{"id":692258,"date":"2026-01-04T09:38:25","date_gmt":"2026-01-04T09:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692258\/"},"modified":"2026-01-04T09:38:25","modified_gmt":"2026-01-04T09:38:25","slug":"neues-glueck-nach-brustkrebs-und-mehreren-operationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692258\/","title":{"rendered":"Neues Gl\u00fcck nach Brustkrebs und mehreren Operationen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eNicht die Gl\u00fccklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die gl\u00fccklich sind.\u201c Diesen Satz lie\u00df der Philosoph Francis Bacon im fr\u00fchen 17. Jahrhundert als seine Erkenntnis von Denken und Erfahrung in die Welt wehen. Und wie das so ist mit weisen Formulierungen: Sie halten ewig, bleiben g\u00fcltig \u2013 auch an diesem Dezembertag in der Uniklinik RWTH <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/aachen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aachen<\/a>, wo in Raum 9 auf der sechsten Etage im A-Flur Verbundenheit und Gl\u00fcck zusammenfallen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dort sitzen Bianka Tr\u00f6ster und Justus Beier. Beide haben ein Jahr der Not, der Sorge, der Zuversicht, des Vertrauens, der Heilung in engem Kontakt erlebt. Am Ende ihres Gespr\u00e4chs, dem wir lauschen d\u00fcrfen, steht eine herzliche Verabschiedung. Man sp\u00fcrt, dass Tr\u00f6ster noch vieles sagen k\u00f6nnte und m\u00f6chte. Sie ist Beiers Patientin gewesen, und ihre Blicke und Worte sind die eines zutiefst dankbaren Menschen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Professor Beier ist Direktor der Klinik f\u00fcr Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie. Seine Aufgabe besteht darin, Entstellungen oder Defizite eines K\u00f6rpers zu begradigen, gleichsam zur\u00fcckzunehmen oder bestm\u00f6glich zu versorgen. Tote macht er nicht wieder lebendig, aber er rettet Menschen, die schwere Verbrennungen erlitten haben. Er versorgt H\u00e4nde, bei denen kaum noch etwas funktioniert. Wenn er operiert, dann oft unter der Lupe, unter dem Mikroskop. Er forscht leidenschaftlich, etwa zur Regeneration von Gewebe mit Stamm- und Immunzellen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und er ist Bianka Tr\u00f6sters Arzt. In diesem Jahr hat er sie mehrfach operiert und durch die Rekonstruktion ihrer Brust beigetragen, dass ihr Leben unter sch\u00f6neren Vorzeichen weitergeht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Tr\u00f6ster, 1964 in M\u00f6nchengladbach geboren, f\u00fchrt einen Friseurladen an der Mosel. Sie ist eine hellwache Lebensgenie\u00dferin, ihrem K\u00f6rper schenkt sie alle Aufmerksamkeit, die er im Namen der Medizin ben\u00f6tigt. Regelm\u00e4\u00dfig geht sie zur Gyn\u00e4kologin und zur Mammografie. Das ist wichtig bei ihr, weil es in der Familie bereits Krebsf\u00e4lle gab. Im Februar 2018 bekommt sie selbst einen positiven Befund: \u201einvasives lobul\u00e4res Mammakarzinom links\u201c. Es wird gottlob fr\u00fch erkannt, es gibt keine Metastasen, in Koblenz wird sie operiert, dann bestrahlt. Au\u00dferdem muss sie das Medikament Tamoxifen nehmen. Dann hat sie f\u00fcnf Jahre Ruhe. 2023 und auch ein Jahr sp\u00e4ter kehrt der Krebs als Rezidiv zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Jetzt ist Tr\u00f6ster in Aachen in Behandlung, dort f\u00fchlt sie sich fachlich bestens aufgehoben und wird auch nachoperiert. Am 9.\u2005Oktober 2024 meldet die dortige Tumorkonferenz: \u201eoperative Therapie abgeschlossen\u201c. Das b\u00f6se Gewebe ist radikal wegoperiert. Doch statt einer weiblichen linken Brust ist jetzt dort \u201eeine kalte Platte\u201c, wie sie sagt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bianka Tr\u00f6ster erz\u00e4hlt das frei von der Leber weg, weil ihr die Betreuung durch die Aachener \u00c4rzte sehr geholfen hat: \u201eIch bin wirklich kein \u00e4ngstlicher Mensch. Und mich hat es sehr aufgebaut, dass Professor Elmar Stickeler, der Direktor der Klinik f\u00fcr Gyn\u00e4kologie und Geburtsmedizin, mir stets gesagt hat, dass er an meiner Seite sei, wenn ich Hilfe brauche und an einen Aufbau der Brust denke.