend nicht verlassen. Zuerst habe sie sich hier ein bisschen unwohl gef\u00fchlt, weil sie mit dunkler Bluse und Stoffhose gekommen ist, Business-Look, und sich das komisch anf\u00fchle zwischen all den Jogginghosentr\u00e4gern. Doch\u00a0dann habe sie gemerkt, dass es niemanden st\u00f6rt au\u00dfer sie selbst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/berlin-deutschland-17-03-2024-holzmarktstra-e-kater-blau-berlin-germany-17-03-2024-holzmarktstra-e-k.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-15096974\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAMgd\"\/> Das Kater Blau hie\u00df auch schon mal Bar 25. Der Nachfolger vom Kater Holzig ist es auch noch. <\/p>\n<p class=\"tspACdz\"> \u00a9 IMAGO\/dts Nachrichtenagentur <\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Der <a href=\"https:\/\/plus.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/berliner-tuersteherin-im-interview-verkleidet-wird-das-bei-mir-nichts-213281.html?icid=in-text-link_15080031\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kater Blau<\/a> steht wie kein anderer Club in Berlin f\u00fcr die vielen Metamorphosen der Szene. In den Nullerjahren befand sich auf dem Gel\u00e4nde die Bar 25, immer knallvoll, ein Hotspot der Hedonisten und der Easyjetter. Doch die Betreiber verf\u00fcgten \u00fcber keinen langfristigen Mietvertrag, das Gel\u00e4nde geh\u00f6rte der BSR, die es an den H\u00f6chstbietenden verkaufen wollte. Die Bar 25 stellte den Betrieb ein, ihre Macher starteten direkt auf der anderen Spreeseite in einem heruntergekommenen Backsteinbau das Kater Holzig und planten die baldige R\u00fcckeroberung des alten Areals. Sie gr\u00fcndeten eine Genossenschaft, \u00fcberzeugten eine Schweizer Pensionskasse, das Grundst\u00fcck zu kaufen, es ihnen per Erbbaurecht zu \u00fcberlassen,<strong> <\/strong>und lie\u00dfen ein ganzes Stadtquartier entstehen. K\u00fcnstler und andere Kreative wohnen und arbeiten hier, es gibt Bars und Restaurants und eben den Kater Blau.<\/p>\n<p> Mehr zur Berliner Clubszene <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-wirtschaft\/berliner-clubs-in-der-krise-warum-die-szene-aber-nicht-nur-pessimistisch-auf-das-jahr-blickt-13049629.html?icid=topic-list_15080031___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Eine Italienerin mit rot gef\u00e4rbten Haaren fragt, ob sie sich das Feuerzeug ausleihen darf. Sie ist ganz verschwitzt vom Tanzen. Sie blickt in den Nachthimmel und auf die Bahngleise nebenan. Ein Zug f\u00e4hrt vorbei, ICE steht drauf. Die Italienerin rollt mit den Augen, sagt: \u201eFuck ICE\u201c, und jeder in der Runde hier wei\u00df, dass sich die Frau hier nicht \u00fcber die Deutsche Bahn aufregt, sondern die amerikanische Einwanderungsbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p class=\"tspAGen\">Die Stadt \u00e4ndert sich, doch die Clubs scheinen zu \u00fcberleben. So wie das Kater Blau, so wie die Renate. Nur werden sie nicht geballt in der alten Mitte bleiben k\u00f6nnen, die die Berliner Clubszene weltber\u00fchmt gemacht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Freitagmittag macht es sich der junge Mann mit dem Undercut, der sich Benji nennt, auf einem der Ledersitze&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":689869,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,2237,29,433,30,1635,7134,2281,12385],"class_list":{"0":"post-689868","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-clubs-und-nachtleben","10":"tag-deutschland","11":"tag-drogen","12":"tag-germany","13":"tag-jugend","14":"tag-mieten","15":"tag-silvester","16":"tag-wohnen-in-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115830550244099475","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/689868","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=689868"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/689868\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/689869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=689868"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=689868"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=689868"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}