{"id":692478,"date":"2026-01-04T11:49:11","date_gmt":"2026-01-04T11:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692478\/"},"modified":"2026-01-04T11:49:11","modified_gmt":"2026-01-04T11:49:11","slug":"sparen-in-stuttgart-stimmung-ist-unterirdisch-beschaeftigte-sind-enttaeuscht-vom-arbeitgeber-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692478\/","title":{"rendered":"Sparen in Stuttgart: \u201eStimmung ist unterirdisch\u201c \u2013 Besch\u00e4ftigte sind entt\u00e4uscht vom Arbeitgeber Stadt"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich wurde in ihrem Team gefragt, ob sie k\u00fcnftig drei Stunden mehr pro Woche arbeiten k\u00f6nnten. \u201eF\u00fcr mich kommt das nicht in Frage, ich bin mit meinen 39 Stunden am Limit\u201c, sagt Melanie Weber (Name ge\u00e4ndert). Sie arbeitet als Sachbearbeiterin im Amt f\u00fcr Umweltschutz in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. Und weil die Stadt Stuttgart einen Besetzungsstopp verh\u00e4ngt hat und laufende Stellenausschreibungen gestoppt wurden, m\u00fcssen nun die Aufgaben auf den Schultern verteilt werden, die eben da sind. Das bedeute vor allem in kleineren Teams Mehrarbeit, sagt Weber.<\/p>\n<p>Manche werden gezwungen sein, die drei Stunden mehr pro Woche zu arbeiten \u2013 auch wenn sie das eigentlich nicht wollen. Denn die sogenannte Stuttgart-Zulage, also das Zusatzgeld zum normalen Tarifgehalt f\u00fcr alle st\u00e4dtischen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Mitarbeiter\" title=\"Mitarbeiter\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mitarbeiter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-doppelhaushalt-2026-27-die-40-interessantesten-beschluesse-was-wurde-bewilligt-was-abgelehnt.a67930fe-cc2b-4b2c-a98f-d34e65767c6a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">wird reduziert von 150 Euro auf 70 Euro<\/a>. Das stelle manche vor ein echtes Problem, wei\u00df Melanie Weber: \u201eEinige haben das auch f\u00fcr Kredite eingeplant.\u201c Zudem merkten die Mitarbeitenden nun, dass sie sich auf ihren Arbeitgeber nicht recht verlassen k\u00f6nnten, denn ihnen wurde die Zulage versprochen bis 2028. \u201eDas finden viele sehr unfair.\u201c <\/p>\n<p>Das Jobticket gibt es nicht mehr umsonst <\/p>\n<p>Mit der 2024 eingef\u00fchrten Stuttgart-Zulage sollten Fachkr\u00e4fte gewonnen werden und die h\u00f6heren Wohn- und Lebenshaltungskosten in Stuttgart ber\u00fccksichtigt werden. Das ist nun Geschichte. Auch bei den Tickets f\u00fcr den Nahverkehr wird gespart; st\u00e4dtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen nur noch 50 Prozent bezahlt \u2013 w\u00e4hrend zuletzt das Jobticket komplett kostenfrei war. Hinter all diesen Ma\u00dfnahmen stecken die massiven Einsparungen, die die Stadt Stuttgart vornehmen muss. <\/p>\n<p>Ein anderer Mitarbeiter der Stadt Stuttgart, er ist t\u00e4tig im Amt f\u00fcr Digitalisierung und IT, sagt ganz deutlich: \u201eDer Gro\u00dfteil in einer Verwaltung verdient eher wenig <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Geld\" title=\"Geld\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geld<\/a>; da spielt die H\u00f6he der Zulage eine echte Rolle.\u201c So kenne er Kollegen, die weit au\u00dferhalb Stuttgarts wohnten, weil sich diese die Preise in der Stadt nicht leisten k\u00f6nnen, \u201ef\u00fcr die ist es ein harter Schlag\u201c. Und auch f\u00fcr diejenigen, die nicht auf das Geld angewiesen seien, sei die Zulage eine Anerkennung f\u00fcr deren Arbeit \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.haushaltskrise-in-stuttgart-stadt-senkt-zulage-noch-weiter-ab-stuttgart-21-hilft-dem-etat.d3e65f77-b7f9-4408-8719-1662f0655f66.