\u201c Zun\u00e4chst ist sie nun, nach insgesamt drei Operationen, \u201eeinfach froh, dass das alles hinter mir liegt\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch je mehr Zeit vergeht, desto h\u00e4ufiger denkt sie \u00fcber \u201edieses Ungleiche\u201c nach. Sie f\u00fchlt sich eingeschr\u00e4nkt in ihrem Leben. \u201eIch gehe zum Sport, ich gehe in die Sauna. Das war jetzt f\u00fcr mich grausam. Ich habe mich verh\u00fcllt, was ich vorher noch nie gemacht habe.\u201c Und dann kommt die entscheidende Erkenntnis: \u201eIch hatte das Gef\u00fchl, dass ich nicht gesund werde, wenn ich immer wieder auf diese Stelle gucke.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nun tritt Stickelers Kollege Justus Beier in die Szene. In Aachen regelt man solche Fragen wie in jeder guten Klinik interdisziplin\u00e4r, auf Zuruf, kleiner Dienstweg \u2013 mit direkten Folgen f\u00fcr Bianka Tr\u00f6ster. Beier untersucht sie genau, er kennt alle Vorbefunde, schlie\u00dft sich mit dem Kollegen Stickeler kurz. Dann bespricht er die Planung mit seiner Patientin. Er nimmt sich Zeit \u2013 in Raum 9 auf der sechsten Etage im A-Flur dieses riesigen Universit\u00e4tsklinikums. Alles wird minuti\u00f6s, Schritt f\u00fcr Schritt geplant. Beier hat solche rekonstruktiven Eingriffe so oft vorgenommen, dass er sich das finale Ergebnis in den allermeisten F\u00e4llen sehr gut vorstellen kann. Zwei bis drei Operationen w\u00fcrden es wohl werden, sagt Beier damals, am 15.\u2005Mai 2025, und Bianka Tr\u00f6ster willigt sofort ein: Sie bekommt eine \u201eautologe plastische Rekonstruktion ihrer linken Brust\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sechs Tage sp\u00e4ter liegt sie erstmals unter Beiers Messer, es ist ein gro\u00dfer Eingriff, \u00fcber vier Stunden. Beier ben\u00f6tigt nun k\u00f6rpereigenes Material, um der Brust gleichsam F\u00fcllmasse wortw\u00f6rtlich einzuverleiben. Er erkl\u00e4rt das Vorgehen: \u201eAus der Unterbauchregion entnehmen wir das Transplantat, das wir in der Plastischen Chirurgie einen Lappen nennen, obwohl das immer ein bisschen komisch klingt. Aber es hei\u00dft nun einmal DIEP-Lappenplastik.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wichtig ist, dass dieser Lappen nicht einfach ein St\u00fcck Gewebe ist, er muss auch Blutgef\u00e4\u00dfe haben, die es zuvor zu pr\u00e4parieren gilt. Er gleicht einer Art Gewebeblock mit einem zu- und einem abf\u00fchrenden Gef\u00e4\u00dfschlauch dran, also einer Arterie und einer Vene, die jeweils ungef\u00e4hr zwei bis drei Millimeter Durchmesser haben. Und dann wird, was man im Unterbauch herausgenommen hat, an der Stelle in der Brust, wo man es braucht, neu ans Blutgef\u00e4\u00dfsystem angeschlossen.\u201c Es sind f\u00fcr diesen Anschluss die gleichen Gef\u00e4\u00dfe, \u201ewie sie Herzchirurgen bei einer Bypass-OP verwenden\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und wie macht Beier die Verbindung sicher? Mit einer extrem feinen Naht unter dem Mikroskop. Der Faden f\u00fcr die Arterie, die per Hand angen\u00e4ht wird, hat \u201eso ungef\u00e4hr ein f\u00fcnfzigstel Millimeter Durchmesser, also 20 bis 30 Mikrometer. F\u00fcr die Vene gibt es ebenfalls die M\u00f6glichkeit, per Hand zu n\u00e4hen. Wir machen seit 15 Jahren eine sogenannte Koppler-Anastomose, das ist ein elegantes Verfahren, das schnell und noch sicherer ist als die Naht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die sogenannte narbige Platte, die aus den Voroperationen und der Bestrahlung resultiert, wird entfernt, \u201edamit nur noch weiches, unbeeintr\u00e4chtigtes Gewebe zu sehen ist\u201c. Dann wird aus dem Transplantat \u201edurch dessen Formung, Vern\u00e4hung und Teilentfernung seiner oberfl\u00e4chlichen Hautschicht die Brust gebildet\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch wie kann der Chirurg sicher sein, dass die Gef\u00e4\u00dfsituation im Unterbauch vor der Entnahme jenes Lappens \u00fcberhaupt g\u00fcnstig ist? \u201eWir machen seit Jahren bei uns ein sogenanntes Angio-CT. Das macht den Eingriff deutlich sicherer und verk\u00fcrzt die OP-Dauer, weil man die Gef\u00e4\u00dfsituation vorher wie bei einer Navigationskarte wunderbar dargestellt bekommt. Fr\u00fcher hat man immer quasi blind drauflos pr\u00e4pariert, bis man die nochmal kleineren sogenannten Perforatorgef\u00e4\u00dfe, also eine Art \u00c4ste des Gef\u00e4\u00dfbaums im Lappen, entweder gefunden oder nach besser geeigneten an anderer Stelle gesucht hatte.