{"id":69244,"date":"2025-04-28T23:48:09","date_gmt":"2025-04-28T23:48:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69244\/"},"modified":"2025-04-28T23:48:09","modified_gmt":"2025-04-28T23:48:09","slug":"der-meister-und-margarita-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69244\/","title":{"rendered":"Der Meister und Margarita (2024)"},"content":{"rendered":"<p><b>Inhalt \/ Kritik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eMeister\u201c (<strong>Jewgeni Zyganov<\/strong>) ist eine gefeierter Autor im Moskau der 1930er Jahre. Auf dem Theater wird gerade sein neues St\u00fcck \u00fcber das Leben Pontius Pilatus geprobt, als es zu einem Eklat kommt. Auf einmal ist nicht nur die Premiere abgesagt, auch die weiteren Proben sollen nicht mehr stattfinden. Im Schriftstellerverband wird dem \u201eMeister\u201c wegen des St\u00fccks der Prozess gemacht, da dessen Inhalt nicht im Sinne der Ideologie der Sowjetunion ist. Nicht bereit, irgendetwas zu \u00e4ndern, wird der \u201eMeister\u201c mehr und mehr zum Au\u00dfenseiter und schlie\u00dflich sogar vom Verband ausgeschlossen. Einziger Trost ist die Begegnung mit der sch\u00f6nen Margarita (<strong>Julija Snigir<\/strong>), die zu einer Geliebten wird und ihn motiviert, an einem neuen Roman zu arbeiten, in dem der \u201eMeister\u201c mit seinen Autorenkollegen und \u00fcberhaupt der sowjetischen Politik abrechnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit macht er Bekanntschaft mit dem geheimnisvollen Woland (<strong>August Diehl<\/strong>), einem Deutschen, der sich schon lange einmal das \u201esowjetische Experiment\u201c aus der N\u00e4he ansehen wollte. W\u00e4hrend der \u201eMeister\u201c an seinem Roman arbeitet, in dem auch Woland eine zentrale Rolle spielt, stiftet dieser indes Chaos unter der kulturellen Elite Moskaus. Es dauert nicht lange, bis der erste Kopf rollt, denn hinter dem Besucher steckt eine wahrhaft teuflische Wahrheit.<\/p>\n<p>Kunst und Ideologie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als <strong>Michail Bulgakows<\/strong> Roman Der Meister und Margarita 1966 posthum erschien, wurde die Geschichte schnell zu einem Bestseller. Viele Leser und Leserinnen konnten ganze Passagen des Romans auswendig vortragen, weil sie Bulgakows Roman so oft und intensiv gelesen hatten. Die Mischung aus Drama, Satire und Fantasy scheint eigentlich unverfilmbar, dennoch folgten viele Versuche, den Roman zu adaptieren. <strong>Aleksandar Petrovics <\/strong>Verfilmung von 1972 mit <strong>Ugo Tognazzi <\/strong>und <strong>Mimsy Farmer<\/strong> in den Hauptrollen gilt als eine der bekanntesten. Nun kommt mit <strong>Michail Lockshins<\/strong> Der Meister und Margarita\u00a0eine neue Adaption in die deutschen Kinos, nachdem diese bereits sehr erfolgreich in den russischen Kinos sowie auf Filmfestivals lief. Dank moderner Technik sowie eines entsprechenden Budgets gelingt es dieser Verfilmung, die Fantasy-Elemente des Romans zu inszenieren. Zugleich wird die Aktualit\u00e4t der Geschichte betont, in der es um die pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t angesichts eines autorit\u00e4ren Systems geht sowie die Verantwortung der Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer problematisch, wenn sich Kunst als Erf\u00fcllungsgehilfe eines politischen Systems versteht. Sonnte sich der \u201eMeister\u201c noch vor ein paar Tagen in der Sicherheit seiner Popularit\u00e4t und seines Status innerhalb seiner Kollegen, wird ihm wegen seines Theaterst\u00fccks der