{"id":691349,"date":"2026-01-04T00:08:14","date_gmt":"2026-01-04T00:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/691349\/"},"modified":"2026-01-04T00:08:14","modified_gmt":"2026-01-04T00:08:14","slug":"wie-die-usa-russland-und-china-die-welt-neu-verteilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/691349\/","title":{"rendered":"Wie die USA, Russland und China die Welt neu verteilen"},"content":{"rendered":"\n<p>Der j\u00fcngste US-Milit\u00e4rschlag gegen Ziele in Venezuela markiert mehr als eine regionale Machtdemonstration. Er ist ein weiteres Signal daf\u00fcr, dass sich die internationale Ordnung zunehmend von Regeln, Institutionen und multilateralen Absprachen l\u00f6st \u2013 und stattdessen wieder entlang klassischer Einflusssph\u00e4ren organisiert. Was lange als Relikt des 20. Jahrhunderts galt, kehrt mit bemerkenswerter Offenheit zur\u00fcck: Gro\u00dfm\u00e4chte sichern Interessen, wo sie es k\u00f6nnen, und testen, wie weit sie gehen d\u00fcrfen \u2013 solange andere Gro\u00dfm\u00e4chte nicht intervenieren.<\/p>\n<p>Die Konferenz von Jalta im Februar 1945 markierte einen historischen Wendepunkt. Die Alliierten \u2013 USA, Gro\u00dfbritannien und die Sowjetunion \u2013 legten dort nicht nur die Besatzungszonen im besiegten Deutschland fest, sondern definierten die politische Grundordnung Europas f\u00fcr Jahrzehnte. Auch wenn die eigentliche Blockbildung erst mit dem Kalten Krieg voll ausgepr\u00e4gt wurde, war Jalta jener Moment, in dem Einflusssph\u00e4ren erstmals offen akzeptiert und faktisch legitimiert wurden. Die Nachkriegsordnung entstand nicht zuf\u00e4llig, sie wurde verhandelt \u2013 auf Kosten kleinerer Staaten und ohne deren Mitsprache.<\/p>\n<p>Die Frage dr\u00e4ngt sich auf: Stehen wir heute erneut an einem solchen Punkt \u2013 nur ohne Konferenz, ohne Protokoll und ohne formelle Beschl\u00fcsse?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/militaeraktuell.at\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-119250 size-full\" title=\"@Milit\u00e4r Aktuell\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Feldpost_245x40mm-web_vs4_ml_20240703.jpg\" alt=\"@Milit\u00e4r Aktuell\" width=\"1447\" height=\"236\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Russland verfolgt seine Ziele offen. Die Ukraine ist dabei nicht End-, sondern Zwischenstation. Moskau strebt nach der Wiederherstellung verlorener Einflusszonen, nach strategischer Tiefe, \u201ePufferezonen\u201d hin zum Westen und nach einer dauerhaften Schw\u00e4chung der <a href=\"https:\/\/militaeraktuell.at\/kategorie\/streitkraefte-international\/nato\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>NATO<\/strong><\/a> und der westeurop\u00e4ischen Demokratien. Der postsowjetische Raum soll erneut unter russische Kontrolle geraten, flankiert von wachsendem Einfluss in Teilen Afrikas, wo Sicherheitskooperation, Rohstoffzugang und politische Abh\u00e4ngigkeiten ineinandergreifen.<\/p>\n<p>China agiert leiser, aber nicht weniger konsequent. Der Blick auf Taiwan wird zunehmend unverhohlen, w\u00e4hrend Peking parallel seine Machtprojektion in S\u00fcdostasien ausbaut. Wirtschaftliche Durchdringung, politische Einflussnahme und rechtliche Grauzonen schaffen Fakten, lange bevor milit\u00e4rische Mittel zum Einsatz kommen m\u00fcssen. In mehreren Nachbarstaaten \u2013 aber auch \u00fcber tausende Kilometer hinweg bis Europa und sogar nach \u00d6sterreich \u2013\u00a0kontrollieren chinesische Akteure bereits heute Schl\u00fcsselindustrien, Infrastruktur und Handelsstr\u00f6me. Mit langfristigen strategischen Folgen f\u00fcr Souver\u00e4nit\u00e4t und Entscheidungsfreiheit.<\/p>\n<p>Und die USA? Unter Donald Trump wurden zentrale sicherheitspolitische Konstanten der vergangenen Jahrzehnte aufgebrochen. Multilaterale B\u00fcndnisse gelten nicht mehr als strategischer Wert an sich, sondern als Kostenfaktor. Die bisherige NATO-Rollenverteilung wird offen infrage gestellt, europ\u00e4ische Partner aber auch einzelne EU-Staaten zunehmend als abh\u00e4ngige Nutznie\u00dfer abgetan oder f\u00fcr \u201eDeals\u201d herausgel\u00f6st. Gleichzeitig treten klassische machtpolitische Reflexe wieder offen zutage \u2013 vom <a href=\"https:\/\/militaeraktuell.at\/usa-was-will-donald-trump-mit-groenland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>strategischen Interesse an Gr\u00f6nland<\/strong><\/a> bis zur demonstrativen Absicherung eigener Einflusssph\u00e4ren in der westlichen Hemisph\u00e4re, zuletzt unterstrichen durch einen pr\u00e4zise ausgef\u00fchrten milit\u00e4rischen \u201eEnthauptungsschlag\u201d gegen die politische F\u00fchrung rund um Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro in Venezuela.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"IVUF0B3S16\">\n<p><a href=\"https:\/\/militaeraktuell.at\/panzer-dreadlocks-skurrilsten-aufbauten-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201ePanzer-Dreadlocks\u201c: Die skurrilsten Panzeraufbauten 2025<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Was also, wenn wir es nicht mit drei konkurrierenden Weltbildern, sondern mit drei sich \u00fcberschneidenden Interessen zu tun haben? Was, wenn Wladimir Putin, Xi Jinping und Donald Trump erkannt haben, dass sie ihre jeweiligen Ziele leichter erreichen, solange sie sich gegenseitig nicht im Weg stehen? Kein neues Jalta mit Konferenztisch und Gruppenfoto, sondern ein stillschweigendes Einvernehmen: Jeder sichert seinen Raum, jeder testet die Grenzen \u2013 und Konflikte werden dort toleriert, wo sie den eigenen Interessen nicht widersprechen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Europa w\u00e4re ein solches Szenario fatal. Denn wie schon 1945 w\u00e4ren es nicht die gro\u00dfen M\u00e4chte, die den Preis zahlen, sondern jene Staaten, die zwischen den Machtbl\u00f6cken liegen. Die Lehre aus Jalta lautet nicht, dass Geschichte sich exakt wiederholt \u2013 sondern dass sie sich dann reimt, wenn Machtpolitik wieder wichtiger wird als Recht und Stabilit\u00e4t wichtiger als Freiheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der j\u00fcngste US-Milit\u00e4rschlag gegen Ziele in Venezuela markiert mehr als eine regionale Machtdemonstration. 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