{"id":690691,"date":"2026-01-03T17:41:10","date_gmt":"2026-01-03T17:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/690691\/"},"modified":"2026-01-03T17:41:10","modified_gmt":"2026-01-03T17:41:10","slug":"ragnhild-hemsing-spielt-in-duesseldorf-auf-der-hardangerfiedel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/690691\/","title":{"rendered":"Ragnhild Hemsing spielt in D\u00fcsseldorf auf der Hardangerfiedel"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eigentlich m\u00fcsste die Ruggeri-Geige der Norwegerin Ragnhild Hemsing schon ganz eifers\u00fcchtig sein. Das Instrument des Barockmeisters aus Cremona, gebaut 1694, darf im Konzertsaal kaum noch mit den gro\u00dfen romantischen Konzerten von Max Bruch oder <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/felix-mendelssohn-bartholdy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Felix Mendelssohn Bartholdy<\/a> gl\u00e4nzen. Stattdessen muss es sich gegen die reich mit Perlmutt verzierte Konkurrenz aus S\u00fcdnorwegen behaupten: die volkst\u00fcmliche Hardangerfiedel, mit der Hemsing eine Nische in der Klassikwelt erobert hat.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit sie f\u00fcnf Jahre alt ist, hat sie beide Instrumente gelernt. Hat die klassische Violinliteratur studiert, aber auch die reiche Volksmusiktradition der Region Valdres, die oft m\u00fcndlich von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Hier, wo sie ihre Wurzeln hat, leitet sie gemeinsam mit ihrer Schwester Eldbj\u00f8rg, die ebenfalls Geige spielt, ein Kammermusikfestival.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eUnser kulturelles Erbe h\u00e4tte leicht verloren gehen k\u00f6nnen, wenn nicht Volksmusiksammler und Feldforscher wie Ludvig Mathias Lindeman Exkursionen in unser Tal und seine Umgebung unternommen h\u00e4tten\u201c, schreibt Hemsing im Booklet einer ihrer CDs. Der norwegische Komponist und Organist zog im 19. Jahrhundert durch D\u00f6rfer und kleine Gemeinden, um Musik aufzuschreiben \u2013 so wie B\u00e9la Bart\u00f3k es einst in Ungarn und Rum\u00e4nien tat. Aus dem Fundus von Lindemans Notizb\u00fcchern sch\u00f6pften sp\u00e4ter andere Komponisten. So verwendete Edvard Grieg die Melodie des Kirchenlieds \u201eDas achte Gebot auf Sinai\u201c in seiner Ballade g-Moll op. 24 f\u00fcr Klavier.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Geiger, von dem Lindeman diese Melodie h\u00f6rte und aufschrieb, war ein Urururgro\u00dfvater von Hemsing. Sie hat immer wieder auf Lindemans Sammlung zur\u00fcckgegriffen. Von Anfang an mochte sie es, das klassische Violinspiel mit dem Spiel auf der Hardangerfiedel zu kombinieren. \u201eAls ich Teenager wurde, w\u00e4re es eigentlich normal gewesen, sich f\u00fcr eines der Instrumente zu entscheiden. Aber dann war ich sehr gl\u00fccklich, als ich verstand, dass ich mich gar nicht entscheiden muss und meine musikalische Identit\u00e4t mit beiden leben kann\u201c, sagte die K\u00fcnstlerin in einem Interview.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Geige sieht die Hardangerfiedel auf den ersten Blick sehr \u00e4hnlich. Auf den zweiten fallen Unterschiede auf. Da sind zun\u00e4chst die Verzierungen: Perlmutt-Einlagen auf dem Griffbrett und dem Saitenhalter, manchmal auch auf den Zargen des Instruments, dazu filigrane Holzmalereien auf der Decke und dem Boden. Aber das ist nur der optische Aspekt. Unter den vier Spielsaiten, die wie bei der Violine gestrichen werden, verlaufen f\u00fcnf Resonanzsaiten, die mitschwingen und dem Klang schillernde Farben geben, zuweilen auch durchdringende Sch\u00e4rfe. Dementsprechend hat die Hardangerfiedel nicht vier Wirbel zum Stimmen, sondern neun. Statt einer Schnecke ziert oft ein Drachenkopf das Ende des Griffbretts.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mit ihrer doppelten musikalischen Identit\u00e4t hat Hemsing sich nun einem musikalischen Heiligtum gen\u00e4hert, Edvard Griegs Musik zum Schauspiel \u201ePeer Gynt\u201c. Initialz\u00fcndung f\u00fcr die Idee war das ber\u00fchmteste St\u00fcck der Suite, die \u201eMorgenstimmung\u201c. Die K\u00fcnstlerin erl\u00e4utert: \u201eEs ist allgemein bekannt, dass Grieg von norwegischer Volksmusik generell und speziell von der Hardangerfiedel inspiriert war. Das merkt man ganz direkt bei der \u201eMorgenstimmung\u201c, denn die ersten T\u00f6ne entsprechen genau den Resonanzsaiten der Hardangerfiedel: A-Fis-E-D-E-Fis! Aber niemand hat bislang ausprobiert, diese Musik mit der Hardangerfiedel zu spielen.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Beim Sternzeichen-Konzert der D\u00fcsseldorfer Symphoniker Mitte Januar f\u00fchren Griegs ber\u00fchmte \u201ePeer Gynt\u201c-Suiten zu einer besonderen Urauff\u00fchrung hin. Gordon Hamilton, in D\u00fcsseldorf Publikumsliebling der \u201eGreen Monday\u201c-Konzerte, komponierte f\u00fcr Ragnhild Hemsing ein St\u00fcck f\u00fcr Hardangerfiedel und Orchester. Die spannende Frage wird sein, wie der 1982 geborene Australier mit dem speziellen Klang des Instruments umgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich m\u00fcsste die Ruggeri-Geige der Norwegerin Ragnhild Hemsing schon ganz eifers\u00fcchtig sein. 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