Prozess gemacht. Lockschin zeigt diesen Schauprozess, wie auch viele andere Momente der Geschichte, als eine Mischung aus Satire und Trag\u00f6die. Die systemkonformen Parolen und Haltungen, die die Autoren, Kritiker und Poeten herunterbeten werden mehr und mehr zu einer Karikatur, die in einem peinlichen Spontanvortrag eines \u201eDichters\u201c m\u00fcnden. Hinter der unbewegten Mine des \u201eMeisters\u201c bemerken wir die beginnende Ersch\u00f6pfung und den Zynismus eines Menschen, der zu einem Au\u00dfenseiter deklassiert werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die daran ankn\u00fcpfenden Prozesse der Ausgliederung und Distanzierung entlarven die Ideologie als autorit\u00e4r und kunstfeindlich, was der \u201eMeister\u201c in seinem Roman als gro\u00dfes Satire und gesellschaftliches Panorama darstellen will. Der B\u00fchne, die wir gleich zu Beginn des Filmes sehen, bleibt Lockshin stets treu, narrativ wie auch \u00e4sthetisch, wenn er die menschliche Trag\u00f6die und Kom\u00f6die zugleich zeigt, so wie es Bulgakow im Sinn hatte. Moskau wird zu einer riesigen, eindrucksvollen B\u00fchne, auf der sich die Kunst und die Ideologie genauso entlarvt wie die Lebensl\u00fcgen der (Pseudo-)Intellektuellen.<\/p>\n<p>Neue Menschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bulgakows Roman kann als eine Art Neuinterpretation des Faust-Mythos gesehen werden. Nicht nur die sehr ans Theater angelehnte Inszenierung von Lockshins Adaption ist ein Indiz daf\u00fcr, sondern auch die schauspielerischen Leistungen. August Diehl hat eine geradezu diebische Freude daran, den Teufel in Menschengestalt zu spielen. Die Szene am Patriarchenteich, ein H\u00f6hepunkt im Roman, wird in der Verfilmung zu einer unterhaltsam-unheimlichen Entlarvung der Lebensl\u00fcgen und theoretischen Fallstricke der Intellektuellen, die Woland gen\u00fcsslich aufzeigt. Auftreten und Sprachrhythmus machen diese Interpretation der Figur zu einer der besten, weil Diehl sowohl das Diabolische als auch das Verf\u00fchrerische Wolands betont.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jewgeni Zyganow und Julija Snigir als \u201eMeister und Margarita\u201c sind als Liebespaar \u00fcberzeugend sowie von dem System Frustrierte, die den Ausweg in der Fantasie suchen oder in der privaten Utopie ihrer Beziehung. Lockshins Inszenierung und das von ihm sowie <strong>Roman Kantor<\/strong> geschriebene Drehbuch betonen die Konflikte dieser Figuren, die sich zwischen k\u00fcnstlerischer Integrit\u00e4t, gesellschaftlicher Verantwortung und privatem Gl\u00fcck entscheiden m\u00fcssen. Der Teufel bleibt dabei der Rolle als \u201eTeil jener Kraft, die stets B\u00f6ses will und das Gute schafft\u201c treu.<\/p>\n<p><b>Credits<\/b><\/p>\n<p><strong>OT:<\/strong> \u201eDer Meister und Margarita\u201c<br \/><strong>Land:<\/strong> Kroatien, Russland<br \/><strong>Jahr:<\/strong> 2024<br \/><strong>Regie:<\/strong> Michael Lockshin<br \/><strong>Drehbuch:<\/strong> Michael Lockshin, Roman Kantor<br \/><strong>Vorlage:<\/strong> Michail Bulgakow<br \/><strong>Musik:<\/strong> Anna Dubritsch<br \/><strong>Kamera:<\/strong> Maxim Schukow<br \/><strong>Besetzung:<\/strong> August Diehl, Jewgeni Zyganow, Julija Snigir, Claes Bang, Alexei Rosin, Polina Aug<\/p>\n<p><b>Kaufen \/ Streamen<\/b><\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf \u00fcber diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass f\u00fcr euch Mehrkosten entstehen. 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