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die nun eben geringer werde<\/a>. <\/p>\n<p>\u201eDie Stimmung ist schon l\u00e4nger schlecht, jetzt ist sie unterirdisch\u201c, sagt er. Das liege zum einen an den Sparma\u00dfnahmen und dass immer mehr Kollegen spontan auf andere Positionen versetzt w\u00fcrden, weil dort mehr Bedarf sei. Zum anderen seien viele Verwaltungsangestellte tats\u00e4chlich am Gemeinwohl orientiert. Aber sie bek\u00e4men zunehmend den Eindruck: Je weiter oben die Mitarbeiter in der Hierarchie der Stadt Stuttgart stehen, desto eher ist f\u00fcr deren Herzensprojekt eben doch Geld da \u2013 trotz aller Sparzw\u00e4nge. \u201eWenn in Prestigeprojekte viel Geld gesteckt wird, w\u00e4hrend in Schulen der Putz von den W\u00e4nden br\u00f6ckelt, ist das schwer zu ertragen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Leute haben sich auf die 150 Euro verlassen\u201c <\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt Tomas Brause, der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Stadt: \u201eVor allem die unteren Lohngruppen \u2013 etwa Friedhofsg\u00e4rtner oder M\u00fcllwerker \u2013 trifft die Reduzierung der Stuttgart-Zulage stark.\u201c Er wisse von mehreren Mitarbeitenden, die sich ein Leben in Stuttgart nur leisten konnten, weil sie zus\u00e4tzlich einen zweiten Job machten. Die 150 Euro zus\u00e4tzlich h\u00e4tten die Situation f\u00fcr diese Menschen entsch\u00e4rft. \u201eDie Leute haben sich darauf verlassen.\u201c<\/p>\n<p>Dass das Jobticket k\u00fcnftig nicht mehr kostenfrei sei, sondern die Mitarbeitenden 50 Prozent selbst bezahlen m\u00fcssten, bezeichnet er als \u201egewaltigen R\u00fcckschritt in Sachen Klima und Vorbildcharakter f\u00fcr andere\u201c. Mehr als 84 Prozent der Mitarbeiter h\u00e4tten das Jobticket in Anspruch genommen, andere Arbeitgeber h\u00e4tten sich an dem Stuttgarter Modell orientiert. Dass daran nun gespart werde, versteht er nicht, \u201edenn eigentlich ist das ja: rechte Tasche, linke Tasche\u201c. Alles, was die Stadt Stuttgart daf\u00fcr ausgebe, m\u00fcsse man schon den SSB nicht mehr subventionieren, argumentiert er. <\/p>\n<p> Stuttgart-Sign statt Fortbildungen <\/p>\n<p>Er rechnet vor, dass auch die K\u00fcrzung um 20 Prozent f\u00fcr Aus- und Fortbildungen von Mitarbeitern nicht n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, wenn man auf das Stuttgart-Sign verzichtet h\u00e4tte. Das ist der gro\u00dfe, beleuchtete Stuttgart-Schriftzug, der auf dem Marktplatz aufgestellt und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-sign-beschlossen-schnapsidee-halbe-million-euro-fuer-touristisches-fotomotiv.d2e138e2-22f6-4b8f-819e-093816b2e408.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ein touristisches Fotomotiv werden soll<\/a>. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.86205843-d8ac-4208-a249-ef547e746719.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Gemeinderat hat den Sparhaushalt beschlossen.    Foto: Lichtgut    <\/p>\n<p>Tomas Brause h\u00e4tte eine Beibehaltung der Aus- und Fortbildungskosten f\u00fcr Mitarbeiter f\u00fcr sinnvoller gehalten: \u201eAngesichts der Digitalisierung gilt: Wenn eine Fachkraft drei bis vier Jahre lang nicht mehr auf eine Fortbildung geht, ist die Person keine Fachkraft mehr.\u201c<\/p>\n<p>Und wie geht es nun weiter? Tomas Brause gibt sich trotz allem zuversichtlich. Er rechnet damit, dass die Gewerbesteuereinnahmen in drei bis vier Jahren wieder steigen werden, weil die ans\u00e4ssigen Firmen \u201einnovativ genug seien, um sich schnell zu erholen \u2013 \u00e4hnlich wie nach Corona\u201c. Gespannt sei er, wie die Stadt Stuttgart in den kommenden Jahren ein attraktiver Arbeitgeber sein wolle. \u201eDie R\u00fcckschritte werden uns hart treffen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00fcrzlich wurde in ihrem Team gefragt, ob sie k\u00fcnftig drei Stunden mehr pro Woche arbeiten k\u00f6nnten. \u201eF\u00fcr mich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":692479,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,666,30,1109,66113,6400,1074,1441,85897],"class_list":["post-692478","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-geld","tag-germany","tag-haushalt","tag-jobticket","tag-mitarbeiter","tag-sparen","tag-stuttgart","tag-textmanager"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115836679970451079","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=692478"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692478\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/692479"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=692478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=692478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=692478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}