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bei Tr\u00f6ster ist das alles nicht so einfach. Eine fr\u00fchere R\u00fcckenoperation musste teilweise auch von vorne erfolgen, also durch die Bauchdecke hindurch. F\u00fcr den Chirurgen Beier ist das jetzt \u201eein bisschen vernarbter und schwieriger\u201c. Aber hinterher scheint Bianka Tr\u00f6ster das Prozedere ganz logisch, sie sagt mit einem L\u00e4cheln: \u201eDer Bauch hat praktisch den Platz gewechselt.\u201c Das hat aber auch geklappt, weil die Patientin, wie Beier einr\u00e4umt, keine Risikofaktoren mitbrachte: \u201eGesund, schlank, Nichtraucherin \u2013 das macht es dem Chirurgen nat\u00fcrlich leichter.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der gro\u00dfe erste Schritt gelingt sehr gut. Nun kommt im zweiten das sogenannte Lipofilling, eine Eigenfett-Injektion ohne Blutgef\u00e4\u00dfe. Beier: \u201eDas ist technisch gesehen einfacher und hat auch weniger Komplikationen.\u201c Anderseits: \u201eMan muss aber auch etwas finden, das man absaugen kann, was bei Frau Tr\u00f6ster nicht so einfach war, sie ist halt sehr schlank, und man kann damit leider auch nicht das Volumen einer ganzen Brust rekonstruieren.. Aber ein bisschen was haben wir gefunden, um kleine Deformit\u00e4ten und Unebenheiten aufzuf\u00fcllen.\u201c Dann muss noch \u2013 jetzt kommen die \u00e4sthetischen Dimensionen mit Symmetrie als wichtigem Gebot \u2013 links und rechts angeglichen werden. Neuerliche Straffung der Gegenseite. Die links fehlende Brustwarze wird von rechts per Nipple-Sharing transplantiert, der Vorhof aus der Haut der Oberlider gestaltet. Ein ganzer K\u00f6rper, der potenziell als Ersatzteillager zur Verf\u00fcgung steht? Ja, aber es muss halt auch passen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bianka Tr\u00f6ster erlebt diese neuerlichen Operationen mit einer vertrauensvollen Vision: \u201eAus dem ganzen Negativen muss etwas Positives werden, um richtig gesund zu werden und es zu bleiben. Dazu geh\u00f6rt die Optik f\u00fcr mich dazu.\u201c F\u00fcr sie war von vornherein klar: \u201eDas wird. Deshalb bin ich so klar und bewusst da durchmarschiert.\u201c Nat\u00fcrlichkeit war allerdings eine wichtige Pr\u00e4misse: \u201eIch wollte ja nicht aussehen wie Dolly Buster\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am Abend des 3. November 2025 ist alles geschafft, alles vorbei. Der erste Blick von Bianka Tr\u00f6ster auf ihren K\u00f6rper: Gl\u00fcck ohne Worte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Rest ist chirurgische Nachsorge, Verbandswechsel, Wundkontrollen, anfangs noch Augentropfen f\u00fcr das Oberlid zur Befeuchtung, Schmerztherapie. Der letzte Arztbrief, aus dem auf Bianka Tr\u00f6sters ausdr\u00fcckliche Genehmigung zitiert werden darf, schlie\u00dft lakonisch: \u201eWir entlassen die Patientin am heutigen Tag mit in Abheilung befindlichen Wundverh\u00e4ltnissen in die ambulante Weiterbehandlung.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein kleines Sahneh\u00e4ubchen im Abspann: \u201eDer Fadenzug entf\u00e4llt bei Verwendung von resorbierbarem Nahtmaterial. Lediglich die Fadenknotenenden k\u00f6nnen ab dem 21.\u2005postoperativen Tag auf Hautniveau gek\u00fcrzt werden.\u201c In die Sonne gehen solle Tr\u00f6ster vorerst nicht, hei\u00dft es, um das Risiko f\u00fcr Pigmentst\u00f6rungen zu mindern. Es folgen Anweisungen f\u00fcr die Medikamente und die Thromboseprophylaxe \u201eunter regelm\u00e4\u00dfigen Blutbildkontrollen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bianka Tr\u00f6ster und Justus Beier erz\u00e4hlen das mit allen Details. Nichts wird verschwiegen, nichts besch\u00f6nigt. Nat\u00fcrlich war es ein langer, schwerer Weg \u2013 sechs Operationen, davon f\u00fcnf in Aachen. Aber jetzt kann Weihnachten kommen. In Raum 9 auf der sechsten Etage im A-Flur wirft das Fest, so empfindet es Tr\u00f6ster, seinen Schein voraus.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute w\u00fcrde Philosoph Bacon seinem Spruch vermutlich erg\u00e4nzen: Nicht nur die Dankbaren sind gl\u00fccklich, sondern auch diejenigen, die den Krebs \u00fcberleben. Bianka Tr\u00f6ster wird weiterhin keine Untersuchung vers\u00e4umen, damit ihr Kampf gegen den Krebs das bleibt, was er jetzt schon ist: ein Sieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eNicht die Gl\u00fccklichen sind dankbar. 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