{"id":69164,"date":"2025-04-28T23:01:12","date_gmt":"2025-04-28T23:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69164\/"},"modified":"2025-04-28T23:01:12","modified_gmt":"2025-04-28T23:01:12","slug":"wie-an-den-verlorenen-transport-von-troebitz-erinnert-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69164\/","title":{"rendered":"Wie an den &#8222;verlorenen Transport&#8220; von Tr\u00f6bitz erinnert wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 28.04.2025 16:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Vor\u00a080 Jahren strandete ein Zug mit mehr als 2.000 j\u00fcdischen H\u00e4ftlingen aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen\u00a0im s\u00fcdbrandenburgischen Tr\u00f6bitz. Dort fanden die \u00dcberlebenden Hilfe. Sie pr\u00e4gen den Ort bis heute.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Johanna Sagmeister, rbb\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, irrte ein Zug aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen durch den immer enger werdenden Korridor des noch nicht von Alliierten befreiten Deutschlands. In den Waggons sa\u00dfen 2.500 j\u00fcdische H\u00e4ftlinge, dicht gedr\u00e4ngt, ohne Nahrung und Wasser, viele von ihnen erkrankt an Tuberkulose und Typhus.\u00a0Hunderte Menschen starben auf dem Weg und wurden in Massengr\u00e4bern neben den Schienen begraben.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZ\u00fcge wie diesen gab es einige. Allein aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden drei losgeschickt. Ziel: das Konzentrationslager Theresienstadt. Die SS versuchte, m\u00f6glichst viele H\u00e4ftlinge noch in letzter Minute verschwinden zu lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Der &#8218;verlorene&#8216; Transport erinnert uns eindr\u00fccklich daran, dass die Vernichtung der Juden f\u00fcr die deutschen T\u00e4ter bis in die letzten Stunden des NS-Staates zentral war&#8220;, sagt Josef Schuster, Pr\u00e4sident des Zentralrats der Juden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDieser Zug aber war etwas Besonderes. Er wird heute der &#8222;verlorene Transport&#8220; genannt, weil\u00a0zeitweise unklar war, wo er im Chaos der letzten Kriegstage steckte &#8211; immer nahe der Front und den vorr\u00fcckenden Amerikanern und der Roten Armee.<\/p>\n<p>    Tr\u00f6bitz erlebt einen Wendepunkt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach zwei Wochen, am 21. April 1945, verhinderte eine zerst\u00f6rte Br\u00fccke vor Tr\u00f6bitz die Weiterfahrt. Mehr als 2.000 ausgehungerte und teils schwer kranke Menschen trafen auf ein Dorf mit 700 Einwohnern. F\u00fcr Tr\u00f6bitz ein Wendepunkt, erinnert sich Zeitzeuge Werner Mann: &#8222;Die Juden konfrontierten uns mit dem Leid, das verursacht wurde.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZwei Tage sp\u00e4ter nahm die Rote Armee Tr\u00f6bitz ein, befreite auch den Zug und die H\u00e4ftlinge. Sie brachten die meisten Menschen in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager unter, aber sie wiesen auch die Einwohner von Tr\u00f6bitz an, den j\u00fcdischen \u00dcberlebenden Platz in ihren H\u00e4usern zu machen oder sie ihnen ganz zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Tr\u00f6bitzer hatten Angst und gehorchten. Aber auch aus eigenem Mitgef\u00fchl h\u00e4tten viele den Juden geholfen, sagt Werner Mann. Sie pflegten die an Typhus Erkrankten und brachten sich damit selbst in Gefahr. Weitere 320 Menschen starben, unter ihnen auch 26 Dorfbewohner, die sich angesteckt hatten.