{"id":691210,"date":"2026-01-03T22:43:11","date_gmt":"2026-01-03T22:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/691210\/"},"modified":"2026-01-03T22:43:11","modified_gmt":"2026-01-03T22:43:11","slug":"maduros-sturz-muss-kein-desaster-fuer-russland-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/691210\/","title":{"rendered":"Maduros Sturz muss kein Desaster f\u00fcr Russland bedeuten"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Obwohl Venezuela keine Gro\u00dfmacht ist, besitzt das s\u00fcdamerikanische Land enorme geopolitische Bedeutung. Das war auch schon vor der vergangenen Nacht klar, bevor die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> mit einer spektakul\u00e4ren Milit\u00e4raktion, den Pr\u00e4sidenten Venezuelas, Nicolas Maduro, festnahmen und au\u00dfer Land brachten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Venezuela, das fast dreimal so gro\u00df wie Deutschland ist und aktuellen Sch\u00e4tzungen zufolge gut 25 Millionen Einwohner hat, ist dabei nicht nur f\u00fcr seine massiven \u00d6lreserven bekannt. Die strategischen Verb\u00fcndeten Venezuelas sitzen in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a>, China, Iran und Kuba. Auf dem ersten Blick gestaltet sich allen voran f\u00fcr den Kreml ein nun heikles Lagebild.<\/p>\n<p>Oligarch warnt vor neuer US-Kontrolle beim \u00d6l<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Eine geopolitische Eskalation in Lateinamerika birgt sowohl Risiken, er\u00f6ffnet f\u00fcr Moskau aber auch zugleich Chancen, so der Tenor an Tag eins nach dem \u00dcberraschungsangriff auf Caracas. Einflussreiche russische Oligarchen wie Oleg Deripaska beispielsweise warnen, dass ein US-Zugriff auf Venezuelas \u00d6lreserven, nach der j\u00fcngsten Expansion in Guyana, die Kontrolle \u00fcber mehr als die H\u00e4lfte der globalen \u00d6lreserven erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Damit k\u00f6nnten die Amerikaner den \u00d6lpreis dauerhaft bei etwa 50 Dollar pro Barrel halten und Russlands staatskapitalistisches Wirtschaftsmodell erheblich unter Druck setzen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch die Bewertung all dieser geostrategischen Risiken h\u00e4ngt entscheidend von der aktuellen Dynamik in den russisch-amerikanischen Beziehungen ab. Das \u00fcberraschende Tauwetter seit Trumps R\u00fcckkehr ins Wei\u00dfe Haus verschiebt mehrere strategische Rechnungen. Washington versucht sich im <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine-Krieg<\/a> immer neutraler zu zeigen, man will die Finanzhilfen reduzieren, liefert aber zum Beispiel weiterhin Geheimdienstinformationen an Kiew.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Russland nennt man laut neuer Sicherheitsstrategie nicht mehr l\u00e4nger eine \u201edirekte Bedrohung\u201c. Die von Trump angesto\u00dfenen Verhandlungen \u00fcber ein Ende des Ukraine-Krieges verlaufen aus russischer Sicht aktuell sehr g\u00fcnstig. Die politische F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj d\u00fcrfte in absehbarer Zeit erstmals Bereitschaft zu territorialen Zugest\u00e4ndnissen machen, w\u00e4hrend sich der Kreml bei seinen Ukraine-Zielen unbeweglich zeigt. Zugleich offenbaren die Streitigkeiten \u00fcber Finanzhilfen die Grenzen der Br\u00fcsseler Ukraine-Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Vor diesem Hintergrund w\u00e4re es aus russischer Sicht wenig klug, das fragile, aber funktionierende Verh\u00e4ltnis zur US-Regierung von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donald Trump<\/a> wegen Venezuela zu gef\u00e4hrden. Ein Landes, das aus russischer Perspektive sehr weit entfernt liegt und nicht zu Moskaus zentralen Sicherheitsinteressen z\u00e4hlt. Zwar verurteilt der Kreml die amerikanischen Aktionen erwartungsgem\u00e4\u00df scharf \u2013 der UN-Botschafter spricht von \u201eaggressivem Neokolonialismus\u201c, das Au\u00dfenminister kritisierte die USA im \u00e4hnlichen Ton \u2013, doch die Unterst\u00fctzung Russlands f\u00fcr die F\u00fchrung in Caracas ist pragmatisch und proportional zum Druck, den die USA im Ukraine-Konflikt aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Venezuela-Coup muss kein Desaster f\u00fcr Russland bedeuten<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ein m\u00f6glicher Sturz Maduros w\u00e4re daher kein strategisches Desaster f\u00fcr Kremlchef Wladimir Putin. Russland hat in den vergangenen Jahren Erfahrung gesammelt, sich an neue Machtverh\u00e4ltnisse anzupassen. Beispiele liefern Irak, Libyen oder auch Syrien.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zugleich verfestigt sich im russischen Expertenkosmos ein Narrativ, wonach der US-Milit\u00e4rschlag den Russen geopolitisch sogar Vorteile bringen w\u00fcrde. Die Maduro-Festnahme verwische demnach die moralische Trennlinie zum Ukraine-Krieg, rechtfertige Russlands eigene Anspr\u00fcche im postsowjetischen Raum und unterminiere mit zunehmender St\u00e4rke die westlichen Narrative im Globalen S\u00fcden. Zus\u00e4tzlich w\u00fcrden neue Spannungen im belasteten Verh\u00e4ltnis zwischen den USA und Europa entstehen, die, wenn man bei den europ\u00e4ischen Verlautbarungen zwischen die Zeilen lie\u00dft, auch am Samstag wieder sichtbar wurden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Russlands Selbstbild bleibt dabei das eines Bewahrers der alten Ordnung. Der Westen gilt durch die russische Brille als revisionistische Kraft, die die Nachkriegsordnung ausgeh\u00f6hlt hat; der Krieg in der Ukraine wird als Versuch verstanden, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Doch wenn eine R\u00fcckkehr zur alten Ordnung unm\u00f6glich ist, m\u00fcsse eine neue Ordnung ausgehandelt werden: also klare Einflusszonen. Amerikanische Dominanz im Westen, russische Vorherrschaft im postsowjetischen Raum.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Aus dieser Perspektive w\u00e4re ein langwieriges US-Engagement in Venezuela auch f\u00fcr die Russen mehr als verkraftbar. Am Ende k\u00f6nnte das Ergebnis wie ein geopolitisches Gesch\u00e4ft aussehen: ein US-freundliches Venezuela, im Gegenzug f\u00fcr ein Ende des Ukraine-Krieges zu russischen Bedingungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Obwohl Venezuela keine Gro\u00dfmacht ist, besitzt das s\u00fcdamerikanische Land enorme geopolitische Bedeutung. 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