{"id":690505,"date":"2026-01-03T15:55:30","date_gmt":"2026-01-03T15:55:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/690505\/"},"modified":"2026-01-03T15:55:30","modified_gmt":"2026-01-03T15:55:30","slug":"jacques-lang-fordert-arabischunterricht-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/690505\/","title":{"rendered":"Jacques Lang fordert Arabischunterricht in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Arabische sei eine Chance f\u00fcr Frankreich, meint Jack Lang. Der Sozialist, der unter Fran\u00e7ois Mitterrand fast neun Jahre lang als Kulturminister gedient hatte, ist ein Urgestein. Im Sommer war der bald Sechsundachtzigj\u00e4hrige beim Festival d\u2019Avignon zu sehen, wie er im Ehrenhof des Papstpalasts K\u00fcsschen nach rechts und vor allem nach links verteilte und sp\u00e4ter an einem Podiumsgespr\u00e4ch teilnahm. Das Thema: \u201eEine arabische Sprache? Viele arabische Sprachen? Von den Urspr\u00fcngen bis zur Pluralit\u00e4t\u201c. Als Pr\u00e4sident des Pariser Institut du \u00admonde arabe (IMA) seit 2013 besitzt Lang Legitimit\u00e4t, \u00fcber das Thema mitzudiskutieren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch in einem Essay mit dem Titel \u201eLa Langue arabe, une chance pour la France\u201c (Die arabische Sprache, eine Chance f\u00fcr Frankreich) hat er sich dem Thema gewidmet. Den Text hat der Gallimard-Verlag in seiner Reihe \u201eTracts\u201c ver\u00f6ffentlicht, die eine Plattform f\u00fcr Denkanst\u00f6\u00dfe zu aktuellen Themen bietet. Die Sto\u00dfrichtung des Essays: Frankreich m\u00fcsse das Arabisch-Angebot in der Schule ausbauen. Vier von gut 68 Millionen Landesbewohnern sprechen diese Sprache, aber der entsprechende Unterricht wird nur 11.000 von 5,3 Millionen Sch\u00fclern angeboten. Das ist weniger als f\u00fcr Chinesisch oder Koreanisch \u2013 dabei z\u00e4hlt Arabisch zu den ersten Sprachen, die offiziell im Lande gelehrt wurden.<\/p>\n<p>Etliche Falschvorstellungen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">So dekretierte Fran\u00e7ois I. im Jahr 1530, dass im heutigen Coll\u00e8ge de France neben Griechisch, Hebr\u00e4isch und Latein auch das Idiom des Korans und von \u201e1001 Nacht\u201c unterrichtet werde. Lang erinnert an die Bedeutung des Arabischen als Sprache der Wissenschaften, aber auch der Dichtkunst \u2013 es sei \u201eein beziehungsreiches, poetisches, musikalisches Idiom\u201c. Frankreichspezifisch verweist der Autor auf die (je nach Quelle) 400 bis 800 Lehnw\u00f6rter, die hiesige Lexika und Linguisten auff\u00fchren, auf den Orientalismus des 18. und 19. Jahrhunderts, auf den Reichtum des frankoarabischen Literatur- und Comicschaffens von Assia Djebar bis Riad Sattouf, auf die aus der Banlieue-Kultur geborene landesspezifische Spielart des \u201earabischen Humors\u201c von Komikern wie Jamel Debbouze, Fellag oder Sma\u00efn.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In den gro\u00dfen Z\u00fcgen ist das meiste davon bekannt. Doch in Zeiten, in denen rechtsextreme Kr\u00e4fte auf dem Vormarsch sind und \u2013 gerade in Frankreich \u2013 unabl\u00e4ssig gegen alles \u201eArabische\u201c hetzen, wirkt ein solches Pl\u00e4doyer mitnichten \u00fcberfl\u00fcssig. Lang widerlegt so etliche Falschvorstellungen, die jene verbreiten. Arabisch ist nicht die \u201eSprache der Mohammedaner\u201c: Nur einer der acht Staaten mit der gr\u00f6\u00dften Zahl an Muslimen ist arabischsprachig, n\u00e4mlich \u00c4gypten. Und in den Mitgliedstaaten der Arabischen Liga sprechen auch nicht muslimische B\u00fcrger Arabisch. Ferner ist dieses nicht mit der islamischen Religion und Kultur gleichzusetzen: Das Idiom existierte schon lange vor Mohammeds Berufung zum Propheten und wird seit vielen Jahrzehnten auch von Ungl\u00e4ubigen gebraucht, von Ismail Adham, Autor von \u201eWarum ich ein Atheist bin\u201c (1937), bis zu heutigen Aktivisten und Bloggern.<\/p>\n<p>Mehrsprachigkeit stimuliert das Gehirn<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch sei es nicht so, f\u00fchrt Lang aus, dass das Erlernen des Arabischen zulasten des Franz\u00f6sischen ginge. Vielmehr stimuliere Mehrsprachigkeit laut Neurologen das Gehirn und verfeinere das Spiel von Vergleich und Unterscheidung die Ausdrucksf\u00e4higkeit. Falsch sei schlie\u00dflich, dass keine Nachfrage bestehe: Das IMA, das in Paris und Tourcoing j\u00e4hrlich 2000 Lernwillige unterrichtet und einen standardisierten Sprachtest entwickelt hat, muss wegen Auslastung st\u00e4ndig Kandidaten abweisen. Mangels M\u00f6glichkeiten in \u00f6ffentlichen Schulen lernen gesch\u00e4tzt zwischen 65.000 und 300.000 Kinder und Erwachsene Arabisch in Privatvereinen \u2013 wo weder die Qualit\u00e4t des Unterrichts noch dessen Konformit\u00e4t mit laizistisch-demokratischen Grunds\u00e4tzen kontrolliert werden kann.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Niemand bestreitet, und am wenigsten Jack Lang, dass Fundamentalisten Arabischunterricht gern instrumentalisieren. So sei der Ausbau des staatlichen Angebots nicht zuletzt das beste Mittel, den Verdacht des Vehikels der Islamisierung, wo nicht gar des \u201eIdioms der Terroristen\u201c (so der rechtsextreme Publizist und Politiker \u00c9ric Zemmour in einer Fernsehdebatte mit Lang 2020), aus der Welt zu r\u00e4umen. Das IMA, das in der Kulturvermittlung das tut, was der Staat im Bereich des Sprachunterrichts tun sollte, zeigt h\u00e4ufig Ausstellungen \u00fcber Orientchristen, Sephardim oder queere K\u00fcnstler. Arabisch und Toleranz gehen hier Hand in Hand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Arabische sei eine Chance f\u00fcr Frankreich, meint Jack Lang. 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