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWerner Mann war damals zehn Jahre alt und ist heute einer der letzten lebenden Zeitzeugen. Er setzt sich daf\u00fcr ein, dass die Ereignisse aus dem April 1945 nicht in Vergessenheit geraten. F\u00fcr ihn sei es eine Verpflichtung, &#8222;daran zu erinnern, was war und was nicht wieder passieren darf&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>    Deutsch-j\u00fcdische Begegnung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie \u00dcberlebenden verlie\u00dfen Tr\u00f6bitz nach einigen Monaten wieder. Doch die Geschichte ist im Ort bis heute pr\u00e4sent. Ein j\u00fcdischer Friedhof, ein Massengrab und Gedenktafeln erinnern an den April 1945. &#8222;Antrieb waren und sind Tr\u00f6bitzer\u00a0B\u00fcrger, die die Gedenkorte pflegen und den Kontakt zu Betroffenen wachhalten&#8220;, sagt der B\u00fcrgermeister, CDU-Politiker Holger Gantke.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRegelm\u00e4\u00dfig kommen J\u00fcdinnen und Juden,\u00a0die damals gerettet wurden, nach Tr\u00f6bitz zur\u00fcck.\u00a0Aus der Hilfe der Tr\u00f6bitzer\u00a0ist eine neue Form der deutsch-j\u00fcdischen Begegnung entstanden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einer Ausstellung werden die Geschichten von \u00fcberlebenden Kindern erz\u00e4hlt. Zum Beispiel die von Mirjam Lapid. Sie war zw\u00f6lf Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Schwester und Mutter aus dem Zug befreit wurde. Die niederl\u00e4ndische Familie wurde 1940 ins KZ Bergen-Belsen deportiert, wo ihr Vater ermordet wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir kamen zu diesem Ort und sahen, dass es anst\u00e4ndige Deutsche gab und anst\u00e4ndige Menschen auf der Welt&#8220;, sagt sie in einem Ausstellungsvideo. &#8222;Die Russen waren unsere Befreier und die Menschen aus Tr\u00f6bitz waren unsere Engel.&#8220;<\/p>\n<p>    Mahnung an n\u00e4chste Generation<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmer wieder kam Mirjam Lapid nach Deutschland, nahm ihre Kinder und Enkelkinder mit, um ihnen die\u00a0Grausamkeit im KZ Bergen-Belsen und die unerwartete Hilfsbereitschaft\u00a0in Tr\u00f6bitz zu zeigen. &#8222;Zum letzten Mal war sie zum Gedenktag vor zwei Jahren hier&#8220;, erz\u00e4hlt Werner Mann, der durch die Erinnerungsarbeit eine tiefe Freundschaft mit ihr aufgebaut hatte. &#8222;Wenige Monate sp\u00e4ter ist sie mit 90 Jahren gestorben.&#8220; \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAcht \u00dcberlebende waren laut einem rbb-Reporter heute bei der Gedenkveranstaltung, begleitet von Familienangeh\u00f6rigen. Die Weitergabe der Erinnerung und die damit verbundene Mahnung an die n\u00e4chste Generation ist in Tr\u00f6bitz l\u00e4ngst Teil des Gedenkens geworden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Auch wenn irgendwann keine Zeitzeugen mehr zu den Veranstaltungen kommen, werden wir den Tag auf jeden Fall weiter w\u00fcrdigen&#8220;, sagt Holger Gantke. &#8222;Wir sind t\u00e4glich mit dieser Geschichte konfrontiert &#8211; und das wird auch so bleiben&#8220;, so der B\u00fcrgermeister.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 28.04.2025 16:25 Uhr Vor\u00a080 Jahren strandete ein Zug mit mehr als 2.000 j\u00fcdischen H\u00e4ftlingen aus dem Konzentrationslager&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69165,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,18058,3364,29,30,13,9682,14,57,15,30525,12],"class_list":{"0":"post-69164","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bergen-belsen","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-konzentrationslager","16":"tag-nachrichten","17":"tag-nationalsozialismus","18":"tag-news","19":"tag-ns-herrschaft","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114418082446458164","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69164\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}